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Die Dominikanerkirche (St. Maria Rotunda) ist eine
ursprünglich im Jahr 1237 erbaute und zuletzt im 17. Jahrhundert neu
errichtete römisch-katholische Pfarrkirche in Wien. Sie befindet sich
auf der Dominikanerbastei an der Postgasse 4 im 1. Wiener
Gemeindebezirk Innere Stadt.
Die Gestaltung der Fassade orientiert sich an frühbarocken römischen
Kirchen, die wiederum Anleihen bei der florentinischen
Dominikanerkirche Santa Maria Novella nahmen. Über dem Portal befindet
sich eine Statue der Hl. Maria vom Rosenkranz, der auch die Kirche
geweiht ist.

Am 6. Mai 1631 legte Kaiser Ferdinand II. den Grundstein für eine neue,
barocke Kirche. Nach rund drei Jahren war der Rohbau fertiggestellt,
die Weihe erfolgte am 1. Oktober 1634. Die Kuppel und Fassade wurden
erst nachträglich, von 1666 bis 1674 gebaut. Zu dieser Zeit war die
Dominikanerkirche nach dem Stephansdom die zweitgrößte Kirche Wiens.
1927 wurde die Kirche von Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben.

Bemerkenswert sind die zwei Epitaphien
für den flämischen Maler, Bildhauer und Kupferstecher François
Roettiers (1685-1742) und seine 1734 verstorbene Ehefrau Johanna von
Roettiers über den beiden Emporenaufgängen. Sie stammen wohl von den
gleichen Künstlern, die auch die Vinzenz-Ferrer-Kapelle ausführten. Das
Epitaph von François Roettiers auf der Nordseite besteht aus einem
obeliskartigen Sarkophagaufbau. Über einem Wappenmedaillon präsentieren
zwei Putten das Büstenrelief des Verstorbenen.

Das Kirchenschiff ist 46,54 Meter lang, 20,90 Meter breit und hat eine Höhe von 22,10 Metern. Der Hochaltar entstand um 1840 nach einem Entwurf von Carl Rösner (1804-1869). Er besteht aus einem
triumphbogenartigen Retabel mit Kompositsäulen auf hohem Sockel. Das
von Leopold Kuppelwieser (1796-1862) signierte und mit 1839 datierte
Altarblatt hat die Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch
Papst Pius V. als Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der
Seeschlacht von Lepanto 1571 zum Thema. Im Auszugsbild darüber,
ebenfalls ein Werk von Leopold Kuppelwieser, schwebt Gottvater, von
Engeln getragen, über den Wolken. Im Gewölbe über der Lunette
präsentieren zwei Engel eine Uhr, die allerdings nie ein Uhrwerk
besessen hat. Sie zeigt 11.45 Uhr an, was der heutigen Redewendung: „Es
ist fünf vor zwölf", entspricht. Der Gläubige soll bedenken, wo er
steht.
Der Tabernakel aus vergoldetem Messing geht auf einen Entwurf von Josef
Ferstel aus dem Jahr 1885 zurück. Auf vier Emaillebildern sind
Ordensheilige mit besonderer Beziehung zur Eucharistie dargestellt,
nämlich der hl. Thomas von Aquin, der hl. Hyacinth, die hl. Imelda und
die hl. Agnes von Montepulciano. Die modernen Türen von 1958 zieren
Engelsreliefs. Bekrönt wird der Tabernakel von einer barocken
Strahlenkranzmadonna aus dem 17. Jh. Die zwei Reliquienaufsätze zu
beiden Seiten des Tabernakels stammen aus dem 18. Jh.

Über der Vierung blickt man auf das Kuppelfresko
des Wiener Historienmalers Franz Geyling aus dem Jahr 1836. Die alte
Flachkuppel war 1820 durch eine neue ersetzt worden und das 1674 von
Nikolaus van Hoy geschaffene Fresko, das die Ausgießung des Hl. Geistes
zeigte, übermalt worden. Über einem illusionistischen Tambour ist die
Rosenkranzkönigin, umringt von adorierenden Engeln, dargestellt. Das
Dreiecksymbol über Maria steht für Gott. Der Weg soll den Gläubigen
dahin führen, wo Maria bereits verweilt. Sie fordert uns sozusagen auf,
hinauf zum Himmel zu streben. Vier schwebende Engel mit
Evangelienbüchern präsentieren Evangelienzitate mit marianischem Bezug
zum glorreichen Rosenkranz. Darauf beziehen sich auch die Ölbilder in
den Pendentifs der Kuppel, die noch Nikolaus van Hoy zugeschrieben
werden. Sie zeigen die Auferstehung und Himmelfahrt Christi sowie die
Krönung Mariens und die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Kuppelfresko mit der Rosenkranzkönigin von Franz Geyling, 1836.

Kapelle des hl. Dominikus: Die
Kapelle im südlichen Querschiff ist dem hl. Dominikus gewidmet. Er lädt
den Gläubigen ein, den Weg zu Christus zu gehen. Der kaiserliche
Doppeladler mit Wappen im Zentrum des Altars verweist auf den
kaiserlichen Hof als Stifter der Kapelle, in deren Gruft Claudia
Felicitas, die Gemahlin Kaiser Leopolds I. (reg. 1658-1705), am 2.
September 1676 bestattet wurde. Das Altarbild (um 1655) mit der
Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit durch die beiden hll. Dominikus
und Franziskus stammt von Tobias Pock ebenso wie das Auszugsbild, auf
dem die Muttergottes dem hl. Dominikus den Rosenkranz überreicht. Im
Auszug steht die Figur des Erzengels Michael, umgeben von Putten. Die
oberen Nischen zu beiden Seiten des Altars nehmen die sitzenden Figuren
der hl. Katharina und der hl. Barbara auf. In den Nischen darunter
stehen die Skulpturen des hl. Leopold und des hl. Florian, während in
den Medaillons geistliche und weltliche Würdenträger abgebildet sind.
Die oberen Medaillons zeigen vermutlich Mitglieder des Herrscherhauses,
die unteren Bischöfe von Wien. Das Tabernakelbild aus dem 19. Jh. ist
eine Kopie des Bildnisses des hl. Dominikus in der süditalienischen
Wallfahrtskirche zu Soriano.
Am südwestlichen Vierungspfeiler leitet der Johann-Nepomuk-Altar,
der 1724 nach Entwürfen von Lorenzo Mattielli (1687-1748) errichtet
wurde, zum Querhaus über. Der konkav geschwungene Marmoraltar mit dem
Gnadenbild aus Altbunzlau in der Predella wird von korinthischen
Doppelsäulen auf reliefierten Sockeln flankiert. Die zwei Sockelreliefs
zeigen jeweils eine Szene aus dem Leben des hl. Johannes Nepomuk,
nämlich den Gang des Heiligen über die Brücke und die Beichte der
Königin. Auf dem Altarblatt ist das Martyrium des Heiligen abgebildet.
Das ovale Auszugsbild darüber enthält ein Bildnis des hl. Johannes d.
T. Den oberen Abschluss bilden zwei figurenbesetzte Voluten mit den
allegorischen Sitzfiguren von Glaube und Hoffnung unter einer
monumentalen Krone. An den Seiten des Altars sind die Figuren des hl.
Antonius von Padua, des hl. Vinzenz Ferrer, des Apostels Petrus und des
hl. Severin von Noricum angeordnet.

Die beiden Querhausaltäre wurden um 1665 von Giovanni Battista
Barberino (1625-1691) geschaffen. Es handelt sich um wandfüllende
Gesamtkonzep-tionen von Architektur und Stuck. Über einer hohen
Sockelzone mit Atlanten und Engeln erhebt sich eine gestaffelte
Säulenpfeilerstellung mit gebrochenen Gebälkstücken. Das Altarblatt ist
etwas zurückversetzt ebenso wie der figurenbesetzte Auszug mit ovalem
Bildfeld. Zu beiden Seiten der Altäre findet sich eine von Pilastern
gerahmte Achse mit Kartuschen und Figurennischen. Um 1665 entstanden
auch die Kommunionbrüstungen aus Marmor, deren Pfosten mit
Puttenreliefs geschmückt sind. Die beiden Sarkophagaltäre mit den
spätklassizistischen, tempiettoartigen Tabernakeln wurden erst im 19.
Jh. ergänzt.
Kapelle des Namens Jesu: Die
nördliche Querschiffkapelle, eine Stiftung der Grafen Abensberg-Traun,
ist dem Namen Jesu geweiht. Dementsprechend wird der Altar von einer
Figur des Salvators zwischen Putten bekrönt. Seitlich über dem Gebälk
und in den Nischen darunter finden sich die Figuren der vier
Evangelisten. Die Medaillons dazwischen zeigen die beiden Propheten
Jesaia und Jeremia sowie den hl. Paulus und den hl. Petrus. Das
Altarbild mit der Anbetung der Hirten aus dem Jahr 1668 wird Nikolaus
van Hoy (1631-1679) zugeschrieben. Gottvater sendet einen Lichtstrahl
zum Jesuskind, das dieses Licht aufnimmt und selbst zu leuchten
scheint.
Die Verkündigung und Verbreitung des Glaubens ist auch das zentrale Thema der Kanzel
am nördlichen Vierungspfeiler, die 1698/99 nach einem Entwurf von
Matthias Steinl (1644-1727) entstand. Die Vorderseite des Kanzelkorbs
ist mit reliefierten Putten geschmückt, die eine blaue,
rosenkranzumschlungene Erdkugel in ihrer Mitte präsentieren. Darunter
befindet sich eine Kartusche mit der Inschrift „toto diffunditur orbe":
Die Rosenkranzverkündigung wird über den ganzen Erdkreis verbreitet.
Die blaue Farbe der Weltkugel verweist auf den Himmel. Die Einheit von
Himmel und Erde wird im Leben Jesu wieder hergestellt. Dies wird durch
den Rosenkranz verdeutlicht, der die Weltkugel umspannt. Auch der Putto
mit dem Zirkel verweist auf einen neuen Himmel und eine neue Erde in
Jesus.
Auf dem Schalldeckel erhebt sich ein Volutenaufbau mit den
Personifikationen der vier damals bekannten Erdteile an den Ecken.
Neben der prächtig gekleideten, asiatischen Frauenfigur hält die
Personifikation Europas ein Kirchenmodell auf ihren Knien. Amerika ist
mit Öllampe und Fackel als Kontinent des neuen Lichts dargestellt. Die
dunkelhäutige Frauengestalt mit Federrock, Federkrone und Pfeilköcher
repräsentiert Afrika. In der Mitte sitzt ein Putto, der die Erdteile mit
einer Rosengirlande verbindet, so wie die Betrachtung des Lebens Jesu
die Erde einen soll. Bekrönt wird die Kanzel von einer
Heilig-Geist-Gloriole, umgeben von Engeln und Putten. Der linke Engel
mit erhobenem Arm öffnet seine Hand zum Hl. Geist in Gestalt einer
Taube. Mit dieser Geste nimmt er das Wort Gottes auf. Der Putto zu
seinen Füßen wiederum sät das Wort Gottes aus und gibt es damit weiter.

Kapelle der hl. Katharina von Siena:
Die Seitenkapelle westlich der Kanzel, eine Stiftung der Grafen von
Löwel, ist der hl. Katharina von Siena geweiht. Hier wird der Gläubige
aufgefordert, Verantwortung in der Kirche zu übernehmen. Die Heilige
ersuchte den Papst, von Avignon nach Rom zurückzukehren, und schrieb
Briefe, in denen sie Missstände aufzeigte. Dabei war sie nicht gegen
die Kirche eingestellt, sondern sie wollte, dass in ihr wieder eine
Gemeinschaft entstehe, wie sie im christlichen Sinne gedacht war.
Die Wandbilder von François Roettiers zeigen Szenen aus dem Leben der
hl. Katharina. Ihre Stigmatisierung, die Begegnung mit Christus als
Aussätzigem, die Verherrlichung, das Kommunionwunder und schließlich
die Vermählung mit Christus verdeutlichen die innige Verbindung der
Heiligen zu Jesus. Die mystische Vermählung ist auch das Motiv des um
1720 ebenfalls von François Roettiers geschaffenen Altarbilds. Durch
den Herzenstausch ist die hl. Katharina aufs Innigste mit Jesus
vereint. Über dem Säulenretabel erhebt sich ein mit Engeln besetzter
Sprenggiebel. Auf dem von einem Kruzifix bekrönten Auszugsbild sind
Putten dargestellt. Flankiert wird der Altar von den zwei Seitenfiguren
des hl. Martin von Tours und des hl. Georg.

Beim Betreten des Kirchenraumes fällt als erstes die prächtige
Ausstattung mit den bemerkenswerten Malereien und der üppigen
Stuckdekoration ins Auge, die dem Raum eine plastische und dynamische
Wirkung verleiht.
Hohe Rundbogenarkaden öffnen die Wände des Langhauses zu den einzelnen
Seitenkapellen. Diese sind durch Durchgänge miteinander verbunden und
erwecken so den Eindruck von Seitenschiffen. Wände und Gewölbe der
Seitenkapellen sind mit rechteckigen Malereifeldern geschmückt, deren
Stuckrahmen von Putten gehalten werden. Die Arkadenpfeiler zieren reich
stuckierte Pilaster, die mit Rankenwerk und Putten dekoriert sind und
in ionischen Kapitellen mit Cherubsköpfen und Früchtefestons enden.
Über den Arkaden verlaufen niedrige Emporen mit vorkragenden
Holzbalustraden auf Volutenkonsolen. Die rundbogigen Emporenöffnungen
in geohrten Stuckrahmen werden von großen Cherubsköpfen bekrönt. Ein
umlaufendes, verkröpftes Kämpfergesims trennt die Emporenzone von der
darüber liegenden, zurückversetzten Fensterzone mit Lunettenfenstern.
Dadurch erhält die Deckenzone eine gewisse Selbständigkeit gegenüber
der Wandzone.

Auf die Katharina-von Siena-Kapelle folgt die von den Grafen Wertemann gestiftete Kapelle des hl. Thomas von Aquin,
der die Kirchenlehren bis heute prägt. In seinen Abhandlungen
beschäftigte sich der Heilige mit der Bedeutung des Glaubens. Sie sind
eine Aufforderung an jeden, den Glauben mitzunehmen und stets zu
hinterfragen. Das Altarbild des flämischen Malers Frans Luycх
(1604-1668), um 1650, zeigt den hl. Thomas kniend vor einem Altar mit
Kruzifix. Auf die Frage des Heiligen, ob seine Lehre richtig sei,
erhält er vom Gekreuzigten die göttliche Bestätigung. Die ebenfalls von
Frans Luycx signierten und auf 1649 datierten Wandmalereien zeigen die
Flucht des Heiligen aus dem Gefängnis, seine Versuchung, die Umgürtung
durch Engel, die Glorie sowie die Erscheinung der Apostel Petrus und
Paulus.

Die Deckenfresken des Presbyterium und die der Querschiffarme werden Carpoforo Tencalla zugeschrieben (1675/76).

Kapelle der hl. Rosa von Lima:
Von der Thomaskapelle gelangt man in die Kapelle der 1671 heilig
gesprochenen Dominikanerin Rosa von Lima, die sich für die indigerne
Bevölkerung einsetzte. 1671 bis 1676 wurde diese Kapelle von der
Rosenkranzbruderschaft ausgestaltet. Die Wandbilder eines unbekannten
Künstlers zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Rosa, darunter die
Engelerscheinung, der Herzenstausch, die mystische Vermählung, das
Geleit durch den Jesusknaben sowie das nächtliche Gebet der Heiligen.
Der Altar besteht aus einem flachen Säulenretabel mit engelbesetztem
Sprenggiebel und Auszug. Auf dem Altarblatt aus der 2. Hälfte des 18.
Jh. ist die Krönung Mariens abgebildet.
Das Auszugsbild zeigt musizierende Putten. Zu beiden Seiten des Altars
stehen die Skulpturen der Dominikanerheiligen Hyacinth von Polen und
Petrus von Verona. Der hl. Hyacinth mit Monstranz und Marienstatue war
unterwegs, um den Glauben zu verkünden. Auf ihn geht wohl die Gründung
des ersten deutschsprachigen Dominikanerkonvents in Friesach im Norden
Kärntens zurück. Der Märtyrer Petrus ist mit einem Schwert im Schädel
dargestellt. Er wurde Opfer eines Mordanschlags und soll der Legende
nach mit seinem blutbenetzten Finger noch das Wort ,credo' geschrieben
haben.

Die Annakapelle unmittelbar
südlich des Eingangs ist eine Stiftung der Grafen von Hochburg. Das
Hauptbild des Altars, ein Säulenretabel mit gesprengtem Giebel, stammt
wohl von einem Nachfolger des süddeutschen Künstlers Tobias Pock
(1609-1683), einem der bedeutendsten Maler des österreichischen
Frühbarock. Es zeigt die Hl. Sippe, nämlich Anna und Joachim, Maria und
Josef und das Jesuskind. Ziel eines jeden Gläubigen ist es, Teil dieser
Familie zu werden. Zu beiden Seiten des Retabels sind die Skulpturen
des hl. Johannes d. T. und der hl. Barbara angeordnet, mittig ein
Aufsatzbild mit Herz-Jesu-Darstellung.

Die Kreuzwegstationen sind paarweise an den Arkadenpfeilern im Langhaus
angebracht. Die insgesamt 14 Gipsreliefs im Nazarener-Stil aus dem 19.
Jh. zeigen den schweren Gang Jesu von der Verurteilung durch Pontius
Pilatus bis zur Kreuzigung und schließlich die Grablegung.

Kapelle des hl. Vinzenz Ferrer:
Diese Seitenkapelle, eine Stiftung der Familie Roettiers, ist dem hl.
Vinzenz Ferrer geweiht. Er war Bußprediger und half, das abendländische
Schisma 1417 zu beenden. Aufgrund der großen Volksverehrung des
Heiligen weist diese Kapelle die reichste Ausstattung in Form von
Stuckmarmor mit vergoldeten Ornamenten auf. Der Sarkophagaltar mit
metallenem Tabernakelaufsatz steht vor einer hohen Blendarkatur mit
Posaune blasenden Engeln. Im Gewölbefeld darüber ist ein
baldachinartiger Stuckvorhang gespannt. Das signierte und datierte
Altarblatt von François Roettiers aus dem Jahr 1726 stellt den hl.
Vinzenz bei der Totenerweckung dar.
Flankiert wird der Altar von den zwei überlebensgroßen, bronzierten
Holzfiguren des hl. Hieronymus und der hl. Maria Magdalena aus dem
Umkreis des Johann Georg Bendel. Bei dem blattvergoldeten Rankenwerk
des Altars und dem filigranen, handgeschmiedeten Rokoko-Eisengitter von
1769 handelt es sich um Arbeiten von Joseph Fränkl, einem
Schlossergesellen bei den Dominikanern, und dem Vergolder Joseph Grätl.

Die barocken Kirchenbänke mit
ihren prächtig geschnitzten Wangen, den gedrehten Säulchen und den
Kugelaufsätzen haben sich noch aus der 2. Hälfte des 17. Jh. erhalten.
Sie werden Laienbrüdern des Klosters zugeschrieben ebenso wie die
tempiettoartigen Beichtstühle. Letztere stammen jedoch aus der 1.
Hälfte des 18. Jh.

Kapelle der hl. Katharina von Alexandrien:
Von der Vinzenz-Ferrer-Kapelle gelangt man in die von den Grafen von
Khevenhüller gestiftete Kapelle der hl. Katharina von Alexandrien, der
Patronin der Philosophie und der Universitäten. Der Altaraufbau, ein
Säulenretabel mit einem mit Voluten und Engeln besetzten Sprenggiebel
und gesprengtem Ädikulaauszug mit Säulchen, erinnert an den der
Annakapelle. Das von Tobias Pock signierte und auf 1668 datierte
Altarblatt stellt die Enthauptung der hl. Katharina dar. Sie wurde
hingerichtet, da sie an ihrem Glauben festhielt. Ihr Martyrium erinnert
daran, dass der Gläubige auf Gott zugehen und seine Gedanken prüfen
muss, um Teil der Hl. Familie zu werden.
Bei den zwei seitlichen Assistenzfiguren handelt es sich um die hl.
Caecilia und die hl. Katharina von Alexandrien. An den Kapellenwänden
finden sich Szenen aus dem Leben der Heiligen, darunter die Disputation
mit den Philosophen, die hl. Katharina vor dem kaiserlichen Richter,
der Besuch der Kaiserin und des Hauptmanns Porphyrius im Gefängnis und
schließlich die Enthauptung der beiden, die sich zum Christentum
bekehrten.

Um das Jahr 1750 erbaute ein unbekannter Meister auf der Westempore eine (vermutlich zweimanualige) Orgel,
deren Gehäuse erhalten ist. Das Orgelwerk wurde 1895 durch ein neues
Werk ersetzt, welches von dem Orgelbauer Rieger
(Jägerndorf/Österreich-Schlesien) erbaut wurde. Das neue Werk hatte
zunächst 36 Register auf drei Manualwerken mit mechanischen Kegelladen.
Das historische Orgelgehäuse wurde zu diesem Zweck erweitert. Von dem
ehemaligen Brüstungspositiv blieb das Gehäuse erhalten. Im Mozartjahr
1991 wurde die Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Schuke (Berlin)
umfassend restauriert. Das im Ersten Weltkrieg verloren gegangene
Prospekt wurde rekonstruiert. Zwischenzeitliche Veränderungen der
Disposition wurden auf den originalen Zustand zurückgeführt. Im
Schwellwerk wurden einige (Aliquot)Register auf einer kleinen
Ergänzungslade aufgestellt. Außerdem wurde das Brüstungspositiv wieder
eingerichtet. Das Schleifladen-Instrument hat heute 46 Register auf
drei Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind
mechanisch.

Die frühbarocken Deckenbilder des Langhauses schuf laut Vertrag vom 18.
März 1675 Mathias Rauchmiller. In insgesamt 46 Bildern entfaltet sich
ein breiter Bilderbogen zur marianischen Thematik. Die 3 Hauptbilder
stellen Vermählung Mariens, Braut des Heiligen Geistes und Mariä
Opferung dar.
Gemäß des Patroziniums der Dominikanerkirche, die der hl. Mutter Gottes geweiht ist, haben die insgesamt 46 frühbarocken Deckenfresken
des Langhauses von Matthias Rauchmiller aus den Jahren 1675/76 die
Marienverehrung zum Thema. Die drei Hauptbilder in der Mittelachse des
Kirchenschiffes zeigen vom Westen zur Kuppel hin Mariä Opferung, den
Engelreigen zu Ehren der Braut des Hl. Geistes und die Vermählung
Mariens. Hier wird die Vorbildfunktion Mariens verdeutlicht, die in den
Tempel geht, um ihr Opfer darzubringen, und damit in ihrem Glauben
Vorbild für die Menschen wird. Die Zusammenkunft von Gott und den
Menschen durch Maria wird von den Engeln bejubelt.

Über dem Ausgang findet sich schließlich das breite, die komplette Unterseite der Orgelempore ausfüllende Segmentbild
mit der Verherrlichung des Rosenkranzes und seine Vermittlung durch den
hl. Dominikus und die Dominikaner. Das Gemälde wird Georg Bachmann
(1613-1652) zugeschrieben und aufgrund der Widmungsinschrift auf 1642
datiert. Im Zentrum der Komposition steht der hl. Dominikus, dem Maria
den Rosenkranz übergibt, um die Gläubigen vor dem Höllenschlund zu
retten. Auf der rechten Seite sind Kaiserhaus, Adel und Bürgerschaft zu
sehen, links die Stände der Kirche und die damaligen Orden. Der
Rosenkranz, an dem sich die weltlichen Vertreter festhalten, überspannt
den Höllenschlund wie eine Brücke. Beim Verlassen der Kirche wird der
Gläubige hiermit ermahnt, sich an Jesus festzuhalten, um vor dem ewigen
Absturz bewahrt zu werden.

Die Dominikanerkirche St. Maria Rotunda ist die erste frühbarocke, in
der Zeit der Gegenreformation entstandene Kirche Wiens. Seit Beginn des
17. Jh. nahm der Konvent rege am kirchlichen Leben Wiens teil. Auf
diese Weise gelang es ihm, die religiös-sozialen Verbindungen mit der
Stadtbevölkerung, aber auch mit Adel und Hof wiederherzustellen oder zu
vertiefen. Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen fürstlichen
Grablegen in der Kirche. Der Neubau sowie seine prächtige Ausstattung
sind folglich Ausdruck des wiedergewonnen Selbstbewusstseins und der
wiedererlangten sozialen Stellung des Klerus. Anders als bei ihren
italienischen Vorbildern sind bei St. Maria Rotunda nicht nur die
Kapellenräume mit Stuck und Fresken verziert, sondern der gesamte
Kirchenraum. Damit wird die Dominikanerkirche wegweisend für den
österreichischen Frühbarock.

Die Vorderfront der Kirche beherbergt noch weitere acht Steinfiguren
von Heiligen, die allesamt dem Dominikanerorden angehören: Die
Muttergottes ist von den knienden Figuren der Katharina von Siena und
der Agnes von Montepulciano flankiert. In den Nischen des
Untergeschoßes befinden sich die Statuen von Luis Beltrán und Rosa von
Lima, im Obergeschoß Hyazinth von Polen und Vinzenz Ferrer. An den
Ecken des Obergeschoßes stehen die Statuen der bedeutendsten Gelehrten
der Dominikaner, Albertus Magnus und Thomas von Aquin.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: