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Reichenau an der Rax ist eine an den Ausläufern der
Wiener Alpen gelegene Marktgemeinde in Niederösterreich und als
heilklimatischer Kurort anerkannt. Der Ort Reichenau liegt etwa zwei
Kilometer abseits der Südbahn. Es gibt einen gemeinsamen Bahnhof mit
Payerbach mit dem Namen Payerbach-Reichenau. Der Ort wurde vor allem in
der österreichisch-ungarischen Monarchie als Nobelkurort bekannt. Die
Geschichte von Reichenau ist auch eng mit dem Bau der Semmeringbahn
verbunden.

Die Festspiele Reichenau sind
der kulturelle Höhepunkt des Sommers in Reichenau. Gegründet 1988 von
Peter und Renate Loidolt haben sie sich im Verlauf der Jahre zu
überregionaler Bedeutung und einer der führenden Adressen im
österreichischen Festspielkalender entwickelt. Sie finden zwischen
Anfang Juli und Anfang August jeden Jahres statt. Bei täglichem
Spielbetrieb werden rund 120 Vorstellungen gezeigt. Rund 41.000
Besucher aus dem In- und Ausland reisen jährlich zu diesen begehrten
Aufführungen an.

Theater Reichenau

Musikpavillon im Kurpark

Auf Initiative der damaligen Kurkommission wurde vor knapp 120 Jahren
ein eigenes Komitee ernannt, welches für die Realisierung des
Musikpavillons zuständig war. Dabei gab es anfangs rege Diskussionen
darüber, welche Art Bauwerk eigentlich am geeignetsten erscheint, den
1892 angelegten Kurpark zu bereichern. Die vielen Vorschläge reichten
bis hin zu einem Casino. Da aber zur Finanzierung eines solchen
Bauwerkes zu wenige liquide Mittel zur Verfügung standen, entschied man
sich kurzerhand für den Bau eines wetterunabhängigen
Kommunikationsmittelpunktes. Ursprünglich als einfache Wandelbahn
konzipiert, wurde das Vorhaben bald um einen integrierten Musikpavillon
erweitert.
Die in der damaligen Zeit sehr gefragten Unternehmer Carl Postl und
Carl Weinzettl zeichneten für die Ausführung verantwortlich. Nicht nur
seine zentrale Lage, sondern vor allem auch die künstlerische
Ausgestaltung machen den Pavillon zu etwas Besonderem. Der Pavillon im
Kurpark von Reichenau ist als Meisterstück dieser Richtung anzusehen.
Die Arbeit wurde über die Ortsgrenzen hinweg sehr geschätzt und hatte
auch Vorbildwirkung. Im Jahr 1909 ließ auch die Nachbargemeinde
Payerbach in ihrer Parkanlage einen Pavillon von Carl Weinzettl
errichten. Seitdem prägt dieser kürzlich restaurierte zweiarmige
Holzständerbau mit seinem eingeschwungenen Zeltdach und seinem
Glockentürmchen auch dort das Ortsbild.

Fussgängerbrücke zur Lenau-Insel

Dem Andenken des deutschen Liederfürsten Franz Schubert, 1828 / 1928
Gesang-und Orchesterverein Reichenau, N.Ö.

Schwarza

Höllentalbahn Kurhausschleife

Um 1260 bestand auf dem Geländeabsatz oberhalb der Schwarza ein Edelhof
der Herren "auf dem Wog", der später in bäuerlichen Besitz überging.
1853 von der Familie Waißnix erworben, wurde an dessen Stelle nach
Plänen des Architekten Anton Hefft eine luxuriöse Villa erbaut, die
Kaiser Franz Josef I., Kaiserin Elisabeth und den kaiserlichen Kindern
Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela zeitweise zum Sommeraufenthalt
diente. Seit damals Rudolfsvilla genannt, wurde sie später Dependance der benachbarten Kuranstalt "Rudolfsbad" und ist heute Privathaus.

Erbaut 1856-1857 von Ringstraßenarchitekt Anton Hefft auf den
Fundamenten eines befestigten mittelalterlichen Edelhofes und späteren
Gehöfts als Sommerdomizil für Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz-Josef,
Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela diente das Sisi-Schloss Rudolfsvilla bis 1861 der allerhöchsten Sommerfrische.
Danach mehrere Jahre Sommeraufenthalt des Kaiserbruders Karl Ludwig und
seiner zahlreichen Kinder, darunter der noch kleine spätere Thronfolger
Franz Ferdinand. Als Teil der mondänen Kuranstalt Rudolfsbad ab 1866
Treffpunkt der Schönen & Reichen aus Adel, Gesellschaft, Kunst und
Kultur wie Arthur Schnitzler, Sisis engem Freund Giyula Andrassy und
Theodor Herzl, dessen Vermählung 1889 hier stattfand. Heute in
Privatbesitz.

Mitte der 1850-er Jahre von Ringstraßenarchitekt Anton Hefft für die
Familie Waissnix erbaut, wurde das ursprünglich als Rudolfsschlössel
bzw. Kaiservilla bekannte Anwesen für Kaiser Franz Josef, Kaiserin
Elisabeth, Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela ab 1858 ein
beliebter Wohnsitz während der Sommermonate und gab so den Anstoß für
den Aufschwung der Region zur mondänen Sommerfrische. In den Jahren
1867 bis 1869 verbrachte auch der spätere Thronfolger Franz Ferdinand
hier die Sommermonate mit seiner Familie. Kaiser Franz Josef hielt dem
Rudolfsschlössel die Treue bis 1888, bevor die Ereignisse von Mayerling
einen Schlussstrich unter seine Aufenthalte in Reichenau zogen.

Skulptur 'Die vier Winde' vor dem 11er Haus

PFARRKIRCHE REICHENAU
Zu Zeiten des Stiftes Neuberg wurde in der Schloßkapelle die Heilige
Messe für die Bevölkerung von Reichenau gelesen. Diese Verpflichtung
ging auf die Innerberger Hauptgewerkschaft über, als sie 1784 in den
Besitz der Herrschaft kam. Nach Abbruch der Schloßkapelle 1829, mußten
die Gottesdienste in einer Notkirche abgehalten werden. Erst 1846 war
die von Maurermeister Michael Zeura nach Planberichtigung durch den
Architekten des Hofbaurates Peter Nobile ausgeführte neue Kirche
fertiggestellt. Sie war als Werkskirche konzipiert und wurde daber der
Heiligen Barbara, der Schutzpatronin des Berufsstandes der Bergleute
und Eisenarbeiter, geweiht. 1884 erwarb die Gemeinde Reichenau die
Kirche um 6.000 Gulden. Seit Errichtung der Pfarre Reichenau im Jahr
1908 ist sie Pfarrkirche.

PFARRKIRCHE HL.BARBARA - PATRONIN DER BERGLEUTE BERGLEUTE, ERBAUT 1843-1845
1841 entschloss man sich zur Errichtung einer neuen Kirche. Der Bauherr
der Kirche war die Innerberger Hauptgewerkschaft, Besitzer der
Eisenhütten in Edlach und Knappenberg. Die Hofkammer für Münz-und
Bergwesen übernahm das Patronat der Kirche. Der erste Entwurf von
Architekt Bartak wurde dem maßgeblichen k.u.k. Hofbaurat vorgelegt.
Dieser nahm einige Beanstandungen vor und verfasste am 6.Oktober 1841
ein Gutachten, dem ein abgeänderter Bauplan beigelegt wurde. Dieser
wurde vom Hofratsmitglied Peter Nobile unterfertigt. Am 3. April 1843
wurde mit dem Bau der Kirche zu Reichenau begonnen. „Den Bau übernahm
der sehr brave Baumeister Michael Zeura von Klagenfurt" (Payerbacher
Pfarrchronik).

Die Kirche wurde von 1843 bis 1846 als Werkskirche für die Bergarbeiter
nach einem Entwurf von Wenzel Bartak 1841 überarbeitet von Peter Nobile
in der Ausführung von Michael Zeura erbaut. Auftraggeber war die k.k.
Innerberger Hauptgewerkschaft Eisenerz. 1970/1971 wurde die Kirche
außen und 1995 innen restauriert.
Die Kirche wurde 1846 als Filiale der Pfarrkirche Payerbach geweiht und 1908 zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben.

Es handelt sich um eine „blockhafte spätklassizistische Saalkirche mit
Fassadendachreiter, im kubischen Stil in der Nachfolge des
zentralisierenden Typus des frühen 18. Jahrhunderts“ (Dehio). Das
Kircheninnere zeigt ein helles sparsam gegliedertes Langhaus mit einem
kräftigen Gesims. Dem zentralen Joch mit einer Hängekuppel ist mit
einer Quertonne im Eingang erweitert. Die Orgelempore steht auf
toskanischen Holzsäulen und Pilastern. Der Chor ist platzlgewölbt. Die
Orgel baute Johann M. Kauffmann 1939 in einem neogotischen Gehäuse.

1845 wurde die Inneneinrichtung der Kirche zu Reichenau geschaffen. Das
Altarbild mit dem Bilde der Hl. Barbara wurde von Friedrich Schilcher
gemalt und gestiftet vom Hofschauspieler Ludwig Löwe.
ALTARBILD: Der Hofschauspieler
Ludwig Löwe hat sich in der Art mittelalterlicher Stifterdarstellung im
Vordergrund porträtgetreu verewigen lassen. Er stellt einen soeben
glücklich aus dem Schacht zurückgekehrten Bergmann dar, der zusammen
mit seiner Familie der Heiligen Barbara für ihre schützende Fürsprache
dankt.

Die Kirche wurde als Werkskirche erbaut und ist ein interessantes
Bauwerk des kubischen Stils im österreichischen Spätbiedermeier.
Geweiht wurde sie der heiligen Barbara, der Schutzpatronin des
Berufstandes der Bergleute und Eisenarbeiter, am 9. August 1846 durch
Fürst Erzbischof zu Wien, Vinzenz Eduard Milde. Ihr Patrozinium wird am
4. Dez. gefeiert. 1908 wurde Reichenau eine eigenständige Pfarre. Bis
zu diesem Zeitpunkt gehörte sie zu Payerbach.

Die Einrichtung aus der Bauzeit ist spätklassizistisch teils aus
marmoriertem Holz, 1973/1974 wurde die ursprüngliche Polychromierung
wieder hergestellt.

Über den Taufbrunnen befindet sich die Kopie des Gemäldes,, Johannes der Täufer " von Guido Reni.

Kaiser Karl Reliquie von Reichenau in der Wochentagskapelle
Hier hat Kaiser Karl gemeinsam mit seiner Gemahlin, Kaiserin Zita regelmäßig die Hl. Messen mitgefeiert.
Reliquienmonstranz im Oratorium (Kaiser Karl-Kapelle) rechts vom Altarraum

Reichenauer Schloss-Stuben am Schlossplatz

Das Schloss Reichenau wurde um
1190 unter den Herren von Stuppach-Klamm an einer Flussschlinge der
Schwarza errichtet (Veste Reichenau). Der Sitz der Herrschaft Reichenau
wurde im Jahr 1256 erstmals urkundlich erwähnt, als adelige Dienstleute
der Herren von Pitten-Klamm die Eigentumsrechte erwarben. Diese
Eigentumsrechte wurden im Jahr 1311 an die Brüder Fallbach weiter
veräußert. Herzog Otto der Fröhliche kaufte 1333 die Herrschaft
Reichenau und das Schloss und schenkte das Schloss dem Stift Neuberg.
Die Zisterziensermönche waren über 450 Jahre in Reichenau ansässig.
Wegen des günstigen Klimas verbrachten mehrere Neuberger Äbte oft lange
Zeit im Schloss Reichenau. Im Jahre 1784 ging die Herrschaft Reichenau
in das Eigentum der Innerberger Hauptgewerkschaft über, die das Schloss
als Amtssitz und Wohnung für hohe Beamte nutzte.
Die letzte Eigentümerin Margarethe Bader-Waissnix errichtete im Jahr
1992 eine Stiftung zu Gunsten der Gemeinde Reichenau. Der Zweck der
Stiftung ist die Errichtung eines Kulturzentrums. In Entsprechung
dieser Stiftung war im Jahr 2003 das Schloss Reichenau der
Hauptausstellungsort der Niederösterreichischen Landesausstellung. Auch
im Jahre 2004 konnte mit einer großen Eisenbahnausstellung zum Jubiläum
150 Jahre Semmeringbahn unter dem Motto Faszination Semmeringbahn eine
Ausstellung gezeigt werden.

Reichenauer Schloss-Stuben am Schlossplatz und die Katholische Kirche Reichenau an der Rax (St. Barbara)

Historische Kutsche

Kaisersteine bei der historischen Bahn - Haltestelle: Höllentalbahn Bahnhof Reichenau
An der Esplanade nahe des Bahnhofs Reichenau (der Höllentalbahn) in
Reichenau an der Rax steht eine Skulptur aus mehreren Koffern mit Namen
der Habsburger.

Die niederösterreichische Höllentalbahn
ist eine schmalspurige, elektrische Lokalbahn mit einer Spurweite von
760 mm, welche vom ÖBB-Bahnhof Payerbach-Reichenau an der Semmeringbahn
auf einer ca. 5 km langen Strecke über Reichenau an der Rax nach
Hirschwang bis zum Beginn des Höllentales führte. Heute wird sie ab der
400 m entfernten Station Payerbach Lokalbahn nur mehr als Museumsbahn
betrieben.
LOKAL-(MUSEUMS-) BAHN: Schon
1868 versuchte man das Reichenauer Tal durch eine Bahnlinie, die nach
Mürzzuschlag führen sollte, zu erschließen. Vor allem aus finanziellen
Gründen blieb diesem und vielen ähnlichen Projekten die Verwirklichung
versagt. Erst 1918 wurde im Zuge der Entwicklung der Rüstungsindustrie,
eine Bahnlinie von Payerbach nach Hirschwang errichtet. 1926 nach
Eröffnung der Rax-Seilbahn adaptierte man die Bahn auch für den
Personenverkehr. Aus dieser Zeit stammt auch das kleine Stationsgebäude
in Reichenau.
1963 mußte der Personenverkehr aus Rentabilitätsgründen eingestellt
werden. Seit 1979 betreibt die "Österreichische Gesellschaft für
Lokalbahnen" die Bahnstrecke zwischen Payerbach und Hirschwang als
Museumsbahn.

SCHLOSSBRÜCKE: Schon um 1190
bei Verlegung des Herrschaftssitzes von Schneedörfl ins Tal nach
Reichenau, dürfte an der heutigen Stelle eine Brücke bestanden haben.
Auf einer Abbildung aus dem Jahre 1670 ist diese deutlich erkennbar.
1886 in Stein ausgeführt, wurde sie im Jahre 1991 renoviert und auf
zwei Fahrspuren verbreitert.

JOHANNESKAPELLE: Die barocke Kapelle des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, deren
Gitter eine besonders schöne Schmiedearbeit darstellt, stammt aus der
Zeit vor 1734, denn in diesem Jahr wird sie bereits in einem Grundbuch
der Herrschaft Reichenau erwähnt.

Nepomukkapelle: Die barocke
Kapelle des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, deren Gitter eine
besonders schöne Schmiedearbeit darstellt, stammt aus der Zeit vor
1734, denn in diesem Jahr wird sie bereits in einem Grundbuch der
Herrschaft Reichenau erwähnt. Die wahrscheinlich in Birnenholz
geschnitzte Figur des Heiligen Nepomuk stammt von einem nicht bekannten
Künstler. Sie wurde zuletzt im Frühling 2011 von dem in Reichenau
wohnhaften Kunstmaler Mino Sudik restauriert.

ERLANGERPARK: Als erste
öffentliche Parkanlage in der Gemeinde Reichenau wurde 1881 vòm
damaligen Verschönerungsverein der kleine Park an der Johannesbrücke
errichtet. Man benannte ihn nach Viktor Baron Erlanger, einem Bankier
aus Wien, der 1873 die Villa Trautenberg erworben batte, in der
Sommergesellschaft eine bedeutende Rolle spielte und als großer Wohlt
galt. 1886 erbaute man einen Musikpavillon, dessen Eisenkonstruktion in
dem 1891 stillgelegten Edlacher Eisenwerk hergestellt worden war. Hier
konzertierte vor Errichtung des Kurparkes, täglich die Kurkapelle. Die
Einbahnregelung um die kleine Parkanlage besteht seit 1938.

Kristallbrunnen im Erlanger-Park
Der Brunnen wurde anlässlich des "Jahres des Wassers" 2003 errichtet
und soll das klare und saubere Wasser Wiens und Niederösterreichs
symbolisieren. Reichenau ist die Wiege des Wiener Wassers.

Österreichischer Alpenverein Sektion Reichenau

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes Entente Florale Europe wurde
Reichenau 2010 mit einer Silbermedaille in der Kategorie Dorf
ausgezeichnet.



Krieger-Denkmal
Zum Gedenken der Gefallenen Gestorbenen und Vermißten 1914-1918
Zum Gedenken der Gefallenen Gestorbenen und Vermißten 1939-1945


VILLA CORETH: Carl Graf Coreth,
damals Rittmeister und Kämmerer wurde 1870 zum Erzieher des späteren
Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand bestellt. Er war dann auch
Erzieher der jüngeren Söhne des Erzherzogs Carl Ludwig, der mit seiner
Familie die Sommerhalbjahre in der Villa Wartholz verbrachte. Wegen der
durch seine Stellung enge Bindung an die erzherzogliche Familie, ließ
sich Graf Coreth ebenfalls in Reichenau nieder und erbaute 1870/71 eine
Villa in der Eichengasse. Hier wurde er mehrmals von den kaiserlichen
Prinzen besucht. Die Villa ist unverändert erhalten, doch wurde später
ein Anbau mit drei Geschossen angefügt.

SCHLOSS HINTERLEITEN: 1883
erwarb Baron Nathaniel Rothschild mehrere Grundstücke in
Reichenau/Hinterleiten und fügte sie zu einem 19 Hektar großen Park
zusammen. Dort ließ er von den bekannten Architekten Armand Banqué und
Albert Pio in zwei Bauetappen ein Schloß errichten. Zuerst entstand ab
1884 im englischen Landhausstil der Personaltrakt. Etwas später wurde
mit dem Bau des eigentlichen Schlosses in der Art der französischen
Renaissance begonnen. 1889 stellte Rothschild den Bau aber vorzeitig
ein und widmete das zur Hälfte fertiggestellte Schloß als Stiftung den
invaliden Offizieren der k.u.k. Armee. Die Ursache für diese
Handlungsweise ist unbekannt. Der Biograph des Barons schrieb dazu:
"Eine Laune schuf es und eine Laune gab es hin." Heute sind die
altösterreichischen Militärstiftungen Eigentümer der Liegenschaft.

Das Schloss Rothschild oder Schloss Hinterleiten
in Hinterleiten in der niederösterreichischen Gemeinde Reichenau an der
Rax wurde 1884 bis 1889 im Neo-Louis XIII-Stil für Nathaniel Meyer
Freiherr von Rothschild nach Plänen von Amand Louis Bauqué und Albert
Emilio Pio erbaut. Der aus zwei Teilen, dem Personaltrakt und dem
eigentlichen Schloss bestehende Komplex wurde jedoch nie fertiggestellt
und schließlich dem k.u.k. Kriegsministerium als Heim für invalide
Subalternoffiziere gestiftet.
Das von einem 19 Hektar großen Park umgebene Schloss besteht aus einem
Hauptbau und einem Personaltrakt, die je in einem anderen
Architekturstil gehalten sind. Der vierflügelige Personaltrakt mit
Innenhof ist in einem rustikalen Landhausstil als Fachwerkbau
errichtet, während das eigentliche Schloss, ein Natur- und Backsteinbau
im Louis XIII-Stil, mit seiner vielgestaltigen Fassade und den
verschiedenen Gaube-, Giebel- und Rauchfangformen der stark
gegliederten Dachlandschaft das Repräsentationsbedürfnis des Bauherrn
widerspiegelt.

An einem der schönsten Spazierwege oberhalb von Reichenau, dem
Verbindungsweg zwischen Schloss Rothschild und Schloss Wartholz steht
eine schöne, im neugotischen Stil errichtete Kapelle, die „Matthias-Kapelle“.
Sie ist dem Heiligen Apostel Matthias geweiht. Matthias war ein Jünger
Jesu von Anfang an. Über ihn schreibt Lukas in der Apostelgeschichte
(Apg.1, 20-26) wie er nach dem Selbstmord des Judas Iskariot von den
verbliebenen elf Aposteln durch Gebet und Losentscheid als einer von
ihnen aufgenommen wurde. Der Name Matthias kommt aus dem Hebräischen
und bedeutet „Gottesgeschenk“. In der Literatur wird Matthias „Apostel
der Treue“ genannt. Sein Gedenktag wird im deutschsprachigen Raum am
24. Februar begangen.
Maria von Schönerer, die Witwe des österreichischen Eisenbahnpioniers
Matthias Ritter von Schönerer (geb. 1807, verst. 1881) ließ 1882 zum
bleibenden Gedächtnis an ihren verstorbenen Gatten an diesem schönen
Platz die Kapelle errichten.
MATTHIAS KAPELLE: Maria von
Schönerer ließ in Erinnerung an ihren 1881 verstorbenen Ehemann, den
Eisenbahnpionier Matthias Ritter von Schönerer, in neugotischem Stile
eine Kapelle erbauen, die 1885 eingeweiht wurde.

Gegenüber der Matthias-Kapelle kommen seit 1946 an jedem 1. November zu
Allerheiligen Reichenauer Familien und Freunde beim Gedenkstein
zusammen, um in einer Feier der 17 Opfer zu gedenken, die dort in
unmittelbarer Nähe und im Gemeindegebiet von Reichenau in den letzten
Apriltagen 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, für ihre Treue zu
Österreich und ihren Widerstand zum Nationalsozialismus ihr Leben
lassen mussten.
GEDÄCHTNISSTEIN: Am 25. April 1945 - wenige Tage vor Kriegsende - wurde eine Gruppe von
Gegnern des Nationalsozialismus hierher gebracht und ohne
Gerichtsverfahren vor ein Erschießungskommando gestellt. Maria Czuba,
Maria Karasek, Maria Reifböck und Dr. Josef Thaler fanden den Tod.

Der Ingenieur Matthias Ritter von Schönerer war als Bauleiter
maßgeblich am Bau der „Pferdeeisenbahn Linz-Budweis“ und der
„Wien-Raaber-Bahn“ beteiligt. Vor allem war er der Erbauer der Südbahn,
der „Wien-Gloggnitzer-Bahn“. Baubeginn 1840, Eröffnung am 5. Mai 1842,
Christi Himmelfahrt. Der Erfolg der Bahnstrecke übertraf alle
Erwartungen und sie entwickelte sich zur Touristenattraktion. An Sonn-
und Feiertagen mussten Sonderzüge eingesetzt werden. Schönerer war der
erste Eisenbahnbauer Österreichs und anschließend auch am Bau der
Semmeringbahn mit Carl Ritter von Ghega beteiligt.

Die Villa Wartholz oder Schloss
Wartholz ist eine ehemalige Kaiservilla in Reichenau an der Rax in
Niederösterreich. Der Name leitet sich von einer in der Nähe
befindlichen spätgotischen Lichtsäule aus der Zeit um 1500 her, die den
Namen Wartkreuz trug. In der Villa findet seit 2008 jährlich der
Literaturwettbewerb Wartholz statt.
Wartholz wurde von Heinrich Missong (1844–nach 1901) nach einem Entwurf
von Heinrich Ferstel im historistischen Baustil in den Jahren 1870 bis
1872 im Auftrag von Erzherzog Karl Ludwig, Bruder von Kaiser Franz
Joseph I., gebaut. Der schlossartige Bau mit Türmen wurde weniger für
Repräsentations- denn für Erholungszwecke geplant. Die Villa benutzten
auch Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita; Karl I. war privat Eigentümer
der durch Erbschaft an ihn gelangten Villa. Sein Sohn Otto von Habsburg
(1912–2011), nach Karls Tod 1922 bis 1973 Eigentümer der Villa, wurde
in der Villa Wartholz geboren.

Raxwald

Raxwald

Orthofstraße in Richtung Kletschka-Höhe

WARTKREUZ: Spätgotische, aus
der Zeit um 1500 stammende Lichtsäule. Beim Besuch der zum Stift
Neuberg gehörenden Herrschaft Reichenau wurde hier der jeweilige Abt
empfangen.

Schloss Wartholz zeichnet sich durch eine bewegte und historisch
bedeutsame Geschichte aus. Erbaut im Stil des Historismus, wurde
Wartholz nach nur 3-jähriger Bauzeit im Jahr 1872 von Architekt
Heinrich von Ferstel an den Bauherrn Erzherzog Karl Ludwig übergeben.
Gesellschaftlich bedeutend waren Karl Ludwigs Offenheit für die
Bevölkerung sowie seine Aktivitäten als Förderer von Wissenschaft,
Kunst & Literatur, die Schloss Wartholz zu einem kulturellen
Treffpunkt machten. 1911 wählte Karl, der Enkel des Erzherzogs, das
Schloss als Wohnsitz und später als kaiserliche Residenz, wodurch es im
Ersten Weltkrieg zum Mittelpunkt politischer Ereignisse wurde.
Am 20.11.1912 wurde hier Otto von Habsburg als ältester Sohn Kaiser
Karls & Kaiserin Zita geboren. Als letztes offizielles Ereignis
gilt die Promotion der Maria-Theresien Ritter durch Kaiser Karl an
dessen Geburtstag, dem 17. August 1918. Schloss Wartholz war der Lieblingsaufenthaltsort der kaiserlichen
Familie und, so wie wir heute, schätzten sie die traumhafte Natur des
Rax-Schneeberggebietes, die frische Luft und das glasklare Wasser.
Schlossgärtnerei Wartholz

Erzherzog Carl Ludwig (Bruder des Kaisers) ließ durch den bekannten
Ringstraßenarchitekten Heinrich von Ferstel die 1874 fertiggestellte Villa Wartholz
erbauen. Der Erzherzog und seine Familie verbrachten hier alljährlich
die Zeit von Pfingsten bis nach Weihnachten. Die Villa war dann der
Lieblingsaufenthalt des Erzherzogs Karl Franz Josef (ab 1916 Kaiser
Karl I.) und seiner Gemablin Zita. Dr. Otto Habsburg-Lothringen wurde
1912 als deren ersten Sohn in der Villa Wartholz geboren. Von 1916 bis
1918 kaiserliche Sommerresidenz, kam es hier mit der Promotion der
Maria Theresien-Ritter zu den letzten großen Staatsakten der Monarchie.
Die Villa Wartholz war dann Fremdenpension und Schulungsheim. Heute
befindet sie sich in Privatbesitz.

Der selige Karl aus dem Hause Österreich - Kaiser von Österreich und König von Ungarn (*1887-†1922)
„Mein ganzes Streben geht stets dahin, so klar wie möglich in allem den
Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen, und zwar so vollkommen wie
nur möglich."

EHEMALIGES FORSTAMT: Ab 1881
war Leo Ritter von Hertberg Alleinbesitzer der Herrschaft Reichenau.
Nach Plänen des Architekten Lothar Abel ließ er 1894/95 das
herrschaftliche Forstamt erbauen. Den im Stile der niederländischen
Renaissance gehaltenen, historistischen Bau erwarb 1913 Paula Baronin
Zedtwitz, die ihn zu einer Villa ausstatten ließ. 1917 ging die
Liegenschaft auf Kaiser Karl I., über, der hier einen Teil seines
Hofstaates unterbringen wollte. Von 1938 bis 1945 als Parteiheim der
Nationalsozialisten in Verwendung, ist die Villa heute in Privatbesitz
und ein Beispiel für die musterhafte Renovierung eines alten
Villenbaues.

DOMÄNENVERWALTUNG: Nach dem
1877 erfolgten Kauf der Herrschaft Reichenau durch ein
Finanzkonsortium, dem auch der spätere Alleinbesitzer Leo Ritter von
Hertberg angehörte, war es vordringlich, ein Verwaltungsgebäude zu
errichten. Nach den Plänen der Architekten Heinrich Claus und Josef
Groß wurde 1878 das bis heute fast unveränderte Gebäude der
Domänenverwaltung errichtet. Um 1910 von der Gräfin Philippine Castel
erworben, wurde dort ab 1911 während der Sommermonate ein Institut für
höhere Töchter betrieben. Auch später und zwar bis 1975 hatten Kinder
die Möglichkeit, im "Spatzennest" Erholung zu finden. Ab 1983 wurde die
Villa zu einem Appartementhaus umgestaltet.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: