Jesuitenkirche

Universitätskirche in  Wien, April 2026

Die Jesuitenkirche ist eine barocke römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt. Sie befindet sich am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz neben der Alten Universität, weshalb sie auch als Universitätskirche bekannt ist. Die Universitätskirche oder auch Jesuitenkirche gilt als eine der schönsten Kirchen Wiens. Das Jesuitenkolleg wurde 1623 mit der Universität vereint. Prunkvoll und mit sehr viel Gold dekoriert, wirkt sie dennoch sehr hübsch.

Der erste Bauherr der Kirche, Kaiser Ferdinand II., hat dieses Gotteshaus als Siegeszeichen errichtet. Dies kündet die lateinische Inschrift auf den Architraven der Außenfassade: DEO VICTORI. TRIUMPHATORI OPT. MAX. TROPHAEUM HOC IN MEMORIAM. B. VIRGINIS. MARIAE. SSQ. IGNATII. ET FRANCISCI XAVER. FERDINANDUS II. IMPERATOR. STATUIT. M.DC. XXVII. (Gott, dem Sieger, dem Triumphator, dem Besten, dem Größten hat Kaiser Ferdinand IT. dieses Siegeszeichen im Gedenken an die selige Jungfrau Maria und die Heiligen Ignatius und Franz Xaver errichtet 1627.)

 Jesuitenkirche / Universitätskirche in Wien, April 2026

Der Jesuitenbruder Andrea Pozzo (1642-1709), in Trient geboren, als Architekt, Bildhauer und Maler in Oberitalien ausgebildet, hatte den ersten Band seiner 1693 erschienenen „Perspectiva Pictorum et Architectorum" Kaiser Leopold I. gewidmet. Auf Drängen des Kaisers war er dann 1702 nach Wien gekommen und konnte im Jahr darauf die Umgestaltung der Universitätskirche beginnen. Pozzo hat in die acht Seitenkapellen in der Höhe des Ansatzes der Stirnbogen Emporen eingezogen, die alle miteinander verbunden sind. Dazu wurden die Trennwände im Gewölbeansatz der Kapellen durchbrochen und durch Stichkappen abgefangen. Diese Emporen wurden jeweils in der Mitte im Oval nach unten geöffnet. In den Kirchenraum kragen sie im Halboval aus.

 Jesuitenkirche / Universitätskirche in Wien, April 2026

Von besonderem handwerklichem Können zeugen die Tischlerarbeiten, meistens in Nussholzfurnier und mit reichen Intarsien: die vier großen Bankblöcke, an den Häuptern mit Schnitzwerk gekrönt. Und nicht weniger die Kanzel am Pfeiler zwischen der ersten und zweiten Seitenkapelle zur Linken mit reichen Perlmuttintarsien und Skulpturen, die alle vergoldet sind. Auf dem Schalldeckel der hl. Franz Xaver, einen Heiden taufend, und Symbolgestalten von Glaube, Liebe und Hoffnung.

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Hochaltar: Dieser bildet einen markanten Raumabschluss. Das Altarbild „Maria Himmelfahrt“ malte Andrea Pozzo, wobei er dem Apostel Andreas links unten seine eigenen Züge gab.

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Begleitet werden die Bilder des Gewölbes von Versen des 113. Psalms. Der Sieg Gottes wird in ihm gefeiert, der Sieg eines Gottes, der den Schwachen aus dem Staub emporhebt, den Armen erhöht, der gering geschätzten Frau zu Ansehen verhilft. Der Sieg Gottes zeigt sich — nicht im Sieg des Überlegenen, Mächtigen, Starken, sondern im Sieg des Schwachen, des Kleinen. So sind auch die beiden Szenen zu verstehen, welche die großen illusionistischen Bilder des Gewölbes rahmend zwischen sich nehmen: über den Emporen beim Eingang die Anbetung der Hirten, am Beginn des Presbyteriumsdie Rast der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten.

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Ignatiuskapelle: Vision des hl. Ignatius bei La Storta (Altarbild, im 19. Jahrhundert nazarenisch übermalt), Aussendung des hl. Franz Xaver (links), Ignatius schreibt am Exerzitienbuch, dabei erscheint ihm die Gottesmutter (rechts), Herz Jesu (Predellenbild, Leopold Kupelwieser, 1857).

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Josefskapelle: Josefs Sterben (Altarbild), die Hl. Familie (links), die Hl. Familie auf der Flucht (rechts, W. Köberl, 1964), Maria lactans (Predellenbild, Kopie des 16. Jahrhunderts nach dem Gnadenbild der Donna Maria de Uzategui in der Kirche Santa Rosa bei Lima in Peru).

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Schutzengelkapelle: Schutzengel (Altarbild), Gabriel mit dem Haus von Loreto und Stadtansicht (links), Michael (rechts), Antonius von Padua (Predellenbild, 18. Jahrhundert).

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Leopoldskapelle: Apotheose des hl. Leopold (Altarbild), die Gründung von Klosterneuburg, Schleierlegende (links), der Bau von Klosterneuburg (rechts), Johannes Nepomuk (Predellenbild).

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An der Rückwandist im vergoldeten Relief die Taufe Jesu dargestellt. Am Kanzelkorb befinden sich die vier Evangelisten in der Reihenfolge Lukas (mit Stier), Matthäus, Johannes und Markus (mit Löwen); schließlich an der Unterseite vergoldet Girlanden und drei fliegende Putti, von denen einer ein Teufelchen ist. Der Engelssturz vom Deckenfresko wiederholt sich hier in niedlicher Weise.

Kanzel: an der Unterseite des Kanzelkorbes ein Engelkampf, Putti spielen den Kampfder großen Engel im Gewölbe nach; am Kanzelkorb die Evangelisten; an der Rückwand Taufe Christi; auf dem Schalldeckel Glaube, Hoffnung, Liebe, ganz oben tauft Franz Xaver einen Heiden.

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Im übrigen ist der Raumeindruck bestimmt durch die perspektivisch illusionistische Malerei, die auf dem durchgehenden Tonnengewölbe, aus dem nur der Mittelgurt herausgenommenist, eine mächtige Kuppel vortäuscht, die durch eine Laterne Licht empfängt, und die in den Jochen davor und danach den Blick in den Himmel öffnet.

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Die Orgel mit 41 Registern wurde von Hartwig Späth, Freiburg im Breisgau, gebaut. (Orgelweihe Pfingsten 2004)

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Annenkapelle: Anna, Maria und ein Engel (Altarbild), Mariä Geburt (links), Anna lehrt Maria lesen (rechts), Franz Xaver (Predellenbild).

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Stanislauskapelle: Franz Borja empfängt Stanislaus Kostka in Rom (Altarbild), Aloysius von Gonzaga (links), drei Jesuitenmärtyrer in Japan (rechts), Barbara (Predellenbild, 19. Jahrhundert).

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Kapelle der Theologischen Fakultät: Kreuzigung (Altarbild), die lateinischen Kirchenväter Gregor, Augustinus, Ambrosius, Hieronymus (links), Thomas von Aquin (rechts), Petrus Canisius (Predellenbild, 19. Jahrhundert).

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Kapelle der Philosophischen Fakultät: Mystische Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien (Altarbild), Feuerprobe der hl. Kunigunde (links), der hl. Kasimir wird von einem Bischof gesegnet (rechts), Judas Thaddäus (Predellenbild, 19. oder 20. Jahrhundert).

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Sämtliche großen Bilder der Seitenkapellen, mit Ausnahme der „Hl. Familie auf der Flucht“, stammen aus der Werkstatt des Andrea Pozzo, Anfang 18. Jahrhundert, Öl auf Leinwand. Die Predellenbilder sind aus späterer Zeit, mit Ausnahme des Muttergottesbildes. Die Fresken des Gewölbes sind Kopien nach Pozzo von Johann Peter Krafft, 2. Viertel 19. Jahrhundert.

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Zweites und drittes Joch: Scheinkuppel mit Gottvater in der Laterne, Glaube, Gerechtigkeit, Klugheit; Augustinus, Ambrosius, Gregor, Hieronymus; Petrus, Paulus.
Viertes Joch: Engelglorie; Jiphtach, Gideon.
Presbyterium: Rast der Hl. Familie auf der Flucht.
Über dem Hochaltar: Trinität.

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In dieser so geprägten Atmosphäre sinnbildet der Innenraum eine farbenprächtige, formenreiche und ganzheitliche Schau der kosmischen Wirklichkeit, die im Geheimnis der Schöpfung gründet. Der Schöpfergott erscheint in der Laterne der in das Tonnengewölbe hinein gemalten, den Kirchenraum beherrschenden Scheinkuppel. Und weitergeführt wird das Spiel zwischen Himmel und Erde in den Deckenfresken; zuerst in Rötelzeichnungen mit auf die Erlösung hinweisenden Szenen aus dem Alten Testament; dann in den Jochen vor und nach der Scheinkuppel: zuerst in der Überwindung der aufrührerischen Engel — und dann im siegreichen Jubel und Gotteslob der Engel, wo sich auch eine Kartusche mit den ersten Worten des 113. (bzw. 112.) Psalms befindet: Lobt ihr Knechte den Herrn, lobt den Namen des Herrn! Weitere Verse des Psalmssind bis zur Laterne der Kuppel hin zu finden.

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Die Kirche ist 50 Meter lang und 26 Meterbreit. Sie erhält durch die großen Fensteröffnungen der Eingangsfront sowie durch Fenster im Gewölbe des Langhauses reichlich Licht. Dazu kamen ursprünglich noch in den Seitenkapellen große Mittelfenster.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: