Monschau

Tuchmacherstadt, September 2026

Monschau ist eine Stadt im Westen Deutschlands, nahe der belgischen Grenze. Sie ist für ihr mittelalterliches Zentrum mit Fachwerkhäusern und engen Kopfsteinpflasterstraßen bekannt. Die Burg Monschau thront mit ihren Türmen über der Stadt und ist ein Veranstaltungsort für Open-Air-Konzerte. Das Rote Haus, ein 1752 erbautes Wohnhaus eines wohlhabenden Tuchfabrikanten, enthält luxuriöse antike Möbel und eine mit Schnitzereien versehene Wendeltreppe aus Eichenholz. Unweit der Stadt befindet sich der Nationalpark Eifel mit Wanderwegen.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Laufenstraße in Monschau bei Im Städtchen

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Haus Troistorff an der Laufenstraße in Monschau, Deutschland
Repräsentatives Wohnhaus eines wohlhabenden Monschauer Tuchmachers, erbaut Ende des 19. Jahrunderts. Heute befinden sich ein Kunst- und Kulturverein und ein standesamtlicher Raum in dem Gebäude. Eine schöne Idee ist der sehenswerte Hochzeitsbaum vor dem Haus. Die Brautleute konnten ihre Hochzeitsdaten auf den Glasblättern des Baumes eingravieren lassen. Jetzt, wo alle Blätter belegt sind, ist der Eintrag in ein Hochzeitsbuch im Hause möglich.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Laufenbachbrücke am Holzmarkt in Monschau

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Museum Rotes Haus Monschau
Palais aus den 1760er-Jahren mit roter Fassade und Ausstellung mit Rokokomöbeln, Tafelsilber und Portraits.

Das Rote Haus ist ein Geschichtszeugnis der Wolltuchproduktion in Monschau. 1760 ließ der Tuchmacher Johann Heinrich Scheibler das Gebäude als repräsentatives Wohnhaus mit dem Eingang „Zum goldenen Helm" und zugleich als Handels- und Produktionszentrale mit dem Eingang „Zum Pelikan" errichten. Heute zeigt das Museum die großbürgerliche Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts und bietet mit einer modernen Ausstellung Einblicke in das große handwerkliche Können und die Produkte der Wolltuchmanufakturen jener Zeit.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Im 18. Jahrhundert war Monschau eine in ganz Europa berühmte Tuchmacherstadt. Hier wurden feine Wollstoffe produziert. Hunderte von Menschen waren in der Stadt und der Umgebung mit der Wollverarbeitung beschäftigt. Noch heute kann man im Ort Spuren der Tuchproduktion finden.

Das Rote Haus ist ein imposantes Denkmal dieser Zeit. Es wurde um 1760 von dem Tuchmacher Johann Heinrich Scheibler als Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Die ge-trennten Hauseingänge „Zum goldenen Helm" und Zum Pelikan" erklären sich aus diesen beiden Nutzungen. Bis in die 1830er Jahre war das Gebäude sowohl Wohnsitz als auch Produktionsstätte und Handelshaus von drei Generationen der Familie Scheibler.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Prunkstück der Eingangshalle ist die über drei Etagen freitragend gebaute Treppe aus Eichenholz. Blickt man durch das offene Treppenauge nach oben, lässt sich ihre kühne Konstruktion verfolgen. Die kunstvollen Schnitzereien weisen typische Motive des Rokoko-Stils auf. Umrankt von Zierwerk sind im Geländer kleine Kinderfiguren zu sehen, sogenannte Putti. Im Innenlauf stellen sie symbolisch die vier Jahreszeiten, Tageszeiten und Elemente dar.

Im Außenlauf aber - und das ist außergewöhnlich - vermitteln sie die einzelnen Arbeitsschritte der Wolltuchherstellung: Vom Hüten der Schafe bis zum Verladen des fertigen Tuchballens. Voller Stolz präsentiert hier der Bauherr sein Gewerbe, seine detaillierten Kenntnisse der Vorgänge und die Grundlage seines Erfolges.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

HERRENZIMMER
Typischerweise ausgestattet mit dunklen Möbeln, einem Schreibtisch und bequemen Sitzgelegenheiten diente der Raum dem Hausherrn als Arbeitszimmer. Nach dem Essen zogen sich die Männer hierher zurück, um beim Konsum von Tabak und Alkohol gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Auch Geschäftspartner wurden hier empfangen.
Die beiden Bronzebüsten rechts auf den Kommoden zeigen das Stifterehepaar Hans Carl Scheibler und Lotte geborene Müller. Hans Carl Scheibler betrieb seit 1920 in Köln die Chemische Fabrik Kalk seines Vaters. Dem intensiven Engagement seiner Frau Lotte verdanken wir heute die Zusammenstellung der historischen Inneneinrichtung.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Blickfang im Raum ist die Leinwandtapete der Wände. Sie zeigt eine Illusionsmalerei. 73 Kopien von Bildern alter Meister sind mit Rahmen so aufgemalt, als wären sie im Original vorhanden. Leinwandtapeten waren damals eine beliebte Wanddekoration und zeigten meist idealisierte Landschaften. Ein fiktives Bilderkabinett in dieser Form ist aber einzigartig und gehört mit zu den Besonderheiten des Roten Hauses. Unter den 73 Gemälden finden sich Vorlagen von Tizian, Rembrandt, van Ruisdael, Rosalba Carriera und Angelika Kauffmann.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Das prunkvolle Esszimmer ist im Louis-seize-Stil eingerichtet. Dieser Einrichtungs-Stil ist nach dem französischen König Ludwig XVI benannt und umfasst den Zeitraum von etwa 1770 bis 1795. Er orientiert sich am französischen Modestil des Adels und reichen Bürgertums. Charakteristisch sind symmetrische Formen mit dezenten Ranken- und Blumen-Ornamenten in Girlandenform. So könnten die Wohnräume des Roten Hauses kurz nach Beginn ihrer Nutzung eingerichtet gewesen sein.

Die dunkelgrüne Wandbespannung mit Blumenmotiven wurde nach gefundenen Tapetenresten aus dem Jahr 1770 rekonstruiert. Hinter der kleinen Holztür in der Wand links in der Ecke befindet sich ein Speiseaufzug zur darunterliegenden Küche.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Geschmückt wird das Zimmer mit Porträts von Mitgliedern der Familie Scheibler. Auf dem Tisch sieht man festliches Geschirr. Carl Scheibler und seine Frau Lilla ließen sich das Service anlässlich ihrer Silberhochzeit 1909 bei der Firma Richard Ginori in Mailand für 100 Personen anfertigen. Jedes Teil zeigt das Wappen der Familie Scheibler und derer von Mallinckrodt, einer Kaufmannsfamilie aus dem Dortmunder Raum.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die Küche des Hauses war das Reich der Bediensteten, vor allem der Küchenmädchen und Köchinnen. Es war auch der wärmste Raum des Hauses, weil das Feuer im großen, offenen Kamin nicht ausgehen durfte. Da Kochherde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts in der Eifel üblich wurden, kochte man bis dahin über dem offenen Feuer und hielt dort warmes Wasser bereit. Die Herdstelle ist repräsentativ mit Blaustein eingefasst. Hinter dem Feuerbereich ist eine große Eisengussplatte mit dem Scheibler-Wappen angebracht. Sie speicherte die Wärme des Feuers und gab sie in den Raum zurück. Die Tür des Speiseaufzugs zum Esszimmer findet sich rechts neben dem Kamin in der Ecke. Eine Bodenklappe führte zu einem Kanal im Kellergeschoss. Vielleicht diente sie der Müllentsorgung.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Auf dem Tisch vor dem Fenster fällt die T-förmige Hasenbratpfanne aus Ton ins Auge. Vor dem Braten wurden die Hinterläufe des Hasen mit dem Muskelfleisch abgetrennt und im oberen Teil platziert, der Rest unten. So verteilte sich die Hitze gleichmäßiger. Diese Pfanne macht deutlich, dass Wild recht häufig auf dem Speiseplan des Groß-bürgertums stand. War früher die Jagd das Privileg des Adels gewesen, so gingen nun auch die Fabrikanten auf die Jagd. Dazu boten die Eifelwälder und das Hohe Venn mit reichlich Wild gute Möglichkeiten. Wilhelm Scheibler besaß sogar ein eigenes Jagdhaus, das heutige Gut Ternell im Hohen Venn.

HASENBRATPFANNE AUS ΤΟΝ, HÖHR - GRENZHAUSEN (KANNEBÄCKER - LAND)

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die vielen blank polierten Küchengefäße aus Messing und Kupfer konnten sich nur reiche Haushalte leisten.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Im Winkel unter der großen Treppe befindet sich eine Toilette. Im 18. Jahrhundert war eine solche Einrichtung eine große Seltenheit in Privathäusern, ebenso wie das beigestellte Handwaschbecken aus Kupfer.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die heutige Einrichtung verdanken wir späteren Generationen der Familie, die das Haus ab 1909 von Köln aus als Feriendomizil nutzten. Sie stellten die Einrichtung aus Familienerbstücken und aus dem Kunsthandel zusammen.
1963 entschied sich die Familie, gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland das Rote Haus in eine private Stiftung umzuwandeln. Ziel der Stiftung ist es, dieses Denkmal für die Zukunft zu erhalten, es als Museum auszubauen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Museum Rotes Haus erhalten Sie einen Einblick in die Wohnkultur der Industriellenfamilie und erfahren, wie Wolltuche in Monschau im 18. Jahrhundert produziert wurden.

Im ersten Obergeschoss befinden sich Wohnräume und ein Festsaal. Über ihre ursprüngliche Nutzung ist wenig bekannt. Sie wurden erst im Laufe der Zeit in der jetzigen Art eingerichtet. Bevor Sie die Zimmer betreten, schauen Sie doch auf die Gemälde oberhalb der Türen, die mit den Türrahmen verbunden sind. Sie zeigen einen träumenden Schäfer und junge Paare, die die Jahreszeiten symbolisieren sollen. Die Gemälde wurden erst 1911 durch die Düsseldorfer Malerin Sophie Meyer geschaffen und sind Motiven aus dem 18. Jahrhundert nachempfunden.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

BLAUER SALON
Im Blauen Salon fällt der offene Kamin aus rotem Marmor auf. Neben ihm ist ein Durchgang zum Nachbarzimmer. Da das Treppenhaus nicht geheizt wurde, konnte man so die Räume wechseln, ohne die Tür zum kalten Flur zu öffnen. Über dem Kaminspiegel befindet sich ein Gemälde in Schwarz-Weiß-Tönen in einer Technik, die Steinreliefs nachahmt. Solche Bilder waren unter anderem in der Barockzeit zur Ausschmückung evangelischer Kirchen beliebt. Die Familie Scheibler war übrigens wie alle Monschauer Feintuchfabrikanten protestantischen Glaubens und weist eine lange Ahnenreihe herausragender Theologen auf.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Auf dem Tisch steht eine Kaffeekanne, eine sogenannte bergische „Dröppelmina" aus Kupfer und Messing. Der Kaffee, damals ein ungefilterter Aufguss aus gemahlenen Bohnen und kochendem Wasser, wurde über den kleinen Zapfhahn in Tassen gefüllt. Der Ausguss verstopfte durch das Pulver leicht, tropfte, „dröppelte" dann nur heraus und musste mit einem Federkiel immer wieder gereinigt werden. Kaffee war im 18. Jahrhundert ein Luxusgetränk und teilweise in einigen Staaten verboten. Er wurde über den Seeweg aus europäischen Kolonien in Südostasien und Südamerika importiert.

Dies wird auch durch das Gemälde von Wilhelm Scheibler, einem Sohn Johann Heinrichs, und seiner Frau Theresia Elisabeth Böcking deutlich. Sie haben sich, vermutlich Kaffee trinkend, porträtieren lassen und demonstrieren damit ihren luxuriösen Lebensstil. Ärmere Leute mussten sich mit Kaffeeersatz aus Eicheln, Löwenzahn- oder Zichorienwurzeln begnügen.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

GELBER SALON
Der Gelbe Salon ist ebenfalls mit ausgesuchten Möbeln ausgestattet. Links vom Fenster fällt der Sekretär mit reichhaltigem Schnitzwerk und wellenförmigen Schubladen auf. Vermutlich stammt er aus einer Aachener Werkstatt. Besonders erwähnenswert ist der Tabletttisch neben dem Eingang. Es ist ein typisches Möbel aus der Rokoko-Zeit aus der Manufaktur Van Selow aus Braunschweig. Möbel aus dieser Manufaktur besitzen heute Seltenheitswert. Charakteristisch sind die Motive aus Glasperlen. Solche Tische dienten in der feinen Gesellschaft dazu, Tee einzunehmen. Tee war, wie auch der Kaffee, ein Luxusgetränk und wurde meist in Gemeinschaft, z. B. bei Besuchen oder ähnlichen Anlässen, getrunken.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Zur Originalausstattung des Hauses gehört der große zweitürige Leinwandschrank. Er zeigt das geschnitzte Familienwappen Scheibler-Böcking auf dem oberen Schrankrahmen. Er ist vermutlich 1766 angefertigt worden. In ihm wurde die Aussteuer, die Theresia Elisabeth Böcking in die Ehe mit Wilhelm Scheibler aus ihrem Elternhaus mitbrachte, aufbewahrt. Junge Frauen brachten als Aussteuer in der Regel Tisch- und Bettwäsche sowie Leinenstoff mit, um daraus später Haushaltstextilien zu nähen. Bereits Jahre vor der Hochzeit webten sie dafür Leinen und nähten und bestickten Tisch- und Betttücher. Diese bäuerliche Tradition war offenbar auch in der Oberschicht üblich.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Das Kabinett ist einer der ungewöhnlichsten Räume im Roten Haus. Die Wände ziert eine weitere kostbare Leinwandbespannung. Darauf ist eine Waldlandschaft gemalt, umrankt von Blumengirlanden. Dargestellt sind vor allem Jagdszenen mit verschiedenen Tieren wie Jagdhunden, Raubkatzen und Hühnervögeln, aber auch ein Fischerjunge sowie Gartengeräte sind zu sehen. Viele Blumen in Körben und Vasen lassen die Szene romantisch und verspielt wirken.

Ebenfalls sehr kunstvoll ausgeführt sind die geschnitzten Holztafeln im unteren Bereich der Wände. Sie zeigen auf der linken Seite Musikinstrumente in verschiedenen Konzertkombinationen und daneben Theaterkulissen mit Waffen, Rüstungen und Kanonenkugeln. Das Zimmer kann als Damenzimmer genutzt worden sein, wohin man sich im kleinen Kreis zurückzog.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Auf dem Tisch steht eine hölzerne Haspel. Mit diesem Gerät wickelte man das gesponnene Garn von den Spinnradspulen auf und konnte es anschließend als Garnstrang abnehmen und aufbewahren. Wie bereits der große Schrank im Gelben Salon zeigt, in dem das Hausleinen aufbewahrt wurde, beschäftigten sich auch die Damen der Oberschicht mit der Herstellung von Garn und mit anderen Handarbeiten.

Darauf weist auch der Nähkorb hin. Gemeinsam wurde gesponnen, gestickt, geklöppelt und genäht. Handarbeit gehörte selbstverständlich zur Ausbildung der Mädchen und jungen Frauen der Oberschicht und des Adels im 18. und auch noch im 19. Jahrhundert.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Der größte Raum des gesamten Hauses ist der Festsaal. Er ist zurückhaltend eingerichtet und durch die große Fensterfront nach Osten Richtung Rur und nach Süden zum Laufenbach hin sehr hell. Auffällig sind der mit Marmor umrahmte offene Kamin, die sorgfältig gearbeitete Stuckdecke sowie der Parkettboden mit Einlegearbeiten. Das Sofa und die Stühle sind Originale aus der Zeit um 1780.

Richten Sie Ihren Blick im Festsaal auf die schöne, mit Stuck ausgearbeitete Zimmerdecke. Stuck ist ein Zierelement aus Mörtel, der eine spezielle Zusammensetzung aus Gips, Kalk und Bindemitteln besitzt. Er wird von spezialisierten Handwerkern, den Stucka-teuren, aufgebracht. Die Verschönerung von Zimmerdecken durch Stuck war vor allem im Barock und Rokoko, also im 17. und 18. Jahrhundert, sehr beliebt. Der Zierstuck im Festsaal mit seinen kunstvollen Ornamenten beweist, dass hier sehr kunstfertige und professionelle Meister am Werk waren. Bis auf die Küche weisen alle im Roten Haus eingerichteten Wohnräume Stuckdecken auf.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Neben dem Eingang hängt ein Portrait von Wilhelm Scheibler mit seiner Frau Theresia Elisabeth Böcking und der kleinen Tochter Maria Henriette, die 1767 geboren wurde. Der Salon wurde für Familienfeiern und Empfänge genutzt. Wichtig waren hier auch die Musiknachmittage oder -abende. Es gehörte zum guten Ton in der Oberschicht, dass die Kinder Musikinstrumente lernten und ihr Können Gästen vorführten. Daneben luden sich die Tuchmacherfamilien gerne reihum ein und engagierten Musikanten für Konzerte.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

An den Festsaal grenzt der kleinere Vorraum bzw. Salon. Welche Funktion der Salon hatte, ist nicht genau bekannt. Vielleicht zogen sich die Gäste hierhin zu ungestörten Gesprächen und Plaudereien zurück. Im Raum befindet sich auch eine Sitzgarnitur aus der Zeit um 1780. Sie besitzt Stoffbezüge, auf denen Figuren, Tiere und Jagdszenen zu sehen sind. Diese Bezüge stammen, wie der Teppich, aus Aubusson, einer kleinen Stadt in Zentralfrankreich. Seit dem 15. Jahrhundert werden dort Bildteppiche, sogenannte Tapisserien, hergestellt. Die weltberühmten Werkstätten, von denen heute noch einige existieren, produzieren auf Bestellung. Sie machen deutlich, welche europaweiten Kontakte die damalige Oberschicht nicht nur durch ihre Firmen, sondern auch im privaten Konsum pflegte.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Hier fällt vor allem links ein Vitrinenschrank für Porzellan auf. Die Zierelemente sind dezenter als bei anderen Schränken dieser Art im Roten Haus. Sie sind aber typisch für die Entstehungszeit 1770, dem Übergang vom Rokoko zum Louis-seize-Stil. Vermutlich stammt der Schrank aus einer Lütticher oder Aachener Werkstatt. Er besitzt eine eingebaute Pendeluhr, sogar mit Sekundenzeiger. Dies weist auf die große Bedeutung der modernen Zeitmessung in den Fabrikantenfamilien hin. Im 18. Jahrhundert orientierten sich die meisten Menschen noch nach dem Sonnenstand und den Kirchenglocken. Dies sollte sich im bevorstehenden Maschinenzeitalter ändern.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

ARBEITSSCHRITTE
Auf der langen Wand hinter dem Stoffmustertisch sehen Sie von links nach rechts Abbildungen und Objekte zu den wichtigsten Stationen der Tuchherstellung. Die Vitrinen zeigen die Schritte der Verarbeitung von der Rohwolle bis zum fertigen Tuch.

Waschen: Die von Merinoschafen aus Spanien und Sachsen stammende Wolle kam in großen Ballen vorgereinigt nach Monschau. Durch Zusatz von Urin und heißem Wasser wurde sie in Kesseln entfettet, gewaschen und anschließend in Körben im fließenden Wasser ausgespült.
Färben & Trocknen: In Monschau wurde ein großer Teil der Wolle anschließend gefärbt, auf Rahmen getrocknet und auf Tischen zu Flocken geschlagen.
Kardieren: Die Wollflocken kamen nun zum Kardieren oder Krempeln: Die einzelnen Fasern wurden mit Bürsten mit kleinen Metallhaken parallel gekämmt und anschließend mit Olivenöl leicht eingefettet, um das Spinnen zu erleichtern.
Spinnen: Danach spannen meist Frauen die Wolle auf handbetriebenen Spindelrädern zu Garn.
Kettschären & Weben: Nun erfolgte das Kettschären: Weber machten nach den Vorgaben des Fabrikanten eine Kette, das sind die gleich langen parallelen Fäden, die auf den Webstuhl gespannt wurden. Das Schussgarn wurde auf kleine Spulen gespult und das Tuch nach genauen Vorgaben des Fabrikanten gewebt.
Walken & Spannen: Nach dem Weben erfolgte die Nachbehandlung oder Appretur: Zunächst kam das Gewebe in die Walkmühle, wo große Holzhämmer es in einer Seifenlauge stampften und so verfilzten. Das stark eingelaufene Tuch wurde im Freien auf große Rahmen gespannt, gedehnt und angetrocknet.
Rauen: Anschließend strichen Arbeiter mit Handkarden, in die getrocknete Blütenstände der Kardendisteln eingespannt waren, über das noch leicht feuchte Tuch, um die Wollhaare aufzustellen.
Tuchscheren: Dann kam der langwierigste Arbeitsgang: Die Oberfläche des Tuches wurde Millimeter für Millimeter mit schweren Tuchscheren so geschoren, dass sie glatt und gleichmäßig war. Diese Vorgänge der Appretur mussten mehrfach wiederholt werden, um ein feines Wolltuch zu erhalten.
Sengen & Pressen: Nach dem Sengen, Pressen und Verpacken war der Stoff fertig zum Verkauf. Die Verwandlung der Rohwolle bis zum fertigen Tuch konnte bis zu zwei Jahre dauern.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

ARBEITSORTE
Die Zahl der Arbeitskräfte in Monschau und der näheren Umgebung reichte für die Monschauer Textilmanufakturen im Laufe des 18. Jahrhunderts nicht mehr aus. Daher begannen die Fabrikanten, einige Arbeitsschritte nach außen in Heimarbeit zu vergeben. Dazu gehörten das Weben einfacher Webmuster und vor allem das Spinnen. Für die Arbeit eines Webers mussten mindestens sechs bis acht Spinnerinnen Garn produzieren. Sie erhielten die kardierte Wolle und lieferten das Garn wieder ab. Anschließend vergab der Fabrikant das Garn mit Anweisungen zum Muster an Weber. Vor allem im Limburger Land und in der Wallonie etablierte sich ein System von Kleinunternehmern, den Baasen. Sie waren eine Art Subunternehmer, hatten eigene Werkstätten oder beschäftigten selbst Heimarbeitende. Sie erhielten aus Monschau die Wolle und lieferten das fertige Gewebe dort wieder ab.

Die Fabrikanten unterhielten in Monschau Walkmühlen sowie eigene Werkstätten, sogenannte „Winkel". Dort beschäftigten sie Färber, Weber für spezielle Muster, Scherer, Presser und andere Arbeiter. Insgesamt waren um 1770 an die 5.400 Menschen im näheren und weiteren Umfeld für Monschauer Feintuchproduzenten tätig.

Farbrezeptbuch mit Wollproben (Ende 18./ Anfang 19. Jahrhundert) - Das Buch umfasst über 600 Wollmuster und Rezepturen.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Hier sehen Sie mehrere Stoffmuster, die nach alten Vorlagen aus historischen Musterbüchern der Firma Scheibler durch den Handweber Christoph Erhardt rekonstruiert wurden. Die Schwierigkeit bestand nicht nur in dem Verständnis und in der Rekonstruktion der Webmuster, sondern vor allem in der Oberflächenbehandlung, der Appretur der Stoffe. Dazu waren mehrere Versuche notwendig. Sie sehen zum einen drei verschiedene Webmuster (rote Stoffe), die für Scheibler typisch waren: gestreift, gepunktet und geflammt. Daneben sind blaue /violette Stoffe in verschiedenen Stadien der Appretur: direkt nach dem Weben, nach dem Walken und nach dem Scheren.

Lange Zeit wurden in Monschau nur einfarbige Wolltuche produziert. Johann Heinrich Scheibler war einer der ersten Feintuchfabrikanten, der um 1740 gemusterte Wolltuche herstellte. Sie entsprachen der verspielten und sehr bunten Mode des Rokoko. Solche „geflammten" Stoffe aus mischfarbigen Garnen, Stoffe mit Streifen oder feinen Punkten wurden für Westen und andere Oberbekleidung, aber auch für Haremstücher verwendet. Die erhaltenen Musterbücher für Messen zeigen eine große Fülle an Farben und Mustern. Und doch wurden alle in reiner Handarbeit mit Naturfarben hergestellt. Zum Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich die Mode wieder mit einem Trend zu einfacheren, häufig einfarbigen Stoffen, wie die Beispiele aus dem „Journal des Luxus und der Moden" in der Projektion zeigen. Bereits damals mussten die Produzenten möglichst schnell auf die wechselnden Moden reagieren, um auf dem Markt bestehen zu können.

Rollbuch mit Stoffmustern der Firma Johann Heinrich Scheibler & Söhne, um 1810, mit ca. 2.400 Mustern

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Leider war der Zugang zum 2. Obergeschoß im Museum Rotes Haus Monschau gesperrt, wofür es zwar löblicherweise eine Preisreduktion beim Eintritt gab. Eine Besichtigung der Schlafräume wäre mir lieber gewesen.

Aussichtspunkt, Alte Wassermühle & Rur

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Altstadt Monschau mit Fachwerkhäusern, kopfsteingepflasterten Gassen und einer Burg aus dem 12. Jahrhundert.

Die Aukirche St. Mariä Empfängnis befindet sich im historischen Zentrum von Monschau nahe dem Marktplatz. Ihre Weihe erfolgte im Jahr 1751. Errichtet wurde sie im 18. Jahrhundert als Kirche des Minoritenklosters, das als Aukloster bekannt ist. Bis heute wird die Kirche regelmäßig für katholische Gottesdienste genutzt und ist tagsüber für Besucher geöffnet.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die Kirche St. Mariä Empfängnis, auch Aukirche genannt, ist eine historische katholische Kirche in Monschau. Ursprünglich Teil des Minoritenklosters, wurde die Kirche zwischen 1725 und 1751 erbaut. Nachdem das Kloster 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, wurde die Kirche 1863 zur Pfarrkirche.

Die Aukirche befindet sich in der Nähe des Marktplatzes in der historischen Altstadt von Monschau. Im Inneren sind bemerkenswerte Elemente wie sieben große Apostelfiguren, eine Christusdarstellung mit den vier Evangelisten und ein bemerkenswerter Kreuzweg, der von der Werkstatt Hildebrand und Heiermann aus Köln geschaffen wurde.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Nach dem Umbau in den 1960er-Jahren erhielt die Kirche mehrheitlich eine neue moderne Ausstattung, darunter den Altar von 1973, das Verkündigungspult, den Tabernakel sowie einen aus Bronze und Messing angefertigten Leuchter nach Entwürfen von Stephan Legge. Das Ewige Licht stammt dagegen aus dem 19. Jahrhundert und ist in einem offenen Messinggeflecht an dem Stützpfeiler hinter dem Altar verankert. Im gleichen Zeitraum wurde auch das Altarkreuz in dunklem Messing mit großem, hellem Korpus angefertigt und in der Wandnische hinter dem Altartisch angebracht.

Ebenfalls aus Legges Entwürfen stammen die 1966 angefertigten 14 hohen Rundbogenfenster in Bleiverglasung aus Antik- und Opalglas. Lediglich das Fenster über dem Eingang wurde 1961 von Gerdur Helgadottir in Schwarzlotmalerei gestaltet.[3] Die beiden Kölner Bildhauer Theo Heiermann und Elmar Hillebrand gestalteten moderne Kreuzwegstationen, die seitlich in den Nischen an den Pfeilervorsprüngen angebracht wurden und mit farbigem Licht angestrahlt werden können. Moderne, teils dimmbare Beleuchtungskörper sind im gesamten Kirchenraum vorhanden.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die verschiedenen Heiligen-Figuren stammen aus älterer Zeit, darunter sieben Apostelfiguren in Terrakottaverarbeitung aus dem Jahr 1864 sowie eine Christusfigur mit vier Evangelisten für die frühere Kanzel als Holzschnitzwerk aus dem Jahr 1862. Diese sind heutzutage in einer Holzverkleidung am Wandpfeiler hinter dem Verkündungspult angebracht. Vier größere Figuren aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhielt die Kirche aus dem aufgelösten Ursulinenkloster Monschau, darunter eine Schwarze Madonna, die an der Westwand der Kirche auf einem kleinen Tisch unter Glas links neben dem Durchgang zur Turmkapelle aufgestellt ist und um dem sich ein großer schmiedeeiserner Kerzentisch rankt. In einer Wandnische neben dem heutigen Südeingang findet sich ein weiteres Figurenensemble auf einer schwarzen Altarbank mit dem Motiv der Pietà. Das große Ölgemälde auf Holz mit der Darstellung der Kreuzigung rechts dieses Durchganges stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist eine Leihgabe des Bistums Aachen.

Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen nach dem Großbrand von 1860 wurde auch die neue Stahlhuth-Orgel mit zwei Manualen und Pedal angeschafft. Bei den Umbaumaßnahmen in den 1960er-Jahren wurde die Orgel zunächst abgebaut und in der Aachener Werkstatt der Firma Stahlhuth grundlegend saniert. Dabei wurde sie mit neuem Prospekt ausgestattet, und zwei Register des zweiten Manuals wurden durch ein Carillon und ein Scharff ersetzt. Darüber hinaus erhielt sie nach Plänen von Ursula Legge-Suwelack ein neues Orgelgehäuse und wurde nach Fertigstellung der Arbeiten auf einer neu eingerichteten Orgelbühne im vormaligen Altarraum der Kirche neu aufgestellt.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Rurstraße, Monschau, Deutschland

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Skulptur Maaßens Päulche in Monschau
Paul Maaßen, in Monschau unter dem Spitznamen „Päulche“ bekannt, verdiente seinen Lebensunterhalt als reisender Händler. Mit einem Korb voller Kurzwaren zog er von Tür zu Tür und verkaufte seine Waren nicht nur in Monschau, sondern wohl auch bis nach Aachen. Besonders in Monschau war er sehr beliebt, denn Päulche hatte stets eine Geschichte parat und wusste die Menschen mit humorvollen Sprüchen zu unterhalten. So kam es nicht selten vor, dass ihm die Monschauerinnen aus Gefälligkeit oder Vergnügen etwas abkauften, auch wenn sie eigentlich nichts brauchten. Geboren 1856, lebte Päulche bis 1940 und wurde 84 Jahre alt. Über ihn erzählte man sich, dass er in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten äußerlich kaum gealtert sei – ein Verdienst wohl seines Humors, seines charakteristischen Huts und der ständigen Bewegung an der frischen Luft. Manche scherzten auch, dass sein Geburtstag am 29. Februar dazu beigetragen habe, da er so nur alle vier Jahre „älter“ wurde. Die Skulptur zu Ehren von Maaßens Päulche wurde vom Kunstkreis Nordeifel gestiftet.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Evangelische Stadtkirche Monschau an der Brücke der Evangelische Stadtkirche Monschau
Die Kirche ist ein unverputzter, rechteckiger Bruchstein-Saalbau mit Blausteineinfassungen und abgeschrägten Chorecken im Südwesten. In die nordöstliche Schmalseite ist der viergeschossige Turm mehr als halb eingebaut, so dass er oben aus dem Walmdach herauswächst.

Die der Rur zugewandte Seite ist eindeutig als Schaufassade des Baus konzipiert. Die einfache Brücke mit schmiedeeisernem Geländer, auch „Evangelische Brücke“ genannt, da sie 1861 durch die Evangelische Kirchengemeinde errichtet worden war, führt direkt auf das rundbogige Turmportal in Blausteinrahmung zu. Es besteht aus einer zweiflügeligen, grauweiß gefassten Eichentür mit geschnitzten Louis-seize-Applikationen, darüber einem rechteckigen geschlossenen Zwischenstück und einem rundbogigen Oberlicht mit strahlenförmigem, bleiweiß gefasstem Sprossenfenster. Die pilasterartige Steinrahmung trägt über dem Türbogen ein Gesims mit einem Segmentgiebel, der schon Stilelemente des Klassizismus zeigt. Das gesamte Steinhauwerk wurde an die Steinhauer Joes und Franz Bertram Coberg vergeben.

Über dem Portal ist ein steingerahmtes Rundfenster mit Girlandenschmuck an der Unterseite eingefügt. Darüber trennt ein umlaufendes Gesims auf Traufhöhe des Schiffs den Turmschaft in zwei Hälften. Die obere Hälfte wird von rechteckigen Schallluken mit Lamellenfüllung an den drei freistehenden Seiten bestimmt. Rechts und links des Portals sind zwei baugleiche Wandleuchten in sechseckiger Formgebung aus Messing und Glas der Firma H. Schiffler aus Aachen von 1935 angebracht. An der Frontseite ist zwischen Gesims und Schallluke außerdem eine girlandengeschmückte Steinplatte eingelassen, die seit 2014 die Inschrift aus Psalm 46,2 trägt: DEUS REFUGIUM NOSTRUM („Gott ist unsere Zuflucht“).

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die Evangelische Stadtkirche Monschau ist eine Kirche in Monschau in der Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen. Formal weist die räumliche Gestaltung die für die protestantische Kirchenarchitektur typischen Kennzeichen eines zentralisierten Predigtsaales auf.

Der reich ausgeführte, rein weiß gefasste Innenraum bildet dabei einen deutlichen Kontrast zu dem schlichten Außenbau. Ausgerichtet ist der etwa 17 × 11 m große Saal auf den um zwei flache Stufen erhöhten Chorraum im Südwesten, der durch zwei schrankartige Einbauten zu beiden Seiten der Kanzel eine ganz besondere Prägung erhält. Er ist am Deckenspiegel und an den Wänden mit kostbaren Stuckaturen im Stil des Louis-seize ausgestattet, die an die unter dem Titel Cahier d’Arabesques um 1780 erschienenen Stiche Henri Salembiers erinnern. Zusammen mit den schlanken, hochgestreckten Rundbogenfenstern in heller, transparenter Verglasung unterstreichen sie den eher weltlich anmutenden, eleganten Festsaalcharakter des Raumes. Der Boden besteht aus Aachener Blaustein.

Die sechseckige, ganz aus Holz gefertigte und in der Wand verankerte Kanzel mit Rückwand, kronenartigem Schalldeckel und gerader, einläufiger Treppe mit schmiedeeisernem Stabgeländer von links, ist in allen Teilen reich im Stil des Louis-seize mit geschnitzten Rosetten, Girlanden, Falten- und Blattgehängen verziert. Die kreideweiße Fassung mit dezenten Vergoldungen wurde 1791 durch den Anstreicher Jacob Heymann erstellt.

Auf dem Altar stehen ein Kruzifix und zwei Leuchter aus Eisenguss der Sayner Hütte. Sie sind ein Geschenk des preußischen Königs Friedrich-Wilhelm III. vom Februar 1821 anlässlich der Annahme der Union im Jahre 1819. Sie zeigen die enge Verbindung der damaligen Gemeinde mit dem Haus Hohenzollern.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die geraden kassettierten Brüstungen der Emporen sowie der Kasten der Orgel zeigen in den Applikationen Stilelemente des Empire. Die untere Empore ruht auf vier hölzernen Säulen mit ionischen Kapitellen, wohingegen die schmalere obere Empore ohne sichtbare Stützen eingezogen ist. Der Orgelkasten ist in die obere Emporenbrüstung integriert und reicht bis dicht unter die flache Spiegeldecke. Mit der Ausführung der Arbeiten war am 18. April 1810 der Schreinermeister Hubert Joseph Jansen betraut worden.

Die Wilbrandorgel wurde 1981 als bereits viertes Instrument eingesetzt. Es handelt sich um ein Werk des Orgelbauers Heinz Wilbrand aus Übach-Palenberg. Wegen der nötig gewordenen statischen Ertüchtigung der Orgelempore musste diese Orgel im Januar 2013 ausgebaut werden, nachdem sie bereits seit der Teilschließung der Kirche im Februar 2010 nicht mehr gespielt werden konnte. Die Restaurierung und der Wiedereinbau der Wilbrand-Orgel wurden Ostern 2017 begonnen. Nach Abschluss der Arbeiten wurde am 6. März 2018 die Orgel schließlich durch den landeskirchlichen Orgelsachverständigen geprüft und wieder dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Rur-Blick, Aussicht Wassermühle und Rur Ufer

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Rur-Blick, Aussicht Wassermühle und Rur Ufer

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

1198 wurde Monschau zum ersten Mal als Mons Ioci erwähnt, die genaue Herkunft des Namens ist nicht feststellbar. Urkundlich wurden über die Jahre unterschiedliche Namen beziehungsweise Schreibweisen benutzt, beispielsweise 1225 de Munioy, 1226 Monjoje, 1248 de Monsyoge, 1251 de Můns Yoia, 1279 de Munzoyge, 1338 de Muynzie, 1354 de Monyou, 1364 zu Moynschawe, 1384 Monzwauwe, 1429 zu Monschauwe. Bis 1918 hieß die Stadt Montjoie. Am 9. August 1918 wurde der Name durch kaiserlichen Erlass Wilhelms II. in Monschau geändert. Die Namensänderung wird heute als „übermäßiger Kulturpatriotismus“ angesehen und blieb als einzige der zahlreichen kriegspolitisch bedingten Ortsnamensänderungen bestehen. 1352 erhielt Montjoie Stadtrechte. Die Herrschaft Montjoie ging nach dem Tod von Johann III. von Schönforst-Montjoie 1433 an das Herzogtum Jülich über.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Im Zuge der Erweiterungsmaßnahmen des Burggeländes in den 1350er-Jahren wurde der Hauptzufahrtsbereich von der Stadt auf das Burggelände mit einem imposanten hohen Rundturm bestückt, der den Namen „Eselsturm“ erhielt. Um 1370 muss er offensichtlich fertiggestellt worden sein, da er in jenem Jahr erstmals urkundlich als „Neuer Turm“ erwähnt wird. Der Zugang erfolgte von der Stadt aus über eine massive steinerne Bogenbrücke, die sich über den Halsgraben erstreckte. Der Turm selbst wurde am Rande des Halsgrabens dreigeschossig auf einem hohen Unterbau errichtet. Im Erdgeschoss befindet sich die Tordurchfahrt mit gewölbter Decke und Rechteckblenden für die Aufnahme der ehemaligen Zugbrücke.

Esselsturm Aussichtspunkt

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Esselsturm Aussichtspunkt mit Blick auf Monschau

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die Burg Monschau wurde ca. um 1190 gegrundet von den Grafen und Herzogen von Limburg, ueneit von Eupen. Ein Herr „de Monte Joci" - Herr des Spaßes, der Freude, erstmals erwähnt 1198 in einer Urkunde. Die jetzige Schloßkapelle, erwähnt 1369, ist sehr alt, gleiches gilt auch für den Eselsturm. Die Burg Monschau wurde im Krieg des Herzogs von Jülich gegen den Kaiser im Jahre 1543 stark beschädigt, später mehrmals von den Franzosen eingenommen, nach dem Anschluß des Rheinlandes an Frankreich 1805 verkauft an die Firma Schlösser-Scheibler. Ab 1899 in den Besitz der Stadt Monschau übergegangen. Nach Jahrzehnten des Verfalls restauriert und dient heute als Jugendherberge.

Die Burg ist als „castrum in Munjoje“ erstmals in einer Urkunde des Erzbischofs Engelbert I. von Köln aus dem Jahre 1217 belegt, als die „Herrschaft Monschau“ noch Teil des Herzogtums Limburg war.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Die Burg Monschau ist eine unter Denkmalschutz stehende Höhenburg in der Stadt Monschau in der südlichen Städteregion Aachen. Sie wurde um 1200 erbaut und erlebte bis zu ihrer Auflösung als Festung und ihrem teilweisen Verfall eine wechselvolle Geschichte. Teile der Burganlage werden heutzutage als Jugendherberge und Altenheim genutzt sowie der Innenhof im Sommer als Veranstaltungsort für Freiluftkonzerte.

Blick auf Monschau vom Burgpalast

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Kirchstraße 23, 52156 Monschau-Höfen, Deutschland

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Alte Pfarrkirche St. Mariä Geburt
Die Kirche St. Mariä Geburt ist ein denkmalgeschütztes barockes Kirchengebäude in Monschau in der Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde von 1649 bis 1650 durch die Prämonstratenserpatres des ehemaligen Klosters Reichenstein bei Kalterherberg und auf Initiative ihres Priors Stephan Horrichem als erste Pfarrkirche der Gemeinde errichtet.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Kirche Nutznießer der wirtschaftlichen Blüte Monschaus durch die Tuchindustrie. Sie erwarb wertvolle barocke Ausstattungsstücke aus verschiedenen anderen kirchlichen Einrichtungen oder durch Spenden einflussreicher Privatpersonen darunter:

 den hölzernen Hochaltar aus dem Kloster Reichenstein, erbaut 1780; über dem Tabernakelgehäuse eine Figur der Jungfrau Maria;
 zwei hölzerne Seitenaltäre aus dem Jahr 1650 mit eingebauten Retabelnischen zwischen schmucken gewundenen Säulen, links der Marienaltar mit einer Figur der Mutter Gottes, gestiftet von Martin Bewer aus Monschau, Abt in der Reichsabtei St. Maximin in Trier, und rechts der Matthiasaltar mit einer Figur des Apostels Matthias, Stifter unbekannt;
 einen silbervergoldeten Schrein mit einer Reliquie des Stadtpatrons Liberatus, ein vermuteter sogenannter Katakombenheiliger, angefertigt 1769 von Anton Reuter;
 einen Taufstein aus Blaustein, gestiftet 1650 von Bürgern;
 eine hölzerne Kanzel im Stil des Rokoko aus dem Jahr 1780, auf dem Deckel eine Figur des Apostels Paulus von Tarsus;
 zehn Wandfiguren verschiedener Heiliger, mehrheitlich angefertigt im 18. Jahrhundert aus Lindenholz.

Innenraum mit barocker Ausstattung

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

14 Kreuzwegstationen aufgeteilt in zwei Blöcke, angefertigt im 19. Jahrhundert als Ölgemälde auf Metalluntergrund: Teil des Kreuzwegs, linke Seite, Eingangsbereich

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Als Begründer der Monschauer Feintuchproduktion gilt der am Ende des 16. Jahrhunderts wegen der Begleitumstände der Aachener Religionsunruhen von dort ausgewanderte protestantische Tuchmacher Arnold Schmitz, der im sogenannten Schmitzenhof an der Rur die ersten Feintuche in der Stadt herstellte. Diese benötigten allerdings im Unterschied zu den bis dahin in Heimarbeit im Umland hergestellten groben Tuchen Wolle von besserer Qualität, die von auswärts eingeführt werden musste. Dafür ließ sie sich europaweit exportieren und bot den Fabrikanten große Gewinne. Der aus dem bergischen Land zugezogene protestantische Pfarrersohn Johann Heinrich Scheibler führte schließlich die Textilindustrie der Stadt im 18. Jahrhundert zu ihrem Höhepunkt.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026

Bushaltestelle Monschau Altstadt
Mit ein bisserl Pech hetzt man sich zurück zum Ortseingang um die Linie SB66 planmäßig zu erwischen, der Bus aber kommentarlos nie erscheint und mit nur wenig Verspätung die nächste Verbindung nach einer Stunde auftaucht.

 Monschau, die Tuchmacherstadt, September 2026



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: