Kathedrale von Modena

Duomo di Modena, Juni 2026

Die Kathedrale von Modena (italienisch Cattedrale metropolitana di Santa Maria Assunta in Cielo e San Geminiano) ist eine römisch-katholische Kirche in der italienischen Stadt Modena. Sie ist die Kathedrale der Erzdiözese Modena-Nonantola und wurde im Jahr 1184 dem Stadtpatron Geminianus geweiht. Die Kathedrale ist eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke in Europa und von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Um etwas Geld kann vor Ort auchTorre Ghirlandina und Musei del Duomo di Modena besucht werden.

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Die Kathedrale von Modena gilt als eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke in Europa, weist aber auch Bauelemente aus anderen Stilepochen wie der Gotik und der Renaissance auf.

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Im Gegensatz zu den Fassaden dominiert im Kirchenraum sichtbarer Backstein. Den Grundriss der Kathedrale bildet ein dreischiffiges Langhaus, das östlich auf ein Querhaus stößt, das seitlich nicht übersteht, aber höher ist als die Seitenschiffe. Daran schließen, jeweils über ein kurzes Zwischenjoch, drei Apsiden an, die mittlere breiter und länger als die seitlichen (Staffelchor).

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Der Fußboden von Querhaus und Apsiden liegt mehrere Meter höher als der des Kirchenschiffs. Die westliche Begrenzung des oberen Niveaus bildet eine von Anselmo da Campione (ca. 1150–1210) geschaffene Brüstung aus Marmor, auf der die Passion Christi und das letzte Abendmahl dargestellt sind. Aus ihr ragt, vom Langhaus gesehen links, ein Ambo hervor.

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Zwischen 1437 und 1455 wurden das bis dahin zum Dachstuhl offene Mittelschiff mit spätgotischen Kreuzrippengewölben aus Backstein geschlossen. Im Gegensatz zu den deutlich spitzen Gurtbögen sind die Gewölbekanten rundbogig und die Rippenverläufe nur leicht gespitzt. Ähnliche Gewölbe überspannen das Querhaus und die Räume über den Seitenschiffsemporen.

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 Duomo di Modena, Juni 2026 Duomo di Modena, Juni 2026

Unter diesen Räumen liegt eine ausgedehnte, kreuzgratgewölbte Hallenkrypta, eingeteilt in zahlreiche schmale Schiffe. Außergewöhnlich ist die freie Sicht aus dem Langhaus in die Kryta. Ein Altar steht vor der breiten Treppe, die aus dem Mittelschiff in die Krypta hinabführt. Die Kanzel, an einem linken Arkadenpfeiler etwas westlich jenes Altars, stammt von Arrigo da Campione und ist mit Skulpturen aus Terrakotta verziert.

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Im 18. Jahrhundert wurde die zentrale Apsis der Krypta verändert. Dank einer Schenkung konnten die Wände mit seltenem und kostbarem Marmor verkleidet werden. Außerdem wurden die Gewölbe umgebaut und mit Stuck und anderen Materialien dekoriert. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine neue und wertvolle Urne für die Reliquien des Heiligen hergestellt und der Altar wurde mit einer Marmorbalustrade umrahmt.

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Krypta

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Mittelschiff von der Quer­haus­brüs­tung nach Westen

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Hauptapsis

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Als weitere wichtige Maßnahmen wurden im späten 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts der Boden verändert, die Kuppel entfernt und die Kirche mit der Sakristei verbunden, die bei dieser Gelegenheit auch einen neuen erhöhten Laufsteg im neuromanischen Stil erhielt.

Detail Sarkophag

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Die Sakristei, die durch einen Hängegang mit dem Dom verbunden ist, birgt bedeutende Zeugnisse der Renaissance und des Barock. Sie wurde 1506 nach den schweren Schäden durch das Erdbeben von 1501 fast vollständig wiederaufgebaut. 1507 beauftragte das Domkapitel Francesco Bianchi Ferrari mit der Freskengestaltung der Kreuzgewölbe. Die Fresken zeigen Grotesken der Madonna mit Kind, das Lamm Gottes und den Heiligen Geminianus, wobei letzterer durch eine Verkleinerung der Sakristei um etwa drei Meter Ende des 19. Jahrhunderts teilweise beschädigt wurde. Die Dekorationen greifen auf das ornamentale Repertoire eines archäologischen Geschmacks zurück, der sich im Rom des späten 15. Jahrhunderts entwickelte. Zu ihnen gehörten auch ein Kruzifix unter den Trauernden und ein Fries von Giovanni Antonio Scacceri, der heute verloren ist.

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Reliquiar des Arms des Heiligen Geminianus - Geprägtes und ziseliertes Silber mit gegossenen Teilen, 1667
Es ist wahrscheinlich, dass das Fragment des Arms des Heiligen Geminianus 1184 von Papst Lucius III. bei der Öffnung des Grabes entnommen und zunächst in den tragbaren Altar gelegt wurde, der sich heute in den Dommuseen befindet. Seit 1667 wird die Reliquie im Reliquiar von Giovan Battista Carraro aufbewahrt. Der Ringfinger der Hand ist mit einem Ring geschmückt, während der Arm, bedeckt von einem schlichten Ärmel mit bestickter Manschette, das Knochenfragment durch eine kleine Öffnung freigibt und von einem Sockel mit Putten getragen wird.

In den „Notizie storici ed artistica del Duomo“ erinnert Dondi an den Brauch, das Armreliquiar über dem Altar aufzubewahren. Den Berichten zufolge wurde es immer dann ausgestellt, wenn die Stadt von schweren Katastrophen wie Epidemien, Dürre oder Starkregen heimgesucht wurde. Am Gedenktag des Schutzheiligen, dem 31. Januar, wird der Arm von den Gläubigen verehrt und vom Bischof verwendet, um in Kontinuität mit dem Schutzheiligen einen feierlichen Segen zu erteilen.

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Neben den Fresken beherbergt die Sakristei kostbare Intarsienmöbel (1471–77) aus der Werkstatt von Cristoforo da Lendinara, bestehend aus zwei langen Altaraufsätzen und einem zentralen Tresor. Jeder Altaraufsatz umfasst dreizehn mit geometrischen oder botanischen Intarsien verzierte Altarbilder, während der Tresor Stadtansichten, Stillleben und nachgebildete Kleiderschränke zeigt, die an die zeitgenössische Fertigung der hölzernen Chöre der Kathedralen von Modena und Parma erinnern. Die von Piero della Francesca inspirierten perspektivischen Szenen verzichten auf die Darstellung von Menschen und Tieren, um den Blick nicht von der technischen Raffinesse der Intarsien abzulenken. Die Wände sind mit Gemälden geschmückt, die größtenteils von Altären stammen, die einst in der Kathedrale standen und bei den Restaurierungsarbeiten Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurden.

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Antonio Begarelli 1499 - 1565
Geburt Christi, 1527, Terrakotta

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Der Glockenturm, die Ghirlandina, ist ein Wahrzeichen der Stadt und fünfgeschoßig etwa 86 Meter hoch. Der für Italien typische freistehende (also nicht mit dem Kirchengebäude verbundene) campanile wurde 1169 im romanischen Stil begonnen und im 14. Jahrhundert mit einer gotischen Turmspitze nach einem Entwurf von Arrigo da Campione vollendet. Seinen Namen erhielt der Torre Ghirlandina nach zwei girlandenartigen Marmorgeländern im Bereich der Turmspitze.

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Ghirlandina (ital. "kleine Girlande") bezeichnet den Campanile am Dom von Modena. Zusammen mit der Kirche 1099 begonnen und 1319 fertiggestellt ist er einer der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Türme Italiens und mit einer Höhe von 89 Metern das Wahrzeichen Modenas und ein weithin sichtbarer Blickfang.     Die Kathedrale, der Glockenturm und die Piazza Grande wurden von der UNESCO 1997 zum Weltkulturerbe erklärt.

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Die außen sukzessive niedriger werdenden und durch Gesimse unterschiedenen Stockwerke entsprechen nicht dem inneren Aufbau des Campanile. Die Sala della Secchia rapita, der sich etwa auf der Höhe des ersten äußeren Gurtgesimses befindet, wurde seit dem 14. Jahrhundert als eine Art Schatzkammer und Archiv der Gemeinde genutzt, in dem Dokumente der Kommune wie auch zum Beispiel Heiligenreliquien der Kathedrale sicher aufbewahrt wurden. Er wurde wie eine Schatulle vollständig mit grafischen und Pflanzenornamenten, sowie heraldischem Pelzwerk freskiert. Der Name, „Saal des gestohlenen Eimers“, bezieht sich auf einen Eimer vom Brunnen der Via San Felice im Zentrum Bolognas, der während der Schlacht von Zappolino 1325 entwendet wurde. Als Kriegstrophäe wurde er bewahrt und von Modenas bekanntesten Dichter Alessandro Tassoni in einen Reim gefasst (1622).

Der Sala della Secchia im Turm ist mit Fresken des 15. Jahrhunderts geschmückt. Eine Kopie des Gemäldes Secchia rapita erinnert an die Zeit, in der in dem Turm Wertgegenstände der Gemeinde aufbewahrt wurden.

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Die Kammer des gestohlenen Eimers befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Erdgeschoss und erstem Gesims. Es besteht keine Entsprechung zwischen den äußeren Gesimsen und den Fußböden im Inneren des Turms. Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden hier und in dem heutigen Zugangsgang Reliquien und andere wertvolle Gegenstände der Kathedrale sowie Dokumente der örtlichen Gemeinde aufbewahrt.
Der Name des Raumes leitet sich von dem Eimer aus Holz und Eisen ab, den die Modeneser der Legende nach während der Schlacht von Zappolino (1325) aus einem öffentlichen Brunnen in der Via San Felice im Zentrum von Bologna stahlen. Diese unrühmliche Kriegstrophäe, die bald so hoch geschätzt wurde, dass sie zum Stadtsymbol avancierte, erlangte Berühmtheit durch das gleichnamige Gedicht von Alessandro Tassoni aus dem Jahr 1622: „Doch der Eimer wurde bald weggesperrt, im höchsten Turm verbleibt er bis heute. Hoch oben hängt die Trophäe, gefesselt an einer großen Kette, hoch über dem Boden.“ Aus Sicherheitsgründen wird das Original bis heute im Rathaus aufbewahrt; der Eimer, der nun in der Mitte des Raumes hängt, ist eine Nachbildung. Der von oben bis unten mit Fresken bemalte Raum gleicht einer riesigen Schatztruhe, die sich durch ein feines quadratisches Gitter zum Sternenhimmel öffnet und an das Gittermotiv am Eingang erinnert – vielleicht, um einen guten Blick auf den Eimer zu ermöglichen. Die Dekoration weist gotische Elemente auf und stammt daher aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem 14. Jahrhundert. Das ist deshalb interessant, weil es ein Zeichen für die Bedeutung ist, die diesem Umfeld beigemessen wurde, und insbesondere für die Verwendung des falschen Vair-Motivs, wie es einst zur Verzierung der Mäntel von Kaisern verwendet wurde.

Über dem Saal ist der Turm ein weitgehend offener Raum mit ringsum entlang der Wände laufender Treppe. Im (etwa) 5. Stock befindet sich die Stanza dei Torresani, dessen romanische Kapitelle bemerkenswert sind.

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Der Ghirlandina-Turm, Wahrzeichen der Stadt Modena, erhebt sich an der Nordseite des Doms. Sein Name (die „kleine Balustrade“) leitet sich vermutlich von dem Ziergeländer ab, das die Turmspitze krönt. Die Chronologie der Bauarbeiten ist nach wie vor Gegenstand intensiver Diskussionen, da es keine spezifischen historischen Aufzeichnungen zu den frühen Bauphasen gibt. Analysen im Zuge der Restaurierungsarbeiten von 2011 deuten darauf hin, dass sich der Turm und der Dom auf demselben Baugrund befanden. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der achteckige Teil des Turms restauriert, und 1588 wurde die Turmspitze leicht erhöht. Verschiedene Eingriffe vervollständigten das Gebäude: So wurde beispielsweise 1609 die Holztreppe im Inneren des Zeltdachs errichtet; Ende des 19. Jahrhunderts wurden die an den Turm angebauten Gebäude abgerissen. Und 1901 wurde der heutige Eingang an der Via Lanfranco eröffnet.

Der Turm ist durch zwei Bögen, die bereits im 14. Jahrhundert hinzugefügt und Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert wurden, mit der Kathedrale verbunden. Seit seiner Errichtung beherbergt der Turm einen Glockenturm, der von Anfang an eine wichtige städtische Funktion erfüllte: Der Klang der Glocken markierte wichtige Ereignisse in der Stadtgeschichte, signalisierte die Öffnung der Stadttore und rief die Stadtbevölkerung im Falle von Alarm oder Gefahr zusammen. In der sogenannten Torresani-Kammer lebten die Turmwachen. Darüber hinaus beherbergten die dicken Mauern des Turms die Schatzkammer des Stadtrats mit dem Stadtarchiv sowie verschiedenen Reliquien und anderen wertvollen Gegenständen der Kathedrale. Der Turm gehört dem Stadtrat und beherbergt noch immer die Glocken, die den Beginn der Gottesdienste in der Kathedrale ankündigen.

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Der fast 90 Meter hohe Ghirlandina-Turm besteht aus einem quadratischen Sockel mit 11 Metern Seitenlänge und 50 Metern Höhe, der von einem achteckigen Abschnitt und einem steilen, zeltförmigen Dach überspannt wird. Dieses wird von einer goldenen Kugel und einem Kreuz gekrönt. Bis zum Sockel des Glockenturms ist der Turm aus Material der römischen Stadt errichtet. Die Ziegelkonstruktion ist mit rund 22 verschiedenen Steinsorten aus Norditalien, Istrien und der Türkei verkleidet. Oberhalb des Glockenturms und im Turmhelm wurden jedoch eigens zugekaufte Materialien verwendet. Der Ghirlandina-Turm neigt sich aufgrund von Bodensenkungen nach Südwesten. Der Neigungsgrad variiert jedoch auf den verschiedenen Ebenen, da während des Baus verschiedene Korrekturen vorgenommen wurden, um die Bodensenkungen auszugleichen.

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Der Turm ist mit zahlreichen dekorativen Elementen verziert. Fünf Gesimse ruhen auf Bögen und skulptierten Simsen. Die ersten drei Gesimse sind mit Eckreliefs geschmückt, die Fabelwesen, Tiere und Menschen darstellen. Im zweiten Geschoss an der Ostseite befinden sich drei Reliefs römischen Ursprungs mit Pflanzen- und Tiermotiven, während das dritte Geschoss an der Südseite den Kopf der Medusa zeigt.

Die Doppel- und Dreifach-Lanzettfenster im fünften Geschoss sind mit kunstvollen Kapitellen verziert. 19 davon befinden sich an der Außenseite des Gebäudes, acht im Inneren der Wachkammer des Turms. Die Kapitelle und die zahlreichen menschlichen oder tierischen Protomen entlang der Simse sowie die Eckreliefs am dritten Gesims entsprechen in Stil und Ausführung denen der Kapitelle der Porta Regia des Doms und der Stützen des Pontils, die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen.

Im Jahr 2011 wurden unter den Bögen des zweiten Gesimses an der Ostseite Spuren roter Verzierungen entdeckt. Es handelt sich dabei offenbar um eine Lilienmotivfolge aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, möglicherweise ein Werk der Meister von Campion. Dieser Fund ist daher von großer Bedeutung und gibt Aufschluss über die Gestaltung von Monumenten im Mittelalter.

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Die Sammlung des Lapidariumsmuseums
Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Dom von Modena umfangreiche Restaurierungs- und Konsolidierungsarbeiten durchgeführt. Dabei kamen Reliefs und Skulpturen zum Vorschein, die größtenteils aus der Zeit vor der Romanik stammten. Die gefundenen Fragmente wurden in die Südwand des Kreuzgangs des Presbyteriums, gegenüber der Nordseite des Doms, eingelassen. So entstand der Grundstock des Lapidariumsmuseums. Der Dom war ursprünglich mit der Südseite des Kreuzgangs verbunden. Als dieser jedoch abgerissen wurde, um die Via Lanfranco anzulegen, zog das Museum in neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss um. Später kamen weitere Funde und Materialien hinzu.

Fragmente aus dem Frühmittelalter
Dieser Museumsbereich beherbergt etwa dreißig Kunstwerke aus dem 8. und 9. Jahrhundert, die der langobardischen Bauphase zuzuordnen sind. Diese wurde später abgerissen und durch nachfolgende Neubauten ersetzt. Die Fundstücke, die im Bauhof von Lanfranco wiederverwendet und im Zuge der Restaurierungsarbeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurden, zeigen überwiegend abstrakte und geometrische Verzierungen, obwohl auch einige naturalistische Elemente vorhanden sind.

Vom Grab des Heiligen Geminianus zur romanischen Kathedrale
Als der Heilige Geminianus im Jahr 397 n. Chr. starb, war seine Grabstätte vermutlich durch ein Oratorium oder eine Grabkapelle gekennzeichnet, um die herum später eine Basilica ad corpus entlang der Via Emilia errichtet wurde. Archäologische Funde scheinen die Existenz von Gebäuden zu belegen, die nach diesem Bau, aber vor der heutigen romanischen Kathedrale entstanden, deren Bau ab 1099 erfolgte. Das neue Zentrum der Stadt – das zuvor dem römischen Forum entsprochen hatte – wurde dann die Kathedrale, der neu entstandene Versammlungsplatz, um den sich die städtischen Behörden sowie Märkte und Märkte gruppierten.

Die Arche des Heiligen Geminianus
Dieser große Marmorkasten bildete die äußere Schicht des Grabmals des Heiligen Geminianus und stammt vermutlich aus dem Jahr 1106, nach der Überführung seiner Beigaben in den Dom. Dieses Ereignis wird in der Relatio, einem Kodex aus dem 13. Jahrhundert, der die Baugeschichte des Doms von Modena beschreibt, geschildert. Historische Quellen berichten von wundersamen Heilungen am Grab des Schutzpatrons und von der Befreiung Besessener vom Teufel.

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Der Metopenzyklus
Diese Kalksteinreliefs mit fantastischen Figuren schmückten die Kathedrale als Antefixe an den äußeren Strebepfeilern des Mittelschiffs. Aufgrund ihrer stilistischen und kompositorischen Homogenität werden die acht Skulpturen einem einzigen Künstler zugeschrieben, dem sogenannten „Meister der Metopen“, der im frühen 12. Jahrhundert wirkte. Bevor sie 1950 entfernt und durch Kopien ersetzt wurden, wurden sie mehrmals innerhalb der Kathedrale versetzt; 1899 wurde die Metope des großen Mädchens durch das Antefix mit den Figuren zweier Propheten aus dem 12. Jahrhundert ersetzt.

Der gesamte Zyklus wird mit der mittelalterlichen Darstellung des Kosmos in den Mappaemundi in Verbindung gebracht: Insbesondere wird angenommen, dass er einige der fernen Völker darstellt, die am Rande der Erde lebten und über die es so viele Sagen gab, von denen aber direkte Beweise selten oder gar nicht vorhanden waren. Zur Darstellung dieser Völker wurden Texte wie der Physiologus (2.–4. Jahrhundert), die Etymologiae des Isidor von Sevilla (7. Jahrhundert), das Liber monstrorum (8.–9. Jahrhundert) und die Bestiarien (12.–14. Jahrhundert) herangezogen. In den Mappaemundi werden ferne Völker, die als Wunder der Schöpfung erscheinen, stets an den äußeren Rändern der Erde verortet. Ihre körperlichen Besonderheiten und „bizarr“ anmutenden Gewohnheiten wecken Neugier und Furcht, werden aber dennoch als Teil des göttlichen Plans betrachtet, wie Augustinus in De civitate Dei (XVI, 8) erklärt: Gott schuf alle Wesen, selbst die monströsen, die ja zur Vielfalt der Welt und zur Harmonie des Universums beitragen; kein Lebewesen ist von der göttlichen Gnade ausgenommen.

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Der Hermaphrodit
Eine nackte Figur mit gespreizten und angewinkelten Beinen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist. Das Liber monstrorum erwähnt die Existenz bisexueller Männer. In der Antike galt Hermaphrodit als Sohn von Hermes und Aphrodite; er wurde entweder als Gottheit mit einem Körper so zart wie der einer Frau und doch so stark wie der eines Mannes verehrt oder als besonderes Wesen, das die Zukunft – im Guten wie im Schlechten – voraussagen konnte. Die Metope weist Spuren von Veränderungen und Restaurierungen auf, die ihre ursprüngliche Schönheit beeinträchtigen, da sie im 16. Jahrhundert durch Feuerwaffen beschädigt wurde. Einige antike Stadtchroniken berichten, dass sie mit einer sehr fruchtbaren Frau aus Modena identifiziert wurde, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte.

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Der Mann mit dem langen Haar und den nach oben gedrehten Füßen
Das Gesicht ist geprägt von einem langen Schnurrbart und Bart; das lange Haar fällt fließend über die Schultern. Das gesamte Körpergewicht ruht auf dem linken Arm, der teilweise vom angewinkelten Bein bedeckt ist. Mit der rechten Hand umklammert er das andere Bein in einer erzwungenen, nach oben gerichteten Position, wodurch die Füße hervorgehoben werden. Dieses Detail verbindet die Darstellung mit der im Liber monstrorum beschriebenen Gestalt von Wesen, deren Fußsohlen nach hinten, dem Kopf abgewandt, gerichtet sind. Das Beispiel aus Modena besticht durch die realistische Wiedergabe eines ungewöhnlichen Motivs in einer schwer darzustellenden Pose: Auf engstem Raum der Metope gelingt es dem Künstler, eine Figur in einer dynamischen und zugleich stillen, sitzenden Haltung zu platzieren.

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Die Meerjungfrau
Eine zweischwänzige Meerjungfrau hält ihre beiden Schwänze in den Händen. Ihr langes Haar, der nackte Oberkörper und die provokante Pose machen das Bild fesselnd. Gleichzeitig offenbart ihre duale Natur, menschlich und tierisch zugleich, ihre Gefahr: Sie ist ein Geschöpf des Landes und des Meeres, dessen Schönheit den Unvorsichtigen verführt, ihr zu folgen, nur um ihrer bösen Macht zu erliegen. So ist es mit jeder Versuchung, die mit der Illusion von Schönheit ihre Eitelkeit und Doppelzüngigkeit offenbart. Der Skulpturenschmuck des Doms ist reich an diesem Thema, das sich sowohl in den Kapitellen der Krypta als auch an der Außenfassade findet. Im Liber monstrorum werden sie wegen ihrer schuppigen Schwänze erwähnt, die sie stets in den Wellen verbergen. Liebende vergleichen sie oft mit der Geliebten, die ihren Geliebten verführen und ihm Leid zufügen kann.

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Die Antipoden
Die Metope zeigt zwei sitzende Figuren: eine Frau und möglicherweise einen Mann, die einander kopfüber gegenüberstehen. Die erste trägt einen langen Zopf und hat die Beine in die Arme gezogen. Die andere, unter einem leichten Kopfschmuck, hat kurzes, schulterbedeckendes Haar. Links sitzt ein Falke. Die gängigste Interpretation dieser Skulptur stellt einen Bezug zur Beschreibung der Antipoden im Liber monstrorum her: „Auf der anderen Seite des Planeten, unten, soll ein Menschenvolk namens Antipoden leben. Ihr Name bedeutet im Griechischen, dass sie mit ihren Füßen an unseren Füßen, tief in der Erde, verankert sind und sich in unseren Schatten bewegen.“

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Das große Mädchen
Das Antefix zeigt kaum den geduckten Körper eines Mädchens, dessen linker Arm unter dem Rücken verschränkt ist, während die rechte Hand eine gebogene Traubenähre umklammert. Ihre Größe steht in keinem Verhältnis zum Platz auf der Steinplatte und erweckt den Eindruck starker Kompression der Gliedmaßen. An den kurzen Seiten sind ein Ibis und eine geflügelte Sphinx oder Harpyie mit erhobenem Kopf abgebildet. Laut Physiologus und mittelalterlichen Bestiarien haben diese beiden Wesen eine negative Bedeutung, was dem Ensemble eine bedrohliche Aura verleiht. Das Mädchen gehört aufgrund ihrer Größe zu den „Wunderwesen“ und stellt möglicherweise das Mädchen dar, das, von starken Meeresströmungen an einen Strand gezogen, gefunden wurde und dessen Körper fünfzig Fuß lang war. Es wird im Liber monstrorum erwähnt.

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Das dreiarmige Wesen oder das Mädchen und der Riese
Ein Mädchen sitzt in der Hocke und stützt den Kopf in nachdenklicher Pose auf die Hand, während der andere Arm hinter ihrem Rücken ruht. Sie trägt einen netzartigen Kopfschmuck, der an östliche Mode und Bräuche erinnert. Hinter ihr erscheint ein dritter, gigantischer Arm, der eine zusammengerollte Schriftrolle hält: Es ist unklar, ob er zum Körper des Mädchens gehört oder ein Fremdkörper ist. Im ersten Fall könnte es sich um ein dreiarmiges Wesen handeln und somit um ein „wunderbares“ Wesen. Gehört der Arm jedoch nicht der Frau, so gehört er zu der Gestalt eines Riesen im Hintergrund, der aufgrund des begrenzten Platzes nicht vollständig dargestellt werden kann. In beiden Interpretationen verweist die Darstellung jedoch auf die Wunder der Schöpfung.

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Der Ichthyophagus
Das Relief zeigt eine Mischgestalt mit Vogelkopf und Hakenschnabel, die einen Fisch verschlingt. Der Hals ist mit Schuppen bedeckt, der Nacken mit einem Kamm aus langen Federn. Die übrigen Gliedmaßen lassen einen geschmeidigen menschlichen Körper erkennen; das linke, zum Oberkörper hin angewinkelte Bein endet in einem Pferdehuf. Dahinter ist ein weibliches Gesicht zu sehen, umhüllt von einem Blätterbusch: Dieses Element weckt die Assoziation mit einem Wald, in dessen dichtem Gestrüpp man seltsamen, sonst unsichtbaren Wesen begegnen könnte. Die Figur stellt möglicherweise das dar, was das Liber monstrorum als Ichthyophagus bezeichnet, einen Mann, der im fernen Indien lebt, dessen Körper mit dichtem Fell bedeckt ist und der sich ausschließlich von rohem Fisch und Wasser ernährt.

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Der Psyllus oder Knabe mit dem Drachen
In mittelalterlichen Bestiarien wird der Drache als reales, gefährliches Wesen dargestellt, als Feind der Menschheit und des Guten. Auf diesem Relief jedoch findet kein Kampf zwischen dem Knaben und dem Drachen statt; sie blicken einander furchtlos an. Diese ungewöhnliche Haltung erklärt der Physiologus damit, dass Schlangen einen bekleideten Menschen angreifen, ihn aber nicht fürchten, wenn er nackt ist. Dies bezieht sich auf die Episode in der Genesis, in der Adam, nackt im Paradies, dennoch immun gegen die Angriffe des Bösen war. Die Metope könnte daher die kindliche Seele darstellen, frei von Sünde, die sich am Drachen erfreuen kann. Sie könnte aber auch einen Psyllus zeigen – ein Menschenvolk, das immun gegen Schlangenbisse ist, weil es von klein auf mit ihnen in Berührung kam –, das häufig auf mittelalterlichen Mappaemundi abgebildet wurde.

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Die Domschatzkammer
Die Dommuseen beherbergen die Kunst- und Glaubensgegenstände, die den Schatz des Doms ausmachen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie von den Domherren für liturgische Zwecke in Auftrag gegeben oder von Gläubigen gestiftet, um dem Schutzpatron der Stadt, Bischof Geminiano, zu huldigen, dessen Gebeine seit jeher besonders verehrt werden. Er wirkte im 4. Jahrhundert maßgeblich an der Evangelisierung der Region mit, und sein Leben und Kult sind untrennbar mit der Geschichte Modenas verbunden. Seine Beisetzung in der Domkrypta belegt, dass das Bauwerk eine Schlüsselrolle für das Wachstum der Stadt zwischen Spätantike und Mittelalter spielte. Die in diesen Räumen gesammelten Objekte zeugen von der Sorgfalt, mit der sein Andenken bewahrt wurde: Goldschmiedearbeiten, Gemälde, Skulpturen, Messgewänder und Wandteppiche erstrahlen heute wie in der Vergangenheit in ihrer vollen Schönheit.

Kupferstatue des Heiligen Geminiano - Geminiano Paruoli, 1376, Kupfer, Bronze, Holz
Das Werk, ursprünglich auf der Loggia der Porta Regia des Doms und von der Piazza Grande aus sichtbar, wurde 1376 von Geminiano Paruoli im Auftrag von Cecchino Ravasi geschaffen. Beide sind auf der Rückwand kniend zu Füßen der Statue abgebildet, der eine flankiert vom Wappen mit drei Töpfen, der andere vom Wappen der Familie Ravasi mit einer Rübe. Darüber ist der Monatszyklus horizontal von links nach rechts und von oben nach unten dargestellt: Jeder Monat ist, mit seinem Anfangsbuchstaben in gotischen Buchstaben, als eine Person bei der Ausübung eines Handwerks dargestellt, wie auf den Reliefs der Porta della Pescheria des Doms. Diese einfachen, aber außerordentlich lebendigen Personifikationen stellen mit Gesten von großer Unmittelbarkeit die typischen Tätigkeiten jeder Jahreszeit dar. Die Statue des segnenden Heiligen unter dem Baldachin zeigt eine Struktur, die noch in der romanischen Bildhauertradition verwurzelt ist; Der Korpus besteht aus gefalteten und geprägten Kupferplatten, die auf einem Holzrahmen befestigt sind; Hände und Kopf sind gegossen. Ähnliche Beispiele finden sich vor allem im germanischen Raum, wo die Metallverarbeitung und Goldschmiedekunst im Mittelalter besonders ausgeprägt waren.

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Der Altaraufsatz von San Geminiano, um 1106, Grüner ophitischer Granit, Holz, vergoldete Silberplatten
Der antike, tragbare Altar von San Geminiano besteht aus einem grünen ophitischen Granitstein in einem Holzkasten, der mit geprägten und gravierten Silberplatten verziert ist. An den Seiten sind Christus thronend zwischen den Heiligen Geminiano und Nikolaus, die Jungfrau Maria zwischen zwei Heiligen und die zwölf Apostel dargestellt. Er wurde vermutlich 1106 von Mathilde von Canossa anlässlich der Überführung des Leichnams des Schutzpatrons für die Kathedrale in Auftrag gegeben und enthielt die Reliquie seines Arms sowie die alte, geweihte grüne Steinplatte, die beide bei dieser Gelegenheit aus dem Grab entnommen wurden. Im Mittelalter war es üblich, dass Bischöfe mit den Altären bestattet wurden, die sie auf ihren Reisen benutzten. In alten Inventaren ist er als „mit vielen heiligen Reliquien geweiht“ verzeichnet; die jüngste Restaurierung hat tatsächlich zwei innere Reliquienkammern freigelegt. Die lateinische Inschrift an den Seiten lautet: „Wie groß ist der Schatz, der in dieser kleinen Arche enthalten ist!“, und bezieht sich auf die darin enthaltenen heiligen Gebeine, während die Inschrift auf der Oberseite daran erinnert, dass der Leib des Herrn auf diesem Altar geopfert wurde.

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Ein Evangeliar, das im späten 11. Jahrhundert im Skriptorium der Abtei San Silvestro in Nonantola entstand, wird zusammen mit den Grabbeigaben ausgestellt. Der Kodex zeichnet sich durch ein kunstvolles Illustrationssystem aus und besitzt einen reich verzierten Einband aus Silberfolie mit einer Elfenbeindarstellung einer Kreuzigungsszene. Er wurde höchstwahrscheinlich anlässlich der Überführung der Reliquien des Geminianus in die Krypta der Kathedrale im Jahr 1106 in diese beiden Bestandteile – Seiten und Einband – zusammengefügt.

Evangelistorium, Frühes 12. Jahrhundert, Nonantola
Pergamenthandschrift, gebunden in Silber, Elfenbein und Samt auf Holzdeckeln

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Die Kathedrale und ihre Bauwerke im Wandel der Jahrhunderte
Die Geschichte der Kathedrale ist reichhaltig und vielschichtig. Im Mittelalter war sie das Zentrum der kirchlichen Organisation der Region, ein Ort kultureller Bildung durch die dort ansässige Schule und beherbergte bis 1194 den Stadtrat. Symbolisch gesehen verwies die Schönheit dieses Gebäudes in der mittelalterlichen Vorstellungswelt auf das himmlische Jerusalem. Daher rührt die Sorgfalt und Aufmerksamkeit, die seiner Dekoration gewidmet wurde. Fresken, Gemälde, Einrichtungsgegenstände und Statuen wurden angefertigt oder gestiftet, um diesen Ort, an dem sich die gesamte Gemeinde zum Gebet versammelte, zu verschönern. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Gebäude aufgrund liturgischer Veränderungen, der stetig wachsenden Zahl der Gläubigen und wechselnder Moden bedeutende Wandlungen. An den Innen- und Außenwänden wurden Kapellen angebaut, wodurch neue, mit Kunstwerken geschmückte Räume für Liturgie und Andacht entstanden. Diese wurden dann im Zuge der Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgebaut, wodurch das romanische Erscheinungsbild der Kathedrale wiederhergestellt wurde.

Traktat des heiligen Augustinus über die Psalmen, 12. Jahrhundert, Capitol Archive, Modena

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Christus erscheint den Marien, Noli me tangere, Christus erscheint den Jüngern in Emmaus, Christus erscheint dem heiligen Petrus, Glanz der Engel
Bernardino Cervi, um 1621, Öl auf Leinwand

Die Serie besteht aus vier gleichformatigen Gemälden mit Szenen aus den Evangelien und einem fünften, kleineren Gemälde mit einem Engelskonzert. Sie zählen zu Bernardino Cervis bekanntesten Werken, da sie ursprünglich im Dom neben Guido Renis Altarbild „Christus erscheint der Jungfrau Maria nach der Himmelfahrt“ hingen, welches im Zweiten Weltkrieg in Dresden zerstört wurde. Wie Renis Altarbild wurden auch Cervis Gemälde 1621 von Kanonikus Fabrizio Manzoli für die Familienkapelle in Auftrag gegeben. Sie zeugen vom Einfluss des Meisters, in dessen Werkstatt der junge Bernardino gelernt hatte, und spiegeln zugleich das Erbe des 16. Jahrhunderts wider, das ihm durch die Lehren Bartolomeo Schedonis vermittelt worden war. Quellen berichten von einer lobenden Äußerung Renis gegenüber seinem Schüler: „Es werden Hunderte von Jahren vergehen, bis Modena wieder jemanden sieht, der die Freude am Zeichnen hat wie Bernardo Cervi.“

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Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Antonius Abt und Geminianus (genannt „Madonna der Säule“)
Ein Meister, vergleichbar mit Jacopo di Paolo, frühes 15. Jahrhundert, Tempera auf Holz

Das Gemälde ist als „Madonna der Säule“ bekannt, da es eine Zeit lang im Dom auf dem Altar nahe der Säule gegenüber der Bellincini-Kapelle stand. 1664 wurde es zum Reliquienaltar verlegt und verblieb dort bis zu seiner Demontage 1897. Dort wurde es in einen reich verzierten barocken Rahmen aus geschnitztem und vergoldetem Holz eingesetzt, der als Verschluss diente: Er senkte sich in einen Raum in der Krypta hinab und gab so den Blick auf die Reliquiennische frei – ein eindrucksvoller Effekt. Das an den Seiten eingeschnittene Gemälde zeigt die Madonna mit Kind, rechts flankiert vom Heiligen Geminianus, während links die Anwesenheit des Heiligen Antonius erahnen lässt. Zu Füßen der Jungfrau beten die Stifter, die dank der Inschrift, auf der der Name Pietro de’ Donzi lesbar ist, als Ehepaar Donzi identifiziert werden können. Der Stil des Werkes datiert es ins frühe 15. Jahrhundert: Der Künstler scheint sich an der spätgotischen Formensprache und den neo-giottoischen Einflüssen des Bologneser Malers Jacopo di Paolo orientiert zu haben.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Kreuzigung, 19. Jahrhundert, Schule von Adeodato Malatesta, Öl auf Leinwand
Gespendet von den Erben von Monsignore Antonio Leonelli: Anna, Elena, Eugenio, Paola und Pier Luigi Leonelli

 Duomo di Modena, Juni 2026

Werke für die Liturgie
Die Liturgie ist der Höhepunkt des Wirkens der Kirche und zugleich die Quelle all ihrer Kraft. Sie gründet im Geheimnis der Inkarnation: Wenn Christus den Menschen von der Seele zum Leib erlöst hat, so betet er ihn auch mit Leib und materiellen Gegenständen an. Gesten, Gesänge, Musik, Kleidung und Ausstattungsgegenstände prägen den liturgischen Gottesdienst. Da sie für den Gottesdienst bestimmt sind, bestehen die in diesen Räumen aufbewahrten Werke aus kostbarsten Materialien und seltensten Stoffen. Dazu gehören Kelche, Patenen, Ziborien, Mostrances, Paxes, Reliquiare, Kännchen, der Krummstab und die Messgewänder des Priesters.

Kruzifix: Das Kreuz ist eines der wichtigsten Bilder der christlichen Tradition und von starker Symbolik geprägt. Seine Vertikalität (göttliche Dimension) ist untrennbar mit seiner Horizontalität (menschlichen Dimension) verbunden. Die christliche Tradition fasst in diesem Zeichen das ganze Geheimnis der Heilsgeschichte zusammen, die in Christus, dem Toten und Auferstandenen, ihre Erfüllung findet. Es kann aus verschiedensten Materialien gefertigt sein und unterschiedliche Größen aufweisen. Es kann auf dem Altar platziert, im Altarraum aufgehängt oder bei Prozessionen als Prozessionskreuz an einem Träger befestigt werden.

Kelch: Heiliges Gefäß, das seit der Ausbreitung des Christentums verwendet wird, um Wein während der konsekrierten Liturgie zu konsekrieren, sodass er zum Blut Christi wird. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „calix“, was Becher bedeutet.

Patene: Kleiner Teller, auf den die Hostie im Moment der Kommunion gelegt wird. Sie wird zusammen mit dem Kelch bei der Konsekration verwendet. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „patina“ ab, was Teller oder Schale bedeutet.

Ziborium (Pyx): Kelchförmiges Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien nach der Kommunion. Der Begriff „Terrn“ stammt vom griechischen Wort „pixo“, was Buchsbaum bedeutet. Aus diesem Holz wurden kunstvoll verzierte Kästchen zur Aufbewahrung kostbarer Güter gefertigt.

Pax (Tafel): Auf der Vorderseite ist ein heiliger Scone (ein heiliger Stein) abgebildet, der während der Feier vom Priester geküsst und anschließend den anderen Zelebranten und den Gläubigen zum Küssen angeboten wurde.

Monstranz: Heiliges Objekt zur Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments. Es wird auf dem Altar oder in der Prozession aufgestellt, um den kupcharistischen Segen zu spenden. Trotz der Vielfalt an Formen und Größen besitzt es stets eine goldene Lünette zur Aufnahme der konsekrierten Hostie in einem Glas- oder Kristallgefäß.

Krummstab: Symbol des Amtes von Bischof, Abt oder Äbtissin. Er zeichnet sich durch einen spiralförmig geschwungenen, unterschiedlich verzierten Stab aus. Er besteht aus einem Holz- oder Metallstab, der in drei oder vier Segmente mit mehreren Knoten zerlegt oder zusammengesetzt werden kann. In diese Segmente wird die Spirale bis zur Spitze eingeführt. Symbolisch steht er für den guten Hirten, der seinen verlorenen Schafen nachgeht.

Liturgische Gewänder: Es handelt sich um eine Reihe aufeinander abgestimmter Gewänder und Roben in derselben Farbe, aus demselben Stoff und mit denselben Verzierungen. Sie besteht üblicherweise aus Kasel, Stola, Manipel, Kelch, Schleier, Leibbeutel, Chormantel, Delmatik und Schulterblatt, an die das Antependlium angefügt werden kann.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Messservice, bekannt als das des Pius IX., 1865, Frankreich, Silber, Emaille, Halbedelsteine
Das Service wurde Papst Pius IX. 1865 geschenkt und gelangte 1940 als Geschenk an Erzbischof Cesare Boccoleri nach Modena.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Prozessionskreuz, spätes 17. Jahrhundert, Silber

 Duomo di Modena, Juni 2026

Kasel, Chormantel, Stola, Manipel, Kelchbeutel, Kelchkästchen und Schleier
spätes 18. Jahrhundert, Polychrome Seide, Gold und Silber

 Duomo di Modena, Juni 2026

Heiliger Geminianus, um 1606
Bartolomeo Schedoni, Öl auf Leinwand, Silberrahmen von Giacomo Vincenzi, 1834

 Duomo di Modena, Juni 2026

Antependium mit Bildnis des Heiligen Geminianus, 1831, Giacomo Vincenzi, Silber und Holz

 Duomo di Modena, Juni 2026

Das Altarset des Heiligen Geminianus
Im Mai 1796 musste das Domkapitel das gesamte Silbergeschirr der Kathedrale an die französischen Kommissare abgeben und durfte nur das für den Gottesdienst Notwendige behalten. Daher beschloss man, ein neues Altarset für den Heiligen Geminianus anfertigen zu lassen. Die Ausstattungsgegenstände aus den Jahren 1830 und 1834 wurden bei der Goldschmiedewerkstatt Vincenzi, einer der renommiertesten im Herzogtum Modena, in Auftrag gegeben. Die vier Hängelampen wurden 1831 von der Stadt Modena gestiftet, wie die städtischen Wappen auf den Objekten belegen. Das Altarantependium stammt aus demselben Jahr. Zum Set gehören außerdem sechs sakrale Vasen mit Szenen aus dem Leben des Schutzpatrons und sechs Leuchter, alle entworfen vom Architekten Francesco Vandelli, sowie der Rahmen für das Gemälde des Heiligen Geminianus, der Anfang des 17. Jahrhunderts von Bartolomeo Schedoni geschaffen wurde. Das privat in Auftrag gegebene Gemälde wurde anschließend in der Kathedrale aufgestellt, von wo aus zahlreiche Kopien angefertigt wurden. Es ist die berühmteste Ikone des Heiligen, der hier mit dem Modell der Stadt Modena, seinem häufigsten Attribut, dargestellt ist.

Altarkreuz und Leuchter
Giovanni Battista und Marcantonio Merlini, 1655, Silber, Schiefersockel des Kreuzes
Das Altarkreuz wurde von dem Karmeliterpater Angelo Monesi bei Florentiner Künstlern in Auftrag gegeben und stammt aus der Kirche des Karmeliterordens. Diese wurde nach der Auflösung der Klöster durch Erkolon III. im Jahr 1783 dem Orden entzogen und später der Kathedrale zugeordnet. Die Leuchter ruhen auf drei Füßen, auf denen Voluten mit Engelsbüsten angebracht sind. Diese zeigen Gesichter karmelitischer Heiliger und biblische Gestalten. Zu den erkennbaren Figuren gehören der Evangelist Johannes mit Buch und Adler, die Heilige Barbara mit dem Turm, Maria Magdalena mit ihrem langen, wallenden Haar, der Heilige Paulus mit dem Schwert, der Heilige Josef, der Heilige Petrus mit den Schlüsseln, die Unbefleckte Empfängnis mit der Mondsichel und der Heilige Johannes der Täufer in Pelz gekleidet. Entlang der Schäfte der Leuchter zeigen Knoten und Verzierungen die Köpfe von Cherubim und Schwänen in vollplastischer Form. Das Kreuz hat einen quadratischen Sockel mit einem Flachrelief des Ecce Homo; die Engel an den Seiten halten die Dornenkrone und die Blutphiole. Die beiden Voluten des Schaftes tragen die Figuren der Jungfrau Maria und des Heiligen Johannes, die zum Kruzifix darüber blicken, wo der Erlöser sich vom schwarzen Hintergrund abhebt. Zu beiden Seiten des Kruzifixes ragen zwei Engel aus Füllhörnern hervor: Der eine hält die Schale mit Essig und das Schwert, mit dem Petrus Malchus in Gethsemane das Ohr abschlug, der andere die Geißeln und das Gewand mit den Würfeln. Die Engel am Fuß des Kreuzes halten den Kelch mit dem Blut Christi, während der Engel oben die Inschrift „INRI“ trägt.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Die Bedeutung der Reliquien
Der Begriff Reliquie leitet sich vom lateinischen Verb „relinquo“ (ich lasse) ab und bezeichnet das, was nach dem Tod vom Körper übrig bleibt. Die Reliquienverehrung gründet sich auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod und das Fortwirken des Verstorbenen. Im christlichen Kontext ist ihre Verehrung auf den Glauben an die Auferstehung von Leib und Seele gegründet. Insbesondere die Gebeine der Heiligen bewahren eine Kraft, die Heil spenden kann. Dies erklärt die Notwendigkeit, ihrer Bestattungen zu gedenken, Kirchen über ihren Gräbern zu errichten und ihre geliebten Gebeine in kostbaren Behältnissen, den Reliquiaren, aufzubewahren.

Auch die Schatzkammer des Doms beherbergt einige wertvolle Exemplare. Die Reliquien, die in der Antike im Ghirlandina-Turm aufbewahrt wurden, gelangten im 17. Jahrhundert in die Kathedrale, in eine Kapelle in der oberen nördlichen Apsis, die 1897 vollständig abgerissen wurde. Aus fotografischen Belegen und Dokumenten geht hervor, dass sie mit einem Hebelsystem ausgestattet war, das einen großen Rahmen mit dem Fresko der Madonna der Säule als Vorhang in die darunter liegende Krypta herabließ und so die Reliquien in den Nischen dahinter mit großem szenografischem Effekt enthüllte.

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Reliquienkapelle, vor 1895
Eine der interessantesten Ausprägungen des Reliquienkults in der Neuzeit ist die Errichtung von Reliquienkapellen in vielen Kirchen. Eine der kunstvollsten und spektakulärsten dieser Reliquienkapellen befand sich im Dom von Modena. Sie wurde um 1650 erbaut und 1895 auf Beschluss des Restaurierungskomitees vollständig abgerissen, dessen Ziel die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes des Doms war. Der Architekt Cristoforo Galaverna wurde mit dem Bau der Kapelle beauftragt und erhöhte das Dach der Nordapsis zu einer schwindelerregenden Kuppel, während der Maler Mattia Preti die Wand- und Deckengestaltung übernahm. Im Jahr 1656 wurde der Altar geschnitzt und geweiht. Kurz darauf wurden darauf der große goldene Barockrahmen (heute in der Sakristei) und die „kleine, sehr alte Tafel, die auf goldenem Grund die Heilige Jungfrau mit dem Jesuskind auf dem Schoß darstellt“, besser bekannt als Madonna der Säule, angebracht. Von besonderem Interesse ist der 1700 in Betrieb genommene Mechanismus, der den großen Rahmen mithilfe eines Hebelsystems wie einen Vorhang in die Krypta hinabließ und so die zahlreichen Reliquien in den dahinterliegenden Nischen freilegte. Dadurch wurde die prunkvolle und theatralische Religiosität des Barock eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht.

Reliquiar des Staurotecks ​​(oder des Wahren Kreuzes), 1678, Giovanni Vezzali, Silber

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Arten von Reliquiaren
Reliquiare, wesentliche Bestandteile sakraler Schatzkammern, ermöglichen es den Gläubigen, mit den Heiligen in Kontakt zu treten, sie zu sehen und sogar zu berühren. Die Reliquienverehrung ist, insbesondere im Mittelalter, ein sinnliches und symbolisches Erlebnis, und die Gestaltung der Reliquiare ist darauf ausgerichtet, die Sinne der Gläubigen anzuregen und die Gegenwart des Heiligen zu vermitteln. Daher werden sie aus seltenen und kostbaren Materialien gefertigt und auf vielfältige Weise mit emaillierten, geprägten oder punzierten Darstellungen verziert.

Auch ihre Formen haben sich im Laufe der Zeit je nach Geschmack und Empfindung weiterentwickelt. Zu den ältesten gehören die Capselle, kleine Behältnisse mit Deckel, und die kreuzförmigen Reliquiare wie Staurotheken und Encolpien, kleine Nadeln und tragbare Medaillons. Später wurden sie durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Modellen bereichert: In der Karolingerzeit war das Taschenreliquiar aus kostbarem Stoff oder Metall, manchmal mit einem Riemen versehen, beliebt; In der Romanik tauchen die sogenannten „sprechenden“ Reliquiare auf, oft anthropomorph und mit sichtbarem Inhalt. In der Gotik gibt es Urnen, Kännchen und architektonische Reliquiare in Form eines Gebäudes.

Antependium mit der Darstellung der Geburt Mariens, spätes 17. Jahrhundert, Seide

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Rahmen für das Bild der „Madonna della Piazza“, 1827, Silber
Das Originalfragment aus dem 14. Jahrhundert befand sich ursprünglich an der Südwand des Doms, zwischen der Porta dei Principi und der Porta Regia, und war Teil eines größeren Freskos. Die thronende Madonna mit dem Kind wurde von vier Heiligen, darunter dem Heiligen Geminiano, flankiert, wie aus einer Rekonstruktion in Antonio Rovattis Cronaca aus dem späten 18. Jahrhundert hervorgeht. Das Werk ist auch als „Madonna delle Ortolane“ (Madonna der Gemüsehändler) bekannt, da sich deren Stände auf dem Platz befanden. Das Fresko wurde im späten 18. Jahrhundert zerstört, doch das Bild der Madonna mit Kind wurde aus Andachtsgründen gerettet und auf einem Holzaltar aufgestellt. Es wurde später mehrmals innerhalb des Doms versetzt, bis es seinen heutigen Platz auf dem Statuenaltar im linken Seitenschiff fand.

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Die historischen Restaurierungen des Doms
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts propagierte die europäische Romantik eine allgemeine Wiederentdeckung mittelalterlicher Kunst. Auch der Dom von Modena geriet in den Fokus der Forschung, um seine ursprüngliche romanische Struktur wiederherzustellen: Zwischen dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert wurde eine Restaurierungskampagne gestartet, die darauf abzielte, das Bauwerk von den über die Jahrhunderte angesammelten Aufbauten und Verzierungen zu befreien.

Die bedeutendsten Eingriffe umfassten das Verschließen moderner Öffnungen in der Fassade und den Apsiden, die Entfernung der im Laufe der Zeit angebauten Seitenwände sowie den Bau eines neuen, erhöhten Durchgangs zwischen Sakristei und Turm. Im Inneren wurde der Fußboden abgesenkt, Altäre und Kapellen, einschließlich der Reliquienkapelle, wurden entfernt, und die Apsiden wurden mit Fresken im Stil byzantinischer römischer Mosaiken bemalt. Im Presbyterium wurde der mittelalterliche Lettner restauriert und das moderne Eisengeländer durch die originalen Tafeln mit der Passion Christi ersetzt. Diese Maßnahmen haben maßgeblich dazu beigetragen, ein tiefes Interesse an der Geschichte der Kathedrale und ihrem Erhalt zu wecken und Archäologen, Restauratoren und Künstler zu eingehenden und ernsthaften Studien dieses Monuments anzuregen.

Kapitelle der Kathedralkrypta, 1890–95, Oreste Adani, Bleistift auf Papier

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Die Wandteppiche
Zu den wertvollsten Besitztümern der Kathedrale gehört ein Schatz, der 1593 von Graf Sertorio Sertori gestiftet wurde. In den Stadtchroniken wird er als bedeutender Intellektueller, Kulturliebhaber und Gründer einer literarischen Akademie erwähnt. Sein Vermächtnis an die Kathedrale umfasst etwa zwanzig flämische Wandteppiche aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, von denen keine Repliken bekannt sind. Hinsichtlich ihrer technischen Merkmale, Qualität und Motive lassen sie sich in drei Untergruppen einteilen. Die wertvollsten und am besten erhaltenen sind jene mit Darstellungen der Schöpfungsgeschichte. Gewebt aus kostbaren Woll- und Seidengarnen, in vielfältigen Farben und mit einer breiten Farbpalette, wurden sie in Brüssel gefertigt und tragen das Monogramm des als „Meister des geometrischen Zeichens“ bekannten Teppichwebers. Der figurative Stil offenbart Einflüsse der flämischen Malerei derselben Epoche.
Die beiden anderen Wandteppichserien erzählen die Geschichten Jakobs und Davids; diese beiden Zyklen sind schlecht erhalten. Die Wandteppiche begleiteten das liturgische Leben der Kathedrale über die Jahrhunderte hinweg. Sie hingen in der Nähe der verschiedenen Altäre oder im Presbyterium, boten Schutz vor der Kälte und vermittelten den Gläubigen Unterweisung in der Heiligen Schrift.

Die Sintflut, Manufaktur des Meisters der geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebe aus Wolle und Seide
Der Wandteppich zeigt ein von den Wassern überflutetes Tal, in dem Menschen und Tiere vergeblich versuchen, sich zu retten. Links versucht ein Paar mit Kindern einen Hügel zu erreichen, auf dem zwei weitere Personen und Tiere zu sehen sind; im Vordergrund hebt ein Mann, dessen Kleidung im Wind flattert, eine Frau aus dem Wasser; rechts streckt ein Mann auf einem Baum die Hand nach einer Frau aus, die versucht, herauszuklettern. Im mit Wasser gefüllten Stausee in der Mitte der Szene ertrinken Menschen und Tiere. Im Hintergrund, unter einem regnerischen Himmel, fährt die Arche mit den Tieren, die Noah und seine Familie an Bord genommen haben, davon.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Erfindung der freien und mechanischen Künste, Manufaktur des Meisters der geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebt aus Wolle und Seide
Der Wandteppich veranschaulicht die technologischen und künstlerischen Errungenschaften, mit denen Kain und seine Nachkommen zur Entwicklung der Gesellschaft beitrugen. In Rot gekleidet, ist er im Hintergrund rechts mit dem Bau eines Hauses beschäftigt, gemäß dem biblischen Text, der ihn als Erbauer von Henoch, der ersten Stadt, bezeichnet. Links sind die Schmiede Anhänger Tubalkains, der in der Bibel als Schmied von Kupfer- und Eisenwerkzeugen beschrieben wird. Die Figur in der Mitte mit dem Lorbeerkranz, die Flöte spielt, scheint Jubal zu sein, ein Nachkomme Kains, begleitet von einem als Krieger gekleideten Seetrompeter; die Frau neben ihnen hält ein Notenblatt auf dem Schoß. Der Mann im Löwenfell ist vermutlich Herkules, der in der Szene als derjenige dargestellt wird, der der Menschheit das von Atlas erlernte astronomische Wissen überlieferte. Rechts ist die Figur mit dem Zirkel und dem Lorbeerkranz möglicherweise Euklid oder Pythagoras. Das Werk symbolisiert somit die Entstehung der Künste des Quadriviums (Geometrie, Arithmetik, Musik und Astronomie) sowie einige der daraus hervorgegangenen Tätigkeiten wie Metallverarbeitung, Architektur und Bildhauerei.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Adam und Eva im Garten Eden, Manufaktur des Meisters der Geometrischen Marke
um 1560–1570, Brüssel, Gewebe aus Wolle und Seide
Der Wandteppich zeigt vier Szenen auf mehreren Registern, die den wichtigsten Momenten der Schöpfung der Vorfahren durch Gott und dem darauffolgenden Kampf gegen die Versuchung des Teufels gewidmet sind. Die erste Episode, oben links, zeigt die Erschaffung Evas aus der Rippe des schlafenden Adam; die Erzählung fährt fort mit Eva, die neben dem Baum der Erkenntnis steht und Adam den Apfel anbietet, unter den Blicken Satans in Gestalt einer Schlange mit dem Schnabel eines Raubvogels, die sich an den Stamm klammert. Die in dieser Szene dargestellten Tiere haben eine symbolische Bedeutung: Die Eule steht für die Betäubung der menschlichen Vernunft, die Katze für die Versuchung und der Löwe für den Stolz. Eden wird als ein Ort voller Pflanzen und bewohnt von vielen verschiedenen Tieren wie Pfauen, Einhörnern, Kamelen und Schafen dargestellt. Im Hintergrund wird die Geschichte mit einer seltenen Darstellung Gottes des Vaters fortgesetzt, der den Vorfahren Kleider überreicht; schließlich, auf der rechten Seite, die Szene der Vertreibung aus dem Paradies, am Himmel das flammende Schwert und der Kopf eines Cherubs, der den Baum des Lebens bewacht.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Germano Bertolani - Kathedrale, 1984; Ghirlandina-Turm, 2011
Modelle im Maßstab 1:50 nach Entwürfen von Giancarlo Palazzi aus Ahorn, italienischem Nussbaum und Birnbaumholz

 Duomo di Modena, Juni 2026

Bauphasen (4.–15. Jahrhundert)
Die Geschichte der Gründung und des Baus der Kathedrale ist reichhaltig und komplex und erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Der Bau und die Instandhaltung dieses architektonischen Komplexes wurden bis ins 15. Jahrhundert ununterbrochen fortgesetzt. Dieser komplexe Bauprozess wird in diesem Raum aus drei unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Perspektiven beleuchtet: Stadtplanung, Architektur und Bildhauerei.
Die Rekonstruktion der Karte von Modena zwischen Spätantike und Mittelalter unterstreicht die Bedeutung der Kathedrale als Zentrum der Stadt. Die Zeitleiste veranschaulicht die wichtigsten Bauphasen der Kathedrale und ihres Turms, ordnet sie in den lokalen Kontext ein und vergleicht sie mit den wichtigsten historischen Ereignissen der Epoche. Die Ausstellung originaler Skulpturen und historischer Abgüsse, die während der Restaurierungsarbeiten zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden, präsentiert die drei wichtigsten skulpturalen Phasen des Frühmittelalters, der Wiligel-Zeit und der Campiones-Zeit. Abschließend gibt das Holzmodell die Struktur des Gebäudes und des Turms detailgetreu wieder.

Dom, 1984 und Ghirlandina-Turm, 2011 - Germano Bertolani
Modelle im Maßstab 1:50 nach Zeichnungen von Giancarlo Palazzi, Ahorn-, Nussbaum- und Birnenholz

 Duomo di Modena, Juni 2026

Die Werkzeuge
Die Vitrine präsentiert die wichtigsten Werkzeuge, die auf Baustellen zum Schneiden, Gravieren und Bearbeiten von Stein verwendet wurden. Wie archäologische Funde aus dem Mittelalter an verschiedenen Orten belegen, behielten diese Werkzeuge über Jahrhunderte hinweg ihre Form und Funktion bei, auch wenn sich ihre Bezeichnungen je nach Region änderten. Daher werden neben Kopien antiker Werkzeuge, die mit den gleichen Techniken wie im Mittelalter hergestellt wurden, auch einige Originale aus der Sammlung zum bäuerlichen Leben des Stadtmuseums Modena ausgestellt, die aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert stammen. Werkzeuge lassen sich nach ihrer Verwendung und Konstruktion klassifizieren. Man unterscheidet zwischen Stabwerkzeugen, bestehend aus einem Metallstab mit einer Schneide, die durch Schlag bearbeitet wird (z. B. Meißel), und Axtwerkzeugen mit einem Holzstiel (z. B. Buschhammer). Die bearbeiteten Gesteinsarten unterscheiden sich hingegen je nach Beschaffenheit des Gesteins – sehr hart, hart, halbhart und weich –, aber es ist schwierig, die verwendeten Werkzeuge in Bezug auf die jeweilige Gesteinsart zu definieren.

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Karyatide, spätes 19. Jahrhundert, Gipsabguss des Originals von ca. 1180 (Kathedrale, Lettner)

 Duomo di Modena, Juni 2026

Die Außenwände der Kirche sind mit weißen Marmorplatten verkleidet, zwischen die sich rötliche und graue Steine mischen, weshalb sich ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild ergibt. Das eigentlich tragende Mauerwerk ist Mischmauerwerk aus wiederverwendetem Baumaterial römischer Ruinen. Gegliedert wird die Zierfassade durch Zwerggalerien und Blendarkaden. An den Rückwänden der Zwerggalerien tritt der Backstein zutage. Das prächtige gotische Radfenster auf der Seite des Hauptportals und die zwei aufgesetzten Türmchen sowie die beiden eher schlichten Seitenportale schufen Steinmetze aus Campione. Die Arbeiter aus dem norditalienischen Städtchen bei Lugano waren über Generationen an den Bauarbeiten beteiligt und konnten die Kathedrale 1322 fertigstellen.

In neuerer Zeit wurden an den Portalen drei bronzene Türen eingesetzt. Diese Türen fanden aber nicht die Zustimmung der Mehrheit der Bürger, da sie als zu modern angesehen wurden und keine Harmonie zu der Fassade bestehe. Nach einem Streit auch nationaler Kunstkritiker veranlasste das Domkapitel schließlich, die Bronzetüren wieder durch Holztüren zu ersetzen.

 Duomo di Modena, Juni 2026

Die Fassade der Kathedrale hat bemerkenswerte Reliefs, die von dem Bildhauer Wiligelmus, einem Zeitgenossen von Lanfranco stammen. Diese Reliefs enthalten Porträts von Propheten und Patriarchen, aber auch biblische Geschichten, und stellen erdverbundene Meisterwerke romanischer Skulpturen dar. Wissenschaftler wiesen besonders auf die Darstellung von Adam und Eva, der Erbsünde, des Opfers Kains, das dem Herrn nicht willkommen war, und seiner Tötung durch Lamech sowie der Arche Noah als Symbol der Römischen Kirche hin, ein Bildprogramm, das im Zusammenhang mit der Abwendung von den „Ketzern“ unter dem Gegenpapst Clemens III. steht. Das Fischmarktportal (porta della pescheria) trägt eine andere künstlerische Handschrift und ist mit Szenen aus der Artuslegende geschmückt.

 Duomo di Modena, Juni 2026

 Duomo di Modena, Juni 2026

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

 Duomo di Modena, Juni 2026

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

 Duomo di Modena, Juni 2026

Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

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Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

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Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Grande

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Kathedrale von Modena (Duomo di Modena) und Torre Ghirlandina am Piazza Duomo

 Duomo di Modena, Juni 2026

An der Nordseite des Turmes zur kleinen Piazza Torre, die auf die Via Emilia hinausgeht, hängen drei Tafeln zur Erinnerung mit Fotos der Partisanen aus Modena, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind. Darüber befindet sich eine Inschrift aus dem 19. Jahrhundert. Davor steht ein Denkmal Alessandro Tassonis. Die vom Bildhauer Alessandro Cavazza gefertigte Statue wurde 1860 errichtet.

 Duomo di Modena, Juni 2026



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: