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Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum
und Standort eines römischen Reiterkastells, Augustianis, der heutige
Stadtkern von Traismauer erhebt sich direkt über den Grundmauern des
ehemaligen Kastells. Im Schloss Traismauer soll einst Kriemhild aus der
bekannten Nibelungensage genächtigt haben. Die Stadtpfarrkirche ist dem
Heiligen Rupert geweiht.
Traismauer ist mit seinen antiken Gebäuden Teil des
UNESCO-Weltkulturerbes Donaulimes. In der Ausstellung „Traismaurer
Schätze“ im Schloss finden Sie neben hochwertigen antiken Funden der römischen
Geschichte das ebenfalls zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählende
Traismaurer Krippenspiel.

Das Römertor zählt zu den
ältesten Gebäuden Österreichs - die porta principalis dextra des
römischen Reiterkastells Augustianis. Die Hufeisenförmigen Wehrtürme
bestehen seit ca. 1.700 Jahren. Später waren darin die Wachstuben für
die Tor- und Nachtwächter untergebracht. Auf ihrer Reise zu König Etzel
zog Kriemhild durch dieses Tor, um in „Treisenmûre" vier Tage zu
verweilen. In zwei Strophen des Nibelungenliedes wird dieses Ereignis
geschildert.

Katholische Pfarrkirche Traismauer hl. Rupert: Die Kirche beinhaltet
eine Unterkirche (karolingische Grabkapelle und Mauerreste der
Principia des Kastells)

Pribinabrunnen - Im Jahre 1999
errichteter moderner Brunnen eines slowakischen Architekten. Das im
Rahmen der "Stadterneuerung" errichtete Bauwerk erinnert an die Taufe
des slowakischen Fürsten Pribina 833 und beweist damit auch die
Durchführung kirchlicher Handlungen fast 1000 Jahre zurück.

Die römisch-katholische Pfarrkirche Traismauer steht frei in einem
kleinen Platz des ehemaligen Friedhofes in der Stadtgemeinde Traismauer
im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich. Die dem Patrozinium des hl.
Rupert von Salzburg unterstellte Pfarrkirche gehört zum Dekanat
Herzogenburg in der Diözese St. Pölten.
Um 833 wurde hier in der Martinskirche der slowakische Fürst PRIBINA
vom Salzburger Erzbischof Adalram getauft. UNTERKIRCHE Ausgrabungen
1-4. Jhdt. römische Kommandantur 8.Jhdt. Karolingische Grabkammer

Um 800 bestand eine Kirche hl. Martin des Salzburger Bischofssitzes. In
dieser Kirche wurde 830 der exilierte Slawenfürst Privina getauft. Nach
Auseinandersetzung mit dem Bistum Passau blieb die Pfarre bei Salzburg.
1198 ging die Pfarre an das Domkapitel Salzburg, damit verbunden der
Wechsel des Patrozinium zu hl. Rupert, erstmals 1293 genannt. 1345
wurde die Kirche inkorporiert. 1420 wurden zwei Priester genannt. 1803
ging das Patronat an den Kameralfond, von 1825 bis 1952 an die Familie
Geymüller.

Die Kirche hl. Martin hatte eine Kammerkrypta vermutlich für den
Grenzgraf Cadaloc, gestorben 802. Im 12. Jahrhundert wurde eine
romanische Saalkirche erbaut und um 1293 mit einem Rechteckchor und dem
vorgestellten Westturm erweitert. In der ersten Hälfte des 14.
Jahrhunderts wurde der Chor und im Ende des 15. Jahrhunderts das
Langhaus und die Westempore gewölbt. 1512 wurde durch den Stifter
Leopold Spiegel die Leopoldikapelle im Kern aus dem Ende des 13.
Jahrhunderts gewölbt. Die südlich Seitenschiff wurde 1652 frühbarock
gewölbt. 1656 wurde der Westturm baulich verändert, das Glockengeschoß
wurde 1764 aufgesetzt, die Zwiebelhaube mit Laterne entstand 1862.
Ausgrabungen und eine Innenrestaurierung des Langhauses erfolgten 1975,
die Ausgrabungen sind als Schauraum zugänglich. 1982 war eine
Außenrestaurierung.

Der Hochaltar von 1741 ist ein spätbarockes Doppelsäulenretabel mit
einem engelbesetzten Volutenauszug und Opfergangsportalen. Er zeigt das
Altarbild Mariä Verkündigung und trägt die Statuen der Heiligen Rupert
und Virgil, das Oberbild zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Der
Tabernakel zeigt seitlich Bilder der Heiligen Peter und Paul.

Die Orgel baute Herbert Gollini 1973 in einem Gehäuse und Brüstungspositik von Mathäus Jeßwanger aus Wien 1771.




Die Kirche zeigt nordseitig durchgehend Anbauten, von Westen nach
Osten: Nordwestlich ein barocker Emporenaufgang und ein Vorraum mit
einem Abgang zur ehemaligen Krypta und zum Grabungsbereich, dann eine
kreuzgratgewölbte Vorhalle mit einem äußeren schlicht verstäbten
Schulterportal um 1500 und das innere Spitzbogenportal des 14.
Jahrhunderts, dann die Leopoldikapelle mit zwei Spitzbogenfenstern und
danach die Sakristei aus 1728. Südseitig hat die Kirche ein
Seitenschiff unter einem Schleppdach des Langhauses mit einem
westlichen Schulterportal und Spitzbogenfenstern, ein Fenster mit
Maßwerk. Der Rechteckchor mit romanischer und frühgotischer
Mauersubstanz hat südlich zwei Spitzbogenfenster, das östliche Fenster
mit frühgotischem zweibahnigem Maßwerk mit drei glatten Kreisen, im
Ende des 13. Jahrhunderts übergangen. Unter dem Chor befindet sich eine
zweijochige Krypta mit einem Tonnengewölbe aus 1728.



Reliquiae ex sanguine Sancti Joannis Pauli II PP.
Blutreliquie des Heiligen Johannes Paul II. (18. Mai 1920 - 2. April 2005)


Über den Ruinen des römischen Kommandogebäudes (principia) ist die
Pfarrkirche Traismauer entstanden. Sie wurde um 800 als Martinskirche
errichtet, im späten 13. Jhdt. abgebrochen und als romanische
Pfarrkirche des Hl. Rupert neu erbaut, gotisiert und in der Barockzeit
erweitert. Im Kircheninnern steht eine besonders schöne gotische
Madonna. In der Unterkirche sind Bauteile des ersten römischen Lagers
und eine Bestattung aus der Karolingerzeit (Grenzgraf Cadaloc?) zu
besichtigen.


Stahlwarenfabrik und Elektrizitätswerk Martin Miller in der Venusberger Str. 14, 3133 Traismauer

Musikschule Traismauer am Gartenring 36, 3133 Traismauer

Die Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk stand ursprünglich am
westlichen Ende der Brücke über die Traisen. Er ist der Schutzheilige
bei Wassergefahr, sein Festtag ist der 16. Mai.

Traismauer ist eine Stadt mit langer Geschichte und interessanten
historischen Wurzeln. Einst war es das römisches Reiterkastell
Augustianis, wovon heute noch steinerne Zeitzeugen erzählen. Im Schloss
soll einst Kriemhild aus der bekannten Nibelungensage genächtigt haben.
Zahlreiche Rad- und Wanderwege, uriggemütliche Heurige, die Traisen-
und Donauauen, die Weinberge und Stadtrundgänge laden zum Entdecken ein.

Fidler Installationen am Gartenring 3, 3133 Traismauer

Der prächtiger barocke Giebelbau stammt aus der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts und war über 120 Jahre im Besitz der Lebzelterfamilie
Mayreder. Ab 1914 wurde im Haus ein Kaffeehaus betrieben, später war es
ein Warenhaus. Die Statue des Roland,
die einst auf der Prangersäule in der Mitte des Marktplatzes stand, ist
Zeichen des Marktrechts und der Gerichtsbarkeit. Errichtet wurde sie
vermutlich 1584.

Traismauer liegt im untersten Traisental in Niederösterreich. Ein
kleiner Teil des Gemeindegebietes liegt nördlich der Donau. Hier an der
Donau liegt mit 190 Meter der tiefste Punkt der Gemeinde. Nach Westen
und nach Süden steigt das Land auf über 300 Meter an. Die höchste
Erhebung ist der Reutbühel (350 m) im Süden.
Hauptplatz und Wienerstraße

Auf einer Länge von 111 Kilometern führt die durchgängig beschilderte
Strecke von den sanften Hügeln nahe der Donau über die Mostviertler
Bergwelt bis nach Mariazell. Die Route verläuft durchwegs auf Radwegen
oder verkehrsarmen Nebenstraßen. Dank seiner baulichen Qualität und des
Streckenverlaufs durch reizvolle Landschaften zählt der
Traisental-Radweg zu den Top-Radrouten Niederösterreichs und ist einer
der attraktivsten Radwege Österreichs. Zahlreiche sehenswerte Stationen
laden zu Stopps, RADfreundliche Gastgeber zur genussvollen Einkehr.

Traismauer spannt den Bogen von außergewöhnlichen römischen Bauwerken
und Künstlern bis zu einer lässigen Kulturszene. Als Ort der Begegnung
sind im Schloss Traismauer neben einer Sammlung des ältesten
Krippenspiels Mitteleuropas temporäre Ausstellungen und hochwertige
Kulturveranstaltungen ebenso beheimatet wie die Tourismusinformation
und die Gebietsvinothek. Stadtrundgänge ermöglichen einen Einblick in
die Geschichte, als auch in die Kunst und Kulturszene der Stadt.

In der Florianigasse

Der Florianiplatz
(Florianistatue aus dem Jahre 1779) ist der Kernbereich der
mittelalterlich-baierischen Besiedelung. Dort finden Sie neben dem
Alten Schlosserhaus, welches diverse Künstler-Ausstellungen beherbergt,
den Hungerturm.
Am idyllischen Florianiplatz befindet sich das alte Schlosserhaus,
umrahmt von jahrhundertealten Weinstöcken, mit einer historischen
Schmiedewerkstatt. Begrenzt wird der Platz vom Hungerturm, im Kern ein
römischer Hufeisenturm, der später in die Befestigungsanlage von
Traismauer eingebunden wurde.
Im Alten Schlosserhaus war
schon 1725 eine Schlosserwerkstätte zu finden. Heute gehört es zum
Stadtmuseum und beherbergt eine vollständig eingerichtete Werkstätte
vergangener Tage. Die beiden Weinstöcke sind zwischen 150 und 200 Jahre
alt, sie haben auch die Reblaus überstanden. Im Traisental wächst Wein
schon seit viertausend Jahren. Traismauer gehört zum Weinbaugebiet
Traisental, das als Qualitätsinsel für den Grünen Veltliner gilt.

Der mehrgeschoßige Hungerturm
(oder auch Reckturm) in Traismauer wurde in der Spätantike vermutlich
Ende des 3., Anfang des 4. Jh. n. Chr. in der Grundrissform eines
sogenannten Hufeisenturms erbaut. Bis zur Oberkante des 2.
Obergeschoßes ist die römische Bausubstanz bis heute zu bestaunen. Er
zählt zur UNESCO-Welterbestätte Donaulimes.
Stadt- und Heimatmuseum - Präsentiert werden römische Glasgefäße, Urkunden, Mammutzähne,
mittelalterliche Steinbeile und Originalfiguren aus dem Traismaurer
Krippenspiel.

Hungerturm
Dieser imposante Turm war Teil der römischen Stadtmauer und erfuhr
bereits in dieser Zeit mehrmalige Umbauphasen. Die heutige Form
verdankt er mittelalterlichen und neuzeitlichen Ergänzungen, ebenfalls
immer integriert in die Stadtmauer. 1953-2015 befand sich hier das
Traismauerer Stadt- und Heimatmuseum. Im ebenerdigen Bereich des Turmes
ist seit 1954 eine evangelische Predigtstation eingerichtet.

Traismauer wurde auf römischen Ruinen erbaut. Der Kern der Siedlung
entspricht noch heute dem rechteckigen Grundriss des römischen Kastells
Augustianis aus dem 1. bis 5. Jh. n. Chr. Schon seit dem 16. Jh. werden
regelmäßig archäologische Funde aus Traismauer bekannt. Beispielsweise
stammt die erste bekannte römische Inschrift Niederösterreichs aus
Traismauer, eingemauert über dem Eingang ins Schloss.
Schloss Traismauer
Das Schloss wurde auf dem aufgehenden römischen Mauerwerk des Restkastells aus dem 4. Jh.n. Chr. errichtet.
Über dem Portal befindet sich die Weihinschrift an den römischen Kaiser
Antoninus Pius unter dessen Herrschaft der Lagerkomplex Augustianis in
Stein errichtet wurde. Heute beherbergt das Schloss ebenerdig im
sogenannten Lapidarium u.a. hier aufgefundene Römersteine und durch den
Schlosshof gut erreichbar die WeinArtZone.
1. Stock: Krippenspielmuseum
2. Stock: Räume der Wiener Operettengesellschaft, eine Sammlung von
Notenmaterial der silbernen und goldenen österrei-chischen Operettenära
3. Stock: Archäologisch-historisches Depot und Sammlung der Stadt

MUSTER IN DER ARCHITEKTUR
Auf fast allen historischen und vielen modernen Gebäuden befinden sich
Muster. Oft machen auch die Fenster, Türen, Balkone oder technische
Elemente Muster. Oder das Sonnenlicht, das Schatten auf die Fassade
wirft.
Betrachtet man Traismauer aus der Vogelperspektive oder auf
historischen Plänen, erkennt man auch hier ein Muster: der Kern der
Siedlung entspricht noch heute dem rechteckigen, 170 Meter x 240 Meter
umfassenden Grundriss des römischen Kastells Augustianis aus dem 2. bis
4. Jahrhundert nach Chr.!

MUSTER IN DER LANDSCHAFT
Bei einer Wanderung in der Umgebung von Traismauer kann man zahlreiche
Muster entdecken: wie die Felder, Weingärten, Wälder, die Traisen und
Donau aussehen, ist eine von Menschen gemachte Ordnung. Die Menschen
reagierten damit auf die in Jahrtausenden entstandenen topographischen
und geologischen Muster sowie die physikalischen Eigenschaften
fließender Gewässer. Auch das Klima beeinflusst das Aussehen der
Kulturlandschaft und formt eigene Muster.

TRAISMAUER WAR AUGUSTIANIS
Traismauer wurde auf römischen Ruinen erbaut. Der Kern der Siedlung
entspricht noch heute dem rechteckigen Grundriss des römischen Kastells
Augustianis aus dem 1. bis 5. Jh. n. Chr. Schon seit dem 16. Jh.
werden regelmäßig archäologische Funde aus Traismauer bekannt, sind
Heimatforschende in der Gegend tätig und führen Teams von
Archäologinnen und Archäologen an verschiedenen Stellen im
Gemeindegebiet wissenschaftliche Untersuchungen durch.
Auch die erste bekannte römische Inschrift aus Niederösterreich stammt aus Traismauer: eingemauert über dem Eingang ins Schloss!

VIELLEICHT EINE KULTSTÄTTE?
Ab 1885 wurde der Bahnhof von Traismauer gebaut. Bei den Bauarbeiten
fand man auf der Flur „Graben Äcker" Reste eines römischen
Steingebäudes mit mehreren Räumen sowie Teile eines Bronzereliefs aus
der Zeit zwischen 150 oder 250 bis 300 n. Chr. mit einer Abbildung des
römischen Gottes lupiter Dolichenus. Bei Grabungsarbeiten im östlichen
Lagervicus fand man in der Verfüllung eines römischen Brunnens einen
Stein mit einer Weihinschrift an den Gott lupiter Dolichenus. Ein
Replikat des Steins ist heute neben der Brunnenrekonstruktion in der
Bahnhofstraße ausgestellt, das Original befindet sich im Innenhof des
Schlosses.
Der Gott lupiter Dolichenus (lat. lupiter von Doliche) war ab dem
letzten Drittel des 1. Jh. n. Chr. ein besonders bei Soldaten
beliebter, ursprünglich orientalischer Gott. Er ist nach dem
Herkunftsort seines Kultes, der Stadt Doliche (Dolike in der heutigen
Türkei) benannt. Es wirkt stimmig, dass ein Soldatengott bei einem
Militärlager verehrt wurde und in der Nähe des heutigen Bahnhofs ein
Kultbau für ihn errichtet worden sein könnte.

DAS AUXILIARLAGER AUGUSTIANIS (1.-3. JH. N. CHR.)
Das Auxiliarlager Augustianis befand sich zwischen dem heutigen
Gartenring und der Bahnhofstraße und war in seiner größten Ausdehnung
ungefähr 3,8 ha groß. Es veränderte sich zwischen seiner Entstehung im
1. Jh. n. Chr. und seinem Verfall im 5. Jh. n. Chr. mehrmals. Die
ersten Gebäude des Lagers waren aus Holz und Lehm, geschützt von
Palisaden und Gräben. Später baute man Gebäude und Wehranlagen aus
Stein. Die Lagerstraßen waren geschottert. Reste des Kommandogebäudes
mit dem Bereich des Fahnenheiligtums (die principa) finden sich noch
heute in der Unterkirche der Pfarrkirche. In der Wiener Straße wurden
auch Werkstätten (Buntmetallverarbeitung) und Überreste mehrerer
Kasernenbauten ausgegraben.
DAS AUXILIARLAGER AUGUSTIANIS (4.-5. JH. N.CHR.)
Im 4. Jh. n. Chr. entstanden zur Verteidigung (wegen ihres Grundrisses
sogenannte) Fächer- und Hufeisentürme an den Lagermauerlängsseiten bzw.
-ecken. Im späten 4. Jh. n. Chr. umfasste das Militärlager nur noch
einen kleinen Bereich im Nordwesten des Kastells: Dieser Festungsbau
(sog. Lagerburgus) bildet bis heute die Grundform des Schlosses
Traismauer. Statt der Soldaten lebten innerhalb der Befestigungsmauern
Familien in einfachen Holzhäusern und sogar in den Wehrtürmen (z. B. im
Fächerturm - heute Venusberger Straße 10). Die porta principalis dextra
(heute Wiener- oder Römertor) mit zwei Tortürmen und ein spätantiker
Hufeisenturm (heute Hunger- oder Reckturm) wurden in die
mittelalterlichen Befestigungsanlagen integriert und blieben so
erhalten. Über die römischen Ruinen baute man mittelalterliche
Wohnhäuser.

TRAISMAUER LIEGT AM LIMES
Das Auxiliarkastell Augustianis (Traismauer) ist Teil einer langen
Reihe von Legionslagern, Kastellen, Wachtürmen und Straßenabschnitten
entlang der Nordgrenze des Römischen Reiches, dem sogenannten
„Donaulimes". Die noch vorhandenen Baudenkmäler und archäologischen
Fundstätten entlang der Donau (lateinisch Danuvius oder Ister) wurden
2021 zum UNESCO-Welterbe erklärt. In Oberösterreich, Niederösterreich
und Wien (die in der Antike auf dem Gebiet der römischen Provinzen
Noricum und Pannonia Superior lagen) gehören 22 Stätten zum
Weltkulturerbe, darunter auch Traismauer.
Der Limes bestand entlang der Donau auf dem Gebiet des heutigen
Österreich (damals die Provinzen Noricum und Pannonia Superior) in
mehreren Ausbaustufen ab der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. für über 400
Jahre.
Bedeutende Orte am norischen Limes waren Städte und Militärlager wie
Ovilavis (Wels), Aelium Cetium (St. Pölten), Boiodurum (Passau,
Deutschland), loviacum (Schlögen?), Lentia (Linz), Lauriacum (Enns),
Arelape (Pöchlarn), Favianis (Mautern), Augustianis (Traismauer),
Asturis (Zwentendorf?), Comagenis (Tulln) und Cannabiaca (Zeiselmauer),
das letzte norische Kastell vor der Grenze zu Pannonien.
Augustianis (Traismauer) liegt in Noricum. 15 v. Chr. wurde Noricum
kampflos als Provinz in das römische Reich eingegliedert. Seit der 2.
Hälfte des 1. Jh. n. Chr. entstanden in unserem Gebiet Militärlager,
Bauernhöfe, Dörfer, Städte und Straßen. Gegen Ende des 3. Jh. n. Chr.
(Beginn der Spätantike) wurde die Provinz in Noricum ripense
(Ufer-Noricum, gemeint ist das Donauufer) im Norden des Alpenhauptkamms
und Noricum mediterraneum (Binnen-Noricum) südlich davon geteilt.
Im 3. und 4. Jh. n. Chr. überschatteten Kriege gegen Stammesverbände
von jenseits der Donau und wirtschaftliche Probleme das Leben in
Noricum. Bis in die zweite Hälfte des 4. Jh. n. Chr. wurden die Grenzen
des römischen Reiches laufend befestigt und verstärkt (Hufeisen- und
Fächertürme sowie Lagerburgus in Traismauer). Dennoch plünderten
westwärts ziehende Stämme große Teile der Donauprovinzen. Bürgerkriege
und Seuchen setzten dem Reich zu. 488 n. Chr. wurde Noricum schließlich
geräumt. Vermutlich blieb aber eine kleine romanische Restbevölkerung
zurück.

WIE SAH ΕΙΝΕ RÖMISCHE STRASSE AUS?
Das römische Verkehrsnetz umfasste rund 10.000 km Staats- und 200.000 km Nebenstraßen.
Sie verliefen - nach Vermessung durch Geometer oft schnurgerade.
Brücken, Tunnel und Dämme glichen Höhenunterschiede aus. Sie wurden von
den technischen Fachleuten der Armeen konzipiert, trassiert und mit
öffentlichen Mitteln zum Teil von der Armee, zum Teil von der
einheimischen Bevölkerung - überwacht von einem vom Herrscher
beauftragten Beamten - auf öffentlichem Grund gebaut beziehungsweise
erhalten.
MEILEN
Im Abstand von einer römischen Meile (abgekürzt „MP" für „mille passus"
= tausend Schritte, ca. 1480 m) standen an den Hauptverkehrsstraßen ca.
2 m hohe Steinsäulen (milliaria - „Meilensteine"). Sie dienten als
Wegweiser. Man konnte darauf die Entfernung zur nächsten Stadt und die
Leistungen des Kaisers als Bauherrn ablesen. Zwei solche Steine wurden
im Bereich der Straße bei Gemeinlebarn östlich von Traismauer gefunden.
WIE REISEN? ZU FUSS GEHEN
Auf den römischen Straßen waren die meisten Reisenden zu Fuß unterwegs.
Je nach Gelände und Witterung legte ein Fußgänger zwischen 15 und 20
römische Meilen am Tag zurück. Das sind etwa 22 bis 30 Kilometer.
Fußgänger mit schwerem Gepäck kamen natürlich langsamer voran.
WIE REISEN? REITEN!
Wer es sich leisten konnte, nahm Esel, Maultier oder Pferd als
Reittier. Ein Pferd war ein teures Luxusgut, vergleichbar mit einem
heutigen Sportwagen. Die wenigsten besaßen Pferde. Esel, Maultiere und
Rinder hingegen waren auf jedem Landgut, in den Dörfern und sogar in
der Stadt zu finden und dienten ebenso als Reit- und Arbeitstiere.
WIE REISEN? MIT DEM WAGEN!
Wer viel Gepäck mitführte und ausreichend Geld hatte, reiste mit von
Pferden, Maultieren oder Ochsen gezogenen Wagen. Leichte Reisewagen und
Reiter konnten am Tag etwa 25 bis 30 römische Meilen zurücklegen, das
sind etwa 37 bis 44 Kilometer. Größere Reise- und Transportwagen fuhren
zwischen 20 und 25 Meilen weit, umgerechnet etwa 30 bis 37 Kilometer.
Den römischen Reisewagen gab es in verschiedenen Ausführungen. Der
Wagenkasten war getrennt vom Unterbau an starken Lederbändern
aufgehängt. Stöße durch die Fahrt über schlechte Wegstrecken wurden so
wirksam abgefedert.
carruca: eine Art Kutsche
carpentum: eine Art Leiterwagen, von einem Maultier gezogen
cisium: offener Zweisitzer für zwei Maultiere
WIE REISEN? MIT DEM SCHIFF!
Die Donau war bis ins 19. Jh. ein unregulierter Fluss. An Engstellen
gab es reißende Strudel, in Ebenen verzweigte breite Nebenarme. Da die
Auwälder regelmäßig überschwemmt wurden, errichtete das römische
Militär die Niederlassungen hochwassergeschützt auf erhöhten Terrassen.
Militärische Häfen und Anlegestellen gab es bei uns bei den
Militärlagern von Arelape (Pöchlarn) und Comagenis (Tulln). Auf der
Donau verkehrten aber nicht nur Militär-, sondern auch Transport- und
Handelsschiffe. Per Schiff konnten größere Lasten preiswerter als an
Land transportiert werden. Zur Querung des Flusses nutzte man
wahrscheinlich Fähren und einfache Holzbrücken. Auch die Traisen
(Tragisamus) war zu Zeiten des Lagers Augustianis ein stark
mäandrierender Fluss mit häufigen Hochwässern. Auf der Traisen war
vermutlich kein Schiffverkehr möglich. Vielleicht gab es aber bei
Traismauer einen Übergang über die Traisen.

WER REIST? DIE HÄNDLER!
Handel und Geschäfte waren der häufigste Anlass zu reisen. Die
Kaufleute folgten dem römischen Militär. Durch ihren regelmäßigen Sold
(Bezahlung) waren die Soldaten geschätzte Kunden. Die Römer in den
Provinzen am Limes bezogen Olivenöl aus Italien, Fischsauce aus
Südspanien, Wein aus Südgallien, Austern aus dem Atlantik oder
Mittelmeer, Zinn und Gagat aus Britannien, Marmor aus Tunesien und
Griechenland und sogar Schönheitsartikel wie duftende Öle, Cremes,
Salben und Make-up in Glasgefäßen.
Über die Donaugrenze von Germanien und Skandinavien in Richtung
römischer Süden wurden Getreide, Nutzvieh, Felle, Schinken, germanische
Sklaven (als Leibwächter, Sänftenträger und Gladiatoren), Bernstein
(für Gefäße, Schmuck und Amulette), Haarfärbemittel, Seife für die
Haarpflege und sogar blondes Haar importiert und im Gegenzug terra
sigillata-Gefäße (ein typisches Tafelgeschirr), Bronze- und Glasgefäße,
Silbergeschirr, Waffen, Ringe und Textilien exportiert.
WER REIST? DIE SOLDATEN!
Römische Militäreinheiten wurden häufig verlegt und mussten oftmals
reisen. In Augustianis (Traismauer) lagerte ab 79 n. Chr. als erste
belegte Truppe die Reitereinheit ala I Thracum victrix. Sie wurde
zwischen 118/119 und 126 n. Chr. in die benachbarte Provinz Pannonia
Superior verlegt. Stattdessen kam die ala I Augusta Thracum nach
Augustianis. Nach ihr wurde vermutlich das Lager benannt - darauf
verweist heute noch eine Inschrift über dem Schlosstor. Ab der
Spätantike nutzte eine equites Dalmatae-Reitereinheit das Lager. Eine
Ala bestand in der Regel aus ca. 500 Reitern (ala quinquenaria), in
seltenen Fällen aus ca. 1000 Reitern (ala milliaria). In Abgleich mit
der Kastellgröße lagerte in Traismauer vermutlich eine ala quinquenaria.
* * *
TETRARCHENPORTRAIT
Überlebensgroßer, spätantiker Portraitkopf mit Lorbeerkranz etwa aus
dem 1. Viertel des 4. Jh. n. Chr. // Möglicherweise ist es die
Darstellung eines spätantiken Kaisers, vielleicht von Konstantin d. Gr.
// Fundort: Trasdorf (ca. 10 km von Traismauer), gehörte vermutlich zur
Ausstattung eines Gutshofes (villa)

FRANZ VON SUPPÈ - 18.4.1819 in Spalato/Split, Dalmatien bis 21.5.1895 in Wien
Suppè kam als Jugendlicher nach Wien und wurde 1840 Kapellmeister und
Komponist am Theater in der Josefstadt, später am Theater an der Wien,
am Quai-Theater und am Carltheater. Die Operettenerfolge von Jacques
Offenbach regten ihn dazu an, 1860 seine erste einaktige Operette „Das
Pensionat" zu komponieren. Er begründete in den folgenden Jahren durch
Anlehnung an das einheimische Volkstheater das Genre der Wiener
Operette.
Suppè hinterließ über 200 Bühnenwerke, darunter drei aufgeführte Opern
und 26 aufgeführte Operetten, von denen die Ouvertüren zu „Dichter und
Bauer" (1846) und „Leichte Kavallerie" besonders bekannt sind. Seine
Operette „Boccaccio" gehört bis heute zum Standard-Repertoire
deutschsprachiger Bühnen. Seine Orchester- und Kammermusik wurde
demgegenüber wenig beachtet.
CARL MILLÖCKER - 29.4.1842 in Wien bis 31.12.1899 in Baden bei Wien
Carl Millöcker war neben Suppè und Strauß der dritte große Komponist
der goldenen Operettenära. Er arbeitete in jungen Jahren als Flötist im
Theater in der Josefstadt und Theaterkapellmeister am Thalia-Theater in
Graz, später wurde er zweiter Kapellmeister im Theater an der Wien.
Seine erfolgreichste Operette ist „Der Bettelstudent" aus dem Jahr
1882. Unter dem Titel „Musikalische Presse" gab Millöcker von September
1873 bis Dezember 1875 Monatshefte mit Klaviermusik heraus, darunter
auch eigene Klavierstücke.

JOSEPH LANNER - 12.4.1801 in Sankt Ulrich bei Wien bis 14.4.1843 in Wien
Joseph Lanner war ein österreichischer Komponist, Violinist und
Musikdirektor. Im Alter von 12 Jahren spielte er im Orchester seines
Lehrmeisters Michael Pamer als Violinist. Hier lernte er später auch
Johann Strauß sen. kennen, dessen langjähriger Freund, aber auch
musikalischer Konkurrent, er werden sollte. Im Jahre 1829 wurde Lanner
Musikdirektor der Redoute, wenig später zusätzlich Leiter der Wiener
Regimentskapelle. Es folgten mehrere Anstellungen als Musikdirektor in
verschiedenen Hotels. Joseph Lanner komponierte über hundert Walzer,
Ländler, Galoppe, Potpourris, Tänze und Märsche. In seinen
Kompositionen ist erstmals auch die typische Struktur zu finden, die
für den Wiener Walzer charakteristisch werden sollte. Seine
bekanntesten Walzer sind der Pesther Walzer, Die Werber, Die
Hofballtänze und Die Schönbrunner.

Seit 2014 beherbergt das Schloss Traismauer das umfangreiche Archiv der
Wiener Internationalen Operettengesellschaft. Die Bestände gehen zurück
auf den Wiener Prof. Norbert Nischkauer. Er begann Mitte der 1980er
Jahre Notenmaterial von Wiener Operettenkomponisten, historische
Musikinstrumente und Abspielgeräte zu sammeln. Zum ersten Mal öffnet
das Archiv Besucher:innen seine Türen und stellt die wichtigsten
Komponisten der Operettenära und ihre Werke vor, die fast vollständig
als Notenmaterial im Archiv zu finden sind. Ebenso werden diverse alte
Musikinstrumente aus der Sammlung der Operettengesellschaft präsentiert.

FRANZ LEHÁR - 30.4.1870 in Komorn, Österreich-Ungarn bis 24.10.1948 in Bad Ischl, Österreich
Franz Lehár war ein österreichischer Komponist ungarischer Herkunft. Er
gilt zusammen mit Oscar Straus, Emmerich Kálmán und Leo Fall als
Begründer der sogenannten silbernen Operettenära.
Nach seiner Schulzeit in Budapest wurde Lehár jüngster
Militär-Kapellmeister der k.u.k. Armee. In Wien spielte er in der
Kapelle seines Vaters und übernahm diese später. Lehár komponierte vier
Opern („Rodrigo" sowie „Kukuschka" oder „Tatjana" zu Beginn seiner
Laufbahn, später „Die gelbe Jacke" und „Garbonciás", eine Umarbeitung
der „Zigeunerliebe", als letztes Bühnenwerk). Seine Operette „Die
Lustige Witwe" (1905) wurde ein Welterfolg. Neben Operetten schrieb er
noch zwei symphonische Dichtungen, zwei Violinkonzerte, Filmmusik,
Lieder, Tänze und Märsche.

CARL MICHAEL ZIEHRER - 2.5.1843 in Wien-14.11.1922 ebenda
Carl Michael Ziehrer feierte letztes Jahr seinen 100. Todestag. Dieser Raum stellt das Wirken des Jubilars vor.
Carl Michael Ziehrer war Kapellmeister der Militärmusikkapelle
„Deutschmeister", Schöpfer vieler Operetten und der letzte k. u. k.
Hofballmusikdirektor. Seine ungefähr 600 Werke sind ein
bedeutungsvoller Beitrag zur Wiener Unterhaltungsmusik im Zeitalter des
Walzers und der Operette. Die Wiener Internationale
Operettengesellschaft hat vermutlich die größte Anzahl von
Ziehrer-Werken im Archiv.
ZIEHRER ALS SCHALLPLATTEN-INTERPRET
Um 1900 entwickelte sich in Europa rund um die neue Erfindung der
Schallplatte und die diversen dazugehörigen Abspielgeräte ein äußerst
innovativer und schnelllebiger Industriezweig. London, Paris, Hannover,
Berlin und Wien galten als Zentren der Schallplattenproduktion. Bereits
1899 nahm Carl Michael Ziehrer mit seiner Kapelle 23 Kompositionen auf
Schellackplatten mit der Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute
auf. Diese Platten waren noch einseitig. 1904 kamen die ersten
doppelseitig bespielten Schellackplatten auf den Markt. In den
1950er-Jahren folgte die Langspielplatte mit der Geschwindigkeit von 33
und die Single-Platte mit 45 Umdrehungen pro Minute.
ZIEHRER ALS MILITÄRKAPELLMEISTER
Ziehrer betrieb vor 1870 und abermals zur Zeit der Wiener
Weltausstellung 1873 eine Zivilkapelle. Von 1885 bis 1893 leitete er
als Kapellmeister mit großem Erfolg die Militärmusik des Wiener
Hausregimentes, der „Hoch- und Deutschmeister Nr. 4". Sie wurden von
Kaiserin Maria Theresia für Truppenparaden gegründet und später für
offizielle Anlässe, wie etwa bei der Wachablöse, aber auch für
öffentliche Konzerte vor dem Schloss Belvedere und in Schönbrunn
eingesetzt. Die „Hoch- und Deutschmeister" eroberten die Herzen des
Wiener Publikums. 1893 reiste Carl Michael Ziehrer aus Anlass der
Weltausstellung nach Chicago in die USA und spielte vor den
begeisterten Zuhörern „Wiener Musik". Seine Kapelle waren bei diesem
Auslandsaufenthalt allerdings nicht die „echten" Deutschmeister,
sondern eine Wiener Zivilkapelle in historischer Uniform.

IMMATERIELLES KULTURERBE IM SCHLOSS TRAISMAUER
Das TRAISMAURER KRIPPENSPIEL
geht auf das Jahr 1810 zurück und ist
heute eines der letzten noch lebendigen Stabpuppenspiele in Österreich.
Bis zu 30 Personen sind an der Aufführung beteiligt. Mit 42 hölzernen
Figuren werden neben klassischen Bibeldarstellungen auch tradierte
Liebeslieder, sozialkritische Gesänge und Zunftlieder präsentiert. Der
Traismaurer Handschuhmacher Ferdinand Scheibl gilt als Gründer des
Krippenspiels. Einzelne Zeilen des Textes weisen bis ins 18. Jh.
zurück, wie etwa das Lied „Auf, auf, ihr Hirten". Das Wissen um das
Krippenspiel wird vor allem durch Mit- und Nachsingen von einer Person
zur Nächsten weitergegeben. Der Gesangsverein Traismauer führt auch
heute noch dieses Krippenspiel zur Weihnachtszeit auf.

Auf, auf, ihr Hirten
Das Traismaurer Krippenspiel ist ein Singspiel, das 29 geistliche und
weltliche Lieder enthält. Wie der Volksliederexperte Prof. Walter
Deutsch bei seinem Vortrag über das Traismaurer Krippenspiel am 27.
November 1992 in Traismauer ausführte, lassen sich in dieser
volkskundlichen Rarität grundsätzlich zwei musikalische Traditionen
nachweisen: zum einen die barocken menuettartigen Melodien - besonders
deutlich bei den Schäferduetten -zum anderen der Volksliedcharakter der
Hirtenszenen. Als Beispiel kann hier das Lied „Auf, auf, ihr Hirten"
genannt werden, das bereits in einer Handschrift aus dem Jahr 1760 der
Universität Innsbruck aufscheint.
Im Herbergssuche-Lied begegnet uns ein Beispiel gehobener barocker
Liedkunst. Derselben Stilrichtung sind unter anderem auch das
Dreikönigslied und das Schlusslied zuzuordnen. Auf der anderen Seite
finden wir die kraftvolle, kernige Melodik der Hirtenlieder, wie zum
Beispiel bei „Stehts auf, Buam". Sie haben ihren Ursprung im einfachen
Volk. Der Text der Szene von den Drel Heiligen Königen bel Herodes
findet sich in seinem Grundbestand in einer Klosterneuburger
Handschrift des 16. Jahrhunderts. Der größte Teil der Szene wird in
einem Rezitativ gesungen, das Ähnlichkeiten mit dem Psalmengesang
aufweist. Das Lied des Schneiders („Ich bin der Schneider Wetz, wetz.
wetz") wiederum ist ein Rollenlied aus der Volkstheatertradition Wiens.
Es wurde um 1800 in unterschiedlichen Fassungen in Szenen der Wiener
Singspiele und Possen eingebaut. Das Schlusslied „Freu dich, mein Herz,
denk an kein Schmerz™ überliefert eine sowohl im Text, als auch von der
Melodie her verschollene Volksliedertradition, die nach Prof. Raimund
Zoder einzig noch in diesem Lied erhalten ist.
Wie bei der Spielweise kann auch für die musikalische Gestaltung
festgehalten werden, dass sie sich durch die Verschriftlichung geändert
hat. In der Begleitmusik zu den einzelnen Liedern und bei den
Übergängen zwischen den Liedern und den einzelnen Szenen gibt es
Veränderungen. Ludwig Scheibl hatte keine Möglichkeit die Szenen mit
Instrumentalmusik zu verbinden und es wäre den locker
aufeinanderfolgenden Akten auch nicht gerecht geworden. Erst die
späteren Betreiber des Krippenspieles gaben dem in Traismauer
sesshaften Komponisten Alois Feigel den Auftrag. eine Begleit- und
Zwischenmusik zu komponieren. Leider gingen diese Noten während des
Zweiten Weltkrieges verloren.
Die Fülle von Liedern und Strophen, die uns durch die Aufzeichnungen
von Prof. Raimund Zoder überliefert sind, werden nicht alle gesungen.
Durch die längere Aufführungszeit zu Scheibls Zeiten (Advent bis Maria
Lichtmess) ist anzunehmen, dass die Lieder den Festtagen angepasst
wurden. Der Neujahrswunsch bei der Beschneidungsszene oder auch das
Dreikönigslied wurden im Advent nicht gesungen. Nach Weihnachten wurde
wohl auch auf die Herbergssuche verzichtet. Die Aufführungen dauerten
früher nicht länger als eine Stunde. Die Beschränkung der
Aufführungszeit auf den Advent führte zur Kürzung einiger Strophen aber
auch zum Wegfall einiger Lieder beziehungsweise der Beschneidungsszene.
Heute werden viele der Lieder solistisch oder chorisch vorgetragen. Aus
den Aufzeichnungen wissen wir, dass Ludwig Scheibl und seine Frau bei
den Aufführungen zweistimmig gesungen haben. Prof. Raimund Zoder über
das Traismaurer Krippenspiel: „Es ist das schönste seiner Gattung. das
liederreichste und künstlerisch am meisten abgerundete."

Neues Kripperl
Das alte Kripperl war 1931 in einem so schlechten Zustand, dass von
weiteren Aufführungen Abstand genommen wurde. Nach dem Bau einer neuen
Bühne und neuer Figuren, durch Veit Safarovic aus Tulln und Werner
Marinko aus Radlbrunn, erlebte das Krippenspiel seine Blütezeit
zwischen 1931 und 1934 mit jährlich bis zu sechs Vorstellungen. Diese
vielen Vorstellungen wurden erst durch die verbesserte Mobilität der
neuen Bühnenkonstruktion möglich. Für manchen der Krippenspieler
bedeutete damals eine Fahrt nach St. Pölten schon eine Reise ins
„Ausland".
Im Jahr 1939 stellte das Museum in Traismauer beide Bühnen des
Krippenspieles dem Kulturamt von München für eine
Puppenspielausstellung zur Verfügung. Auf Grund des ausbrechenden
Zweiten Weltkrieges kam es aber nie zu dieser Ausstellung und das
Kulturamt schickte die Kisten ungeöffnet wieder nach Traismauer zurück,
wo sie in Vergessenheit gerieten. Während des Krieges wurden die Kisten
teilweise im Schloss Walpersdorf gelagert und erst 1954 wieder nach
Traismauer zurückgebracht. Das Krippenspiel blieb zwar in der
Erinnerung der Traismaurer erhalten - die Lieder wurden nach wie vor im
Advent gesungen - die Bühne und die Figuren galten aber als verloren.
Erst 1956 wurden Kisten, die sich unter anderem am Dachboden des
Rathauses befanden, geöffnet und so das Krippenspiel wiederentdeckt.
Nach einer Instandsetzung des Spieles gab es 1957 bereits wieder die
erste Aufführung und es erfreute sich sofort wieder allergrößter
Beliebtheit, wie etliche Fernseh- und Hörfunkaufnahmen beweisen. Das
alte Bühnengerüst (aus dem Jahr 1931) war Ende der 1960er Jahre schon
so brüchig geworden, dass ein neues aus Aluminium gefertigt wurde.
Dieses entsprach den neuen Erfordernissen, wie elektrische Beleuchtung
und Bespielung von größeren Räumen.
Wurde das alte Kripperl noch von nur zwei Personen gespielt und
gesungen, so änderte sich das mit der Übergabe des Krippenspiels an die
Traismaurer Bürger bzw. an den Verein für Landeskunde von NÖ.
Zweigstelle Traismauer. Ab dieser Zeit kümmerte sich eine
Krippenspielgruppe um die Aufführungen. Im Jahr 1957, nach der
Wiederentdeckung des Spieles, Übernahm der Gesangsverein „Traismauer
1862" gemeinsam mit den Krippenspielern die Aufführungen. 1998 übernahm
Gotthard Klaus den Vorsitz im Gesangsverein und
damit die organisatorische Leitung des Krippenspiels. Mag. Gernot
Hadwiger wurde Chorleiter und übernahm damit die musikalische Leitung.
Es wirken derzeit bis zu 30 Personen bei einer Aufführung mit.
Ursprünglich wurden die Lieder und Texte des „Traismaurer Kripperls"
mündlich überliefert. Erst durch die Aufzeichnungen von Prof. Raimund
Zoder (1920) kam es zu einer Verschriftlichung und bis zu einem
gewissen Grad zu einer Akademisierung des Spieles, wie auch Otto
Lambauer jun., ebenfalls ein langjährig aktiver Mitspieler, in seiner
Diplomarbeit zum Thema „Das Traismaurer Krippenspiel" an der Hochschule
für Musik und darstellender Kunst in Wien feststellt.
In der Zeit Ludwig Scheibls war das Krippenspiel laut Zeugenaussagen in
erster Linie eine „Gaudi". So wurden die Figuren damals viel mehr,
oftmals auch hüpfend, bewegt. Der damals geprägte Ausspruch - „bewegst
dich wie die Krippenmandl" - geht auf diese Aufführungspraxis zurück.
Als Beispiel sel hier die komische Figur des Stückes, der Salzburger
Bauer, genannt. Er blieb bei der alten Spielweise bei seinem Auftritt
in den Kulissen stecken und begründete das mit folgendem Ausspruch:
„Ha, ha. ha, jetzt kann i vo lauter Brotkarten net eina." Den vorderen
Teil der alten Krippenbühne begrenzte ein kleines Gitter. Wenn die
Kinder während des Auftrittes des Salzburger Bauern daran rüttelten, so
ließ Ludwig Scheibl diesen, oft mitten unter seinem Lied, mit dem Kopf
wütend auf die Kinder loshacken. Durch die Verschriftlichung und die
Reduzierung der Spielzeit in den Advent wurden die Aufführungen in
späterer Zeit besinnlicher.

Geschichte des alten Kripperls
Zur Zeit der Gegenreformation entstanden die ersten volkstümlichen
Spiele, die der Glaubensverbreitung durch szenische Darstellungen der
Weihnachtsgeschichte dienten. Im vorwiegend städtischen Bereich
bemächtigten sich später die „Puppenspieler" der weihnachtlichen
Thematik, wie uns etliche Krippenspiele im 17. und 18. Jahrhundert in
Wien zeigen. Unter dem Einfluss der Commedia dell' Arte wurden
verschiedene volkstümliche Figuren, wie zum Beispiel der Nachtwächter
oder der Bandlkramer, eingeführt. Krippenspiele sind die Umsetzung des
Weihnachtsgeschehens in Szenen an einem volkstümlichen Theater.
Besonders beliebt waren diese Krippenspiele in den Sudeten und
Donauländern, in Städten wie Wien, Linz, Steyr. St. Pölten und
Traismauer. Das „Traismaurer Krippert" mit seinen hölzernen Stabpuppen
wird noch heute aufgeführt und ist damit eines der wenigen lebendigen
Krippenspiele Österreichs und des Süddeutschen Sprachraumes.
Im Jahr 1771 erwarb der Handschuhmacher Leopold Scheibl das Bürgerrecht
in Traismauer. Sein Sohn Ferdinand gilt als Vater des Kripperls, wie
das Krippenspiel von den Traismaurern früher genannt wurde. Um 1810
dürfte die endgültige Fassung des Spieles entstanden sein, wenn auch
einzelne Teile der Texte bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Die
Familie Scheibl zählte nie zu den begüterten Familien in Traismauer und
es ist daher anzunehmen, dass die Aufführung des Krippenspiels als
zusätzliche Einnahmequelle für die Familienkassa diente. Über die Art
und Weise, sowie den Ort. der Aufführungen gibt es erst Aussagen aus
der Zeit von Ludwig Scheibl, dem Sohn von Ferdinand. Er soll mit dem
Krippenspiel am Rücken in die Wirtshäuser gegangen sein um es dort
aufzuführen. Fest steht, dass seine Darbietung besonders bei den
Kindern sehr beliebt war und die Krippenlieder wie Schlager auf der
Straße gesungen wurden. Der Aufführungszeitraum erstreckte sich zu
dieser Zeit vom Advent bis zu Maria Lichtmess (2. Februar).
Ludwig Scheibl war zum Ende des Ersten Weltkrieges sehr krank und
wohnte in ärmlichen Verhältnissen. Zu dieser Zeit überlegte er, das
Krippenspiel zu vernichten um es nicht zum Gespött der Kinder verkommen
zu lassen. Dem Volksliedforscher Prof. Raimund Zoder ist es zu
verdanken. dass wir auch heute noch in der Lage sind, das Traismaurer
Krippenspiel jährlich sehen zu können. Prof. Zoder verbrachte zu dieser
Zeit seine Sommer immer in Getzersdorf und erfuhr von seiner
Zimmerwirtin, dass in Traismauer ein Krippenspiel aufgeführt wurde. Sie
brachte ihm die Lieder und Texte näher und weckte so sein Interesse. Im
August 1919 schließlich nahm er Kontakt zu Ludwig Scheibt auf. gewann
das Vertrauen des alten Mannes und zeichnete nach seinen Angaben die
Lieder und Texte des Spieles auf. Prof. Raimund Zoder brachte im Winter
1920 schließlich das Buch „Das Traismaurer Krippenspiel" heraus und ab
diesem Zeitpunkt stieg das öffentliche Interesse an dem Spiel
sprunghaft an. 1922 übergab Ludwig Scheibl das Krippenspiel einigen
Bürgern von Traismauer mit der Auflage es regelmäßig aufzuführen und
die Einnahmen zu seinen Gunsten abzuliefern. Mit dem Tod von Scheibl
1928 kam das Krippenspiel endgültig in den Besitz des Museums von
Traismauer.

Grundsätzliches zum Spiel
Das Traismaurer Krippenspiel setzt sich aus folgenden Szenen zusammen:
1 Wie der Engel Maria den Gruß gebracht hat
2 Wie Maria und Josef Herberg gesucht haben zu Bethlehem und wie ihnen die Herberg ist verweigert worden
3 Was sich in Rom merkwürdiges zugetragen hat
4 Wie die Geburt Christi durch die Engel den Hirten verkündiget ist worden und was sich noch Merkwürdiges hat zugetragen
5 Wie die Hirten bei der Krippe ihre Lieder darbringen
6 Wie die hl. Drei Könige zum Herodes sind kommen und haben den neugeborenen Heiland gesucht
7 Wie die hl. Drei Könige zu der Krippe sind kommen und haben den neugeborenen Heiland verehrt
8 Wie die Schäfer und Wildpratschützen auf der Weide ihre Lieder darbringen
9 Wie die Bürger und Handwerksleut in der Stadt ihre Lieder darbringen
In der Zeit, als das Krippenspiel noch bis Maria Lichtmess aufgeführt
wurde, gab es noch eine Szene „Als das Kind beschnitten wurde, gab man
ihm den Namen Jesus", in der die Besucher/innen mit einem
Neujahrswunsch bedacht wurden. Seit die Aufführungen nur mehr in der
Adventszeit stattfinden wird diese Szene nicht mehr gespielt. Die
letzten beiden Szenen (8 und 9) stellen den weltlichen Teil des Spieles
dar. Die letzte Szene spielt am Hauptplatz von Traismauer wie er um
1800 ausgesehen hat. Hier treten verschiedene volkstümliche Figuren aus
dieser Zeit auf - der Bandlkramer, der Wanderschneider, der
Rauchfangkehrer und die Köchin. Der Schneider, der sein lustiges Lied
mit „böhmakelnder" Klangfärbung vorträgt, findet Parallelen im Wiener
Singspiel des 19. Jahrhunderts. Mit variiertem Text und ähnlicher
Melodie ist er eine bekannte „spaßige Figur" dieser Zeit. Zu den
beliebten Figuren zählt auch der Salzburger Bauer - die komische Figur
des Stückes, der Zuckerl ins Publikum wirft. Zu Neujahr war es früher
Brauch die Kinder mit Zuckerl zu beschenken.
Die Figuren des alten Krippenspiels haben teilweise noch Wachsköpfe.
Die in den 1930er-Jahren hergestellten neuen Puppen bestehen durchwegs
aus Holz. Sie stehen auf Brettchen, an die 15 Zentimeter lange
Griffstäbe aus Holz angeschraubt sind. Nach wie vor bedient man sich
mit Führungsrinnen, in denen die Figuren bewegt werden.
Die Kleidung der Figuren entspricht der jeweiligen Rolle sie ist aus
grobem Stoff. Loden, Leinen oder auch aus Samt, Satin oder Seide.
Besonders bunt gekleidet ist die Schar der weltlichen Figuren. Das
Hintergrundbild der einzelnen Szenen ist zumeist ein Sternenhimmel, die
Herbergsuche spielt in einer orientalischen Stadt und der Besuch der
Könige bei Herodes findet in einem Prunksaal statt. Die Schlussszene
zeigt den Hauptplatz von Traismauer um ca. 1800.
Der alte Krippenkasten im Heimatmuseum ist nur etwa 60 mal 80
Zentimeter groß und wurde von zwei Personen bespielt. Otto Lambauer
jun. stellte in seiner Diplomarbeit fest, dass durch die kleinere
Bühnengröße ein intimeres Spiel möglich war. Die Gesamtkonstruktion der
neuen Bühne ist nunmehr sechs Meter breit, 2,30 Meter hoch und einen
Meter tief. Fünf bis sechs Personen besorgen den Aufbau, bewegen die
Figuren und ein Chor übernimmt den musikalischen Teil.

Schienenseitig ist die Stadt durch die Tullnerfelder Bahn erschlossen.
Mit dem Bahnhof Traismauer und der Haltestelle Gemeinlebarn bestehen in
der Stadtgemeinde zwei Stationen.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: