Burg Lockenhaus

Österreichs echte Ritterburg, Mai 2023

Lockenhaus (ungarisch Léka) ist eine Marktgemeinde im Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich und befindet sich im Mittelburgenland an der Grenze zu Ungarn am Fluss Güns, rund 15 Kilometer südwestlich von Oberpullendorf. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen Burg Lockenhaus, Pfarrkirche Lockenhaus und die Kalvarienberganlage.

Die römisch-katholische Pfarrkirche Lockenhaus steht in der Marktgemeinde Lockenhaus im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Die den Heiligen Nikolaus von Myra und Nikolaus von Tolentino geweihte Pfarrkirche und Wallfahrtskirche steht baulich mit dem ehemaligen Augustiner-Eremiten-Kloster verbunden weithin sichtbar etwas erhöht am Hauptplatz der Marktgemeinde. Die römisch-katholische Pfarrkirche Lockenhaus wurde 1656 bis 1669 vom italienischen Baumeister Pietro Orsolini erbaut. Seit 2003 befindet sich hier die größte Kirchenorgel des Burgenlandes.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Juli 1656. Die frühbarocke Kirche hat einen Grundriss eines langgestreckten Griechischen Kreuz mit einem untypischen großen zentralen Raum. An den Ecken des Kreuzes befinden sich in der eingezogenen Schräge vier halbrunde Nischenkapellen, welche nördlich sichtbar an der Fassade hervortreten, und südlich in der Klostermauer nicht sichtbar verbaut sind. Der Chor einen geraden Schluss. Dahinter steht die quer gestellte Sakristei. Eine breite Freitreppe führt zur dreigeschoßigen Giebelfassade mit zwei steinernen Nischenfiguren und dem Doppelwappen Nádasdy-Esterházy. Südlich ist ein viergeschoßiger Turm mit Zwiebelhelm angebaut. Überwölbt ist die Kirche im Emporenjoch und Chorjoch mit Tonnen mit Stichkappen, zur Mitte bei den Nischenkapellen steigt das Tonnengewölbe auf, und im Mitteljoch ist ein Kreuzgratgewölbe. Im Mitteljoch gibt es kurze Querarme mit Schildbogen. Das Kirchenschiff hat ein mächtiges profiertes verkröpftes Hauptgesims. Die ionischen Pilasterkapitelle haben Stuckdekor.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Nach dem Hochaltar fällt der an der linken Wand im Schiff stehende Marienaltar durch seine reiche barocke Stuckdekoration aus Akanthusranken, Blütengirlanden und Putten, die die ganze Wand bis zum Gewölbe bedeckt, besonders auf. Teile der Stuckverzierung, etwa unter dem Fenster, entstanden bereits um 1700, die mittlere Zone um das Altarbild wurde im 19. Jh. ergänzt. Das Altarblatt stammt aus dem Jahr 1913 undstellt Maria auf einer Wolke als Magna Mater Hungariae dar, in würdevoller Haltung, bekleidet mit dem ungarischen Krönungsornat, als Siegerin über die Türken. Ursprünglich war dieser Altar dem hl. Augustinus geweiht, aber schon 1756 wird er als Marienaltar bezeichnet.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Gegenüber dem Marienaltar steht der Kreuzaltar, eine durch die Verwendung von plastischen und malerischen Elementen sehr realistische Golgathadarstellung. Unter dem Kreuz Christi Maria, Maria Magdalena (mit langen Haaren) und Johannes, der Lieblingsjünger. Die drei Kreuze sind eine Südtiroler Arbeit aus dem 18. Jahrhundert. Das Hl. Grab wurde anlässlich der Generalrenovierung 1913 errichtet. Von damals stammt auch die Darstellung der Stadt Jerusalem auf der Hintergrundwand.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Der Hochaltar aus 1656 bildet einen frontalen dreigeschoßigen Aufbau über die ganze Chorwand. Das mittige Altarbild zeigt die Heiligen Nikolaus von Bari und Nikolaus von Tolentino, gemalt von Georg Kéry (1675). Über den Opfergangsportalen stehen die Figuren der Heiligen Augustinus von Hippo und Thomas von Villanova jeweils zwischen korinthischen Säulen. Über dem Gesims stehen die Figuren der heiligen Könige Stephan und Ladislaus und Engel. Auf dem Aufsatz stehen die Figuren Barbara, Katharina und Elisabeth und das Doppelwappen Nádasdy-Esterházy. Vergoldete Zierate sind Zutaten des Rokoko. Der freistehende Tabernakel mit dem Gnadenbild Mutter vom guten Rat mit Engelsfiguren ist aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts.

Die linke der beiden Bischofsfiguren stellt den hl. Augustinus, den Ordensvater der Augustiner-Eremiten dar, die rechte den hl. Thomas von Villanova, ein Ordensmitglied. Er war Bischof von Valencia in Spanien, führte ein asketisches Leben und widmete sich hingebungsvoll den Armen und Kranken. In Valencia starb er 1555. Seine Heiligsprechung 1658 fällt in die Bauzeit der Kirche. Über dem freistehenden Tabernakel steht das Gnadenbild von Lockenhaus, „Maria vom guten Rat“ oder „Madonna mit dem Regenbogen“. Die Verehrung Mariens als Mutter vom guten Rat wurde besonders von den Augustiner-Eremiten gefördert und verbreitet. Ein gleiches Bild befindet sich in dem bekannten Wallfahrtsort Genazzano in der Nähe Roms. Dieser Ort wurde seit 1356 von den Augustinern betreut. Seit 1467 sind Wallfahrten zu diesem mittelalterlichen Gnadenbild dokumentiert. In der Lockenhauser Kirche gibt es drei Mariendarstellungen, neben diesem Bild noch zwei Altäre, was ebenfalls darauf hindeutet, dass die Marienverehrung bei den Augustinern, wie im 17. und 18. Jahrhundert allgemein üblich, sehr intensiv war.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Renaissance, Barock und Rokoko schwebte das hier realisierte Ideal des Einheitsraumes vor. Durch Abschrägung der Ecken wurde der an sich rechteckige Raum zentralisiert, ist ein unregelmäßiges Achteck mit größeren und kleineren Seiten gebildet worden, das den Eindruckeines Ovals entstehen ließ. Die Wände bewegen sich im Wechsel von geraden und schrägen Flächen und sind durch korinthische Pilaster rhythmisiert. Dieses rhythmisch bewegte Oval wird besonders akzentuiert durch das stark hervortretende, mehrfach abgestufte Gesims. Außer der Längs- wurde auch die Querachse betont: man kannsie als eingeschobenes Rechteck verstehen. Die Wand- und Deckenmalerei stammt aus dem Jahr 1913, von der ursprünglichen Ausgestaltung ist leider nichts mehr erhalten. Die beiden großen Gemälde stellen Einblicke in den Himmel dar, östlich das Elysium, westlich den Sturz der Verdammten. Auffallend ist, dass relativ wenig Licht in den Innenraum fällt. Das rechtfertigt die unter Pfarrer Herowitsch eingebaute indirekte Beleuchtung, die das Raumerlebnis voll zur Wirkung kommen lässt.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Kanzel aus dem 3. Viertel des 18. Jahrhunderts trägt am Korb die Sitzfiguren Moses und Johannes der Täufer und als Relief Jonas und der Walfisch. An der Rückwand ist das Relief Sämann. Auf dem Schalldeckel sind drei Frauenfiguren Glaube Liebe Hoffnung und reiche Rokoko-Ornamentik. Die schwarzen Seitenaltäre mit akanthusgeschmücktem Aufsatz in den östlichen Nischen tragen links zwei weiblichen Heiligenfiguren um 1660, und rechts die Figuren Joachim und Anna um 1675. Die Seitenaltäre in den westlichen Nischen zeigt links das Ölbild Donatus aus 1723 und Figuren von Ordensheiligen und oben eine plastische Ölberggruppe, und rechts die Figuren Georg und Florian mit dem Altarbild Johannes Nepomuk.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Im Jahre 2003 erhielt die Pfarrkirche mit der Stifterin Gräfin Elisabeth von Enzenberg-Esterházy (1931–2009) eine von Rieger Orgelbau gebaute neue Orgel mit 35 Registern auf zwei Manualen und Pedal.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Unter der Empore rechts ist der Abgang zur Grablege der Familien Nádasdy und Draskovich in der Unterkirche, gemeinsam mit den Grabstätten der ehemaligen Augustiner-Eremiten. Unter den hier bestatteten Familienmitgliedern ist besonders Franz III. Nádasdy hervorzuheben. Der niedrige dreischiffige Raum hat ein Kreuzgratgewölbe und zeigt im Chor die Wandmalerei Totentanz aus 1772. Der Altar zeigt ein Bild aus 1704 der wundertätigen Maria nach der Brunnen-Legende.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Familie Nádasdy hatte ihre Gruft ursprünglich in der Burg unter der Kapelle. Mit dem Bau von Kirche und Kloster wurde die Gruft unter die Kirche verlegt. Sie ist genau so groß wie die Kirche ohne Sakristei. Der Abstieg in die Gruft liegt rechter Hand nach dem Eingang in die Kirche. Beigesetzt sind 20 Mitglieder der Familie Nádasdy, 14 Mitglieder der Familie Draskovich, Patres der Augustiner und Laien. Davon sind acht Sarkophage zu sehen. Graf Nádasdy wurde, weil er sich einer Verschwörung gegen Kaiser Leopold I. angeschlossen hatte, 1671 in Wien hingerichtet.

Sarkophag v. Franz Nádasdy und seiner Gemahlin Juliane

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

In der Gruft befindet sich ein schlichter Altar. Die darauf stehende Figur der schwarzen Muttergottes wird besonders verehrt. Sie ist eine Halbfigur aus Lindenholz und stammt aus dem 17. Jh. Entstehung und Herkunft dieser einzigartigen Statue liegen im Dunkeln. Sie stand ursprünglich in der Kapelle der Burg Apatto, wurde von Ungläubigen in einen Brunnen geworfen und ist durch Lichtzeichen auf dem Grund des Brunnens bemerkt worden. Der Sohn des Kirchenstifters, Franz, erwarb die Statue um 1704 und ließ sie auf dem Altar in der Familiengruft aufstellen.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Pestsäule errichtet 1719

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Burg und Marktgemeinde Lockenhaus – das Marktrecht wurde 1492 verliehen – erlebten ihren größten Aufschwung unter Franz III. Nádasdy (1622-1671). Er war Obergespan von Eisenburg, königlicher Rat, Obersthofmeister und seit 1664 Landesrichter. Er heiratete Anna Julia Esterházy, die Tochter des Palatins Nikolaus Esterházy.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus in Lockenhaus

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Geschichte der Burg Lockenhaus
Die Burg wurde um das Jahr 1200 über dem Tal der Güns erbaut und trug anfangs den Namen Leuca. Ab dem Jahre 1270 gehört sie den Grafen von Güssing, wechselt zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert oft ihre Besitzer und wird 1636 unter Franz Nádasdy um den Anbau der Unteren Burg" (auch Äußeres Schloss" genannt) erweitert. 1676 geht die Burg in den Besitz der Fürsten Esterházy über. Der Burgberg ist von einer Ringmauer umgeben, die größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammt. Beim Anstieg gelangt man zuerst auf die „Untere Burg", mit prunkvollen Räumen und wuchtigen Gewölben.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die imposante Burg weist als einzige Burg Österreichs noch das Bild einer echten Ritterburg auf. Romanische und gotische Bauweise, zierliche Säulenfenster, Fresken, unterirdische Apsidenhalle und weitere Details aus dem 13. Jahrhundert zeugen von hochentwickeltem Kunstempfinden.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Burg Lockenhaus, eingebettet in die bewaldeten Hügel des Naturparks Geschriebenstein, zählt zu den faszinierendsten Wehranlagen Österreichs. Sie ist ein Ort, an dem sich mittelalterliche Geschichte, schaurige Legenden und hochkulturelle Gegenwart auf eindrucksvolle Weise vereinen.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Burg wird oft mit dem Geheimbund der Tempelritter in Verbindung gebracht – ihre Architektur, die alten Mauerreste und unterirdischen Gewölbe geben bis heute Anlass zu Spekulationen. Besucher können auf thematischen Führungen in die Welt der Ritter und mittelalterlichen Mysterien eintauchen. Ebenso untrennbar mit Lockenhaus verbunden ist die düstere Gestalt der Blutgräfin Erzsébet Báthory. Ihre Legende inspirierte viele Mythen rund um den Vampirglauben und gilt als historisches Vorbild für Figuren wie Gräfin Dracula.

Über den romanischen Stiegenaufgang gelangt man in den mittleren Burghof, kurz darauf in die „Obere Burg" (Hochburg).

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Trinkstube

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Templer Ausstellung

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Auch der Eingang in den unterirdischen Apsidenraum (Kultraum) befindet sich hier. Über den Zweck dieses Raumes sind auch die Wissenschaftler bis heute uneinig. Der mittelalterliche Raum besitzt zwei frühgotische Apsiden und eine Lichtöffnung an der Decke, Möglicherweise diente er als Gefängnis oder als Schatzkammer, vielleicht auch als Unterkirche oder als Kultraum. Interessant erscheint, dass die Längsachse des Raumes im Widerspruch zu den anderen Burgräumen steht. In letzter Zeit hat sich die Annahme verschärft, dass sich hier im 14. Jahrhundert ein geheimer Kultraum der Tempelritter befand. Zwei eingemeißelte Kreuzembleme lassen auf eine Verbindung zum Johanniterorden schließen. Die Burgsage berichtet von hier lebenden Tempelrittern.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Graf Paul Esterhazy erwarb die Herrschaften Lockenhaus, Deutschkreutz und Klostermarienberg am 27. Jänner 1676 von der Königlich Ungarischen Kammer in Preßburg um 200.000 Gulden. Die Burg Lockenhaus verblieb damit von 1676-1968, also 292 Jahre, im Besitze der Familie Esterhazy. Die Familie Esterhazy gehört zu den angesehensten und wohlhabendsten Magnatenfamilien Ungarns. Sie stammt, ebenso wie die Familie Illeshazy, vom Stamme Salomon ab, der, wie aus Urkunden hervorgeht, schon im 12. Jahrhundert auf der Donauinsel Schütt begütert war.

GRAF (FÜRST) PAUL I. ESTERHAZY
Paul I., Esterhazy, ist am 8. September 1635 in Eisenstadt geboren. Er war mit Elisabeth Thurzo seit 1638 vermählt gewesen, die er mit päpstlichem Dispens zur Frau nehmen durfte und diese brachte, als letztes Glied ihrer Familie, das ganze Thurzoische Vermögen in die Ehe mit. 1676 hatte Paul I. durch Kauf die Herrschaften Lockenhaus, Deutschkreutz und Klostermarienberg erworben. 1680 führte er das Kloster Marienberg wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu.
1687 wurde Graf Esterhazy, der einzige bedeutende Magnat, der sich uneingeschränkt zum Hause Habsburg und zum größeren Gedanken vom christlichen Abnendlande bekannt hatte, in den deutschen Reichsfürstenstand erhoben. Paul Esterhazy hatte als einziger jenes Beispiel gegeben, das Kaiser Leopold von allen Ständen Ungarns erwartet hatte. Seither führten die Esterhazy das große Wappen mit dem „L" im Schilde, die Initiale Kaiser Leopolds.
Erst nach 1700, als die riesigen Schäden durch die Türkenkriege in den Besitzungen des Fürsten einigermaßen behoben waren, konnte Paul Esterhazy Gelder für die Errichtung des Kalvarienberges in Eisenstadt und den Wiederaufbau der Wallfahrtskirchen in Frauenkirchen und Loretto flüssig machen lassen, die von den Türken 1683 wieder zerstört worden waren.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Paul I., Esterhazy, Graf und Fürst zu Galantha, ewiger Graf zu Forchtenstein, ist am 26. März 1713 im Alter von 78 Jahren in Eisenstadt an der Pest gestorben und wurde in der Familiengruft im Franziskanerkloster in Eisenstadt beigesetzt. Fürst Paul Esterhazy war in erster Ehe mit Orsika (Ursula) Esterhazy und in zweiter Ehe mit Eva Tököly, der jüngeren Schwester des Kuruzzenkönigs, vermählt. Beiden Ehen entsprossen 25 Kinder. Schon acht Jahre nach seinem Tode trat die durch ihn testamentarisch verfügte Erbfolge in Kraft, da der zweitälteste Sohn Gabriel bereits 1704 ohne nachfolgeberechtigte Erben gestorben war und am 24. März 1721 Fürst Michael ohne männliche Deszendenz starb. Das Haupt des Hauses war nun der drittälteste, Josef, unter dem abermals sämtliche Güter vereinigt, wurden. Als einige Monate später Josef seinen Brüdern ins Grab nachfolgte, übernahm dessen ältester Sohn, Paul Anton (1721-1762) als Majoratsherr die ausgedehnten Familienbesitzungen.

FÜRST PAUL IV. ESTERHAZY
Fürst Paul IV. (1843-1898), wurde 1864 Attache bei der englischen Gesandtschaft und 1866 nach Rom beordert. 1871 wurde er Obergespan von Wieselburg und 1872 von Ödenburg. 1881 wurde Fürst Paul IV. zum wirklichen Geheimrat Franz Josephs bestellt. Nikolaus IV. war jener Esterhazy, der wieder seine Vorliebe für die Burg Lockenhaus entdeckte. Ab 1868 hielt er sich jeden Sommer auf der Burg auf. Er tat auch manches für die Verbesserung des Gemeindewesens im Markt Lockenhaus. Die Mädchenschule, der neue Pfarrhof und der Gendarmerieposten wurden unter ihm errichtet. Das untere (neuere) Schloß wurde unter ihm restauriert und zum Museum eingerichtet und 1881 hat er in der Nähe des Geschriebensteines das fürstliche Jagdschloß erbauen lassen. Das zurückgezogene Leben, das Nikolaus IV. und Paul IV. geführt hatten, ermöglichte es ihm, die vom Zahn der Zeit arg mitgenommenen Burgen, die längst ihre Wehrhaftigkeit eingebüßt hatten, instand zu setzen. Unter Nikolaus V. konnte der Sequester über das Familienvermögen endlich wieder aufgehoben werden.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

FÜRST NIKOLAUS V. ESTERHAZY
Nikolaus V., Fürst, ist am 5. Juli 1869 in Wien geboren. Er studierte Jura, wurde Doktor der Staatswissenschaften und leistete seinen Militärdienst als Husarenoberleutnant. Nach dem Tode seines Vaters, der am 28. August 1898 auf der Burg Lockenhaus verstorben ist, heira-tete er in Ofen die Gräfin Maria Cziraky, die ihm fünf Kinder gebar. Auch er hielt sich in den ersten Jahren seiner Ehe jeden Sommer mit seiner Gemahlin auf der Burg Lockenhaus auf und ließ die Hochburg, in der Zeit von 1902-1906 restaurieren. Er beauftragte den Kunst -Architekten Stephan Möller aus Budapest, den Rittersaal, Bergfried und Torturm sowie die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapelle und die Basteien stilgerecht auszubessern. Schon im ersten Jahr, 1902, liefen für die Ausbesserungsarbeiten Kosten von 23.000 Kronen auf. Viele Steingewände in der Hochburg, die herausgefallen waren, wurden wieder eingesetzt und Fehlendes aus dem Steinbruch St. Margarethen ergänzt. Türstöcke wurden neu eingesetzt, Fußböden erneuert und vor allem die ausgedehnten Dächer instandgesetzt und so dem weiteren Verfall, der zu dieser Zeit schon weit fortgeschritten gewesen war, Einhalt geboten. Stephan Möller hat auch die über dem Kapitelsaal befindlichen Räume eliminiert, so daß sich diese einstigen Räume jetzt als riesige Halle darbieten. 1906 wurden die Restaurierungsarbeiten zwar wegen der beträchtlichen Kosten eingestellt, aber der Baubestand der Hochburg war doch auf lange, wenn nicht für Jahrhunderte gesichert. 1957 erhielt der Pallas der Hochburg ein stilgerechtes neues Dach. Nikolaus V. hat also unsere Zeit das Überdauern der Hochburg zu verdanken. Nach 1905 wählte dieser aber, auf Wunsch seiner Gemahlin, Esterhaza zur Sommerresidenz, weil die Lockenhauser Wohnung, trotz der Instandsetzungsarbeiten, für den fürstlichen Haushalt und den Empfang und die Unterbringung der vielen Gäste zu klein geworden war. Seit dieser Zeit aber begann die Vor- oder Unterburg, in der nur mehr einige Räume als Museum dienten, bedeutungslos zu werden.

Vom mittleren Burghof aus ist die alte Burgküche (Rauchkuchl) zugänglich. Hier ist noch die riesige Herdstelle aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zu sehen. Man beachte auch den riesigen Rauchschlot.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus in Lockenhaus

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Husarenstube

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Bergfried

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Oberer Burghof

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Folterkammer, Eiserne Jungfrau

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Folterkammer, Schandgeige

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Franz II. Nádasdy (1555-1604), der Ehemann der Blutgräfin, stammte aus einer der reichsten Adelsfamilien Ungarns. Später schlug er eine militärische Laufbahn ein, kämpfte gegen die Türken und brachte es bis zum Rang eines Generals.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Elisabeth Báthory (1560-1614), auch bekannt als Blutgräfin, da sie der Legende nach im Blut ihrer Opfer gebadet haben soll, um ewige Jugend und Schönheit zu erlangen. Elisabeth entstammte einer der mächtigsten Adelsfamilien Europas: Ihr Onkel war König von Polen, ihr Bruder der Fürst von Transsylvanien.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

In der Burg Čičava (Slowakei) fand 1571 Elisabeths Verlobung mit Franz II. Nádasdy statt. Elisabeth war elf Jahre alt, Franz 15 Jahre. Damals wurden Kinder oft aus wirtschaftlichen Interessen in jungen Jahren verlobt. Auf Schloss Varannó (heute: Vranov nad Topľou, Slowakei) heirateten Elisabeth und Franz am 8. Mai 1575 im Alter von 15 bzw. 19 Jahren. Heute steht an der Stelle des Schlosses ein Gymnasium. Nach der Hochzeit zogen Elisabeth und Franz ins Schloss Sárvár (Ungarn), dem Stammsitz der Nádasdy. Da Franz etwa neun Monate im Jahr gegen die Türken ins Feld zog, übernahm Elisabeth selbst die Verwaltung des Schlosses. Bei den kleinsten Vergehen bestrafte sie ihre Dienerinnen auf grausame Weise, später brachte sie die Mädchen um.

Im Laufe von etwa 20 Jahren brachten die Blutgrafin und ihre Komplizen 650 Dienstmädchen um. Die Geschichte, Elisabeth habe im Blut der Jungfrauen gebadet, ist dagegen eine Legende, die über 100 Jahre nach ihrem Tod entstand. Elisabeth war ungeheuer reich. Sogar Kaiser Rudolf II. schuldete ihr Geld. In Wien besaß sie ein Haus (1. Bezirk, Lobkowitzplatz/Augustinerg.), wo die Mönche des gegenüberliegenden Klosters Blumentöpfe gegen die Fenster warfen, wenn sie das Geschrei der gequälten Mädchen hörten. Georg Thurzó (1567-1616), höchster Richter und Vizekönig von Ungarn, war mit der Blutgräfin entfernt verwandt und zögerte lange, sie zu verhaften. Schließlich schmiedete er mit ihren Schwiegersöhnen einen kühnen Plan und verurteilte sie zu lebenslangem Hausarrest, damit der Sohn Paul und die Schwiegersöhne den riesigen Besitz erben konnten. König Matthias II., der von den Morden nichts wusste, hätte Elisabeth lieber zum Tode verurteilt und ihren Besitz konfisziert.

Im Kastell von Bytča (Slowakei) fand am 2. und 7. Januar 1611 der Prozess gegen die Komplizen der Blutgräfin statt. Drei von ihnen wurden zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Insgesamt wurden 306 Zeugen befragt. Die Verhörprotokolle sind bis heute erhalten geblieben und beweisen eindeutig die Schuld der Blutgräfin. Alle Behauptungen der so genannten „Intrigentheorie", der Prozess sei eine Intrige des Königs gewesen, sind völlig aus der Luft gegriffen. Nach ihrer Verhaftung soll die Blutgräfin im Nordturm auf Burg Čachtice (Slowakei) eingemauert worden sein. Wahrscheinlicher ist, dass sie auf ihrer Burg unter Hausarrest stand. Sie starb am 21. August 1614 und wurde in der Krypta unter der Kirche von Čachtice begraben. Heute ist ihr Sarg jedoch verschwunden.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Festsaal

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Festsaal

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Bergfried

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Türmerzimmer

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Fledermausausstellung

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Wer waren die Ritter?
Das eigentliche Rittertum des Mittelalters dauerte ungefähr vom Jahr 1000 bis 1500. An der Spitze der Gesellschaft stand der König. Er verfügte über die größte Macht und vergab das Land als Lehen an Herzöge, Fürsten und adlige Ritter, diese mußten im Krieg für ihn kämpfen. Diese Adligen wiederum verliehen Teile Ihres Landes an andere Adlige weiter, damit diese im Falle eines Krieges mit ihren Kämpfern, Pferden und Waffen ihnen zur Verfügung standen. Die Bauern standen auf der untersten Stufe der Gesellschaftsordnung und verrichteten die schwerste Arbeit. Das Wort Ritter bedeutet eigentlich Reiter. Ein Ritter war also ein Krieger zu Pferd. Seit dem Jahre 1037 ging der „Beruf" des Ritters meistens vom Vater auf den Sohn über. Zunächst konnten nur adlige Grundherren Ritter werden, dann auch Hofbeamte, die sogenannten Ministerialen. Bald durften dann nur noch die Söhne dieser Ritter selbst Ritter werden.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Wie wurde man Ritter?
Für den Sohn einer adligen Familie war es eine große Ehre, Ritter zu werden. Dafür musste man eine schwierige Ausbildung durchlaufen:
Erstmals Page
Die Ausbildung zum Ritter begann schon im Alter von 7 Jahren. Der Junge wurde als Page an einen fremden Hof zu einem Ritter geschickt. Dort sollte er vor allem Kraft und Geschicklichkeit erwerben. Er lernte reiten und übte den Gebrauch von Schwert, Lanze, Armbrust und Schild. Wichtig waren auch die höfischen Sitten, das Singen und Spielen der Harfe.
Dann Knappe
Mit 14 Jahren wurde der Page zum Knappen befördert. Bei einer Feier wurde ihm sein eigenes Kurzschwert übergeben. Der Knappe wurde weiter ausgebildet und musste seinem Ritter Dienst tun. Er musste sein Schwert tragen, ihm helfen die schwere Ritterrüstung an- und abzulegen und ihm im Kampf beistehen! Weiters war er auch für die Pflege der Ausrüstung und die Versorgung der Pferde verantwortlich.
Der Ritterschlag: endlich Ritter!
Mit ca. 21 Jahren war die Ausbildung beendet. Der Knappe wurde erst zum Ritter ernannt, nachdem er sich im Turnier oder im Kampf als würdig erwiesen hatte. In einer feierlichen Zeremonie, dem Ritterschlag, kniete der Knappe vor seinem Lehnsherrn. Dieser gab ihm mit seinem Schwert einen leichten Schlag auf die Schulter. Dann wurde dem neuen Ritter sein eigenes Schwert übergeben. Erst ab jetzt durfte er dieses Langschwert und die Lanze führen.

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Waffenkammer

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Tugenden der Ritter
Noch heute sagt man von jemandem mit sehr gutem Benehmen, er verhalte sich "ritterlich". Sieben Tugenden musste ein Ritter befolgen:
1) Der Glaube: Für einen Ritter war eine Tat nur dann gut vollbracht, wenn er glaubte, dass sie auch Gott gefällt. Er versuchte niemals gegen die Gebote Gottes zu verstoßen.
2) Die Klugheit: Damit ein Ritter nicht unklug erschien, lernte er bereits als Knappe das Lesen, Schreiben und Rechnen.
3) Die Tapferkeit: Als Ritter hatte man die Aufgabe edel und tapfer für das Recht und den Schutz des Volkes einzutreten.
4) Die Mäßigung: Ein Ritter mußte sich benehmen können. Es wurde erwartet, dass er höflich zu den Damen ist, ihre Wünsche erfüllt und sie bedient. Um sie zu unterhalten, trug er den Damen Gedichte vor, tanzte oder spielte ein Spiel mit ihnen.
5) Die Liebe: Die Liebe war eine gesellschaftliche Tugend. Aber nichts war einem Ritter wichtiger als die Liebe zu Gott.
6) Die Gerechtigkeit: Der Ritter war gerecht zu seinen Untertanen, er beschützte Witwen und Waisen. Vor allem sollte er die Kirche verteidigen und im Krieg tapfer und gerecht sein.
7) Die Hoffnung: Die Hoffnung und das Vertrauen in Gott und sich selbst machten den Ritter mutig und stark. Oft wurde auch zu Gott gebetet, um ihn um Unterstützung bei großen Herausforderungen zu bitten.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Waffen der Ritter
Um bei Turnieren oder Kämpfen bestmöglich bestehen zu können, verfügte der Ritter über Angriffs- und Verteidigungswaffen, die sogenannten Trutz- und Schutzwaffen. Rüstung, Helm und Schild gehörten zu den Schutzwaffen. Zu den Trutzwaffen zählten die Lanze, der Streitkolben und das Schwert. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts kam der Dolch als Teil der ständigen Bewaffnung des Ritters hinzu.

Das Schwert war das Symbol des Rittertums schlechthin und auch die wichtigste Waffe des Ritters. Ein gutes Schwert begleitete den Ritter sein Leben lang bei allen Kämpfen und Turnieren. Die Schwerter des Mittelalters wurden vorwiegend als Stoß- und Hiebwaffen eingesetzt.
Ein Ritter besaß ein Schild, um sich zu schützen. Bis in Jahr 1100 waren die Schilde lang und liefen unten spitz zu. Ab dem Jahr 1200 wurden sie kleiner und erhielten eine runde oder dreieckige Form.
Die Lanze war eine symbolträchtige Waffe. So erschienen etwa die frühen deutschen Könige auf ihren Siegelbildern mit einer Lanze in der Hand. Sie bestand aus einem hölzernen Schaft mit einer aus Eisen geschmiedeten Spitze.
Der Steitkolben war eine Hiebwaffe mit einem hölzernen Griff und einem schweren, eisernen Kopf. Dieser war mit Dornen besetzt, die eine Länge von einem bis zu fünf Zentimetern aufwiesen.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Prof. Paul Anton & Margaret KELLER (1968-1980)
Das Ehepaar Keller restaurierte in den Jahren 1968 - 1976 die ruinöse Burg u.a.: die Hochburg (Entfernung der Vegetation, Eindecken des Torturmes, Sanierung des Kapellen Gewölbes, der gotischen Steinstiege zur Pfaffenstube, Wehrgang im oberen Burghof), Mittelburg (Sanierung der Rauchkuchl: Rauchschlot & Bratanlage, Kultraum, Trinkstube); Unterburg (Sanierung des Burgeinganges, Arkadenaufgang, äussere Schloss), Aussenbereich (Errichtung des Burgtores, Renovierung des Torwärterhauses, Errichtung des Stiegenaufganges, etc.).

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Prof. Paul Anton Keller Stiftung (Gegründet 1980)
Unter der langjaehrigen Leitung und Betreuung des Präsidenten der Prof. Paul Anton Kellerstiftung GEN.DIR. Eugen Horvath wurde das Kulturjuwel Burg Lockenhaus bis zum Jahr 2000 mit ca. 22 Mio Euro und der Hilfe und dem persönlichen Einsatz von zahlreichen Sponsoren in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt generalsaniert. Für das jährlich stattfindende Kammermusikfest wurde ein Burghotel an die bestehende Burgmauer angebaut und ein Gastronomiebetrieb eingerichtet. Im Jahr 2015 konnte dank einer Denkmalschutzinitiative des Land Burgenlandes und der Europäischen Union eine weitere wichtige Sanierung, Bestand- und Substanzerhaltung der Burg Lockenhaus durchgeführt werden (EUR 640.000,-).

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Prof. Paul Anton Keller ist am 11. Jänner. 1907 in Radkersburg als Sohn eines Schauspielerehepaares geboren.
Die Vorfahren entstammten einer alten Nordtiroler Familie, die bereits Jägermeister unter Kaiser Maximilian I. stellte. Daher stammt auch das Familienwappen. Ein Zweig wanderte nach Südtirol aus, von dort kam der Urgroßvater des Dichters 1805 in die Steiermark (Abstall). Sein Schaffen umfaßt rd. 50 Werke. Man könnte ihn einen Meister der kleinen Formen nennen. Gedichte, psychologisch durchgearbeitete Erzählungen, Tiergeschichten, Erzählungen für die Jugend sowie okkulte Erzählungen. In alle seinen Dichtungen kommt jedoch immer wieder die großen Heimatverbundenheit zum Ausdruck. Ganz besonders lag Prof. Keller die Burg- und Ruinenforschung am Herzen.

Im Jahre 1968 erwarb die Familie Keller die Burg Lockenhaus, welche aufgrund des zeitlichen Verfalles und der Kriegseinwirkungen sich in einem desolaten Zustand befand. Das Ehepaar Keller verkaufte seinen gesamten Besitz und investierte sein gesamtes Kapital in die Erhaltung des einmaligen europäischen Kulturdenkmales Burg Lockenhaus. Leider verstarb Prof. Paul Anton Keller mitten im Aufbauwerk überraschend im Jahre 1976. Seine Frau Margret Keller, führte im Sinne ihres Mannes das begonnene Aufbauwerk fort, solange Barmittel vorhanden waren. Ungeachtet der Angebote seitens privater Käufer hat Frau Keller diese Angebote stets abgelehnt und in uneigennütziger Weise beschlossen, die Burg Lockenhaus zum Angedenken ihres Mannes in die „Prof. Paul Anton Keller-Stiftung - Burg Lockenhaus" einzubringen. Am 1. Juli. 1980 hat Frau Keller eine Stiftungserklärung an die Stiftungsbehörde, das Land, abgegeben.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Der Bogen als Waffe
Im Mittelalter wurden Bögen, vor allem von einfachen Leuten, häufig als Waffe eingesetzt. Mit einem guten Bogen konnte man den Gegner auf bis zu 200m Entfernung wirksam bekämpfen. Den Rittern war das Töten aus der Distanz zu ehrlos, sie kämpften lieber Aug in Aug am Schlachtfeld. Der Bogen bestand aus Holz, die Bogensehne aus gedrehten Hanf- oder Tiersehnen und wurde mit den drei Fingern der Zughand erst kurz vor dem Einsatz gespannt. Zugkraft der Bögen: Schwerer Kriegsbogen...ca. 75 kg / Leichter Jagdbogen...ca. 30 kg

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Burgherrenzimmer

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Ritterrüstung
Die ersten Rüstungen bestanden aus Kettenhemd, Helm, Schwert und Schild. Ein Ritter musste ganz schön schwer tragen - seine Rüstung wog bis zu 30 kg!
Die Kettenrüstung: Die Basis der Ritterrüstung bildete das Kettenzeug aus Hemd, Kapuze und Hose. Es wurde über einem Unterkleid aus Leinen oder Wolle getragen und war eine Schutzhaut aus eisernem Ringgeflecht. Der Waffenrock darüber war meist in den Wappenfarben des Ritters gehalten.
Entwicklung zur Plattenrüstung: Ab Mitte des 13. Jahrhunderts ergänzte man das Kettenzeug mit Brust- und Rückenplatten aus gewölbtem Blech um den Körper besser zu schützen. Erst Ende des 14. Jahrhunderts bestand die Rüstung des Ritters aus einem kompletten Metall-Plattenpanzer.
Das Schlachtross: Entscheidend für den Kampf war die sichere Beherrschung des Pferdes in schwierigen Situationen. Die Ausbildung zum Ritter sah deshalb ein umfangreiches Training zu Pferde vor. Zum Schutz des Tieres und zur Zierde wurde ihm eine Decke in den Wappenfarben übergehängt. Ab etwa dem 15. Jahrhundert wurde der Kopf des Pferdes zusätzlich mit einem kunstvoll gearbeiteten Stirnschutz ausgestattet.
Helme: Auch der Kopfschutz der Ritter veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Die frühen Helme (Nasalhelm) die nur den Schädel schützten wurden ab dem 12. Jahrhundert durch geschlossene Helme (Topfhelm) ersetzt, die auch das Gesicht schützten. Der Helm besaß Augenschlitze und Atemlöcher. Trotzdem konnte man nur schlecht darunter sehen und atmen. Hochklappbare Visiere gab es erst im 14. Jahrhundert.

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Burgherrenzimmer

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Das Ritterturnier
Im Turnier konnten sich Ritter im Wettkampf aneinander messen und so beweisen, wer der beste Kämpfer ist. Sowohl bei den Rittern als auch bei den Zuschauern waren solche Turniere sehr beliebt. Zu Beginn des Hochmittelalters (1150 - 1350) waren Ritterturniere als Kampfübungen gedacht, später ging es vor allem um die Vorführung der eigenen Geschicklichkeit. Den Rittern ging es auch darum die Aufmerksamkeit der Damen zu gewinnen. Der Verlierer musste oft dem Sieger sein Pferd, seine Rüstung und seine Waffen überlassen. Oft musste er auch ein "Lösegeld" an den Sieger zahlen.

Buhurt - eine auf Geschicklichheit angelegte, mittelalterliche Turnierform: Innerhalb eines Turniers gab es verschiedene Wettkämpfe. Beim Buhurt kämpften viele Ritter in Teams gegeneinander. Diese Teams bestanden aus den besten Rittern eines Fürstentums, die mit stumpfen Waffen kämpften.
Tjost - ein ritterliches Zweikampfspiel mit der Lanze zu Pferd: Es gab aber auch Zweikämpfe. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Tjost. Dabei ritten die beiden Gegner mit Lanzen aufeinander zu und versuchten dabei, den anderen mit der Lanze aus dem Sattel zu stoßen.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Burgkapelle ist dem heiligen Nikolaus geweiht und besitzt noch Freskenreste aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts. Sie gelten als älteste erhaltene Fresken des Burgenlandes. Bei einem später erfolgten barocken Umbau wurden leider viele romanische und gotische Bauteile zerstört.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023  Burg Lockenhaus, Mai 2023

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Dem Bergfried gegenüber erhebt sich der Palas. Seine romanischen Fenster wurden im ursprünglichen Stil erneuert. Man betritt den prächtigen Rittersaal, der zu den eindruckvollsten seiner Art zählt. Der Rittersaal ist eine zweischiffige, gotische Halle mit einem Kreuzrippengewölbe, das von achteckigen Säulen getragen wird. Ursprünglich waren die Wände mit einer kostbaren Tafelung bedeckt, die aber verloren ging. Es wird angenommen, dass der Rittersaal als Kapitelsaal der Templer und Johanniter gedient hat, doch fehlen urkundliche Beweise. Bemerkenswert erscheint jedoch die Tatsache, dass sich ähnliche Säle auch in den Wehrbauten der Kreutzritter im Heiligen Land und in Syrien befinden.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Der Brunnen im Burghof, der bis zum Tal hinunterreicht, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts in den Felsen geschlagen. Möglicherweise befand sich hier früher schon eine Zisterne.
Brunnen: 2 m breit, 114 m tief in den Fels gehauen (zum Großteil mit Schutt bedeckt). Der Sage nach beginnt in der Tiefe des Brunnens ein unterirdischer Geheimgang, der nach Bernstein führen soll.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Der Brunnen auf Burg Lockenhaus
Das Grab der Blutgräfin wurde bis heute nicht gefunden. Eine wahrscheinliche Hypothese lautet, dass ihr Leichnam auf Anordnung ihres Sohnes Paul nach Lockenhaus überführt und an der Seite ihres Mannes in der alten Nádasdy-Familiengruft bestattet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Burg Lockenhaus jedoch saniert und allerlei Gerümpel im Burgbrunnen versenkt. Vielleicht auch die Särge von Franz und Elisabeth?

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Kalvarienberg - Darstellung des Leidenswegs Jesu
Der Kreuzweg besteht aus 11 Bildstöcken, die den steilen Weg säumen und den Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung darstellen.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Erstmalige Erwähnung des Kalvarienberges 1756.
Die heutige Anlage wurde von der Bevölkerung von Lockenhaus errichtet, die Stationen 1851/1852, die Bergkirche 1851-1894.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023  Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die frommeTochter des hingerichteten Grafen Nädasdy, Gräfin Draskovich, ließ den ersten Kalvarienberg
errichten, den sie „ [...] täglich bloßfüßig betend” erstieg. Der heutige Kalvarienberg, an derselben Stelle errichtet, geht auf Georg Streit, Pfarrer in Lockenhaus von 1845-1874, zurück und wurde 1852 geweiht, zwölf Jahre später dann die Kirche. Fürst Paul Esterhäzy, der das Kloster als seine Sommerresidenz adaptierte, ließ den damals kahlen Kalvarienberg aufforsten.

Die 12. Station ist eine große Kreuzigungsgruppe, von einer ringförmigen Mauer umgeben.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Kalvarienberganlage mit 14 Wegkapellen mit der Kalvarienbergkapelle und der Marienkapelle als Vorgängerkapelle endet auf einer Anhöhe mit einem gemauerten Rondell mit den Holzfiguren Kruzifix und Schächer. Die Anlage wurde 1852 geweiht.

Die letzten drei Stationen stehen auf dem Gipfel des Kalvarienberges auf einem sanft ansteigenden Platz.
Errichtung der Bergkirche 1851 - 1864 von der Bevölkerung von Lockenhaus.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Die Kalvarienbergkirche als Rechteckbau mit einer eingezogenen Rundapsis und einem hölzernen Fassadentürmchen wurde 1864 erbaut. Das dreijochige Langhaus ist mit einer Tonne mit Stichkappen überwölbt. Die Ausstattung ist modern. Die 14. Station, das Grab Jesu, ist in der Kirche untergebracht.

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Nikolaus

 Burg Lockenhaus, Mai 2023

Burg & Burghotel Lockenhaus

 Burg Lockenhaus, Mai 2023