Theodor Kery WP 2/3, A-2491 Neufeld/L.
+43/2624/54014 - office@websteiner.com
Die Kathedrale von Modena (italienisch Cattedrale
metropolitana di Santa Maria Assunta in Cielo e San Geminiano) ist eine
römisch-katholische Kirche in der italienischen Stadt Modena. Sie ist
die Kathedrale der Erzdiözese Modena-Nonantola und wurde im Jahr 1184
dem Stadtpatron Geminianus geweiht. Die Kathedrale ist eines der
bedeutendsten romanischen Bauwerke in Europa und von der UNESCO als
Weltkulturerbe anerkannt. Um etwas Geld kann vor Ort auchTorre Ghirlandina und Musei del Duomo di Modena besucht werden.

Die Kathedrale von Modena gilt als eines der bedeutendsten romanischen
Bauwerke in Europa, weist aber auch Bauelemente aus anderen Stilepochen
wie der Gotik und der Renaissance auf.

Im Gegensatz zu den Fassaden dominiert im Kirchenraum sichtbarer
Backstein. Den Grundriss der Kathedrale bildet ein dreischiffiges
Langhaus, das östlich auf ein Querhaus stößt, das seitlich nicht
übersteht, aber höher ist als die Seitenschiffe. Daran schließen,
jeweils über ein kurzes Zwischenjoch, drei Apsiden an, die mittlere
breiter und länger als die seitlichen (Staffelchor).

Der Fußboden von Querhaus und Apsiden liegt mehrere Meter höher als der
des Kirchenschiffs. Die westliche Begrenzung des oberen Niveaus bildet
eine von Anselmo da Campione (ca. 1150–1210) geschaffene Brüstung aus
Marmor, auf der die Passion Christi und das letzte Abendmahl
dargestellt sind. Aus ihr ragt, vom Langhaus gesehen links, ein Ambo
hervor.

Zwischen 1437 und 1455 wurden das bis dahin zum Dachstuhl offene
Mittelschiff mit spätgotischen Kreuzrippengewölben aus Backstein
geschlossen. Im Gegensatz zu den deutlich spitzen Gurtbögen sind die
Gewölbekanten rundbogig und die Rippenverläufe nur leicht gespitzt.
Ähnliche Gewölbe überspannen das Querhaus und die Räume über den
Seitenschiffsemporen.


Unter diesen Räumen liegt eine ausgedehnte, kreuzgratgewölbte
Hallenkrypta, eingeteilt in zahlreiche schmale Schiffe. Außergewöhnlich
ist die freie Sicht aus dem Langhaus in die Kryta. Ein Altar steht vor
der breiten Treppe, die aus dem Mittelschiff in die Krypta hinabführt.
Die Kanzel, an einem linken Arkadenpfeiler etwas westlich jenes Altars,
stammt von Arrigo da Campione und ist mit Skulpturen aus Terrakotta
verziert.

Im 18. Jahrhundert wurde die zentrale Apsis der Krypta verändert. Dank
einer Schenkung konnten die Wände mit seltenem und kostbarem Marmor
verkleidet werden. Außerdem wurden die Gewölbe umgebaut und mit Stuck
und anderen Materialien dekoriert. Bei dieser Gelegenheit wurde auch
eine neue und wertvolle Urne für die Reliquien des Heiligen hergestellt
und der Altar wurde mit einer Marmorbalustrade umrahmt.

Krypta

Mittelschiff von der Querhausbrüstung nach Westen

Hauptapsis

Als weitere wichtige Maßnahmen wurden im späten 19. bis Anfang des 20.
Jahrhunderts der Boden verändert, die Kuppel entfernt und die Kirche
mit der Sakristei verbunden, die bei dieser Gelegenheit auch einen
neuen erhöhten Laufsteg im neuromanischen Stil erhielt.
Detail Sarkophag

Die Sakristei, die durch einen Hängegang mit dem Dom verbunden ist,
birgt bedeutende Zeugnisse der Renaissance und des Barock. Sie wurde
1506 nach den schweren Schäden durch das Erdbeben von 1501 fast
vollständig wiederaufgebaut. 1507 beauftragte das Domkapitel Francesco
Bianchi Ferrari mit der Freskengestaltung der Kreuzgewölbe. Die Fresken
zeigen Grotesken der Madonna mit Kind, das Lamm Gottes und den Heiligen
Geminianus, wobei letzterer durch eine Verkleinerung der Sakristei um
etwa drei Meter Ende des 19. Jahrhunderts teilweise beschädigt wurde.
Die Dekorationen greifen auf das ornamentale Repertoire eines
archäologischen Geschmacks zurück, der sich im Rom des späten 15.
Jahrhunderts entwickelte. Zu ihnen gehörten auch ein Kruzifix unter den
Trauernden und ein Fries von Giovanni Antonio Scacceri, der heute
verloren ist.

Reliquiar des Arms des Heiligen Geminianus - Geprägtes und ziseliertes Silber mit gegossenen Teilen, 1667
Es ist wahrscheinlich, dass das Fragment des Arms des Heiligen
Geminianus 1184 von Papst Lucius III. bei der Öffnung des Grabes
entnommen und zunächst in den tragbaren Altar gelegt wurde, der sich
heute in den Dommuseen befindet. Seit 1667 wird die Reliquie im
Reliquiar von Giovan Battista Carraro aufbewahrt. Der Ringfinger der
Hand ist mit einem Ring geschmückt, während der Arm, bedeckt von einem
schlichten Ärmel mit bestickter Manschette, das Knochenfragment durch
eine kleine Öffnung freigibt und von einem Sockel mit Putten getragen
wird.
In den „Notizie storici ed artistica del Duomo“ erinnert Dondi an den
Brauch, das Armreliquiar über dem Altar aufzubewahren. Den Berichten
zufolge wurde es immer dann ausgestellt, wenn die Stadt von schweren
Katastrophen wie Epidemien, Dürre oder Starkregen heimgesucht wurde. Am
Gedenktag des Schutzheiligen, dem 31. Januar, wird der Arm von den
Gläubigen verehrt und vom Bischof verwendet, um in Kontinuität mit dem
Schutzheiligen einen feierlichen Segen zu erteilen.

Neben den Fresken beherbergt die Sakristei kostbare Intarsienmöbel
(1471–77) aus der Werkstatt von Cristoforo da Lendinara, bestehend aus
zwei langen Altaraufsätzen und einem zentralen Tresor. Jeder
Altaraufsatz umfasst dreizehn mit geometrischen oder botanischen
Intarsien verzierte Altarbilder, während der Tresor Stadtansichten,
Stillleben und nachgebildete Kleiderschränke zeigt, die an die
zeitgenössische Fertigung der hölzernen Chöre der Kathedralen von
Modena und Parma erinnern. Die von Piero della Francesca inspirierten
perspektivischen Szenen verzichten auf die Darstellung von Menschen und
Tieren, um den Blick nicht von der technischen Raffinesse der Intarsien
abzulenken. Die Wände sind mit Gemälden geschmückt, die größtenteils
von Altären stammen, die einst in der Kathedrale standen und bei den
Restaurierungsarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurden.



Antonio Begarelli 1499 - 1565
Geburt Christi, 1527, Terrakotta


Der Glockenturm, die Ghirlandina, ist ein Wahrzeichen der Stadt und
fünfgeschoßig etwa 86 Meter hoch. Der für Italien typische freistehende
(also nicht mit dem Kirchengebäude verbundene) campanile wurde 1169 im
romanischen Stil begonnen und im 14. Jahrhundert mit einer gotischen
Turmspitze nach einem Entwurf von Arrigo da Campione vollendet. Seinen
Namen erhielt der Torre Ghirlandina nach zwei girlandenartigen
Marmorgeländern im Bereich der Turmspitze.

Ghirlandina (ital. "kleine Girlande") bezeichnet den Campanile am Dom
von Modena. Zusammen mit der Kirche 1099 begonnen und 1319
fertiggestellt ist er einer der ältesten erhaltenen mittelalterlichen
Türme Italiens und mit einer Höhe von 89 Metern das Wahrzeichen Modenas
und ein weithin sichtbarer Blickfang. Die
Kathedrale, der Glockenturm und die Piazza Grande wurden von der UNESCO
1997 zum Weltkulturerbe erklärt.

Die außen sukzessive niedriger werdenden und durch Gesimse
unterschiedenen Stockwerke entsprechen nicht dem inneren Aufbau des
Campanile. Die Sala della Secchia rapita, der sich etwa auf der Höhe
des ersten äußeren Gurtgesimses befindet, wurde seit dem 14.
Jahrhundert als eine Art Schatzkammer und Archiv der Gemeinde genutzt,
in dem Dokumente der Kommune wie auch zum Beispiel Heiligenreliquien
der Kathedrale sicher aufbewahrt wurden. Er wurde wie eine Schatulle
vollständig mit grafischen und Pflanzenornamenten, sowie heraldischem
Pelzwerk freskiert. Der Name, „Saal des gestohlenen Eimers“, bezieht
sich auf einen Eimer vom Brunnen der Via San Felice im Zentrum
Bolognas, der während der Schlacht von Zappolino 1325 entwendet wurde.
Als Kriegstrophäe wurde er bewahrt und von Modenas bekanntesten Dichter
Alessandro Tassoni in einen Reim gefasst (1622).
Der Sala della Secchia im Turm ist mit Fresken des 15. Jahrhunderts
geschmückt. Eine Kopie des Gemäldes Secchia rapita erinnert an die
Zeit, in der in dem Turm Wertgegenstände der Gemeinde aufbewahrt wurden.

Die Kammer des gestohlenen Eimers
befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Erdgeschoss und erstem
Gesims. Es besteht keine Entsprechung zwischen den äußeren Gesimsen und
den Fußböden im Inneren des Turms. Bereits zu Beginn des 14.
Jahrhunderts wurden hier und in dem heutigen Zugangsgang Reliquien und
andere wertvolle Gegenstände der Kathedrale sowie Dokumente der
örtlichen Gemeinde aufbewahrt.
Der Name des Raumes leitet sich von dem Eimer aus Holz und Eisen ab,
den die Modeneser der Legende nach während der Schlacht von Zappolino
(1325) aus einem öffentlichen Brunnen in der Via San Felice im Zentrum
von Bologna stahlen. Diese unrühmliche Kriegstrophäe, die bald so hoch
geschätzt wurde, dass sie zum Stadtsymbol avancierte, erlangte
Berühmtheit durch das gleichnamige Gedicht von Alessandro Tassoni aus
dem Jahr 1622: „Doch der Eimer wurde bald weggesperrt, im höchsten Turm
verbleibt er bis heute. Hoch oben hängt die Trophäe, gefesselt an einer
großen Kette, hoch über dem Boden.“ Aus Sicherheitsgründen wird das
Original bis heute im Rathaus aufbewahrt; der Eimer, der nun in der
Mitte des Raumes hängt, ist eine Nachbildung. Der von oben bis unten
mit Fresken bemalte Raum gleicht einer riesigen Schatztruhe, die sich
durch ein feines quadratisches Gitter zum Sternenhimmel öffnet und an
das Gittermotiv am Eingang erinnert – vielleicht, um einen guten Blick
auf den Eimer zu ermöglichen. Die Dekoration weist gotische Elemente
auf und stammt daher aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem 14.
Jahrhundert. Das ist deshalb interessant, weil es ein Zeichen für die
Bedeutung ist, die diesem Umfeld beigemessen wurde, und insbesondere
für die Verwendung des falschen Vair-Motivs, wie es einst zur
Verzierung der Mäntel von Kaisern verwendet wurde.
Über dem Saal ist der Turm ein weitgehend offener Raum mit ringsum
entlang der Wände laufender Treppe. Im (etwa) 5. Stock befindet sich
die Stanza dei Torresani, dessen romanische Kapitelle bemerkenswert
sind.

Der Ghirlandina-Turm, Wahrzeichen der Stadt Modena, erhebt sich an der
Nordseite des Doms. Sein Name (die „kleine Balustrade“) leitet sich
vermutlich von dem Ziergeländer ab, das die Turmspitze krönt. Die
Chronologie der Bauarbeiten ist nach wie vor Gegenstand intensiver
Diskussionen, da es keine spezifischen historischen Aufzeichnungen zu
den frühen Bauphasen gibt. Analysen im Zuge der Restaurierungsarbeiten
von 2011 deuten darauf hin, dass sich der Turm und der Dom auf
demselben Baugrund befanden. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der
achteckige Teil des Turms restauriert, und 1588 wurde die Turmspitze
leicht erhöht. Verschiedene Eingriffe vervollständigten das Gebäude: So
wurde beispielsweise 1609 die Holztreppe im Inneren des Zeltdachs
errichtet; Ende des 19. Jahrhunderts wurden die an den Turm angebauten
Gebäude abgerissen. Und 1901 wurde der heutige Eingang an der Via
Lanfranco eröffnet.
Der Turm ist durch zwei Bögen, die bereits im 14. Jahrhundert
hinzugefügt und Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert wurden, mit der
Kathedrale verbunden. Seit seiner Errichtung beherbergt der Turm einen
Glockenturm, der von Anfang an eine wichtige städtische Funktion
erfüllte: Der Klang der Glocken markierte wichtige Ereignisse in der
Stadtgeschichte, signalisierte die Öffnung der Stadttore und rief die
Stadtbevölkerung im Falle von Alarm oder Gefahr zusammen. In der
sogenannten Torresani-Kammer lebten die Turmwachen. Darüber hinaus
beherbergten die dicken Mauern des Turms die Schatzkammer des Stadtrats
mit dem Stadtarchiv sowie verschiedenen Reliquien und anderen
wertvollen Gegenständen der Kathedrale. Der Turm gehört dem Stadtrat
und beherbergt noch immer die Glocken, die den Beginn der Gottesdienste
in der Kathedrale ankündigen.

Der fast 90 Meter hohe Ghirlandina-Turm besteht aus einem quadratischen
Sockel mit 11 Metern Seitenlänge und 50 Metern Höhe, der von einem
achteckigen Abschnitt und einem steilen, zeltförmigen Dach überspannt
wird. Dieses wird von einer goldenen Kugel und einem Kreuz gekrönt. Bis
zum Sockel des Glockenturms ist der Turm aus Material der römischen
Stadt errichtet. Die Ziegelkonstruktion ist mit rund 22 verschiedenen
Steinsorten aus Norditalien, Istrien und der Türkei verkleidet.
Oberhalb des Glockenturms und im Turmhelm wurden jedoch eigens
zugekaufte Materialien verwendet. Der Ghirlandina-Turm neigt sich
aufgrund von Bodensenkungen nach Südwesten. Der Neigungsgrad variiert
jedoch auf den verschiedenen Ebenen, da während des Baus verschiedene
Korrekturen vorgenommen wurden, um die Bodensenkungen auszugleichen.

Der Turm ist mit zahlreichen dekorativen Elementen verziert. Fünf
Gesimse ruhen auf Bögen und skulptierten Simsen. Die ersten drei
Gesimse sind mit Eckreliefs geschmückt, die Fabelwesen, Tiere und
Menschen darstellen. Im zweiten Geschoss an der Ostseite befinden sich
drei Reliefs römischen Ursprungs mit Pflanzen- und Tiermotiven, während
das dritte Geschoss an der Südseite den Kopf der Medusa zeigt.
Die Doppel- und Dreifach-Lanzettfenster im fünften Geschoss sind mit
kunstvollen Kapitellen verziert. 19 davon befinden sich an der
Außenseite des Gebäudes, acht im Inneren der Wachkammer des Turms. Die
Kapitelle und die zahlreichen menschlichen oder tierischen Protomen
entlang der Simse sowie die Eckreliefs am dritten Gesims entsprechen in
Stil und Ausführung denen der Kapitelle der Porta Regia des Doms und
der Stützen des Pontils, die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen.
Im Jahr 2011 wurden unter den Bögen des zweiten Gesimses an der
Ostseite Spuren roter Verzierungen entdeckt. Es handelt sich dabei
offenbar um eine Lilienmotivfolge aus der ersten Hälfte des 13.
Jahrhunderts, möglicherweise ein Werk der Meister von Campion. Dieser
Fund ist daher von großer Bedeutung und gibt Aufschluss über die
Gestaltung von Monumenten im Mittelalter.

Die Sammlung des Lapidariumsmuseums
Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Dom von Modena umfangreiche
Restaurierungs- und Konsolidierungsarbeiten durchgeführt. Dabei kamen
Reliefs und Skulpturen zum Vorschein, die größtenteils aus der Zeit vor
der Romanik stammten. Die gefundenen Fragmente wurden in die Südwand
des Kreuzgangs des Presbyteriums, gegenüber der Nordseite des Doms,
eingelassen. So entstand der Grundstock des Lapidariumsmuseums. Der Dom
war ursprünglich mit der Südseite des Kreuzgangs verbunden. Als dieser
jedoch abgerissen wurde, um die Via Lanfranco anzulegen, zog das Museum
in neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss um. Später kamen weitere Funde
und Materialien hinzu.
Fragmente aus dem Frühmittelalter
Dieser Museumsbereich beherbergt etwa dreißig Kunstwerke aus dem 8. und
9. Jahrhundert, die der langobardischen Bauphase zuzuordnen sind. Diese
wurde später abgerissen und durch nachfolgende Neubauten ersetzt. Die
Fundstücke, die im Bauhof von Lanfranco wiederverwendet und im Zuge der
Restaurierungsarbeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
wiederentdeckt wurden, zeigen überwiegend abstrakte und geometrische
Verzierungen, obwohl auch einige naturalistische Elemente vorhanden
sind.
Vom Grab des Heiligen Geminianus zur romanischen Kathedrale
Als der Heilige Geminianus im Jahr 397 n. Chr. starb, war seine
Grabstätte vermutlich durch ein Oratorium oder eine Grabkapelle
gekennzeichnet, um die herum später eine Basilica ad corpus entlang der
Via Emilia errichtet wurde. Archäologische Funde scheinen die Existenz
von Gebäuden zu belegen, die nach diesem Bau, aber vor der heutigen
romanischen Kathedrale entstanden, deren Bau ab 1099 erfolgte. Das neue
Zentrum der Stadt – das zuvor dem römischen Forum entsprochen hatte –
wurde dann die Kathedrale, der neu entstandene Versammlungsplatz, um
den sich die städtischen Behörden sowie Märkte und Märkte gruppierten.
Die Arche des Heiligen Geminianus
Dieser große Marmorkasten bildete die äußere Schicht des Grabmals des
Heiligen Geminianus und stammt vermutlich aus dem Jahr 1106, nach der
Überführung seiner Beigaben in den Dom. Dieses Ereignis wird in der
Relatio, einem Kodex aus dem 13. Jahrhundert, der die Baugeschichte des
Doms von Modena beschreibt, geschildert. Historische Quellen berichten
von wundersamen Heilungen am Grab des Schutzpatrons und von der
Befreiung Besessener vom Teufel.

Der Metopenzyklus
Diese Kalksteinreliefs mit fantastischen Figuren schmückten die
Kathedrale als Antefixe an den äußeren Strebepfeilern des
Mittelschiffs. Aufgrund ihrer stilistischen und kompositorischen
Homogenität werden die acht Skulpturen einem einzigen Künstler
zugeschrieben, dem sogenannten „Meister der Metopen“, der im frühen 12.
Jahrhundert wirkte. Bevor sie 1950 entfernt und durch Kopien ersetzt
wurden, wurden sie mehrmals innerhalb der Kathedrale versetzt; 1899
wurde die Metope des großen Mädchens durch das Antefix mit den Figuren
zweier Propheten aus dem 12. Jahrhundert ersetzt.
Der gesamte Zyklus wird mit der mittelalterlichen Darstellung des
Kosmos in den Mappaemundi in Verbindung gebracht: Insbesondere wird
angenommen, dass er einige der fernen Völker darstellt, die am Rande
der Erde lebten und über die es so viele Sagen gab, von denen aber
direkte Beweise selten oder gar nicht vorhanden waren. Zur Darstellung
dieser Völker wurden Texte wie der Physiologus (2.–4. Jahrhundert), die
Etymologiae des Isidor von Sevilla (7. Jahrhundert), das Liber
monstrorum (8.–9. Jahrhundert) und die Bestiarien (12.–14. Jahrhundert)
herangezogen. In den Mappaemundi werden ferne Völker, die als Wunder
der Schöpfung erscheinen, stets an den äußeren Rändern der Erde
verortet. Ihre körperlichen Besonderheiten und „bizarr“ anmutenden
Gewohnheiten wecken Neugier und Furcht, werden aber dennoch als Teil
des göttlichen Plans betrachtet, wie Augustinus in De civitate Dei
(XVI, 8) erklärt: Gott schuf alle Wesen, selbst die monströsen, die ja
zur Vielfalt der Welt und zur Harmonie des Universums beitragen; kein
Lebewesen ist von der göttlichen Gnade ausgenommen.

Der Hermaphrodit
Eine nackte Figur mit gespreizten und angewinkelten Beinen, die sowohl
männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist. Das Liber
monstrorum erwähnt die Existenz bisexueller Männer. In der Antike galt
Hermaphrodit als Sohn von Hermes und Aphrodite; er wurde entweder als
Gottheit mit einem Körper so zart wie der einer Frau und doch so stark
wie der eines Mannes verehrt oder als besonderes Wesen, das die Zukunft
– im Guten wie im Schlechten – voraussagen konnte. Die Metope weist
Spuren von Veränderungen und Restaurierungen auf, die ihre
ursprüngliche Schönheit beeinträchtigen, da sie im 16. Jahrhundert
durch Feuerwaffen beschädigt wurde. Einige antike Stadtchroniken
berichten, dass sie mit einer sehr fruchtbaren Frau aus Modena
identifiziert wurde, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts
lebte.

Der Mann mit dem langen Haar und den nach oben gedrehten Füßen
Das Gesicht ist geprägt von einem langen Schnurrbart und Bart; das
lange Haar fällt fließend über die Schultern. Das gesamte Körpergewicht
ruht auf dem linken Arm, der teilweise vom angewinkelten Bein bedeckt
ist. Mit der rechten Hand umklammert er das andere Bein in einer
erzwungenen, nach oben gerichteten Position, wodurch die Füße
hervorgehoben werden. Dieses Detail verbindet die Darstellung mit der
im Liber monstrorum beschriebenen Gestalt von Wesen, deren Fußsohlen
nach hinten, dem Kopf abgewandt, gerichtet sind. Das Beispiel aus
Modena besticht durch die realistische Wiedergabe eines ungewöhnlichen
Motivs in einer schwer darzustellenden Pose: Auf engstem Raum der
Metope gelingt es dem Künstler, eine Figur in einer dynamischen und
zugleich stillen, sitzenden Haltung zu platzieren.

Die Meerjungfrau
Eine zweischwänzige Meerjungfrau hält ihre beiden Schwänze in den
Händen. Ihr langes Haar, der nackte Oberkörper und die provokante Pose
machen das Bild fesselnd. Gleichzeitig offenbart ihre duale Natur,
menschlich und tierisch zugleich, ihre Gefahr: Sie ist ein Geschöpf des
Landes und des Meeres, dessen Schönheit den Unvorsichtigen verführt,
ihr zu folgen, nur um ihrer bösen Macht zu erliegen. So ist es mit
jeder Versuchung, die mit der Illusion von Schönheit ihre Eitelkeit und
Doppelzüngigkeit offenbart. Der Skulpturenschmuck des Doms ist reich an
diesem Thema, das sich sowohl in den Kapitellen der Krypta als auch an
der Außenfassade findet. Im Liber monstrorum werden sie wegen ihrer
schuppigen Schwänze erwähnt, die sie stets in den Wellen verbergen.
Liebende vergleichen sie oft mit der Geliebten, die ihren Geliebten
verführen und ihm Leid zufügen kann.

Die Antipoden
Die Metope zeigt zwei sitzende Figuren: eine Frau und möglicherweise
einen Mann, die einander kopfüber gegenüberstehen. Die erste trägt
einen langen Zopf und hat die Beine in die Arme gezogen. Die andere,
unter einem leichten Kopfschmuck, hat kurzes, schulterbedeckendes Haar.
Links sitzt ein Falke. Die gängigste Interpretation dieser Skulptur
stellt einen Bezug zur Beschreibung der Antipoden im Liber monstrorum
her: „Auf der anderen Seite des Planeten, unten, soll ein Menschenvolk
namens Antipoden leben. Ihr Name bedeutet im Griechischen, dass sie mit
ihren Füßen an unseren Füßen, tief in der Erde, verankert sind und sich
in unseren Schatten bewegen.“

Das große Mädchen
Das Antefix zeigt kaum den geduckten Körper eines Mädchens, dessen
linker Arm unter dem Rücken verschränkt ist, während die rechte Hand
eine gebogene Traubenähre umklammert. Ihre Größe steht in keinem
Verhältnis zum Platz auf der Steinplatte und erweckt den Eindruck
starker Kompression der Gliedmaßen. An den kurzen Seiten sind ein Ibis
und eine geflügelte Sphinx oder Harpyie mit erhobenem Kopf abgebildet.
Laut Physiologus und mittelalterlichen Bestiarien haben diese beiden
Wesen eine negative Bedeutung, was dem Ensemble eine bedrohliche Aura
verleiht. Das Mädchen gehört aufgrund ihrer Größe zu den „Wunderwesen“
und stellt möglicherweise das Mädchen dar, das, von starken
Meeresströmungen an einen Strand gezogen, gefunden wurde und dessen
Körper fünfzig Fuß lang war. Es wird im Liber monstrorum erwähnt.

Das dreiarmige Wesen oder das Mädchen und der Riese
Ein Mädchen sitzt in der Hocke und stützt den Kopf in nachdenklicher
Pose auf die Hand, während der andere Arm hinter ihrem Rücken ruht. Sie
trägt einen netzartigen Kopfschmuck, der an östliche Mode und Bräuche
erinnert. Hinter ihr erscheint ein dritter, gigantischer Arm, der eine
zusammengerollte Schriftrolle hält: Es ist unklar, ob er zum Körper des
Mädchens gehört oder ein Fremdkörper ist. Im ersten Fall könnte es sich
um ein dreiarmiges Wesen handeln und somit um ein „wunderbares“ Wesen.
Gehört der Arm jedoch nicht der Frau, so gehört er zu der Gestalt eines
Riesen im Hintergrund, der aufgrund des begrenzten Platzes nicht
vollständig dargestellt werden kann. In beiden Interpretationen
verweist die Darstellung jedoch auf die Wunder der Schöpfung.

Der Ichthyophagus
Das Relief zeigt eine Mischgestalt mit Vogelkopf und Hakenschnabel, die
einen Fisch verschlingt. Der Hals ist mit Schuppen bedeckt, der Nacken
mit einem Kamm aus langen Federn. Die übrigen Gliedmaßen lassen einen
geschmeidigen menschlichen Körper erkennen; das linke, zum Oberkörper
hin angewinkelte Bein endet in einem Pferdehuf. Dahinter ist ein
weibliches Gesicht zu sehen, umhüllt von einem Blätterbusch: Dieses
Element weckt die Assoziation mit einem Wald, in dessen dichtem
Gestrüpp man seltsamen, sonst unsichtbaren Wesen begegnen könnte. Die
Figur stellt möglicherweise das dar, was das Liber monstrorum als
Ichthyophagus bezeichnet, einen Mann, der im fernen Indien lebt, dessen
Körper mit dichtem Fell bedeckt ist und der sich ausschließlich von
rohem Fisch und Wasser ernährt.

Der Psyllus oder Knabe mit dem Drachen
In mittelalterlichen Bestiarien wird der Drache als reales,
gefährliches Wesen dargestellt, als Feind der Menschheit und des Guten.
Auf diesem Relief jedoch findet kein Kampf zwischen dem Knaben und dem
Drachen statt; sie blicken einander furchtlos an. Diese ungewöhnliche
Haltung erklärt der Physiologus damit, dass Schlangen einen bekleideten
Menschen angreifen, ihn aber nicht fürchten, wenn er nackt ist. Dies
bezieht sich auf die Episode in der Genesis, in der Adam, nackt im
Paradies, dennoch immun gegen die Angriffe des Bösen war. Die Metope
könnte daher die kindliche Seele darstellen, frei von Sünde, die sich
am Drachen erfreuen kann. Sie könnte aber auch einen Psyllus zeigen –
ein Menschenvolk, das immun gegen Schlangenbisse ist, weil es von klein
auf mit ihnen in Berührung kam –, das häufig auf mittelalterlichen
Mappaemundi abgebildet wurde.

Die Domschatzkammer
Die Dommuseen beherbergen die Kunst- und Glaubensgegenstände, die den
Schatz des Doms ausmachen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie von den
Domherren für liturgische Zwecke in Auftrag gegeben oder von Gläubigen
gestiftet, um dem Schutzpatron der Stadt, Bischof Geminiano, zu
huldigen, dessen Gebeine seit jeher besonders verehrt werden. Er wirkte
im 4. Jahrhundert maßgeblich an der Evangelisierung der Region mit, und
sein Leben und Kult sind untrennbar mit der Geschichte Modenas
verbunden. Seine Beisetzung in der Domkrypta belegt, dass das Bauwerk
eine Schlüsselrolle für das Wachstum der Stadt zwischen Spätantike und
Mittelalter spielte. Die in diesen Räumen gesammelten Objekte zeugen
von der Sorgfalt, mit der sein Andenken bewahrt wurde:
Goldschmiedearbeiten, Gemälde, Skulpturen, Messgewänder und
Wandteppiche erstrahlen heute wie in der Vergangenheit in ihrer vollen
Schönheit.
Kupferstatue des Heiligen Geminiano - Geminiano Paruoli, 1376, Kupfer, Bronze, Holz
Das Werk, ursprünglich auf der Loggia der Porta Regia des Doms und von
der Piazza Grande aus sichtbar, wurde 1376 von Geminiano Paruoli im
Auftrag von Cecchino Ravasi geschaffen. Beide sind auf der Rückwand
kniend zu Füßen der Statue abgebildet, der eine flankiert vom Wappen
mit drei Töpfen, der andere vom Wappen der Familie Ravasi mit einer
Rübe. Darüber ist der Monatszyklus horizontal von links nach rechts und
von oben nach unten dargestellt: Jeder Monat ist, mit seinem
Anfangsbuchstaben in gotischen Buchstaben, als eine Person bei der
Ausübung eines Handwerks dargestellt, wie auf den Reliefs der Porta
della Pescheria des Doms. Diese einfachen, aber außerordentlich
lebendigen Personifikationen stellen mit Gesten von großer
Unmittelbarkeit die typischen Tätigkeiten jeder Jahreszeit dar. Die
Statue des segnenden Heiligen unter dem Baldachin zeigt eine Struktur,
die noch in der romanischen Bildhauertradition verwurzelt ist; Der
Korpus besteht aus gefalteten und geprägten Kupferplatten, die auf
einem Holzrahmen befestigt sind; Hände und Kopf sind gegossen. Ähnliche
Beispiele finden sich vor allem im germanischen Raum, wo die
Metallverarbeitung und Goldschmiedekunst im Mittelalter besonders
ausgeprägt waren.

Der Altaraufsatz von San Geminiano, um 1106, Grüner ophitischer Granit, Holz, vergoldete Silberplatten
Der antike, tragbare Altar von San Geminiano besteht aus einem grünen
ophitischen Granitstein in einem Holzkasten, der mit geprägten und
gravierten Silberplatten verziert ist. An den Seiten sind Christus
thronend zwischen den Heiligen Geminiano und Nikolaus, die Jungfrau
Maria zwischen zwei Heiligen und die zwölf Apostel dargestellt. Er
wurde vermutlich 1106 von Mathilde von Canossa anlässlich der
Überführung des Leichnams des Schutzpatrons für die Kathedrale in
Auftrag gegeben und enthielt die Reliquie seines Arms sowie die alte,
geweihte grüne Steinplatte, die beide bei dieser Gelegenheit aus dem
Grab entnommen wurden. Im Mittelalter war es üblich, dass Bischöfe mit
den Altären bestattet wurden, die sie auf ihren Reisen benutzten. In
alten Inventaren ist er als „mit vielen heiligen Reliquien geweiht“
verzeichnet; die jüngste Restaurierung hat tatsächlich zwei innere
Reliquienkammern freigelegt. Die lateinische Inschrift an den Seiten
lautet: „Wie groß ist der Schatz, der in dieser kleinen Arche enthalten
ist!“, und bezieht sich auf die darin enthaltenen heiligen Gebeine,
während die Inschrift auf der Oberseite daran erinnert, dass der Leib
des Herrn auf diesem Altar geopfert wurde.

Ein Evangeliar, das im späten 11. Jahrhundert im Skriptorium der Abtei
San Silvestro in Nonantola entstand, wird zusammen mit den Grabbeigaben
ausgestellt. Der Kodex zeichnet sich durch ein kunstvolles
Illustrationssystem aus und besitzt einen reich verzierten Einband aus
Silberfolie mit einer Elfenbeindarstellung einer Kreuzigungsszene. Er
wurde höchstwahrscheinlich anlässlich der Überführung der Reliquien des
Geminianus in die Krypta der Kathedrale im Jahr 1106 in diese beiden
Bestandteile – Seiten und Einband – zusammengefügt.
Evangelistorium, Frühes 12. Jahrhundert, Nonantola
Pergamenthandschrift, gebunden in Silber, Elfenbein und Samt auf Holzdeckeln

Die Kathedrale und ihre Bauwerke im Wandel der Jahrhunderte
Die Geschichte der Kathedrale ist reichhaltig und vielschichtig. Im
Mittelalter war sie das Zentrum der kirchlichen Organisation der
Region, ein Ort kultureller Bildung durch die dort ansässige Schule und
beherbergte bis 1194 den Stadtrat. Symbolisch gesehen verwies die
Schönheit dieses Gebäudes in der mittelalterlichen Vorstellungswelt auf
das himmlische Jerusalem. Daher rührt die Sorgfalt und Aufmerksamkeit,
die seiner Dekoration gewidmet wurde. Fresken, Gemälde,
Einrichtungsgegenstände und Statuen wurden angefertigt oder gestiftet,
um diesen Ort, an dem sich die gesamte Gemeinde zum Gebet versammelte,
zu verschönern. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Gebäude aufgrund
liturgischer Veränderungen, der stetig wachsenden Zahl der Gläubigen
und wechselnder Moden bedeutende Wandlungen. An den Innen- und
Außenwänden wurden Kapellen angebaut, wodurch neue, mit Kunstwerken
geschmückte Räume für Liturgie und Andacht entstanden. Diese wurden
dann im Zuge der Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts
abgebaut, wodurch das romanische Erscheinungsbild der Kathedrale
wiederhergestellt wurde.
Traktat des heiligen Augustinus über die Psalmen, 12. Jahrhundert, Capitol Archive, Modena

Christus erscheint den Marien, Noli me tangere, Christus erscheint den
Jüngern in Emmaus, Christus erscheint dem heiligen Petrus, Glanz der
Engel
Bernardino Cervi, um 1621, Öl auf Leinwand
Die Serie besteht aus vier gleichformatigen Gemälden mit Szenen aus den
Evangelien und einem fünften, kleineren Gemälde mit einem
Engelskonzert. Sie zählen zu Bernardino Cervis bekanntesten Werken, da
sie ursprünglich im Dom neben Guido Renis Altarbild „Christus erscheint
der Jungfrau Maria nach der Himmelfahrt“ hingen, welches im Zweiten
Weltkrieg in Dresden zerstört wurde. Wie Renis Altarbild wurden auch
Cervis Gemälde 1621 von Kanonikus Fabrizio Manzoli für die
Familienkapelle in Auftrag gegeben. Sie zeugen vom Einfluss des
Meisters, in dessen Werkstatt der junge Bernardino gelernt hatte, und
spiegeln zugleich das Erbe des 16. Jahrhunderts wider, das ihm durch
die Lehren Bartolomeo Schedonis vermittelt worden war. Quellen
berichten von einer lobenden Äußerung Renis gegenüber seinem Schüler:
„Es werden Hunderte von Jahren vergehen, bis Modena wieder jemanden
sieht, der die Freude am Zeichnen hat wie Bernardo Cervi.“

Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Antonius Abt und Geminianus (genannt „Madonna der Säule“)
Ein Meister, vergleichbar mit Jacopo di Paolo, frühes 15. Jahrhundert, Tempera auf Holz
Das Gemälde ist als „Madonna der Säule“ bekannt, da es eine Zeit lang
im Dom auf dem Altar nahe der Säule gegenüber der Bellincini-Kapelle
stand. 1664 wurde es zum Reliquienaltar verlegt und verblieb dort bis
zu seiner Demontage 1897. Dort wurde es in einen reich verzierten
barocken Rahmen aus geschnitztem und vergoldetem Holz eingesetzt, der
als Verschluss diente: Er senkte sich in einen Raum in der Krypta hinab
und gab so den Blick auf die Reliquiennische frei – ein eindrucksvoller
Effekt. Das an den Seiten eingeschnittene Gemälde zeigt die Madonna mit
Kind, rechts flankiert vom Heiligen Geminianus, während links die
Anwesenheit des Heiligen Antonius erahnen lässt. Zu Füßen der Jungfrau
beten die Stifter, die dank der Inschrift, auf der der Name Pietro de’
Donzi lesbar ist, als Ehepaar Donzi identifiziert werden können. Der
Stil des Werkes datiert es ins frühe 15. Jahrhundert: Der Künstler
scheint sich an der spätgotischen Formensprache und den
neo-giottoischen Einflüssen des Bologneser Malers Jacopo di Paolo
orientiert zu haben.

Kreuzigung, 19. Jahrhundert, Schule von Adeodato Malatesta, Öl auf Leinwand
Gespendet von den Erben von Monsignore Antonio Leonelli: Anna, Elena, Eugenio, Paola und Pier Luigi Leonelli

Werke für die Liturgie
Die Liturgie ist der Höhepunkt des Wirkens der Kirche und zugleich die
Quelle all ihrer Kraft. Sie gründet im Geheimnis der Inkarnation: Wenn
Christus den Menschen von der Seele zum Leib erlöst hat, so betet er
ihn auch mit Leib und materiellen Gegenständen an. Gesten, Gesänge,
Musik, Kleidung und Ausstattungsgegenstände prägen den liturgischen
Gottesdienst. Da sie für den Gottesdienst bestimmt sind, bestehen die
in diesen Räumen aufbewahrten Werke aus kostbarsten Materialien und
seltensten Stoffen. Dazu gehören Kelche, Patenen, Ziborien, Mostrances,
Paxes, Reliquiare, Kännchen, der Krummstab und die Messgewänder des
Priesters.
Kruzifix: Das Kreuz ist eines
der wichtigsten Bilder der christlichen Tradition und von starker
Symbolik geprägt. Seine Vertikalität (göttliche Dimension) ist
untrennbar mit seiner Horizontalität (menschlichen Dimension)
verbunden. Die christliche Tradition fasst in diesem Zeichen das ganze
Geheimnis der Heilsgeschichte zusammen, die in Christus, dem Toten und
Auferstandenen, ihre Erfüllung findet. Es kann aus verschiedensten
Materialien gefertigt sein und unterschiedliche Größen aufweisen. Es
kann auf dem Altar platziert, im Altarraum aufgehängt oder bei
Prozessionen als Prozessionskreuz an einem Träger befestigt werden.
Kelch: Heiliges Gefäß, das seit
der Ausbreitung des Christentums verwendet wird, um Wein während der
konsekrierten Liturgie zu konsekrieren, sodass er zum Blut Christi
wird. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „calix“, was Becher
bedeutet.
Patene: Kleiner Teller, auf den
die Hostie im Moment der Kommunion gelegt wird. Sie wird zusammen mit
dem Kelch bei der Konsekration verwendet. Der Begriff leitet sich vom
lateinischen Wort „patina“ ab, was Teller oder Schale bedeutet.
Ziborium (Pyx): Kelchförmiges
Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien nach der Kommunion.
Der Begriff „Terrn“ stammt vom griechischen Wort „pixo“, was Buchsbaum
bedeutet. Aus diesem Holz wurden kunstvoll verzierte Kästchen zur
Aufbewahrung kostbarer Güter gefertigt.
Pax (Tafel): Auf der
Vorderseite ist ein heiliger Scone (ein heiliger Stein) abgebildet, der
während der Feier vom Priester geküsst und anschließend den anderen
Zelebranten und den Gläubigen zum Küssen angeboten wurde.
Monstranz: Heiliges Objekt zur
Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments. Es wird auf dem Altar oder
in der Prozession aufgestellt, um den kupcharistischen Segen zu
spenden. Trotz der Vielfalt an Formen und Größen besitzt es stets eine
goldene Lünette zur Aufnahme der konsekrierten Hostie in einem Glas-
oder Kristallgefäß.
Krummstab: Symbol des Amtes von
Bischof, Abt oder Äbtissin. Er zeichnet sich durch einen spiralförmig
geschwungenen, unterschiedlich verzierten Stab aus. Er besteht aus
einem Holz- oder Metallstab, der in drei oder vier Segmente mit
mehreren Knoten zerlegt oder zusammengesetzt werden kann. In diese
Segmente wird die Spirale bis zur Spitze eingeführt. Symbolisch steht
er für den guten Hirten, der seinen verlorenen Schafen nachgeht.
Liturgische Gewänder: Es
handelt sich um eine Reihe aufeinander abgestimmter Gewänder und Roben
in derselben Farbe, aus demselben Stoff und mit denselben Verzierungen.
Sie besteht üblicherweise aus Kasel, Stola, Manipel, Kelch, Schleier,
Leibbeutel, Chormantel, Delmatik und Schulterblatt, an die das
Antependlium angefügt werden kann.

Messservice, bekannt als das des Pius IX., 1865, Frankreich, Silber, Emaille, Halbedelsteine
Das Service wurde Papst Pius IX. 1865 geschenkt und gelangte 1940 als Geschenk an Erzbischof Cesare Boccoleri nach Modena.

Prozessionskreuz, spätes 17. Jahrhundert, Silber

Kasel, Chormantel, Stola, Manipel, Kelchbeutel, Kelchkästchen und Schleier
spätes 18. Jahrhundert, Polychrome Seide, Gold und Silber

Heiliger Geminianus, um 1606
Bartolomeo Schedoni, Öl auf Leinwand, Silberrahmen von Giacomo Vincenzi, 1834

Antependium mit Bildnis des Heiligen Geminianus, 1831, Giacomo Vincenzi, Silber und Holz

Das Altarset des Heiligen Geminianus
Im Mai 1796 musste das Domkapitel das gesamte Silbergeschirr der
Kathedrale an die französischen Kommissare abgeben und durfte nur das
für den Gottesdienst Notwendige behalten. Daher beschloss man, ein
neues Altarset für den Heiligen Geminianus anfertigen zu lassen. Die
Ausstattungsgegenstände aus den Jahren 1830 und 1834 wurden bei der
Goldschmiedewerkstatt Vincenzi, einer der renommiertesten im Herzogtum
Modena, in Auftrag gegeben. Die vier Hängelampen wurden 1831 von der
Stadt Modena gestiftet, wie die städtischen Wappen auf den Objekten
belegen. Das Altarantependium stammt aus demselben Jahr. Zum Set
gehören außerdem sechs sakrale Vasen mit Szenen aus dem Leben des
Schutzpatrons und sechs Leuchter, alle entworfen vom Architekten
Francesco Vandelli, sowie der Rahmen für das Gemälde des Heiligen
Geminianus, der Anfang des 17. Jahrhunderts von Bartolomeo Schedoni
geschaffen wurde. Das privat in Auftrag gegebene Gemälde wurde
anschließend in der Kathedrale aufgestellt, von wo aus zahlreiche
Kopien angefertigt wurden. Es ist die berühmteste Ikone des Heiligen,
der hier mit dem Modell der Stadt Modena, seinem häufigsten Attribut,
dargestellt ist.
Altarkreuz und Leuchter
Giovanni Battista und Marcantonio Merlini, 1655, Silber, Schiefersockel des Kreuzes
Das Altarkreuz wurde von dem Karmeliterpater Angelo Monesi bei
Florentiner Künstlern in Auftrag gegeben und stammt aus der Kirche des
Karmeliterordens. Diese wurde nach der Auflösung der Klöster durch
Erkolon III. im Jahr 1783 dem Orden entzogen und später der Kathedrale
zugeordnet. Die Leuchter ruhen auf drei Füßen, auf denen Voluten mit
Engelsbüsten angebracht sind. Diese zeigen Gesichter karmelitischer
Heiliger und biblische Gestalten. Zu den erkennbaren Figuren gehören
der Evangelist Johannes mit Buch und Adler, die Heilige Barbara mit dem
Turm, Maria Magdalena mit ihrem langen, wallenden Haar, der Heilige
Paulus mit dem Schwert, der Heilige Josef, der Heilige Petrus mit den
Schlüsseln, die Unbefleckte Empfängnis mit der Mondsichel und der
Heilige Johannes der Täufer in Pelz gekleidet. Entlang der Schäfte der
Leuchter zeigen Knoten und Verzierungen die Köpfe von Cherubim und
Schwänen in vollplastischer Form. Das Kreuz hat einen quadratischen
Sockel mit einem Flachrelief des Ecce Homo; die Engel an den Seiten
halten die Dornenkrone und die Blutphiole. Die beiden Voluten des
Schaftes tragen die Figuren der Jungfrau Maria und des Heiligen
Johannes, die zum Kruzifix darüber blicken, wo der Erlöser sich vom
schwarzen Hintergrund abhebt. Zu beiden Seiten des Kruzifixes ragen
zwei Engel aus Füllhörnern hervor: Der eine hält die Schale mit Essig
und das Schwert, mit dem Petrus Malchus in Gethsemane das Ohr abschlug,
der andere die Geißeln und das Gewand mit den Würfeln. Die Engel am Fuß
des Kreuzes halten den Kelch mit dem Blut Christi, während der Engel
oben die Inschrift „INRI“ trägt.

Die Bedeutung der Reliquien
Der Begriff Reliquie leitet sich vom lateinischen Verb „relinquo“ (ich
lasse) ab und bezeichnet das, was nach dem Tod vom Körper übrig bleibt.
Die Reliquienverehrung gründet sich auf den Glauben an ein Leben nach
dem Tod und das Fortwirken des Verstorbenen. Im christlichen Kontext
ist ihre Verehrung auf den Glauben an die Auferstehung von Leib und
Seele gegründet. Insbesondere die Gebeine der Heiligen bewahren eine
Kraft, die Heil spenden kann. Dies erklärt die Notwendigkeit, ihrer
Bestattungen zu gedenken, Kirchen über ihren Gräbern zu errichten und
ihre geliebten Gebeine in kostbaren Behältnissen, den Reliquiaren,
aufzubewahren.
Auch die Schatzkammer des Doms beherbergt einige wertvolle Exemplare.
Die Reliquien, die in der Antike im Ghirlandina-Turm aufbewahrt wurden,
gelangten im 17. Jahrhundert in die Kathedrale, in eine Kapelle in der
oberen nördlichen Apsis, die 1897 vollständig abgerissen wurde. Aus
fotografischen Belegen und Dokumenten geht hervor, dass sie mit einem
Hebelsystem ausgestattet war, das einen großen Rahmen mit dem Fresko
der Madonna der Säule als Vorhang in die darunter liegende Krypta
herabließ und so die Reliquien in den Nischen dahinter mit großem
szenografischem Effekt enthüllte.

Reliquienkapelle, vor 1895
Eine der interessantesten Ausprägungen des Reliquienkults in der
Neuzeit ist die Errichtung von Reliquienkapellen in vielen Kirchen.
Eine der kunstvollsten und spektakulärsten dieser Reliquienkapellen
befand sich im Dom von Modena. Sie wurde um 1650 erbaut und 1895 auf
Beschluss des Restaurierungskomitees vollständig abgerissen, dessen
Ziel die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes des
Doms war. Der Architekt Cristoforo Galaverna wurde mit dem Bau der
Kapelle beauftragt und erhöhte das Dach der Nordapsis zu einer
schwindelerregenden Kuppel, während der Maler Mattia Preti die Wand-
und Deckengestaltung übernahm. Im Jahr 1656 wurde der Altar geschnitzt
und geweiht. Kurz darauf wurden darauf der große goldene Barockrahmen
(heute in der Sakristei) und die „kleine, sehr alte Tafel, die auf
goldenem Grund die Heilige Jungfrau mit dem Jesuskind auf dem Schoß
darstellt“, besser bekannt als Madonna der Säule, angebracht. Von
besonderem Interesse ist der 1700 in Betrieb genommene Mechanismus, der
den großen Rahmen mithilfe eines Hebelsystems wie einen Vorhang in die
Krypta hinabließ und so die zahlreichen Reliquien in den
dahinterliegenden Nischen freilegte. Dadurch wurde die prunkvolle und
theatralische Religiosität des Barock eindrucksvoll zum Ausdruck
gebracht.
Reliquiar des Staurotecks (oder des Wahren Kreuzes), 1678, Giovanni Vezzali, Silber

Arten von Reliquiaren
Reliquiare, wesentliche Bestandteile sakraler Schatzkammern,
ermöglichen es den Gläubigen, mit den Heiligen in Kontakt zu treten,
sie zu sehen und sogar zu berühren. Die Reliquienverehrung ist,
insbesondere im Mittelalter, ein sinnliches und symbolisches Erlebnis,
und die Gestaltung der Reliquiare ist darauf ausgerichtet, die Sinne
der Gläubigen anzuregen und die Gegenwart des Heiligen zu vermitteln.
Daher werden sie aus seltenen und kostbaren Materialien gefertigt und
auf vielfältige Weise mit emaillierten, geprägten oder punzierten
Darstellungen verziert.
Auch ihre Formen haben sich im Laufe der Zeit je nach Geschmack und
Empfindung weiterentwickelt. Zu den ältesten gehören die Capselle,
kleine Behältnisse mit Deckel, und die kreuzförmigen Reliquiare wie
Staurotheken und Encolpien, kleine Nadeln und tragbare Medaillons.
Später wurden sie durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Modellen
bereichert: In der Karolingerzeit war das Taschenreliquiar aus
kostbarem Stoff oder Metall, manchmal mit einem Riemen versehen,
beliebt; In der Romanik tauchen die sogenannten „sprechenden“
Reliquiare auf, oft anthropomorph und mit sichtbarem Inhalt. In der
Gotik gibt es Urnen, Kännchen und architektonische Reliquiare in Form
eines Gebäudes.
Antependium mit der Darstellung der Geburt Mariens, spätes 17. Jahrhundert, Seide

Rahmen für das Bild der „Madonna della Piazza“, 1827, Silber
Das Originalfragment aus dem 14. Jahrhundert befand sich ursprünglich
an der Südwand des Doms, zwischen der Porta dei Principi und der Porta
Regia, und war Teil eines größeren Freskos. Die thronende Madonna mit
dem Kind wurde von vier Heiligen, darunter dem Heiligen Geminiano,
flankiert, wie aus einer Rekonstruktion in Antonio Rovattis Cronaca aus
dem späten 18. Jahrhundert hervorgeht. Das Werk ist auch als „Madonna
delle Ortolane“ (Madonna der Gemüsehändler) bekannt, da sich deren
Stände auf dem Platz befanden. Das Fresko wurde im späten 18.
Jahrhundert zerstört, doch das Bild der Madonna mit Kind wurde aus
Andachtsgründen gerettet und auf einem Holzaltar aufgestellt. Es wurde
später mehrmals innerhalb des Doms versetzt, bis es seinen heutigen
Platz auf dem Statuenaltar im linken Seitenschiff fand.

Die historischen Restaurierungen des Doms
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts propagierte die europäische Romantik
eine allgemeine Wiederentdeckung mittelalterlicher Kunst. Auch der Dom
von Modena geriet in den Fokus der Forschung, um seine ursprüngliche
romanische Struktur wiederherzustellen: Zwischen dem späten 19. und dem
frühen 20. Jahrhundert wurde eine Restaurierungskampagne gestartet, die
darauf abzielte, das Bauwerk von den über die Jahrhunderte
angesammelten Aufbauten und Verzierungen zu befreien.
Die bedeutendsten Eingriffe umfassten das Verschließen moderner
Öffnungen in der Fassade und den Apsiden, die Entfernung der im Laufe
der Zeit angebauten Seitenwände sowie den Bau eines neuen, erhöhten
Durchgangs zwischen Sakristei und Turm. Im Inneren wurde der Fußboden
abgesenkt, Altäre und Kapellen, einschließlich der Reliquienkapelle,
wurden entfernt, und die Apsiden wurden mit Fresken im Stil
byzantinischer römischer Mosaiken bemalt. Im Presbyterium wurde der
mittelalterliche Lettner restauriert und das moderne Eisengeländer
durch die originalen Tafeln mit der Passion Christi ersetzt. Diese
Maßnahmen haben maßgeblich dazu beigetragen, ein tiefes Interesse an
der Geschichte der Kathedrale und ihrem Erhalt zu wecken und
Archäologen, Restauratoren und Künstler zu eingehenden und ernsthaften
Studien dieses Monuments anzuregen.
Kapitelle der Kathedralkrypta, 1890–95, Oreste Adani, Bleistift auf Papier

Die Wandteppiche
Zu den wertvollsten Besitztümern der Kathedrale gehört ein Schatz, der
1593 von Graf Sertorio Sertori gestiftet wurde. In den Stadtchroniken
wird er als bedeutender Intellektueller, Kulturliebhaber und Gründer
einer literarischen Akademie erwähnt. Sein Vermächtnis an die
Kathedrale umfasst etwa zwanzig flämische Wandteppiche aus der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts, von denen keine Repliken bekannt sind.
Hinsichtlich ihrer technischen Merkmale, Qualität und Motive lassen sie
sich in drei Untergruppen einteilen. Die wertvollsten und am besten
erhaltenen sind jene mit Darstellungen der Schöpfungsgeschichte. Gewebt
aus kostbaren Woll- und Seidengarnen, in vielfältigen Farben und mit
einer breiten Farbpalette, wurden sie in Brüssel gefertigt und tragen
das Monogramm des als „Meister des geometrischen Zeichens“ bekannten
Teppichwebers. Der figurative Stil offenbart Einflüsse der flämischen
Malerei derselben Epoche.
Die beiden anderen Wandteppichserien erzählen die Geschichten Jakobs
und Davids; diese beiden Zyklen sind schlecht erhalten. Die
Wandteppiche begleiteten das liturgische Leben der Kathedrale über die
Jahrhunderte hinweg. Sie hingen in der Nähe der verschiedenen Altäre
oder im Presbyterium, boten Schutz vor der Kälte und vermittelten den
Gläubigen Unterweisung in der Heiligen Schrift.
Die Sintflut, Manufaktur des Meisters der geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebe aus Wolle und Seide
Der Wandteppich zeigt ein von den Wassern überflutetes Tal, in dem
Menschen und Tiere vergeblich versuchen, sich zu retten. Links versucht
ein Paar mit Kindern einen Hügel zu erreichen, auf dem zwei weitere
Personen und Tiere zu sehen sind; im Vordergrund hebt ein Mann, dessen
Kleidung im Wind flattert, eine Frau aus dem Wasser; rechts streckt ein
Mann auf einem Baum die Hand nach einer Frau aus, die versucht,
herauszuklettern. Im mit Wasser gefüllten Stausee in der Mitte der
Szene ertrinken Menschen und Tiere. Im Hintergrund, unter einem
regnerischen Himmel, fährt die Arche mit den Tieren, die Noah und seine
Familie an Bord genommen haben, davon.

Erfindung der freien und mechanischen Künste, Manufaktur des Meisters der geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebt aus Wolle und Seide
Der Wandteppich veranschaulicht die technologischen und künstlerischen
Errungenschaften, mit denen Kain und seine Nachkommen zur Entwicklung
der Gesellschaft beitrugen. In Rot gekleidet, ist er im Hintergrund
rechts mit dem Bau eines Hauses beschäftigt, gemäß dem biblischen Text,
der ihn als Erbauer von Henoch, der ersten Stadt, bezeichnet. Links
sind die Schmiede Anhänger Tubalkains, der in der Bibel als Schmied von
Kupfer- und Eisenwerkzeugen beschrieben wird. Die Figur in der Mitte
mit dem Lorbeerkranz, die Flöte spielt, scheint Jubal zu sein, ein
Nachkomme Kains, begleitet von einem als Krieger gekleideten
Seetrompeter; die Frau neben ihnen hält ein Notenblatt auf dem Schoß.
Der Mann im Löwenfell ist vermutlich Herkules, der in der Szene als
derjenige dargestellt wird, der der Menschheit das von Atlas erlernte
astronomische Wissen überlieferte. Rechts ist die Figur mit dem Zirkel
und dem Lorbeerkranz möglicherweise Euklid oder Pythagoras. Das Werk
symbolisiert somit die Entstehung der Künste des Quadriviums
(Geometrie, Arithmetik, Musik und Astronomie) sowie einige der daraus
hervorgegangenen Tätigkeiten wie Metallverarbeitung, Architektur und
Bildhauerei.

Adam und Eva im Garten Eden, Manufaktur des Meisters der Geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebe aus Wolle und Seide
Der Wandteppich zeigt vier Szenen auf mehreren Registern, die den
wichtigsten Momenten der Schöpfung der Vorfahren durch Gott und dem
darauffolgenden Kampf gegen die Versuchung des Teufels gewidmet sind.
Die erste Episode, oben links, zeigt die Erschaffung Evas aus der Rippe
des schlafenden Adam; die Erzählung fährt fort mit Eva, die neben dem
Baum der Erkenntnis steht und Adam den Apfel anbietet, unter den
Blicken Satans in Gestalt einer Schlange mit dem Schnabel eines
Raubvogels, die sich an den Stamm klammert. Die in dieser Szene
dargestellten Tiere haben eine symbolische Bedeutung: Die Eule steht
für die Betäubung der menschlichen Vernunft, die Katze für die
Versuchung und der Löwe für den Stolz. Eden wird als ein Ort voller
Pflanzen und bewohnt von vielen verschiedenen Tieren wie Pfauen,
Einhörnern, Kamelen und Schafen dargestellt. Im Hintergrund wird die
Geschichte mit einer seltenen Darstellung Gottes des Vaters
fortgesetzt, der den Vorfahren Kleider überreicht; schließlich, auf der
rechten Seite, die Szene der Vertreibung aus dem Paradies, am Himmel
das flammende Schwert und der Kopf eines Cherubs, der den Baum des
Lebens bewacht.

Germano Bertolani - Kathedrale, 1984; Ghirlandina-Turm, 2011
Modelle im Maßstab 1:50 nach Entwürfen von Giancarlo Palazzi aus Ahorn, italienischem Nussbaum und Birnbaumholz

Bauphasen (4.–15. Jahrhundert)
Die Geschichte der Gründung und des Baus der Kathedrale ist reichhaltig
und komplex und erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Der Bau und
die Instandhaltung dieses architektonischen Komplexes wurden bis ins
15. Jahrhundert ununterbrochen fortgesetzt. Dieser komplexe Bauprozess
wird in diesem Raum aus drei unterschiedlichen, aber sich ergänzenden
Perspektiven beleuchtet: Stadtplanung, Architektur und Bildhauerei.
Die Rekonstruktion der Karte von Modena zwischen Spätantike und
Mittelalter unterstreicht die Bedeutung der Kathedrale als Zentrum der
Stadt. Die Zeitleiste veranschaulicht die wichtigsten Bauphasen der
Kathedrale und ihres Turms, ordnet sie in den lokalen Kontext ein und
vergleicht sie mit den wichtigsten historischen Ereignissen der Epoche.
Die Ausstellung originaler Skulpturen und historischer Abgüsse, die
während der Restaurierungsarbeiten zwischen dem späten 19. und frühen
20. Jahrhundert entstanden, präsentiert die drei wichtigsten
skulpturalen Phasen des Frühmittelalters, der Wiligel-Zeit und der
Campiones-Zeit. Abschließend gibt das Holzmodell die Struktur des
Gebäudes und des Turms detailgetreu wieder.
Dom, 1984 und Ghirlandina-Turm, 2011 - Germano Bertolani
Modelle im Maßstab 1:50 nach Zeichnungen von Giancarlo Palazzi, Ahorn-, Nussbaum- und Birnenholz

Die Werkzeuge
Die Vitrine präsentiert die wichtigsten Werkzeuge, die auf Baustellen
zum Schneiden, Gravieren und Bearbeiten von Stein verwendet wurden. Wie
archäologische Funde aus dem Mittelalter an verschiedenen Orten
belegen, behielten diese Werkzeuge über Jahrhunderte hinweg ihre Form
und Funktion bei, auch wenn sich ihre Bezeichnungen je nach Region
änderten. Daher werden neben Kopien antiker Werkzeuge, die mit den
gleichen Techniken wie im Mittelalter hergestellt wurden, auch einige
Originale aus der Sammlung zum bäuerlichen Leben des Stadtmuseums
Modena ausgestellt, die aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
stammen. Werkzeuge lassen sich nach ihrer Verwendung und Konstruktion
klassifizieren. Man unterscheidet zwischen Stabwerkzeugen, bestehend
aus einem Metallstab mit einer Schneide, die durch Schlag bearbeitet
wird (z. B. Meißel), und Axtwerkzeugen mit einem Holzstiel (z. B.
Buschhammer). Die bearbeiteten Gesteinsarten unterscheiden sich
hingegen je nach Beschaffenheit des Gesteins – sehr hart, hart,
halbhart und weich –, aber es ist schwierig, die verwendeten Werkzeuge
in Bezug auf die jeweilige Gesteinsart zu definieren.

Karyatide, spätes 19. Jahrhundert, Gipsabguss des Originals von ca. 1180 (Kathedrale, Lettner)

Die Außenwände der Kirche sind mit weißen Marmorplatten verkleidet,
zwischen die sich rötliche und graue Steine mischen, weshalb sich ein
abwechslungsreiches Erscheinungsbild ergibt. Das eigentlich tragende
Mauerwerk ist Mischmauerwerk aus wiederverwendetem Baumaterial
römischer Ruinen. Gegliedert wird die Zierfassade durch Zwerggalerien
und Blendarkaden. An den Rückwänden der Zwerggalerien tritt der
Backstein zutage. Das prächtige gotische Radfenster auf der Seite des
Hauptportals und die zwei aufgesetzten Türmchen sowie die beiden eher
schlichten Seitenportale schufen Steinmetze aus Campione. Die Arbeiter
aus dem norditalienischen Städtchen bei Lugano waren über Generationen
an den Bauarbeiten beteiligt und konnten die Kathedrale 1322
fertigstellen.
In neuerer Zeit wurden an den Portalen drei bronzene Türen eingesetzt.
Diese Türen fanden aber nicht die Zustimmung der Mehrheit der Bürger,
da sie als zu modern angesehen wurden und keine Harmonie zu der Fassade
bestehe. Nach einem Streit auch nationaler Kunstkritiker veranlasste
das Domkapitel schließlich, die Bronzetüren wieder durch Holztüren zu
ersetzen.

Die Fassade der Kathedrale hat bemerkenswerte Reliefs, die von dem
Bildhauer Wiligelmus, einem Zeitgenossen von Lanfranco stammen. Diese
Reliefs enthalten Porträts von Propheten und Patriarchen, aber auch
biblische Geschichten, und stellen erdverbundene Meisterwerke
romanischer Skulpturen dar. Wissenschaftler wiesen besonders auf die
Darstellung von Adam und Eva, der Erbsünde, des Opfers Kains, das dem
Herrn nicht willkommen war, und seiner Tötung durch Lamech sowie der
Arche Noah als Symbol der Römischen Kirche hin, ein Bildprogramm, das
im Zusammenhang mit der Abwendung von den „Ketzern“ unter dem
Gegenpapst Clemens III. steht. Das Fischmarktportal (porta della
pescheria) trägt eine andere künstlerische Handschrift und ist mit
Szenen aus der Artuslegende geschmückt.


Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

An der Nordseite des Turmes zur kleinen Piazza Torre, die auf die Via
Emilia hinausgeht, hängen drei Tafeln zur Erinnerung mit Fotos der
Partisanen aus Modena, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind.
Darüber befindet sich eine Inschrift aus dem 19. Jahrhundert. Davor
steht ein Denkmal Alessandro Tassonis. Die vom Bildhauer Alessandro
Cavazza gefertigte Statue wurde 1860 errichtet.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: