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Die Rektoratskirche St. Peter ist eine
römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.
Das heutige Kirchengebäude ersetzt ein früheres Gotteshaus; es wurde
1733 vollendet, geweiht und gehört zur Erzdiözese Wien. Die
seelsorgliche Betreuung der Peterskirche hat der Wiener Erzbischof
Kardinal König 1970 den Priestern des Opus Dei übertragen.

Die Peterskirche befindet sich auf dem Petersplatz, unmittelbar neben
dem Graben, unweit nordöstlich der Pestsäule. Dort durchschneidet die
Habsburgergasse die Graben-Fußgängerzone (danach Jungferngasse) und
führt direkt auf die Hauptfassade der Kirche zu.
Kaiser Leopolds I. initiierte um 1701 einen Kirchenneubau. Die alte
Peterskirche, die nach mehrhundertjähriger Nutzung ziemlich verfallen
war, wurde abgerissen und der umliegende Friedhof aufgelassen und
freigeräumt. Im Jahr 1702 war die Bauplanung beendet und mit der
Grundsteinlegung begann der Bau nicht genau am Standort des
Vorgängerbaus. Gabriele Montani leitete die Bauarbeiten der neuen
Peterskirche. Ab 1703 setzte Johann Lucas von Hildebrandt den Bau nach
verändertem Plan fort und 1708 war das Gotteshaus im Rohbau vollendet.
Ihr Bauführer war Franz Jänggl, auch Baumeister Francesco Martinelli
und Christian Oettl waren laut erhaltener Inschriften im Kuppelknauf an
den Planungen und Bauarbeiten beteiligt. Die Steinmetzarbeiten wurden
dem Wiener Meister Johann Carl Trumler übertragen, der den
erforderlichen harten Kaiserstein, unter anderem für den umlaufenden
Sockel, aus dem kaiserlichen Steinbruch dafür bezog.

Joachim Georg Schwandtner, Superintendent der Erzbruderschaft der
Allerheiligsten Dreifaltigkeit, stiftete einen Portalvorbau, der
1751–1753 nach Plänen von Andrea Altomonte aus Gutensteiner Marmor
angebaut wurde. Die figurale Gestaltung führte Franz Kohl aus, die
Steinmetzarbeiten, wie die Stufensteine aus Kaisersteinbruch, lieferte
Meister Johann Michael Strickner. Die Ausstattung im Portalvorbau
umfasste unter anderem: die Statuen Glaube, Hoffnung und Liebe,
Engelfiguren mit Tiara und Schlüssel als Ausdruck der päpstlichen
Souveränität, etliche Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben Petri.
Das Hauptportal beeindruckt mit reichem Schnitzwerk und schönen
Beschlägen samt einer Inschrift, die an das kaiserliche Pestgelübde
erinnert.
Das Rokoko-Portal wurde von Andrea Altomonte entworfen und durch eine
Stiftung des Superintendenten der Drefaltigkeitsbruderschaft, Joachim
Georg Schwandtner (Grabmal in der Kirche, links im Presbyterium)
ausgeführt. Auf dem Dach sind die drei theologischen Tugenden Glaube,
Hoffnung und Liebe als Bleistatuen (von Franz Kohl, inspiriert von
Figurenerfindungen von Georg Raphael Donner) dargestellt.

Die Bauarbeiten zogen sich noch bis 1722 hin, erst zu diesem Zeitpunkt
war der Bau größtenteils abgeschlossen. Die Kirchweihe des kompletten
Hauses konnte jedoch erst am 17. Mai 1733 durch Kardinal Graf Sigismund
Kollonitsch in einem Gottesdienst gefeiert werden. Zu diesem Zeitpunkt
hatte der Bau 175.000 Gulden gekostet. In Umsetzung der kirchlichen
Reformen unter Kaiser Joseph II. wurde die Petersgemeinde 1783 zur
Pfarre erhoben, aber die Dreifaltigkeitsbruderschaft wurde aufgehoben
und ihr Vermögen eingezogen. Seit 1976 ist die frühere Pfarre eine
Rektoratskirche.

Die neue Kirche war der erste Kuppelbau des barocken Wien; die Höhe der
Kuppel beträgt 56 m.[3] Das Sakralgebäude ist sehr kompakt. Den
Kuppelraum und das Innere hatten Matthias Steinl und Michael Rottmayr
gestaltet. Die Freskenausstattung hatte Andrea Pozzo begonnen, doch
seine Ausmalungen ließ die Kirchengemeinde nach seinem Tod wieder
entfernen, sodass Rottmayr 1713 mit einem völlig neuen Programm
beginnen konnte. Im Laufe der Jahre ist die Wandbemalung stetig
nachgedunkelt, was dem Innenraum ein düsteres Aussehen verlieh.

Die Franz-v.-Sales-Kapelle wurde von Wiener Savoyarden gestiftet, was
sich aus den Statuen von drei der vier Heiligen (Mauritius, Amadeus,
Liborius) schließen lässt. Bis zur Restaurierung 2004 trugen diese
Statuen die Namen lokaler Heiliger: Georg, Wenzel (Böhmen) und
Wolfgang. Der vierte Heilige ist der hl. Nikolaus (hier nicht
sichtbar). Das Altarbild – die Erweckung eines toten Knaben durch den
hl. Franz – stammt von J. Rottmayr, wie auch die Deckenfresken. Das
Vorsatzbild (Herz Jesu) ist von Leopold Kupelwieser.

Die Sebastian-Kapelle ist die linke grosse Seitenkapelle: Das
Altarblatt (Martyrium des hl. Sebastian) hat Anton Schoonjans gemalt,
die Deckenfresken schuf J. M. Rottmayr, das Bild über dem Tabernakel
ist eine Kopie des bekannten Gnadenbildes Mariahilf (von Franz S.
Rosenstingl). Die Heiligen aus weissen Stein sind Leopold, Karl
Borromäus, Rochus (beide Pestheilige) und König Ludwig von Frankreich.
Das Vorsatzbild zeigt Maria Hilf.

Der Innenraum verfügt über einen ovalen Grundriss, wodurch keine sonst
üblichen Seitenschiffe und kein Hauptschiff entstanden. Kleine Emporen
ziehen sich an den Wänden herum. Die Nutzfläche des Saales wird durch
rechteckige Anbauten vergrößert.
Der Altarraum, der vom Grundrissoval abgeht, hat eine rechteckige
Fläche, hier sind fünf farbige Spitzbogenfenster eingebaut. Links vom
Altarraum (gesehen im Inneren) befindet sich die Sakristei, rechts
davon ist der Zugang zur Krypta angeordnet. Sechs Nischen sind im Oval
abgetrennt, in denen weitere Nebenaltäre untergebracht sind. Über den
Nischen befinden sich Emporen mit fein ausgearbeiteten Balustraden.
Der Fußboden ist schachbrettartig mit beigen und braunen Fliesen
ausgelegt, unmittelbar vor dem Altarraum liegt darauf noch ein
gemusterter Teppich.
Die hölzernen Bankreihen sind in Vierergruppen im ovalen Raum
aufgestellt, längs und quer gibt es jeweils Durchgänge, an denen
Einzelstühle mit reichem Schnitzwerk stehen. Die Bänke verfügen über
geschnitzte Wangen oder Puttenköpfen und die Rückseite der jeweils
letzten Reihe ist durchgehend mit geschnitzten Ornamenten verziert.
Somit ergeben sich Plätze für knapp 400 Kirchenbesucher im Parterre,
hinzu kommen Sitzgelegenheiten in den Emporen.[

Das Wappen Kaiser Leopolds I. mit der Devise „Consilio et industria
(durch Besonnenheit und Fleiß)" ist im Kuppelbogen über dem Volksaltar
zu sehen.

Über dem Eingang der Kirche erhebt sich die Orgelempore. Brüstung,
Gitter im Rokoko-Stil und die Orgelpfeifen (2175 Pfeifen, 3 Manuale, 34
Stimmen) sind reich verziert. Das Gesamtkonzept der Orgel sowie auch
der Bänke stammt von Matthias Steinl.
Die heutige Orgel wurde 1903 in der Orgelbauwerkstatt des Franz Josef
Swoboda erbaut, das Orgelgehäuse stammt von Gottfried Sonnholz noch aus
der frühen Bauzeit des Gotteshauses aus dem Jahr 1751. Das
Kippventilladen-Instrument hat 34 Register auf drei Manualen und Pedal.
Die Spiel- und Registertrakturen sind pneumatisch.

Der runde Kanzelkorb ist wohl aus Speckstein gearbeitet, ihm sind
vergoldete Reliefs und Putten angefügt. Auf dem Schalldeckel befindet
sich eine vergoldete Kreuzigungsgruppe. Die Kanzel links neben dem
Presbyterium ist von Matthias Steinl entworfen: Vorne auf der Brüstung
der 12-jährige Jesus im Tempel lehrend, auf dem Schalldeckel eine
Dreifaltigkeitsdarstellung.
Kapelle der heiligen Familie zeigt im Altarbild (von Martino
Altomonte) den hl. Josef mit dem Jesuskind, links davon sitzend Maria,
im Vordergrund die Eltern der Gottesmutter, die hll. Joachim und Anna.
Die Statuen des Zacharias und der Elisabeth mit dem kleinen Johannes
dem Täufer ergänzen die Familie. Im Vorsatzbild der hl. Josefmaria
Escrivá, Gründer des Opus Dei. Unter der Altarmensa im gläsernen
Sargschrein die Leiche des Katakombenmärtyrers Donatus.

Johannes von Nepomuk - Altar: Rechts beim Presbyterium wurde 1729
anläßlich der Heiligsprechung des Heiligen erreichtet. Er stammt von
Lorenzo Mattielli (Holz, vergoldet) und stellt das Martyrium des hl.
Johannes Nepomuk dar. Darüber schwebt die Muttergottes von Bunzlau, wo
der Heilige Pfarrer war. Ein Engel hält ihm die Palme des Martyriums
entgegen. Die fünf Sterne im Wasser sind Symbol für das lateinische
Wort TACUI (ich habe geschwiegen).
Rechts die Michaels - Kapelle, Im grossen Altarblatt (vom Wiener
Schmidt): Der hl. Erzengel Michael als Sieger über die gefallenen
Engel, lnks und rechts die Statuen der hl. Gabriel und hl. Raphael. Das
Vorsatzbild ist eine Kopie des Gnadenbildes der Mutter vom Guten Rat,
ein Geschenk von Papst Leo XIII. Der Katakombenheilige im Schrein ist
der hl. Benediktus. Das Vorsatzbild: Maria, Mutter vom Guten Rat.

Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchensaal um eine Stufe erhöht. Hier
dominiert der Hochaltar, zu dem ein Altartisch mit Predella gehört, die
von einem Bildnis des Kirchenpatrons, dem Heiligen Petrus, geschmückt
wird. In der Apsis befindet sich zudem ein mehrere Meter hohes Wandbild
mit Szenen aus der Bibel. Rechts und links auf dem Altartisch stehen
kleine weiße Marmorfiguren.
Der Hochaltar wurde von Antonio Galli-Bibiena entworfen: Zentral ist
das große Altarblatt (von Martino Altomonte) mit der Heilung des Lahmen
an der Schönen Tempelpforte in Jerusalem durch die Apostel Petrus und
Johannes, flankiert von jeweils drei mächtigen Säulen. Über dem
Tabernakel die Immakulata von Leopold Kupelwieser (1836), die den
darüberstehenden Gnadenstuhl aus dem 15. Jahrhundert teilweise
verdeckt. Auf halber Höhe des Presbyteriums befinden sich links und
rechts die Kaiseroratorien. Über dem Hochaltarbild das Bild im Auszug:
Es stellt die Verehrung des Gottesnamens JAHWE dar.
Der Hochaltar stammt von Antonio Galli da Bibiena (Aufbau) und Martino
Altomonte (Altarbild).

Die Barbara-Kapelle stellt im Altarbild (von Franz Karl Remp) das
Martyrium der hl. Barbara dar, flankiert von den Statuen der hll. Klara
von Assisi und Theresia von Avila. Im Vorsatzbild der hl. Expeditus.
Das Gesamtkonzept sowie das Deckenfresko stammen von Matthias Steinl.

Die Antonius-Kapelle zeigt im Altarbild die Vision des hl. Antonius
von Padua vor der Gottesmutter und dem Jesuskind. Es stammt von M.
Altomonte. Links der hl. Johannes Ev, rechts der hl. Jakobus. Das
Vorsatzbild ist eine Herz-Mariä-Darstellung von L. Kupelwieser.

Die Innenkuppel wird von einem großen Deckengemälde mit Personen und
Szenen aus der Christenheit beherrscht. In den Kuppelseiten sind vier
Okuli mit nichtfarbigen runden Sprossenfenstern eingearbeitet. Der
oberste Kuppelbereich trägt die Darstellung des heiligen Geistes Taube
im Strahlenkranz.
Das Kuppelfresko wurde von Johann Michael Rottmayr in zwei Jahren
(1713-14) fast alleine gemalt. Hauptthema ist die Krönung Mariens durch
Gottvater und Gottsohn, der Hl. Geist schwebt darüber in der Laterne.
Rundherum die Apostel, bekannte Heilige und Gestalten aus dem Alten
Testament, die drei Erzengel und überall viele Engel.

Unter der Orgelempore befinden sich Fresken von A. Galli-Bibiena aus
dem Leben des hl. Petrus. Hier: Jesus befiehlt Petrus, über das Meer zu
gehen.

Das Relief Karls des Großen von Rudolf Weyr ist aus Marmor und
befindet sich seit 1906 an der rechten Aussenseite (Ostseite) der
Kirche: Es zeigt die legendäre Gründung der Peterskirche durch Kaiser
Karl den Großen.

Ansicht der Peterskirche vom Graben bei Tag und Nacht.
