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Lockenhaus (ungarisch Léka) ist eine Marktgemeinde im
Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich und befindet sich im
Mittelburgenland an der Grenze zu Ungarn am Fluss Güns, rund 15
Kilometer südwestlich von Oberpullendorf. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Burg Lockenhaus, Pfarrkirche Lockenhaus und die Kalvarienberganlage.
Die römisch-katholische Pfarrkirche Lockenhaus steht in der
Marktgemeinde Lockenhaus im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Die
den Heiligen Nikolaus von Myra und Nikolaus von Tolentino geweihte
Pfarrkirche und Wallfahrtskirche steht baulich mit dem ehemaligen
Augustiner-Eremiten-Kloster verbunden weithin sichtbar etwas erhöht am
Hauptplatz der Marktgemeinde. Die römisch-katholische Pfarrkirche
Lockenhaus wurde 1656 bis 1669 vom
italienischen Baumeister Pietro Orsolini erbaut. Seit 2003 befindet
sich hier die größte Kirchenorgel des Burgenlandes.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Juli 1656. Die frühbarocke Kirche
hat einen Grundriss eines langgestreckten Griechischen Kreuz mit einem
untypischen großen zentralen Raum. An den Ecken des Kreuzes befinden
sich in der eingezogenen Schräge vier halbrunde Nischenkapellen, welche
nördlich sichtbar an der Fassade hervortreten, und südlich in der
Klostermauer nicht sichtbar verbaut sind. Der Chor einen geraden
Schluss. Dahinter steht die quer gestellte Sakristei. Eine breite
Freitreppe führt zur dreigeschoßigen Giebelfassade mit zwei steinernen
Nischenfiguren und dem Doppelwappen Nádasdy-Esterházy. Südlich ist ein
viergeschoßiger Turm mit Zwiebelhelm angebaut. Überwölbt ist die Kirche
im Emporenjoch und Chorjoch mit Tonnen mit Stichkappen, zur Mitte bei
den Nischenkapellen steigt das Tonnengewölbe auf, und im Mitteljoch ist
ein Kreuzgratgewölbe. Im Mitteljoch gibt es kurze Querarme mit
Schildbogen. Das Kirchenschiff hat ein mächtiges profiertes verkröpftes
Hauptgesims. Die ionischen Pilasterkapitelle haben Stuckdekor.

Nach dem Hochaltar fällt der an der linken Wand im Schiff stehende Marienaltar
durch seine reiche barocke Stuckdekoration aus Akanthusranken,
Blütengirlanden und Putten, die die ganze Wand bis zum Gewölbe bedeckt,
besonders auf. Teile der Stuckverzierung, etwa unter dem Fenster,
entstanden bereits um 1700, die mittlere Zone um das Altarbild wurde im
19. Jh. ergänzt. Das Altarblatt stammt aus dem Jahr 1913 undstellt
Maria auf einer Wolke als Magna Mater Hungariae dar, in würdevoller
Haltung, bekleidet mit dem ungarischen Krönungsornat, als Siegerin über
die Türken. Ursprünglich war dieser Altar dem hl. Augustinus geweiht,
aber schon 1756 wird er als Marienaltar bezeichnet.


Gegenüber dem Marienaltar steht der Kreuzaltar,
eine durch die Verwendung von plastischen und malerischen Elementen
sehr realistische Golgathadarstellung. Unter dem Kreuz Christi Maria,
Maria Magdalena (mit langen Haaren) und Johannes, der Lieblingsjünger.
Die drei Kreuze sind eine Südtiroler Arbeit aus dem 18. Jahrhundert.
Das Hl. Grab wurde anlässlich der Generalrenovierung 1913 errichtet.
Von damals stammt auch die Darstellung der Stadt Jerusalem auf der
Hintergrundwand.

Der Hochaltar aus 1656 bildet einen frontalen dreigeschoßigen Aufbau
über die ganze Chorwand. Das mittige Altarbild zeigt die Heiligen
Nikolaus von Bari und Nikolaus von Tolentino, gemalt von Georg Kéry
(1675). Über den Opfergangsportalen stehen die Figuren der Heiligen
Augustinus von Hippo und Thomas von Villanova jeweils zwischen
korinthischen Säulen. Über dem Gesims stehen die Figuren der heiligen
Könige Stephan und Ladislaus und Engel. Auf dem Aufsatz stehen die
Figuren Barbara, Katharina und Elisabeth und das Doppelwappen
Nádasdy-Esterházy. Vergoldete Zierate sind Zutaten des Rokoko. Der
freistehende Tabernakel mit dem Gnadenbild Mutter vom guten Rat mit
Engelsfiguren ist aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts.
Die linke der beiden Bischofsfiguren stellt den hl. Augustinus, den
Ordensvater der Augustiner-Eremiten dar, die rechte den hl. Thomas von
Villanova, ein Ordensmitglied. Er war Bischof von Valencia in Spanien,
führte ein asketisches Leben und widmete sich hingebungsvoll den Armen
und Kranken. In Valencia starb er 1555. Seine Heiligsprechung 1658
fällt in die Bauzeit der Kirche. Über dem freistehenden Tabernakel
steht das Gnadenbild von Lockenhaus, „Maria vom guten Rat“ oder
„Madonna mit dem Regenbogen“. Die Verehrung Mariens als Mutter vom
guten Rat wurde besonders von den Augustiner-Eremiten gefördert und
verbreitet. Ein gleiches Bild befindet sich in dem bekannten
Wallfahrtsort Genazzano in der Nähe Roms. Dieser Ort wurde seit 1356
von den Augustinern betreut. Seit 1467 sind Wallfahrten zu diesem
mittelalterlichen Gnadenbild dokumentiert. In der Lockenhauser Kirche
gibt es drei Mariendarstellungen, neben diesem Bild noch zwei Altäre,
was ebenfalls darauf hindeutet, dass die Marienverehrung bei den
Augustinern, wie im 17. und 18. Jahrhundert allgemein üblich, sehr
intensiv war.

Renaissance, Barock und Rokoko schwebte das hier realisierte Ideal des
Einheitsraumes vor. Durch Abschrägung der Ecken wurde der an sich
rechteckige Raum zentralisiert, ist ein unregelmäßiges Achteck mit
größeren und kleineren Seiten gebildet worden, das den Eindruckeines
Ovals entstehen ließ. Die Wände bewegen sich im Wechsel von geraden und
schrägen Flächen und sind durch korinthische Pilaster rhythmisiert.
Dieses rhythmisch bewegte Oval wird besonders akzentuiert durch das
stark hervortretende, mehrfach abgestufte Gesims. Außer der Längs-
wurde auch die Querachse betont: man kannsie als eingeschobenes
Rechteck verstehen. Die Wand- und Deckenmalerei stammt aus dem Jahr
1913, von der ursprünglichen Ausgestaltung ist leider nichts mehr
erhalten. Die beiden großen Gemälde stellen Einblicke in den Himmel
dar, östlich das Elysium, westlich den Sturz der Verdammten. Auffallend
ist, dass relativ wenig Licht in den Innenraum fällt. Das rechtfertigt
die unter Pfarrer Herowitsch eingebaute indirekte Beleuchtung, die das
Raumerlebnis voll zur Wirkung kommen lässt.

Die Kanzel aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts trägt am Korb die
Sitzfiguren Moses und Johannes der Täufer und als Relief Jonas und der
Walfisch. An der Rückwand ist das Relief Sämann. Auf dem Schalldeckel
sind drei Frauenfiguren Glaube Liebe Hoffnung und reiche
Rokoko-Ornamentik. Die schwarzen Seitenaltäre mit akanthusgeschmücktem
Aufsatz in den östlichen Nischen tragen links zwei weiblichen
Heiligenfiguren um 1660, und rechts die Figuren Joachim und Anna um
1675. Die Seitenaltäre in den westlichen Nischen zeigt links das Ölbild
Donatus aus 1723 und Figuren von Ordensheiligen und oben eine
plastische Ölberggruppe, und rechts die Figuren Georg und Florian mit
dem Altarbild Johannes Nepomuk.

Im Jahre 2003 erhielt die Pfarrkirche mit der Stifterin Gräfin
Elisabeth von Enzenberg-Esterházy (1931–2009) eine von Rieger Orgelbau
gebaute neue Orgel mit 35 Registern auf zwei Manualen und Pedal.

Unter der Empore rechts ist der Abgang zur Grablege der Familien
Nádasdy und Draskovich in der Unterkirche, gemeinsam mit den
Grabstätten der ehemaligen Augustiner-Eremiten. Unter den hier
bestatteten Familienmitgliedern ist besonders Franz III. Nádasdy
hervorzuheben. Der niedrige dreischiffige Raum hat ein Kreuzgratgewölbe
und zeigt im Chor die Wandmalerei Totentanz aus 1772. Der Altar zeigt
ein Bild aus 1704 der wundertätigen Maria nach der Brunnen-Legende.

Die Familie Nádasdy hatte ihre Gruft ursprünglich in der Burg unter der
Kapelle. Mit dem Bau von Kirche und Kloster wurde die Gruft unter die
Kirche verlegt. Sie ist genau so groß wie die Kirche ohne Sakristei.
Der Abstieg in die Gruft liegt rechter Hand nach dem Eingang in die
Kirche. Beigesetzt sind 20 Mitglieder der Familie Nádasdy, 14
Mitglieder der Familie Draskovich, Patres der Augustiner und Laien.
Davon sind acht Sarkophage zu sehen. Graf Nádasdy wurde, weil er sich
einer Verschwörung gegen Kaiser Leopold I. angeschlossen hatte, 1671 in
Wien hingerichtet.
Sarkophag v. Franz Nádasdy und seiner Gemahlin Juliane

In der Gruft befindet sich ein schlichter Altar. Die darauf stehende
Figur der schwarzen Muttergottes wird besonders verehrt. Sie ist eine
Halbfigur aus Lindenholz und stammt aus dem 17. Jh. Entstehung und
Herkunft dieser einzigartigen Statue liegen im Dunkeln. Sie stand
ursprünglich in der Kapelle der Burg Apatto, wurde von Ungläubigen in
einen Brunnen geworfen und ist durch Lichtzeichen auf dem Grund des
Brunnens bemerkt worden. Der Sohn des Kirchenstifters, Franz, erwarb
die Statue um 1704 und ließ sie auf dem Altar in der Familiengruft
aufstellen.

Pestsäule errichtet 1719

Burg und Marktgemeinde Lockenhaus – das Marktrecht wurde 1492 verliehen
– erlebten ihren größten Aufschwung unter Franz III. Nádasdy
(1622-1671). Er war Obergespan von Eisenburg, königlicher Rat,
Obersthofmeister und seit 1664 Landesrichter. Er heiratete Anna Julia
Esterházy, die Tochter des Palatins Nikolaus Esterházy.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus in Lockenhaus

Die Geschichte der Burg Lockenhaus
Die Burg wurde um das Jahr 1200 über dem Tal der Güns erbaut und trug
anfangs den Namen Leuca. Ab dem Jahre 1270 gehört sie den Grafen von
Güssing, wechselt zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert oft ihre
Besitzer und wird 1636 unter Franz Nádasdy um den Anbau der Unteren
Burg" (auch Äußeres Schloss" genannt) erweitert. 1676 geht die Burg in
den Besitz der Fürsten Esterházy über. Der Burgberg ist von einer
Ringmauer umgeben, die größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert
stammt. Beim Anstieg gelangt man zuerst auf die „Untere Burg", mit
prunkvollen Räumen und wuchtigen Gewölben.

Die imposante Burg weist als einzige Burg Österreichs noch das Bild
einer echten Ritterburg auf. Romanische und gotische Bauweise,
zierliche Säulenfenster, Fresken, unterirdische Apsidenhalle und
weitere Details aus dem 13. Jahrhundert zeugen von hochentwickeltem
Kunstempfinden.

Burg Lockenhaus, eingebettet in die bewaldeten Hügel des Naturparks
Geschriebenstein, zählt zu den faszinierendsten Wehranlagen
Österreichs. Sie ist ein Ort, an dem sich mittelalterliche Geschichte,
schaurige Legenden und hochkulturelle Gegenwart auf eindrucksvolle
Weise vereinen.

Die Burg wird oft mit dem Geheimbund der Tempelritter in Verbindung
gebracht – ihre Architektur, die alten Mauerreste und unterirdischen
Gewölbe geben bis heute Anlass zu Spekulationen. Besucher können auf
thematischen Führungen in die Welt der Ritter und mittelalterlichen
Mysterien eintauchen. Ebenso untrennbar mit Lockenhaus verbunden ist
die düstere Gestalt der Blutgräfin Erzsébet Báthory. Ihre Legende
inspirierte viele Mythen rund um den Vampirglauben und gilt als
historisches Vorbild für Figuren wie Gräfin Dracula.
Über den romanischen Stiegenaufgang gelangt man in den mittleren Burghof, kurz darauf in die „Obere Burg" (Hochburg).

Trinkstube

Templer Ausstellung

Auch der Eingang in den unterirdischen Apsidenraum (Kultraum) befindet
sich hier. Über den Zweck dieses Raumes sind auch die Wissenschaftler
bis heute uneinig. Der mittelalterliche Raum besitzt zwei frühgotische
Apsiden und eine Lichtöffnung an der Decke, Möglicherweise diente er
als Gefängnis oder als Schatzkammer, vielleicht auch als Unterkirche
oder als Kultraum. Interessant erscheint, dass die Längsachse des
Raumes im Widerspruch zu den anderen Burgräumen steht. In letzter Zeit
hat sich die Annahme verschärft, dass sich hier im 14. Jahrhundert ein
geheimer Kultraum der Tempelritter befand. Zwei eingemeißelte
Kreuzembleme lassen auf eine Verbindung zum Johanniterorden schließen.
Die Burgsage berichtet von hier lebenden Tempelrittern.

Graf Paul Esterhazy erwarb die Herrschaften Lockenhaus, Deutschkreutz
und Klostermarienberg am 27. Jänner 1676 von der Königlich Ungarischen
Kammer in Preßburg um 200.000 Gulden. Die Burg Lockenhaus verblieb
damit von 1676-1968, also 292 Jahre, im Besitze der Familie Esterhazy.
Die Familie Esterhazy gehört zu den angesehensten und wohlhabendsten
Magnatenfamilien Ungarns. Sie stammt, ebenso wie die Familie Illeshazy,
vom Stamme Salomon ab, der, wie aus Urkunden hervorgeht, schon im 12.
Jahrhundert auf der Donauinsel Schütt begütert war.
GRAF (FÜRST) PAUL I. ESTERHAZY
Paul I., Esterhazy, ist am 8. September 1635 in Eisenstadt geboren. Er
war mit Elisabeth Thurzo seit 1638 vermählt gewesen, die er mit
päpstlichem Dispens zur Frau nehmen durfte und diese brachte, als
letztes Glied ihrer Familie, das ganze Thurzoische Vermögen in die Ehe
mit. 1676 hatte Paul I. durch Kauf die Herrschaften Lockenhaus,
Deutschkreutz und Klostermarienberg erworben. 1680 führte er das
Kloster Marienberg wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu.
1687 wurde Graf Esterhazy, der einzige bedeutende Magnat, der sich
uneingeschränkt zum Hause Habsburg und zum größeren Gedanken vom
christlichen Abnendlande bekannt hatte, in den deutschen
Reichsfürstenstand erhoben. Paul Esterhazy hatte als einziger jenes
Beispiel gegeben, das Kaiser Leopold von allen Ständen Ungarns erwartet
hatte. Seither führten die Esterhazy das große Wappen mit dem „L" im
Schilde, die Initiale Kaiser Leopolds.
Erst nach 1700, als die riesigen Schäden durch die Türkenkriege in den
Besitzungen des Fürsten einigermaßen behoben waren, konnte Paul
Esterhazy Gelder für die Errichtung des Kalvarienberges in Eisenstadt
und den Wiederaufbau der Wallfahrtskirchen in Frauenkirchen und Loretto
flüssig machen lassen, die von den Türken 1683 wieder zerstört worden
waren.

Paul I., Esterhazy, Graf und Fürst zu Galantha, ewiger Graf zu
Forchtenstein, ist am 26. März 1713 im Alter von 78 Jahren in
Eisenstadt an der Pest gestorben und wurde in der Familiengruft im
Franziskanerkloster in Eisenstadt beigesetzt. Fürst Paul Esterhazy war
in erster Ehe mit Orsika (Ursula) Esterhazy und in zweiter Ehe mit Eva
Tököly, der jüngeren Schwester des Kuruzzenkönigs, vermählt. Beiden
Ehen entsprossen 25 Kinder. Schon acht Jahre nach seinem Tode trat die
durch ihn testamentarisch verfügte Erbfolge in Kraft, da der
zweitälteste Sohn Gabriel bereits 1704 ohne nachfolgeberechtigte Erben
gestorben war und am 24. März 1721 Fürst Michael ohne männliche
Deszendenz starb. Das Haupt des Hauses war nun der drittälteste, Josef,
unter dem abermals sämtliche Güter vereinigt, wurden. Als einige Monate
später Josef seinen Brüdern ins Grab nachfolgte, übernahm dessen
ältester Sohn, Paul Anton (1721-1762) als Majoratsherr die ausgedehnten
Familienbesitzungen.
FÜRST PAUL IV. ESTERHAZY
Fürst Paul IV. (1843-1898), wurde 1864 Attache bei der englischen
Gesandtschaft und 1866 nach Rom beordert. 1871 wurde er Obergespan von
Wieselburg und 1872 von Ödenburg. 1881 wurde Fürst Paul IV. zum
wirklichen Geheimrat Franz Josephs bestellt. Nikolaus IV. war jener
Esterhazy, der wieder seine Vorliebe für die Burg Lockenhaus entdeckte.
Ab 1868 hielt er sich jeden Sommer auf der Burg auf. Er tat auch
manches für die Verbesserung des Gemeindewesens im Markt Lockenhaus.
Die Mädchenschule, der neue Pfarrhof und der Gendarmerieposten wurden
unter ihm errichtet. Das untere (neuere) Schloß wurde unter ihm
restauriert und zum Museum eingerichtet und 1881 hat er in der Nähe des
Geschriebensteines das fürstliche Jagdschloß erbauen lassen. Das
zurückgezogene Leben, das Nikolaus IV. und Paul IV. geführt hatten,
ermöglichte es ihm, die vom Zahn der Zeit arg mitgenommenen Burgen, die
längst ihre Wehrhaftigkeit eingebüßt hatten, instand zu setzen. Unter
Nikolaus V. konnte der Sequester über das Familienvermögen endlich
wieder aufgehoben werden.

FÜRST NIKOLAUS V. ESTERHAZY
Nikolaus V., Fürst, ist am 5. Juli 1869 in Wien geboren. Er studierte
Jura, wurde Doktor der Staatswissenschaften und leistete seinen
Militärdienst als Husarenoberleutnant. Nach dem Tode seines Vaters, der
am 28. August 1898 auf der Burg Lockenhaus verstorben ist, heira-tete
er in Ofen die Gräfin Maria Cziraky, die ihm fünf Kinder gebar. Auch er
hielt sich in den ersten Jahren seiner Ehe jeden Sommer mit seiner
Gemahlin auf der Burg Lockenhaus auf und ließ die Hochburg, in der Zeit
von 1902-1906 restaurieren. Er beauftragte den Kunst -Architekten
Stephan Möller aus Budapest, den Rittersaal, Bergfried und Torturm
sowie die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapelle und die Basteien
stilgerecht auszubessern. Schon im ersten Jahr, 1902, liefen für die
Ausbesserungsarbeiten Kosten von 23.000 Kronen auf. Viele Steingewände
in der Hochburg, die herausgefallen waren, wurden wieder eingesetzt und
Fehlendes aus dem Steinbruch St. Margarethen ergänzt. Türstöcke wurden
neu eingesetzt, Fußböden erneuert und vor allem die ausgedehnten Dächer
instandgesetzt und so dem weiteren Verfall, der zu dieser Zeit schon
weit fortgeschritten gewesen war, Einhalt geboten. Stephan Möller hat
auch die über dem Kapitelsaal befindlichen Räume eliminiert, so daß
sich diese einstigen Räume jetzt als riesige Halle darbieten. 1906
wurden die Restaurierungsarbeiten zwar wegen der beträchtlichen Kosten
eingestellt, aber der Baubestand der Hochburg war doch auf lange, wenn
nicht für Jahrhunderte gesichert. 1957 erhielt der Pallas der Hochburg
ein stilgerechtes neues Dach. Nikolaus V. hat also unsere Zeit das
Überdauern der Hochburg zu verdanken. Nach 1905 wählte dieser aber, auf
Wunsch seiner Gemahlin, Esterhaza zur Sommerresidenz, weil die
Lockenhauser Wohnung, trotz der Instandsetzungsarbeiten, für den
fürstlichen Haushalt und den Empfang und die Unterbringung der vielen
Gäste zu klein geworden war. Seit dieser Zeit aber begann die Vor- oder
Unterburg, in der nur mehr einige Räume als Museum dienten,
bedeutungslos zu werden.
Vom mittleren Burghof aus ist die alte Burgküche (Rauchkuchl)
zugänglich. Hier ist noch die riesige Herdstelle aus der Mitte des 16.
Jahrhunderts zu sehen. Man beachte auch den riesigen Rauchschlot.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus in Lockenhaus

Husarenstube

Bergfried

Oberer Burghof

Folterkammer, Eiserne Jungfrau

Folterkammer, Schandgeige

Franz II. Nádasdy (1555-1604), der Ehemann der Blutgräfin, stammte aus
einer der reichsten Adelsfamilien Ungarns. Später schlug er eine
militärische Laufbahn ein, kämpfte gegen die Türken und brachte es bis
zum Rang eines Generals.

Elisabeth Báthory (1560-1614), auch bekannt als Blutgräfin, da sie der
Legende nach im Blut ihrer Opfer gebadet haben soll, um ewige Jugend
und Schönheit zu erlangen. Elisabeth entstammte einer der mächtigsten
Adelsfamilien Europas: Ihr Onkel war König von Polen, ihr Bruder der
Fürst von Transsylvanien.

In der Burg Čičava (Slowakei) fand 1571 Elisabeths Verlobung mit Franz
II. Nádasdy statt. Elisabeth war elf Jahre alt, Franz 15 Jahre. Damals
wurden Kinder oft aus wirtschaftlichen Interessen in jungen Jahren
verlobt. Auf Schloss Varannó (heute: Vranov nad Topľou, Slowakei)
heirateten Elisabeth und Franz am 8. Mai 1575 im Alter von 15 bzw. 19
Jahren. Heute steht an der Stelle des Schlosses ein Gymnasium. Nach der
Hochzeit zogen Elisabeth und Franz ins Schloss Sárvár (Ungarn), dem
Stammsitz der Nádasdy. Da Franz etwa neun Monate im Jahr gegen die
Türken ins Feld zog, übernahm Elisabeth selbst die Verwaltung des
Schlosses. Bei den kleinsten Vergehen bestrafte sie ihre Dienerinnen
auf grausame Weise, später brachte sie die Mädchen um.
Im Laufe von etwa 20 Jahren brachten die Blutgrafin und ihre Komplizen
650 Dienstmädchen um. Die Geschichte, Elisabeth habe im Blut der
Jungfrauen gebadet, ist dagegen eine Legende, die über 100 Jahre nach
ihrem Tod entstand. Elisabeth war ungeheuer reich. Sogar Kaiser Rudolf
II. schuldete ihr Geld. In Wien besaß sie ein Haus (1. Bezirk,
Lobkowitzplatz/Augustinerg.), wo die Mönche des gegenüberliegenden
Klosters Blumentöpfe gegen die Fenster warfen, wenn sie das Geschrei
der gequälten Mädchen hörten. Georg Thurzó (1567-1616), höchster
Richter und Vizekönig von Ungarn, war mit der Blutgräfin entfernt
verwandt und zögerte lange, sie zu verhaften. Schließlich schmiedete er
mit ihren Schwiegersöhnen einen kühnen Plan und verurteilte sie zu
lebenslangem Hausarrest, damit der Sohn Paul und die Schwiegersöhne den
riesigen Besitz erben konnten. König Matthias II., der von den Morden
nichts wusste, hätte Elisabeth lieber zum Tode verurteilt und ihren
Besitz konfisziert.
Im Kastell von Bytča (Slowakei) fand am 2. und 7. Januar 1611 der
Prozess gegen die Komplizen der Blutgräfin statt. Drei von ihnen wurden
zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Insgesamt
wurden 306 Zeugen befragt. Die Verhörprotokolle sind bis heute erhalten
geblieben und beweisen eindeutig die Schuld der Blutgräfin. Alle
Behauptungen der so genannten „Intrigentheorie", der Prozess sei eine
Intrige des Königs gewesen, sind völlig aus der Luft gegriffen. Nach
ihrer Verhaftung soll die Blutgräfin im Nordturm auf Burg Čachtice
(Slowakei) eingemauert worden sein. Wahrscheinlicher ist, dass sie auf
ihrer Burg unter Hausarrest stand. Sie starb am 21. August 1614 und
wurde in der Krypta unter der Kirche von Čachtice begraben. Heute ist
ihr Sarg jedoch verschwunden.

Festsaal

Festsaal

Bergfried

Türmerzimmer

Fledermausausstellung

Wer waren die Ritter?
Das eigentliche Rittertum des Mittelalters dauerte ungefähr vom Jahr
1000 bis 1500. An der Spitze der Gesellschaft stand der König. Er
verfügte über die größte Macht und vergab das Land als Lehen an
Herzöge, Fürsten und adlige Ritter, diese mußten im Krieg für ihn
kämpfen. Diese Adligen wiederum verliehen Teile Ihres Landes an andere
Adlige weiter, damit diese im Falle eines Krieges mit ihren Kämpfern,
Pferden und Waffen ihnen zur Verfügung standen. Die Bauern standen auf
der untersten Stufe der Gesellschaftsordnung und verrichteten die
schwerste Arbeit. Das Wort Ritter bedeutet eigentlich Reiter. Ein
Ritter war also ein Krieger zu Pferd. Seit dem Jahre 1037 ging der
„Beruf" des Ritters meistens vom Vater auf den Sohn über. Zunächst
konnten nur adlige Grundherren Ritter werden, dann auch Hofbeamte, die
sogenannten Ministerialen. Bald durften dann nur noch die Söhne dieser
Ritter selbst Ritter werden.

Wie wurde man Ritter?
Für den Sohn einer adligen Familie war es eine große Ehre, Ritter zu
werden. Dafür musste man eine schwierige Ausbildung durchlaufen:
Erstmals Page
Die Ausbildung zum Ritter begann schon im Alter von 7 Jahren. Der Junge
wurde als Page an einen fremden Hof zu einem Ritter geschickt. Dort
sollte er vor allem Kraft und Geschicklichkeit erwerben. Er lernte
reiten und übte den Gebrauch von Schwert, Lanze, Armbrust und Schild.
Wichtig waren auch die höfischen Sitten, das Singen und Spielen der
Harfe.
Dann Knappe
Mit 14 Jahren wurde der Page zum Knappen befördert. Bei einer Feier
wurde ihm sein eigenes Kurzschwert übergeben. Der Knappe wurde weiter
ausgebildet und musste seinem Ritter Dienst tun. Er musste sein Schwert
tragen, ihm helfen die schwere Ritterrüstung an- und abzulegen und ihm
im Kampf beistehen! Weiters war er auch für die Pflege der Ausrüstung
und die Versorgung der Pferde verantwortlich.
Der Ritterschlag: endlich Ritter!
Mit ca. 21 Jahren war die Ausbildung beendet. Der Knappe wurde erst zum
Ritter ernannt, nachdem er sich im Turnier oder im Kampf als würdig
erwiesen hatte. In einer feierlichen Zeremonie, dem Ritterschlag,
kniete der Knappe vor seinem Lehnsherrn. Dieser gab ihm mit seinem
Schwert einen leichten Schlag auf die Schulter. Dann wurde dem neuen
Ritter sein eigenes Schwert übergeben. Erst ab jetzt durfte er dieses
Langschwert und die Lanze führen.
* * *
Waffenkammer

Die Tugenden der Ritter
Noch heute sagt man von jemandem mit sehr gutem Benehmen, er verhalte
sich "ritterlich". Sieben Tugenden musste ein Ritter befolgen:
1) Der Glaube: Für einen Ritter war eine Tat nur dann gut vollbracht,
wenn er glaubte, dass sie auch Gott gefällt. Er versuchte niemals gegen
die Gebote Gottes zu verstoßen.
2) Die Klugheit: Damit ein Ritter nicht unklug erschien, lernte er bereits als Knappe das Lesen, Schreiben und Rechnen.
3) Die Tapferkeit: Als Ritter hatte man die Aufgabe edel und tapfer für das Recht und den Schutz des Volkes einzutreten.
4) Die Mäßigung: Ein Ritter mußte sich benehmen können. Es wurde
erwartet, dass er höflich zu den Damen ist, ihre Wünsche erfüllt und
sie bedient. Um sie zu unterhalten, trug er den Damen Gedichte vor,
tanzte oder spielte ein Spiel mit ihnen.
5) Die Liebe: Die Liebe war eine gesellschaftliche Tugend. Aber nichts war einem Ritter wichtiger als die Liebe zu Gott.
6) Die Gerechtigkeit: Der Ritter war gerecht zu seinen Untertanen, er
beschützte Witwen und Waisen. Vor allem sollte er die Kirche
verteidigen und im Krieg tapfer und gerecht sein.
7) Die Hoffnung: Die Hoffnung und das Vertrauen in Gott und sich selbst
machten den Ritter mutig und stark. Oft wurde auch zu Gott gebetet, um
ihn um Unterstützung bei großen Herausforderungen zu bitten.

Die Waffen der Ritter
Um bei Turnieren oder Kämpfen bestmöglich bestehen zu können, verfügte
der Ritter über Angriffs- und Verteidigungswaffen, die sogenannten
Trutz- und Schutzwaffen. Rüstung, Helm und Schild gehörten zu den
Schutzwaffen. Zu den Trutzwaffen zählten die Lanze, der Streitkolben
und das Schwert. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts kam der Dolch als
Teil der ständigen Bewaffnung des Ritters hinzu.
Das Schwert war das Symbol des
Rittertums schlechthin und auch die wichtigste Waffe des Ritters. Ein
gutes Schwert begleitete den Ritter sein Leben lang bei allen Kämpfen
und Turnieren. Die Schwerter des Mittelalters wurden vorwiegend als
Stoß- und Hiebwaffen eingesetzt.
Ein Ritter besaß ein Schild, um
sich zu schützen. Bis in Jahr 1100 waren die Schilde lang und liefen
unten spitz zu. Ab dem Jahr 1200 wurden sie kleiner und erhielten eine
runde oder dreieckige Form.
Die Lanze war eine
symbolträchtige Waffe. So erschienen etwa die frühen deutschen Könige
auf ihren Siegelbildern mit einer Lanze in der Hand. Sie bestand aus
einem hölzernen Schaft mit einer aus Eisen geschmiedeten Spitze.
Der Steitkolben war eine
Hiebwaffe mit einem hölzernen Griff und einem schweren, eisernen Kopf.
Dieser war mit Dornen besetzt, die eine Länge von einem bis zu fünf
Zentimetern aufwiesen.

Prof. Paul Anton & Margaret KELLER (1968-1980)
Das Ehepaar Keller restaurierte in den Jahren 1968 - 1976 die ruinöse
Burg u.a.: die Hochburg (Entfernung der Vegetation, Eindecken des
Torturmes, Sanierung des Kapellen Gewölbes, der gotischen Steinstiege
zur Pfaffenstube, Wehrgang im oberen Burghof), Mittelburg (Sanierung
der Rauchkuchl: Rauchschlot & Bratanlage, Kultraum, Trinkstube);
Unterburg (Sanierung des Burgeinganges, Arkadenaufgang, äussere
Schloss), Aussenbereich (Errichtung des Burgtores, Renovierung des
Torwärterhauses, Errichtung des Stiegenaufganges, etc.).

Prof. Paul Anton Keller Stiftung (Gegründet 1980)
Unter der langjaehrigen Leitung und Betreuung des Präsidenten der Prof.
Paul Anton Kellerstiftung GEN.DIR. Eugen Horvath wurde das Kulturjuwel
Burg Lockenhaus bis zum Jahr 2000 mit ca. 22 Mio Euro und der Hilfe und
dem persönlichen Einsatz von zahlreichen Sponsoren in Zusammenarbeit
mit dem Bundesdenkmalamt generalsaniert. Für das jährlich stattfindende
Kammermusikfest wurde ein Burghotel an die bestehende Burgmauer
angebaut und ein Gastronomiebetrieb eingerichtet. Im Jahr 2015 konnte
dank einer Denkmalschutzinitiative des Land Burgenlandes und der
Europäischen Union eine weitere wichtige Sanierung, Bestand- und
Substanzerhaltung der Burg Lockenhaus durchgeführt werden (EUR
640.000,-).

Prof. Paul Anton Keller ist am 11. Jänner. 1907 in Radkersburg als Sohn eines Schauspielerehepaares geboren.
Die Vorfahren entstammten einer alten Nordtiroler Familie, die bereits
Jägermeister unter Kaiser Maximilian I. stellte. Daher stammt auch das
Familienwappen. Ein Zweig wanderte nach Südtirol aus, von dort kam der
Urgroßvater des Dichters 1805 in die Steiermark (Abstall). Sein
Schaffen umfaßt rd. 50 Werke. Man könnte ihn einen Meister der kleinen
Formen nennen. Gedichte, psychologisch durchgearbeitete Erzählungen,
Tiergeschichten, Erzählungen für die Jugend sowie okkulte Erzählungen.
In alle seinen Dichtungen kommt jedoch immer wieder die großen
Heimatverbundenheit zum Ausdruck. Ganz besonders lag Prof. Keller die
Burg- und Ruinenforschung am Herzen.
Im Jahre 1968 erwarb die Familie Keller die Burg Lockenhaus, welche
aufgrund des zeitlichen Verfalles und der Kriegseinwirkungen sich in
einem desolaten Zustand befand. Das Ehepaar Keller verkaufte seinen
gesamten Besitz und investierte sein gesamtes Kapital in die Erhaltung
des einmaligen europäischen Kulturdenkmales Burg Lockenhaus. Leider
verstarb Prof. Paul Anton Keller mitten im Aufbauwerk überraschend im
Jahre 1976. Seine Frau Margret Keller, führte im Sinne ihres Mannes das
begonnene Aufbauwerk fort, solange Barmittel vorhanden waren.
Ungeachtet der Angebote seitens privater Käufer hat Frau Keller diese
Angebote stets abgelehnt und in uneigennütziger Weise beschlossen, die
Burg Lockenhaus zum Angedenken ihres Mannes in die „Prof. Paul Anton
Keller-Stiftung - Burg Lockenhaus" einzubringen. Am 1. Juli. 1980 hat
Frau Keller eine Stiftungserklärung an die Stiftungsbehörde, das Land,
abgegeben.

Der Bogen als Waffe
Im Mittelalter wurden Bögen, vor allem von einfachen Leuten, häufig als
Waffe eingesetzt. Mit einem guten Bogen konnte man den Gegner auf bis
zu 200m Entfernung wirksam bekämpfen. Den Rittern war das Töten aus der
Distanz zu ehrlos, sie kämpften lieber Aug in Aug am Schlachtfeld. Der
Bogen bestand aus Holz, die Bogensehne aus gedrehten Hanf- oder
Tiersehnen und wurde mit den drei Fingern der Zughand erst kurz vor dem
Einsatz gespannt. Zugkraft der Bögen: Schwerer Kriegsbogen...ca. 75 kg
/ Leichter Jagdbogen...ca. 30 kg
* * *
Burgherrenzimmer

Die Ritterrüstung
Die ersten Rüstungen bestanden aus Kettenhemd, Helm, Schwert und
Schild. Ein Ritter musste ganz schön schwer tragen - seine Rüstung wog
bis zu 30 kg!
Die Kettenrüstung: Die Basis
der Ritterrüstung bildete das Kettenzeug aus Hemd, Kapuze und Hose. Es
wurde über einem Unterkleid aus Leinen oder Wolle getragen und war eine
Schutzhaut aus eisernem Ringgeflecht. Der Waffenrock darüber war meist
in den Wappenfarben des Ritters gehalten.
Entwicklung zur Plattenrüstung:
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts ergänzte man das Kettenzeug mit Brust-
und Rückenplatten aus gewölbtem Blech um den Körper besser zu schützen.
Erst Ende des 14. Jahrhunderts bestand die Rüstung des Ritters aus
einem kompletten Metall-Plattenpanzer.
Das Schlachtross: Entscheidend
für den Kampf war die sichere Beherrschung des Pferdes in schwierigen
Situationen. Die Ausbildung zum Ritter sah deshalb ein umfangreiches
Training zu Pferde vor. Zum Schutz des Tieres und zur Zierde wurde ihm
eine Decke in den Wappenfarben übergehängt. Ab etwa dem 15. Jahrhundert
wurde der Kopf des Pferdes zusätzlich mit einem kunstvoll gearbeiteten
Stirnschutz ausgestattet.
Helme: Auch der Kopfschutz der
Ritter veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Die frühen Helme
(Nasalhelm) die nur den Schädel schützten wurden ab dem 12. Jahrhundert
durch geschlossene Helme (Topfhelm) ersetzt, die auch das Gesicht
schützten. Der Helm besaß Augenschlitze und Atemlöcher. Trotzdem konnte
man nur schlecht darunter sehen und atmen. Hochklappbare Visiere gab es
erst im 14. Jahrhundert.
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Burgherrenzimmer

Das Ritterturnier
Im Turnier konnten sich Ritter im Wettkampf aneinander messen und so
beweisen, wer der beste Kämpfer ist. Sowohl bei den Rittern als auch
bei den Zuschauern waren solche Turniere sehr beliebt. Zu Beginn des
Hochmittelalters (1150 - 1350) waren Ritterturniere als Kampfübungen
gedacht, später ging es vor allem um die Vorführung der eigenen
Geschicklichkeit. Den Rittern ging es auch darum die Aufmerksamkeit der
Damen zu gewinnen. Der Verlierer musste oft dem Sieger sein Pferd,
seine Rüstung und seine Waffen überlassen. Oft musste er auch ein
"Lösegeld" an den Sieger zahlen.
Buhurt - eine auf
Geschicklichheit angelegte, mittelalterliche Turnierform: Innerhalb
eines Turniers gab es verschiedene Wettkämpfe. Beim Buhurt kämpften
viele Ritter in Teams gegeneinander. Diese Teams bestanden aus den
besten Rittern eines Fürstentums, die mit stumpfen Waffen kämpften.
Tjost - ein ritterliches
Zweikampfspiel mit der Lanze zu Pferd: Es gab aber auch Zweikämpfe.
Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Tjost. Dabei ritten die beiden
Gegner mit Lanzen aufeinander zu und versuchten dabei, den anderen mit
der Lanze aus dem Sattel zu stoßen.

Die Burgkapelle ist dem heiligen Nikolaus geweiht und besitzt noch
Freskenreste aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts. Sie gelten als
älteste erhaltene Fresken des Burgenlandes. Bei einem später erfolgten
barocken Umbau wurden leider viele romanische und gotische Bauteile
zerstört.


Dem Bergfried gegenüber erhebt sich der Palas. Seine romanischen
Fenster wurden im ursprünglichen Stil erneuert. Man betritt den
prächtigen Rittersaal, der zu
den eindruckvollsten seiner Art zählt. Der Rittersaal ist eine
zweischiffige, gotische Halle mit einem Kreuzrippengewölbe, das von
achteckigen Säulen getragen wird. Ursprünglich waren die Wände mit
einer kostbaren Tafelung bedeckt, die aber verloren ging. Es wird
angenommen, dass der Rittersaal als Kapitelsaal der Templer und
Johanniter gedient hat, doch fehlen urkundliche Beweise. Bemerkenswert
erscheint jedoch die Tatsache, dass sich ähnliche Säle auch in den
Wehrbauten der Kreutzritter im Heiligen Land und in Syrien befinden.

Der Brunnen im Burghof, der bis
zum Tal hinunterreicht, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts in den Felsen
geschlagen. Möglicherweise befand sich hier früher schon eine Zisterne.
Brunnen: 2 m breit, 114 m tief in den Fels gehauen (zum Großteil mit
Schutt bedeckt). Der Sage nach beginnt in der Tiefe des Brunnens ein
unterirdischer Geheimgang, der nach Bernstein führen soll.

Der Brunnen auf Burg Lockenhaus
Das Grab der Blutgräfin wurde bis heute nicht gefunden. Eine
wahrscheinliche Hypothese lautet, dass ihr Leichnam auf Anordnung ihres
Sohnes Paul nach Lockenhaus überführt und an der Seite ihres Mannes in
der alten Nádasdy-Familiengruft bestattet wurde. Ende des 19.
Jahrhunderts wurde die Burg Lockenhaus jedoch saniert und allerlei
Gerümpel im Burgbrunnen versenkt. Vielleicht auch die Särge von Franz
und Elisabeth?

Kalvarienberg - Darstellung des Leidenswegs Jesu
Der Kreuzweg besteht aus 11 Bildstöcken, die den steilen Weg säumen und den Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung darstellen.

Erstmalige Erwähnung des Kalvarienberges 1756.
Die heutige Anlage wurde von der Bevölkerung von Lockenhaus errichtet, die Stationen 1851/1852, die Bergkirche 1851-1894.

Die frommeTochter des hingerichteten Grafen Nädasdy, Gräfin Draskovich, ließ den ersten Kalvarienberg
errichten, den sie „ [...] täglich bloßfüßig betend” erstieg. Der
heutige Kalvarienberg, an derselben Stelle errichtet, geht auf Georg
Streit, Pfarrer in Lockenhaus von 1845-1874, zurück und wurde 1852
geweiht, zwölf Jahre später dann die Kirche. Fürst Paul Esterhäzy, der
das Kloster als seine Sommerresidenz adaptierte, ließ den damals kahlen
Kalvarienberg aufforsten.
Die 12. Station ist eine große Kreuzigungsgruppe, von einer ringförmigen Mauer umgeben.

Die Kalvarienberganlage mit 14 Wegkapellen mit der Kalvarienbergkapelle
und der Marienkapelle als Vorgängerkapelle endet auf einer Anhöhe mit
einem gemauerten Rondell mit den Holzfiguren Kruzifix und Schächer. Die
Anlage wurde 1852 geweiht.
Die letzten drei Stationen stehen auf dem Gipfel des Kalvarienberges auf einem sanft ansteigenden Platz.
Errichtung der Bergkirche 1851 - 1864 von der Bevölkerung von Lockenhaus.

Die Kalvarienbergkirche als Rechteckbau mit einer eingezogenen
Rundapsis und einem hölzernen Fassadentürmchen wurde 1864 erbaut. Das
dreijochige Langhaus ist mit einer Tonne mit Stichkappen überwölbt. Die
Ausstattung ist modern. Die 14. Station, das Grab Jesu, ist in der
Kirche untergebracht.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus

Burg & Burghotel Lockenhaus
