Pfarrkirche Namen Jesu

Wien, Oktober 2023

Die Kirche Namen Jesu ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling. Sie wurde 1950 nach Plänen von Josef Vytiska errichtet und befindet sich in der Darnautgasse 3. Die Kirche ist jeden Tag von 07.00 bis 18.00 Uhr offen für Ruhe und Gebet. Dort gibt es einen "biblischen Impuls to go."

 Pfarrkirche Namen Jesu in Wien, Oktober 2023

Im bevölkerungsreichen Arbeiterbezirk Meidling entstand 1932 in einer ehemaligen leerstehenden Lederfabrik eine Notkirche. Architekt Bruno Buchwieser senior baute einen schlichten Campanile dazu, auf dem nachts ein großes Kreuz leuchtete. Die Bevölkerung nannte die Kirche Zweigroschenkirche, da sie zum Großteil aus Spendengeldern von Lesern des Zweigroschenblattes finanziert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den Jahren 1944 und 1945 durch Bombentreffer zerstört. 1950 wurde die nunmehrige neue Kirche nach Plänen von Josef Vytiska erbaut. Es handelt sich um einen Ziegelbau, der für ungefähr 1000 Personen Platz bietet.

 Pfarrkirche Namen Jesu in Wien, Oktober 2023

Der Corpus am Paradieskreuz, der das Leiden Jesu zum Ausdruck bringt, wurde bereits 1932 vom Tiroler Bildhauer Peter Sellemond geschaffen. Die Figur wurde aus der im 2. Weltkrieg zerstörten alten Kirche gerettet und war über ein halbes Jahrhundert auf einem einfachen Holzbalkenkreuz angebracht. Mit der Neugestaltung des Kreuzes kommen die Auferstehung und das Paradies deutlicher in den Blickpunkt. Der Entwurf stammt vom Glaskünstler Heinz Ebner, die Umsetzung erfolgte durch die Firma Geyling. Das moderne Kreuz aus Fusingglas mit der historischen Jesusfigur wurde 2005 in der Osternacht feierlich enthüllt.

Gleichzeitig wurde auch der Tabernakel in derselben Glastechnik erneuert und so die Gegenwart Jesu sowohl im Paradies als auch im Sakrament der Eucharistie verdeutlicht.

Der Altar beherbergt in Erinnerung an die Herkunft des Gründungspriesters Josef Gorbach Reliquien des Vorarlberger Landespatrons Fidelis von Sigmaringen sowie von Margareta Maria Alacoque. Er ist ebenso aus rotem Muthmannsdorfer Marmor wie der Ambo, der Taufbrunnen und der Sockel des Tabernakels. Der Ambo wurde bei der Versetzung des Altars 1998 neu gestaltet. Der Taufbrunnen wurde 1973 links vorne aufgestellt, nachdem die Taufkapelle im hinteren Teil der Kirche durch das heutige Beichtzimmer ersetzt wurde. Gleichzeitig mit dem Paradieskreuz wurde der Tabernakel 2005 in derselben Glastechnik erneuert.

Das Patrozinium "Namen Jesu" ist ein Auftrag, sich mit Jesus Christus auseinanderzusetzen. Darauf nehmen viele Symbole in der Kirche Bezug - wie etwa auch die vier Heiligenstatuen. Maria (über dem Taufbrunnen) hält das segnende Jesukind in ihren Armen und neigt ihm liebevoll ihren Kopf zu. Josef (rechts hinten neben dem Eingang zur Fatimakapelle) ist bereits mit dem etwas größeren Jesus zu sehen; die Säge in seiner Hand erinnert an seinen Beruf als Zimmermann. Judas Thaddäus (nach dem Haupteingang gleich rechts) trägt ein Bildnis von Jesus bei sich als Hinweis auf die Legende, dass nicht ein Künstler dieses Bild gemalt hat, sondern Gott selbst. Antonius (links hinten vor dem Beichtzimmer) ist traditionell mit dem kleinen Jesus dargestellt, da ihm Legenden zufolge die Muttergottes erschienen ist - daher das Symbol der Lilie.

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Das Deckenfresko stammt von Jamböck. Die Decke ist mittels eines großen Kreuzes gegliedert. In der Mitte des Kreuzes befindet sich das Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln, das Kreuz als Siegesfahne („Alleluja“). Rund um das Lamm sind die vier Lebewesen (Evangelisten), je mit einem Buch: ein Mensch (Matthäus), ein Löwe (Markus), ein Stier (Lukas) und ein Adler (Johannes). Die Zeichen sind der Apokalypse entnommen und beziehen sich auf die vier Evangelienanfänge.

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Kreuzweg: Die Kreuzwegstationen werden hier nicht als Einzelbilder präsentiert, sondern erstmals als durchgehendes Wandfresko gestaltet. Ein Werk des niederösterreichischen Künstlers Karl Steiner, der weiters eine Vielzahl von sakralen Sgraffiti und Fresken, aber auch Drahtplastiken und Tonreliefs schuf.

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Erst 1958 wurde in der Kirche eine neue Orgel errichtet. Sie besitzt 1.500 Orgelpfeifen und wurde von der weltbekannten Firma Walcker hergestellt (ebenso wie die erste Orgel in der Notkirche der 1930er Jahre).

Das Alpha-Fenster - Schöpfungs-Fenster: „Alpha“ steht für „Anfang“. Das Fenster enthält rings um den Buchstaben verschiedene Zeichen des Geschaffenen gemäß dem Schöpfungsbericht: Sonne, Mond, Sterne, die Erdscheibe, Tiere des Wassers und der Luft. Im oberen Teil des Alpha sehen wir die Schlange (Teufel; oder die am Holz erhöhte Schlange des Mose), darunter Adam und Eva als Herrscher über die Geschöpfe (Fisch und Pferd).

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Die fünf Fenster bilden ein Ensemble. Ihr gemeinsames Thema ist „Jesus Christus“. Sie wurden 1950 von dem Künstler Oswin Amann gemacht. Die Deutung geht vom Mittelfenster aus, welches das Ziel der Geschichte deutet (Apokalypse-Fenster). Links und rechts davon befinden sich Fenster mit Abkürzungen für Jesus: IHS (der irdische Jesus, das Jesus-Fenster) und XP (der erhöhte Christus, das Christus-Fenster). Ganz außen wie ein Rahmen A und W (Alpha- und Omega-Fenster) als Zeichen von Beginn und Endziel der Schöpfung. Die Gruppe der fünf Fenster und die Kirchendecke bilden wiederum ein Ganzes.

Das Christus-Fenster: Es enthält in gleicher Farbe wie das Namen-Jesu-Fenster das sogenannte Christus-Monogramm XP (Chi-Rho), für das griechisch geschriebene XPISTOS = Christus. In diesem Fenster soll das Wirken des erhöhten Christus dargestellt werden. Auf dem Rho eine Krone. Links und rechts vom Monogramm die eucharistischen Zeichen von Brot (Ähren) und Wein (Trauben). Die Trauben bilden mit dem Rho einen Weinstock („Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben ...“). Über dem Monogramm zwei Paradiesvögel (im Mittelalter gern als Symbol für die Seelen verwendet), unterhalb ein Buch (Evangelium) und Schafe (die Herde Christi).

Das Omega-Fenster: Omega als letzter Buchstabe des griechischen Alphabets steht für „Ende, Vollendung“. Oben sehen wir das himmlische Jerusalem, offen für alle. Das offene Tor erinnert an die Eingangstüre unserer Kirche. Von der Stadt gehen Lichtstrahlen aus. Im Omega finden wir das Buch des Lebens („LIBER VITAE“), darüber das Kreuz im gelblich-goldenen Schein (Herrlichkeit). Unterhalb des Omega eine Waage (Gericht und Gerechtigkeit Gottes), links davon ein Krug, rechts ein Korb mit Broten (beides Zeichen für das Gebot der Nächstenliebe – oder eucharistisches Symbol).

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Das Namen-Jesu-Fenster: In großer, rotbrauner Schrift steht hier JHS. Es sind die Anfangsbuchstaben des griechisch geschriebenen „Jesus“. Das Fenster will die Menschheit Jesu darstellen. Oberhalb der Schrift ein Stern und eine Taube. Von beiden gehen Strahlen aus. Die Taube (Hl. Geist) sendet Strahlen nach rechts unten auf eine Lilie (Maria). Der Stern (von Bethlehem) leuchtet schräg nach links unten auf Gefäße (Geschenke der Weisen aus dem Morgenland). Zwischen diesen Geschenken und Maria steht eine Krippe. Links und rechts des JHS sind Fische zu sehen (eucharistisches Symbol).

Das Apokalypse-Fenster: Von oben nach unten sehen wir: ein Dreieck (Dreifaltigkeit), darin eine Taube (Hl. Geist), unterhalb Christus, den König, am Kreuz – in priesterlichen Gewändern, aber ohne Wundmale (er ist bereits erhöht). Zu seinen Füßen der besiegte Drache. Vor ihm ein Gefäß mit Weihrauch (Sinnbild der Gebete zu Christus). Vom Fuß des Kreuzes aus gehen sieben Ströme (die Sakramente). Den unteren Abschluss bilden drei Fische – im Griechischen ICHTHYS, eine Abkürzung für „Jesous Christós Theou Yiós Sotér“ = Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Links und rechts vom Christkönig zwei Gestalten: Die eine mit zerbrochenem Stab und verbundenen Augen, hinter ihr ein zerfallendes Gebäude. Sie soll die Synagoge darstellen. Die andere Figur hält einen Kelch und weist auf Christus hin. Neben ihr die Kirche Namen Jesu (noch mit dem Rosettenfenster über dem Eingang).

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Kirchendecke: Flächendeckend gestaltete der Wiener Bildhauer Karl Jamöck 1950 das Deckenfresko in Sgraffito-Technik. Hier setzt sich die Heilsgeschichte von den Kirchenfenstern fort.
In der Mitte erfolgt die Verherrlichung Jesu im Himmel. Das Osterlamm mit Heiligenschein und Spruchband "Alleluja" hat das Kreuz besiegt und steht auf dem Buch mit sieben Siegeln, umgeben von einem großen, heilbringenden Strahlenkranz.
Rund um das Lamm sind die vier Lebewesen (Evangelisten), je mit einem Buch: ein Mensch (Matthäus), ein Löwe (Markus), ein Stier (Lukas) und ein Adler (Johannes). Die Zeichen sind der Apokalypse entnommen und beziehen sich auf die vier Evangelienanfänge.
Die anderen Attribute stehen für Heilige, die durch ihre Aussagen mit dem Namen Jesu in Verbindung gebracht werden: z.B. gekreuzte Schwerterstehen für Paulus, der angekettete Drache für Ignatius von Loyola. Ganz vorne und hinten sehen wir Gruppen von Heiligen: z.B. Sandalen und Wanderstab für Apostel, Ölkrug und Öllampe für Jungfrauen.

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Fatimakapelle

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Das Rundfenster von Paris Gütersloh
Das Rundfenster, das früher die Rosette über dem Eingang zierte, wurde im Zuge der 1985 erfolgten Außenrenovierung ausgebaut und, für alle einsehbar, indirekt beleuchtet, hier an der Decke der Fatimakapelle angebracht. Es ist ein Werk des prominenten Künstlers Albert Paris Gütersloh. Der 1887 in Wien geborene Meister war nicht nur ein verehrter Lehrer von Malern der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“, wie Brauer, Fuchs, Hutter, Lehmden, sondern auch als Schriftsteller und Verfasser eines umfangreichen Romanwerks bekannt.

In klarer Gliederung hat er die vier Kardinaltugenden dargestellt.
 Die Klugheit, symbolisiert durch die Frauengestalt mit dem Finger auf dem Mund, mahnt zu schweigen bzw., von der Gottesgabe der Sprache den rechten Gebrauch zu machen.
 Die Gerechtigkeit teilt das Brot in zwei gleiche Teile und gibt jedem das Seine.
 Die Mäßigung, die den Gürtel enger schnallt, versteht es, in allem Maß zu halten.
 Der Starkmut ist bereit zu kämpfen, aber mit den Waffen des Gekreuzigten. Mit dem Kreuz in der Hand scheint die Gestalt uns zuzurufen: „In diesem Zeichen wirst Du siegen.“

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: