Keramikmuseum Scheibbs

Scheibbs, Juni 2023

Seit Mai 2007 ist das erste österreichische Keramikmuseum, das „Keramikmuseum Scheibbs“, geöffnet. Es zeigt die expressive Keramik der Tonindustrie Scheibbs der 20er-Jahre mit starker Nähe zur Wiener Werkstätte (Rudolf Knörlein, Gudrun Baudisch, Walter Bosse, Josef Hoffmann, Einfluss Vally Wieselthier u. a.) und die Kunstkeramik der Kriegs- und Nachkriegszeit bis heute.

 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Buchstützen, Vasen
Buchstützen gaben in allen Manufakturen Gelegenheit zu besonderer Kreativität. Jene der Tonindustrie Scheibbs waren wohl mehrheitlich Bosse-Entwürfe, die reitenden Kinder könnten von Michael Powolny sein.
Die (Sonnen-)Gesichter auf den Vasen wie von südamerikanischen Urnen!

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Ringvasen, Steckvasen, Henkelkörbchen Bowletöpfe, Übertopf mit Phönixen
Je kurioser und ausgefallener die Kreationen waren, desto mehr war Ludwig Weinbrenner begeistert! Hilde Heger (1994).:"Das war der interessanteste Chef in meinem Leben...."

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Blüten und (Eichen-?)Laub als Dekor
In Verbindung mit durchbrochenen Flächen verleiht dieses Dekor den Objekten eine duftige Leichtigkeit. Es war bis zum Ende der ersten Produktionsperiode im Programm.

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Die Tonindustrie Scheibbs 1923 - 1933
1923 Der aus Wien zugezogene Gärtner Ludwig Weinbrenner (1881-1966) gründete nach Auffinden eines geringen Tonvorkommens auf seinem Grund spontan eine Tonwarenerzeugung. Als ersten Künstler und Werkleiter engagierte er Rudolf Knörlein, (später Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, ab 1936 Leiter der Gmunder Keramik) und als weitere Künstlerinnen Elisabeth und Gundi Krippel.
Knörlein war in der Wienerberger Werkstättenschule bei Robert Obsieger, die Krippel-Schwestern ebendort und abschließend in der Wiener Kunstgewerbeschule bei Michael Powolny ausgebildet worden.
1924 Weinbrenner erwarb und pachtete Teile des Fabrikareals der in Konkurs gegangenen Achsen- und Weichguss-Fabrik Gaissmayer & Schürhagel in Heuberg, ließ zwei gemauerte Brennöfen errichten, nahm die aus Frainersdorf (Mähr.) stammende und in Mürzzuschlag (Fa. Birnstingl) arbeitslos gewordene Familie Illek (Vater, Sohn und Angehörige) und Vater und Sohn Schmidtchen von der Fa. Erndt (Klein-Pöchlarn) als Keramiker und weitere fünfzig arbeitslos gewordene Eisenarbeiter aus Heuberg-Scheibbs als Hilfskräfte auf und betrieb eine großangelegte Erzeugung von Kunstkeramik und Steingutwaren.
Im Sommer 1924 gingen die Krippel-Schwestern und Rudolf Knörlein nach Wien zurück. Helene Dörr kam als neue Künstlerin nach Scheibbs. Sie war Absolventin der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, hatte zwei Jahre die Kunstgewerbeschule in Wien und anschließend eine eineinhalbjährige Lehrzeit mit Gesellenprüfung bei Vally Wieselthier, der bedeutendsten Keramikkünstlerin ihrer Zeit, absolviert. Von ihr stammen die hemmungslosen, unbekümmerten, flotten Glasuren!
Josef Hoffmann, Gudrun Baudisch, Franz Schleiß und andere Keramikgrößen kamen in dieser Zeit oft nach Scheibbs und hinterließen deutliche Spuren (Entwürfe - Köpfe - Glasuren).
1925 Hilde Heger, diplomierte Keramikerin (Michael Powolny, Praxis bei Vally Wieselthier) kam nach einjähriger Tätigkeit in Radstadt nach Scheibbs und brachte viele Entwürfe mit, die sie hier umsetzen konnte. Sie wurde Weinbrenners fruchtbarste Designerin.
Walter Bosse war einige Monate hier tätig, von ihm stammen u.a. viele groteske Tierfiguren.
Weinbrenner exportierte weltweit, vor allem in die U.S.A. und nach Südamerika, in New York importierten die Galerien Geo. Borgfeld und Paul T. Frankl Keramik aus Scheibbs. Für den internationalen Versand gab es eine eigene Kisten- und Holzwolleerzeugung.
1926 Erste finanzielle Probleme, Weinbrenner musste Helene Dörr entlassen, nach wechselhaftem Schicksal lebte und arbeitete sie ab 1940 in Innsbruck.
1927 Weinbrenner konnte auch Hilde Heger nicht mehr bezahlen, sie übersiedelte nach kurzer Wanderschaft nach Salzburg, wo sie eine bedeutende Bildhauerin wurde.
Alexander Mathé arbeitete seit 1925 als Maler und Designer eher im Hintergrund, er blieb noch bis 1930, ab 1927 stammen von ihm hübsche Entwürfe im Stil des Art deco.
1929 Der Börsenkrach in den U.S.A. ließ den Export nach Amerika schlagartig erliegen, auch Europa erfasste die Wirtschaftskrise, dazu kam die politische Entwicklung in Deutschland, die Tonindustrie kam in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ton musste längst schon zugekauft werden, die teure und aufwendige Produktion der Kunstkeramik konnte nicht auf die Preise umgelegt werden.
1933 Nach verzweifeltem Kampf musste Weinbrenner Konkurs anmelden, alle Güter, die Gärtnerei und aller Hausrat wurden versteigert, die Manufaktur kam unter gerichtliche Zwangsverwaltung und wurde geschlossen. Weinbrenner selbst flüchtete nach Paraguay und kehrte nie mehr zurück. Er starb erst 1966.

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4 Frauenköpfe - Scheibbs 1924 (h=21 - 23 cm), Gudrun Baudisch (1904 - 1984)
Gudrun Baudisch war oft in Scheibbs bei Weinbrenner zu Besuch. Hier entstanden die ersten ihrer berühmten Köpfe, die sie ab 1926 für die Wiener Werkstätte gestaltete. Sie gründete 1947 die Hallstätter Keramik.
Die Köpfe sind mit dem Scheibbser Wappenstempel gemarkt und wurden von Hilde Heger eindeutig als Baudisch-Köpfe identifiziert: „...Die sind in Scheibbs herumgestanden, als ich dort angefangen habe..." (Anm: Hilde Heger kam am 8.1.1925 nach Scheibbs). Die Köpfe drücken in Form, Haltung und Farbe die damals neue Emanzipation der jungen Frauen in den 20er-Jahren aus.

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Vasen und Übertöpfe der Wiener Werkstätte zusammen mit der Tonindustrie Scheibbs (Scheibbs um 1925)
Diese Gegenstände wurden in Kooperation der WW mit der Tonindustrie Scheibbs erzeugt und vertrieben, sie tragen die Marken der WW und der Tonindustrie Scheibbs.

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Entwürfe 1923 - 1927: Japonismus in Scheibbs! Übertöpfe, Jardinieren
Weinbrenners Beruf als Gärtner und seine Begeisterung für die fernöstliche Gartengestaltung schlugen sich in seiner Keramikproduktion für den Gärtnereibetrieb deutlich nieder.

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Übertöpfe, Blumentöpfe, Kaktusbrücken, Jardinieren
für En-gros - und En-détail – Kunden im Art déco oder in der Art der Wiener Werkstätte für das Haus und die Gartengestaltung im Freien.

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Schalen, Vasen, Krüge, Jardinieren, Elefanten - Hilde Heger
Über 60 Entwürfe von Hilde Heger waren 1924 für die Fiala-Keramik in Radstadt entstanden, wurden aber erst ab 1925 in Scheibbs verwirklicht. Sie wurden zu einem besonderen Merkmal der Tonindustrie Scheibbs.

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Die Scheibbserin Frieda Weidinger schuf nach dem Modell von Hilde Heger um 1925 diesen Elefanten, als sie sich als arbeitslose Lehrerin fallweise in der Tonindustrie Scheibbs als Keramikerin versuchte.

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Hilde Heger (1899 - 1998) (in Scheibbs 1925 - 1928)
Reliefplatte mit Rehen, Keramik unglasiert Salzburg 1933
Viele Entwürfe von Hilde Heger zieren Tierplastiken, vielfach Rehe - auf Schalen, Vasen, Übertöpfen u.a., auch in Salzburg modellierte sie immer wieder Tierplastiken, die oft - wie ihr berühmter Papageno - in Bronze gegossen wurden.

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Grotesken, Jardinieren, Körbchen, Übertopf (Hochzeitsgeschenk?)
Walter Bosse (1902 - 1978)
Auch Walter Bosse hinterließ um 1925 Spuren in Scheibbs: Künstlerisch gestaltete, witzige, groteske Verfremdung natürlicher Vorlagen, meist Tiergestalten in Verbindung mit einer praktischen Funktion.

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Entwürfe und Glasuren wie von Vally Wieselthier (1895-1949)
Vally Wieselthier war zu Beginn der 20er-Jahre die herausragendste Keramikkünstlerin Wiens. Ihre Keramiken haben eine temperamentvolle expressiv-barocke unbekümmerte Bewegtheit, die sich auch in den Arbeiten von Hilde Heger und Helene Dörr widerspiegelt.

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Teller, Krüge, Krügel, Most-Plutzer und einfache „Bauernvasen"
waren die einzigen Formen der Tonindustrie Scheibbs, die auf das traditionelle Töpferhandwerk zurückgehen - die Bemalung war auch hier oft gewagt expressiv, und es gleicht kein Stück dem anderen.

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

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Glasurenvielfalt
Ein und dasselbe Modell wurde in unzähligen Varianten glasiert, kein Stück gleicht dem anderen.

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Durchbrochene Wandungen
waren ein besonderes Stilmittel, kompliziert und zeitaufwendig herzustellen, in der Wirkung aber besonders reizvoll.

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Teller mit durchbrochenem Rand
Die Ausnehmungen waren in der Eindrehform vorgegeben und wurden, wenn der Roh-ling lederhart war, mit einem Messer ausgeschnitten.

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Aufsätze
„Aufsatz" nennt man eine Schale auf einem „Fuß“ – Schale und Fuß wurden vielfältig und reizvoll gestaltet

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Figürliche Keramik
Außer der Wiener Werkstätte (WW) hatte keine vergleichbare Manufaktur soviel figürliche Keramik im Programm. Beim Entwerfen der Modelle gab es in der Modellstube oft viel Spaß!

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Tiere als Schalenträger
Entwürfe von Hilde Heger oder Walter Bosse mit Glasuren von Helene Dörr - der Einfluss von Michael Powolny und Vally Wieselthier ist deutlich!

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Kerzenleuchter wurden vielfach für den Export, vor allem für die U.S.A. hergestellt. Auf besonderen Wunsch der Importeure hatten die Tüllen entsprechend den amerikanischen Kerzen größere Durchmesser als sie bei uns üblich waren.

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Leuchter, Lampenfüße
Das elektrische Licht war in den Häusern noch eine junge Errungenschaft, entsprechend wurde der Gestaltung elektrischer Beleuchtungskörper besondere Aufmerksamkeit zuteil. Tischlampen aus Scheibbs waren besonders expressiv (Entw. von H. Heger und W. Bosse, Glasuren von Helene Dörr).

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Tabaksdosen, Jamtöpfe und andere Deckeldosen gab es in vielen Varianten. Stege und Applikationen als Stilmittel der Flächengestaltung waren für die Tonindustrie Scheibbs besonders typisch - nicht nur auf Deckeldosen - ebenfalls ein Einfluss von Vally Wieselthier.

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Kaffee- und Teeservice
Die kraftvollen Formen und Dekore wurden seinerzeit in Scheibbs besonders bestaunt. Designer: Rudolf Knörlein oder Walter Bosse

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Stege und Zeichen wie geheimnisvolle Symbole und kräftiges Art déco als Dekor.

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1925 - 1933 wurde in Scheibbs Steingut-Geschirr mit „Bauerndekor" erzeugt

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Zier- oder Wandteller
Von der Wilhelmsburger Keramik gibt es diese Spruchteller fast ident, beide Firmen bezogen die fertigen Dekore, die wie Abziehbilder aufgetragen wurden, von demselben Lieferanten; die Firmenleiter waren befreundet und pflegten engen Kontakt.

Trink Dich voll, Ess Dich dick, Red' nicht viel von Politik.
Tages Arbeit, Abends Gäste - Saure Wochen, frohe Feste.
Wie die Traube am Spalier, Liebchen, hängt mein Herz an dir.
Laß' nie durch Fernspruch Dich aus der Ruhe bringen, Denk stets an den Kernspruch Des Götz von Berlichingen.

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Die hübschen Jugendstildekore stammen von Josef Hoffmann, der häufig bei Freunden im nahen Gresten zu Besuch war und bei dieser Gelegenheit gerne auch zu Weinbrenner nach Scheibbs kam.

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Marmeladetöpfe und Likörflaschen
Ludwig Weinbrenner erzeugte aus Beerenobst der Gegend und aus Südfrüchten Marmeladen und Liköre und belieferte damit - zusammen mit frischen Eiern aus seiner Geflügelfarm und Blumen aus seiner Gärtnerei - wöchentlich mehrmals die ersten Häuser in Wien. Nach der Gründung der Tonindustrie Scheibbs 1923 ließ er für seine Marmeladen und Liköre eigene Gebinde aus Keramik und Steingut anfertigen.

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Obstkörbe und -schüsseln waren beliebte Kreationen. Weintrauben, Weinlaub und Obst waren auf Schüsseln, Tellern und Schalen sehr beliebt.

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Alexander Mathé (1900-1963) lieferte - als Weinbrenner sich die teuren Künstler nicht mehr leisten konnte – hübsche Entwürfe im Stil des Art decó: Durchbrochene Schüsseln und Schalen, getupfte Stege...

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Verschiedene Kreationen im Stil des Art déco
Als sich Weinbrenner nach dem Börsenkrach in den U.S.A. die teuren Künstlerinnen nicht mehr leisten konnte, war Alexander Mathé der einzige, der noch neue Entwürfe lieferte. Seine Art Deco - Kreationen sind originelle, gute Kunstkeramik im Stil der Zeit.

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Sakrale Motive und Übertöpfe
Sakrale Motive kamen in der Tonindustrie Scheibbs wenig vor: verschiedene Weihbrunnkessel, entworfen von Gundi Krippel, die Heilige Familie im Art Deco, entworfen von Alexander Mathé.

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Scheibbser Keramik 1937 bis heute

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Die Hafnerei Schuhei-Mader, Oberndorf an der Melk
Am Haus Altenmarkt 4, Gem. Oberndorf, ist seit 1697 das Hafnergewerbe nachweisbar. Durch Kauf, Einheirat, „Lecitation", Vererbung und Übernahme waren bis 1878 nacheinander Adam Kohl - Franz Fryauff - Peter Klueng - Johann Koeberl - Johann Michael Öttl - Andreas Gurth - Josef Frank - Simon Elsenbauer - Johann Frank - Karl Richnowsky Inhaber des Gewerbes.

1878 heiratete Franz Schuhei Richnowskys Witwe, er übergab 1909 die Hafnerei an seinen Ziehsohn Florian Mader. Die Mader sind seither nun schon in vierter Generation als Hafner hier ansässig. Florian Mader, der die eigene Erzeugung erst 1950 einstellte, betrieb drei Brennöfen, einen Rund- und einen Langofen und einen Ofen für Schwarzgut, die alle mit Weichholz aus der Umgebung befeuert wurden. In zwei übereinander liegenden Werkstätten mit je vier Handscheiben stellte er noch selbst Schüsseln, Plutzer und Krüge (größere Krüge mit Leisten - „Fingerkrüge"), Milch- und Kochgeschirr, Backmodel, Schafkäsmodel, drei- und vierfüßige Käse- und Durchtreibhäfen, Blumentöpfe und Ofenkacheln her.

Der Ton kam per Bahn von Klein-Pöchlarn u. aus Furth-Göttweig bis Purgstall, von wo ihn Bauern mit ihren Fuhrwerken nach Oberndorf brachten. Die Glasuren ließen sich Schuhei wie auch Mader im Rohzustand schicken. Je nach Wunsch und Bedarf wurden sie mit Sand, Blei, Kupferasche oder Braunstein gemischt. Schuhei uund Florian Mader belieferten vorwiegend die Bezirke Melk und Scheibbs. Aus dieser Zeit stammen viele hell- bis dunkelbraune Schüsseln mit einfachen Wellenbändern am Rand, dunkelbraune Krüge und Plutzer mit grünen Längsstreifen oder grobmaschigem Karo und ebensolche Schüsseln, dunkelbraune oder dunkelgrüne Backmodel, Milch- und Käsegeschirr und viele Kachelöfen und Sparherde.

Als zwischen 1870 und 1910 die Bauern die Schwarzen Küchen aufließen und durch rauchfreie ersetzten, kamen die Hafner durch die große Nachfrage zu Wohlstand. Die Notzeit zwischen den beiden Weltkriegen ließ die Geschirrproduktion noch einmal kurz aufblühen, wurde aber bald nach 1945 unrentabel und 1950 eingestellt. Heute führt der Betriebsinhaber alle modernen Hafnerarbeiten wie Fließenlegen und Ofensetzen aller Art aus. Von der einstigen Hand- und Kunstfertigkeit und dem ursprünglichen Gefühle für Farbe und Form blieb gediegenes handwerkliches Können und guter Geschmack, was der Hafnerei in Oberndorf bis heute ihren guten Ruf bewahrt hat.

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DER EISERNE FADEN (FIL DE FER)
RASTELBINDER - DRAHTBINDER - TOPFFLICKER: DIE RASTELBINDER UND IHRE WAREN
Die Rastelbinder waren wandernde Handwerker, meist Roma aus Ungarn, Böhmen, Kroatien und der Slowakei, die durch Hämmern, Schneiden, Löten, Stanzen und Flechten kalte Metalle verarbeiteten. Ab dem 17. Jahrhundert eigneten sie sich selbst die Handfertigkeit an, beschädigtes Tongeschirr ihres bescheidenen Hausrates mit Hilfe eines fein geschmiedeten Drahtes auszubessern. Alsbald boten sie gegen geringes Entgelt auch den Bewohnern ihrer Umgebung ihr Können an. Schritt für Schritt entfaltete sich die Drahtflechterei zu einem eigenen Berufsstand, und seit Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einem regelrechten Wirtschaftszweig.

Die slowakischen Drahtbinder zogen durch alle Lande der weiten österr. ungar. Monarchie und auch über deren Grenzen hinaus. Besonderes Geschick war für die Reparatur von gebrochenen Tongefäßen notwendig. Die Rastelbinder, wie sie bald genannt wurden, verstanden es, zerbrochenes Tongeschirr so zusammenzusetzen und mit einem Mantel aus Drahtgeflecht zu überziehen, dass die Gefäße wieder verwendbar waren. Als Klebstoff für die Bruchstellen verwendeten sie gekautes Brot. Manch teurer Topf wurde auch schon vor dem ersten Gebrauch vorsorglich eingestrickt. In geschlossenen Ortschaften schlugen die Rastelbinder ihre Werkstatt meist am Ortsrand auf, entweder in einem eigenen Planenwagen oder einfach unter einem Baum. In der Streusiedlung wie hier im Mostviertel wanderten sie von Hof zu Hof, wo die gebrochenen Töpfe von der Hausfrau das ganze Jahr bis zum Besuch des Rastelbinders aufgehoben wurde. - In zwei irdenen Töpfen, die sie über die Schultern gebunden hatten, trugen sie Draht, Bleche und Werkzeug mit sich, was beim Gehen weithin scheppernd zu hören war. Eine Puchenstubenerin erinnerte sich: „Ma hat s' scho von Weitem g'kennt und g'hört..."

Einige dieser Wanderhandwerker gelangten zu Wohlstand und kehrten in die Heimat zurück. Andere ließen sich im Ausland nieder, insbesondere in Russland, Deutschland, Frankreich und sogar in den U.S.A., wo sie ihre Waren den
Erfordernissen einer anspruchsvolleren Kundschaft anpassten. Anstelle von Löffeln, Schöpfern, Sieben, Körben und Mausefallen stellten sie nunmehr raffiniertere Gegenstände wie Bilderrahmen, Obstschalen, Gläserkörbe, Spielzeug und Vogelkäfige her. Das Drahtbinderhandwerk erlebte um die Wende vom 19. auf das 20. Jhdt. seinen Höhepunkt
in Europa und in den U.S.A waren damals rund 10.000 Drahtbinder tätig. Es entstanden eigene Werkstätten, vornehmlich in Frankreich und in den Vereinigten Staaten wurden große Mengen Drahtgeflecht über Kataloge des Versandhandels und von Großkaufhäusern an eine zahlreiche Käuferschaft herangetragen.

Bei uns wurden die Rastelbinder immer als Exoten betrachtet und im 20. Jahrhundert von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Ihr Handwerk ist seither komplett ausgestorben, nicht zuletzt auch wegen der Konkurrenz von Waren aus rostfreiem Stahl, Email oder Plastik. Nur in der Operette „Der Rastelbinder" von Franz Lehar und als Räuchermännchen des Erzgebirges ist der Rastelbinder noch lebendig.

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Aus der Hafnerei Schuhei- Mader: Firmenschild Franz Schuhei - um 1880
Zwei Zier-Modeln für Ofenkacheln um 1880
Model mit Doppeladler dat.: 1726 -I.H.
Modeln für Kachelapplikationen:
„Auferstandener" und „Tartar mit Schwert" Modeln für Gugelhupf-Backformen
Model für eine Fatschenkindl-Backform
Schwedischer Kachelofen, Modell, 1890
Handscherben, „Franz Schuhei 10.9.1890"

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Die Scheibbser Keramik (seit 1937)
1937 Franz Schmid, gelernter Eisendrehermeister bei Gaissmayer & Schürhagel, seit 1924 bei Weinbrenner Keramiker, pachtete dic stillgelegte Manufaktur und ließ sie mit einer Handvoll ehemaliger, nun arbeitsloser Mitarbeiter als "Scheibbser Keramik" wieder aufleben. Teilweise wurden alte Modelle weniger aufwendig aufgelegt, teilweise entstanden aus der Belegschaft heraus neue Formen (ab 1939 Mitzi Stamminger). Während des Krieges wurden Teller und Becher für Lazarette erzeugt, nach dem Krieg billiges Geschirr ("Porzitt"), bald aber wieder Kunstkeramik im Stil der Zeit mit den typischen Garnierungen wie Alpenblumen und Früchte. Manche Modelle der "Tonindustrie Scheibbs" waren immer noch gefragt: Die Traubenschale, die Weintraubenschüssel, Elefantenschalen u.a.
1947 Theo Weinbrenner und Martha Edenberger, die in Scheibbs gebliebenen Kinder Ludwig Weinbrenners erhielten die Scheibbser Keramik aus der gerichtlichen Zwangsverwaltung zurück. Theo Weinbrenner führte nun die Firma selbst weiter. Der Stil der Zeit spiegelt sich in den Produkten wider. Nach den Laufglasuren und den frugalen Garnierungen kamen die schwarzen Glasuren mit Golddekoren auf und schließlich die asymmetrischen Formen in olivgrün u.ä..
1957 Konkurs der Scheibbser Keramik wegen unwirtschaftlicher Führung. Martha Edenberger übernahm die Firma und suchte einen Ausstieg.
1964 Wolf Dieter Mießl pachtete erst und kaufte dann die Scheibbser Keramik und hatte zusammen mit seiner ersten Mitarbeiterin Ulli Stadler große Erfolge mit seinen in Stoob gelernten Malhorn- und Kammzugmustern, die Heimatwerke, Tobi Reiser in Salzburg und die Trapp-Familie in den USA waren gute Kunden.
1987 Mießl verpachtete erst und verkaufte schließlich die Scheibbser Keramik aus gesundheitlichen Gründen an den Verein Lebenshilfe, der den Betrieb als geschützte Werkstätte führt.
2004 Der Verein Lebenshilfe übersiedelte mit der Keramikwerkstätte in ein neues Betriebsgebäude.
2007 Eröffnung des Keramikmuseums im ehemaligen Betriebsgebäude der Tonindustrie Scheibbs bzw. Der Scheibbser Keramik mit der Sammlung Hottenroth, die seit 1993 in aller Welt, besonders auch in den U.S.A. aufgespürt und zusammengetragen wurde.

Seit 1937 Scheibbser Keramik Alte Modelle – neu aufgelegt
Nach dem Konkurs der Tonindustrie Scheibbs 1933 und einer mehrjährigen Pause pachteten 1937 ehemalige Mitarbeiter den Betrieb von der gerichtlichen Zwangsverwaltung und erzeugten vorerst mit alten, teils vereinfachten Modellen wieder Kunstkeramik.

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Erste neue Entwürfe
Noch während des 2. Weltkrieges entstanden erste neue Entwürfe, die noch dem Art decó verhaftet waren. Nach dem Krieg knüpfte die Manufaktur an provinzielle Vorbilder an

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Die neue Keramik glich anderen Produktionen ähnlicher Provinz-Manufakturen (Mürzzuschlag, St.Peter bei Graz, Liezen, Sierndorf u.a.)

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Die 50er und 60er–Jahre spiegeln sich auch in der Produktion der Scheibbser Keramik wieder - nach Überwindung des „Alpenländischen" kamen asymmetrische Formen und Golddekor auf schwarzem oder pastellgrünem Grund auf: Die erste Eleganz (oder die erste Avantgarde?) nach dem Krieg.

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 Keramikmuseum Scheibbs, Juni 2023

Beim Besuch wird von Hans Hagen Hottenroth und Gattin persönlich über das Museum und seine Geschichte informiert. Alleine diese Begegnung macht dieses Ausflugsziel zu einem Erlebnis und sollte nicht verpasst werden.

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Wolf Dieter Mießl (1943–2000) ausgebildet als Hafner und Ofensetzer in der Fachschule Stoob (Bgld.), pachtete 1964 – und kaufte 1965 die Scheibbser Keramik. Großer Erfolg mit „Bauernkeramik“ Dekore mit Kammzugmuster und Malhörndl (bis 1974 Mitarbeiterin Ulli Gschwandtner). Haupt-Abnehmer waren die Heimatwerke, Tobi Reiser und die Trapp-Familie. Erfolgreiche Teilnahme an Fachmessen. Daneben entstanden eigenwillige Künstlerische Originalkeramiken. Mießl verpachtete 1987 und verkaufte schließlich die Firma an den Verein Lebenshilfe, der die Scheibbser Keramik heute noch – seit 2004 in einem neuen Gebäude - betreibt.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: