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Die Jesuitenkirche ist eine barocke
römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt.
Sie befindet sich am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz neben der Alten
Universität, weshalb sie auch als Universitätskirche bekannt ist. Die
Universitätskirche oder auch Jesuitenkirche gilt als eine der schönsten
Kirchen Wiens. Das Jesuitenkolleg wurde 1623 mit der Universität
vereint. Prunkvoll und mit sehr viel Gold dekoriert, wirkt sie dennoch
sehr hübsch.
Der erste Bauherr der Kirche, Kaiser Ferdinand II., hat dieses
Gotteshaus als Siegeszeichen errichtet. Dies kündet die lateinische
Inschrift auf den Architraven der Außenfassade: DEO VICTORI.
TRIUMPHATORI OPT. MAX. TROPHAEUM HOC IN MEMORIAM. B. VIRGINIS. MARIAE.
SSQ. IGNATII. ET FRANCISCI XAVER. FERDINANDUS II. IMPERATOR. STATUIT.
M.DC. XXVII. (Gott, dem Sieger, dem Triumphator, dem Besten, dem
Größten hat Kaiser Ferdinand IT. dieses Siegeszeichen im Gedenken an
die selige Jungfrau Maria und die Heiligen Ignatius und Franz Xaver
errichtet 1627.)

Der Jesuitenbruder Andrea Pozzo (1642-1709), in Trient geboren, als
Architekt, Bildhauer und Maler in Oberitalien ausgebildet, hatte den
ersten Band seiner 1693 erschienenen „Perspectiva Pictorum et
Architectorum" Kaiser Leopold I. gewidmet. Auf Drängen des Kaisers war
er dann 1702 nach Wien gekommen und konnte im Jahr darauf die
Umgestaltung der Universitätskirche beginnen. Pozzo hat in die acht
Seitenkapellen in der Höhe des Ansatzes der Stirnbogen Emporen
eingezogen, die alle miteinander verbunden sind. Dazu wurden die
Trennwände im Gewölbeansatz der Kapellen durchbrochen und durch
Stichkappen abgefangen. Diese Emporen wurden jeweils in der Mitte im
Oval nach unten geöffnet. In den Kirchenraum kragen sie im Halboval aus.

Von besonderem handwerklichem Können zeugen die Tischlerarbeiten,
meistens in Nussholzfurnier und mit reichen Intarsien: die vier großen
Bankblöcke, an den Häuptern mit Schnitzwerk gekrönt. Und nicht weniger
die Kanzel am Pfeiler zwischen
der ersten und zweiten Seitenkapelle zur Linken mit reichen
Perlmuttintarsien und Skulpturen, die alle vergoldet sind. Auf dem
Schalldeckel der hl. Franz Xaver, einen Heiden taufend, und
Symbolgestalten von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Hochaltar: Dieser bildet einen
markanten Raumabschluss. Das Altarbild „Maria Himmelfahrt“ malte Andrea
Pozzo, wobei er dem Apostel Andreas links unten seine eigenen Züge gab.

Begleitet werden die Bilder des Gewölbes von Versen des 113. Psalms.
Der Sieg Gottes wird in ihm gefeiert, der Sieg eines Gottes, der den
Schwachen aus dem Staub emporhebt, den Armen erhöht, der gering
geschätzten Frau zu Ansehen verhilft. Der Sieg Gottes zeigt sich —
nicht im Sieg des Überlegenen, Mächtigen, Starken, sondern im Sieg des
Schwachen, des Kleinen. So sind auch die beiden Szenen zu verstehen,
welche die großen illusionistischen Bilder des Gewölbes rahmend
zwischen sich nehmen: über den Emporen beim Eingang die Anbetung der
Hirten, am Beginn des Presbyteriumsdie Rast der Heiligen Familie auf
der Flucht nach Ägypten.

Ignatiuskapelle: Vision des hl.
Ignatius bei La Storta (Altarbild, im 19. Jahrhundert nazarenisch
übermalt), Aussendung des hl. Franz Xaver (links), Ignatius schreibt am
Exerzitienbuch, dabei erscheint ihm die Gottesmutter (rechts), Herz
Jesu (Predellenbild, Leopold Kupelwieser, 1857).

Josefskapelle: Josefs Sterben
(Altarbild), die Hl. Familie (links), die Hl. Familie auf der Flucht
(rechts, W. Köberl, 1964), Maria lactans (Predellenbild, Kopie des 16.
Jahrhunderts nach dem Gnadenbild der Donna Maria de Uzategui in der
Kirche Santa Rosa bei Lima in Peru).

Schutzengelkapelle: Schutzengel
(Altarbild), Gabriel mit dem Haus von Loreto und Stadtansicht (links),
Michael (rechts), Antonius von Padua (Predellenbild, 18. Jahrhundert).

Leopoldskapelle: Apotheose des
hl. Leopold (Altarbild), die Gründung von Klosterneuburg,
Schleierlegende (links), der Bau von Klosterneuburg (rechts), Johannes
Nepomuk (Predellenbild).

An der Rückwandist im vergoldeten Relief die Taufe Jesu dargestellt. Am
Kanzelkorb
befinden sich die vier Evangelisten in der Reihenfolge Lukas (mit
Stier), Matthäus, Johannes und Markus (mit Löwen); schließlich an der
Unterseite vergoldet Girlanden und drei fliegende Putti, von denen
einer ein Teufelchen ist. Der Engelssturz vom Deckenfresko wiederholt
sich hier in niedlicher Weise.
Kanzel: an der Unterseite des Kanzelkorbes ein Engelkampf, Putti
spielen den Kampfder großen Engel im Gewölbe nach; am Kanzelkorb die
Evangelisten; an der Rückwand Taufe Christi; auf dem Schalldeckel
Glaube, Hoffnung, Liebe, ganz oben tauft Franz Xaver einen Heiden.

Im übrigen ist der Raumeindruck bestimmt durch die perspektivisch
illusionistische Malerei, die auf dem durchgehenden Tonnengewölbe, aus
dem nur der Mittelgurt herausgenommenist, eine mächtige Kuppel
vortäuscht, die durch eine Laterne Licht empfängt, und die in den
Jochen davor und danach den Blick in den Himmel öffnet.

Die Orgel mit 41 Registern
wurde von Hartwig Späth, Freiburg im Breisgau, gebaut. (Orgelweihe
Pfingsten 2004)

Annenkapelle: Anna, Maria und
ein Engel (Altarbild), Mariä Geburt (links), Anna lehrt Maria lesen
(rechts), Franz Xaver (Predellenbild).

Stanislauskapelle: Franz Borja
empfängt Stanislaus Kostka in Rom (Altarbild), Aloysius von Gonzaga
(links), drei Jesuitenmärtyrer in Japan (rechts), Barbara
(Predellenbild, 19. Jahrhundert).

Kapelle der Theologischen Fakultät:
Kreuzigung (Altarbild), die lateinischen Kirchenväter Gregor,
Augustinus, Ambrosius, Hieronymus (links), Thomas von Aquin (rechts),
Petrus Canisius (Predellenbild, 19. Jahrhundert).

Kapelle der Philosophischen Fakultät:
Mystische Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien (Altarbild),
Feuerprobe der hl. Kunigunde (links), der hl. Kasimir wird von einem
Bischof gesegnet (rechts), Judas Thaddäus (Predellenbild, 19. oder 20.
Jahrhundert).

Sämtliche großen Bilder der Seitenkapellen, mit Ausnahme der „Hl.
Familie auf der Flucht“, stammen aus der Werkstatt des Andrea Pozzo,
Anfang 18. Jahrhundert, Öl auf Leinwand. Die Predellenbilder sind aus
späterer Zeit, mit Ausnahme des Muttergottesbildes. Die Fresken des
Gewölbes sind Kopien nach Pozzo von Johann Peter Krafft, 2. Viertel 19.
Jahrhundert.

Zweites und drittes Joch: Scheinkuppel mit Gottvater in der Laterne,
Glaube, Gerechtigkeit, Klugheit; Augustinus, Ambrosius, Gregor,
Hieronymus; Petrus, Paulus.
Viertes Joch: Engelglorie; Jiphtach, Gideon.
Presbyterium: Rast der Hl. Familie auf der Flucht.
Über dem Hochaltar: Trinität.

In dieser so geprägten Atmosphäre sinnbildet der Innenraum eine
farbenprächtige, formenreiche und ganzheitliche Schau der kosmischen
Wirklichkeit, die im Geheimnis der Schöpfung gründet. Der Schöpfergott
erscheint in der Laterne der in das Tonnengewölbe hinein gemalten, den
Kirchenraum beherrschenden Scheinkuppel. Und weitergeführt wird das
Spiel zwischen Himmel und Erde in den Deckenfresken; zuerst in
Rötelzeichnungen mit auf die Erlösung hinweisenden Szenen aus dem Alten
Testament; dann in den Jochen vor und nach der Scheinkuppel: zuerst in
der Überwindung der aufrührerischen Engel — und dann im siegreichen
Jubel und Gotteslob der Engel, wo sich auch eine Kartusche mit den
ersten Worten des 113. (bzw. 112.) Psalms befindet: Lobt ihr Knechte
den Herrn, lobt den Namen des Herrn! Weitere Verse des Psalmssind bis
zur Laterne der Kuppel hin zu finden.

Die Kirche ist 50 Meter lang und 26 Meterbreit. Sie erhält durch die
großen Fensteröffnungen der Eingangsfront sowie durch Fenster im
Gewölbe des Langhauses reichlich Licht. Dazu kamen ursprünglich noch in
den Seitenkapellen große Mittelfenster.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: