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Schloss Bruck befindet sich im südlichen Osttirol im
Stadtgebiet der Bezirkshauptstadt Lienz. Es ist auf einer Hügelkuppe
erbaut, die sich an den Lienzer Hausberg Hochstein schmiegt. Das
Schloss war der Wohnsitz der Grafen von Görz von etwa 1278 bis zum Jahr
1500. Es besitzt eine Burgkapelle mit Fresken von Simon von Taisten.
Seit dem Jahr 1943 dient es als Museum der Stadt Lienz.
Anlässlich des 100. Todestages von Albin Egger-Lienz widmet sich das
Museum der Stadt Lienz Schloss Bruck sowohl in seiner
Sonderausstellungsfläche als auch im Sammlungsbereich den letzten
Jahren des Wegbereiters der Österreichischen Moderne.

AUSSTELLUNGEN 30.05.-11.10.2026
ICH BIN FERTIG. Albin Egger-Lienz +1926, 13.06.-11.10.2026
mehr als nichts - Fritz Tiefenthaler (Bilder), Fritz Ruprechter (Skulpturen), 30.05.-20.09.2026

Durch das Haupttor und über eine schräg ansteigende Steinbrücke gelangt
man in den langgestreckten Innenhof. An dessen Südwestseite ragt der
sechsgeschoßige, etwa 37 m hohe Bergfried empor. Er ist im Innern über
eine Holzstiege zu besteigen. In seinem zweiten Stockwerk ist ein
romanisches Doppelbogenfenster mit Mittelsäule und Knospenkapitell aus
der Erbauungszeit zu sehen. In der obersten Ebene des Turms befindet
sich eine umlaufende Aussichtsgalerie mit sehr gutem Blick auf Lienz
und die umliegenden Berge. Die Schlosskapelle befindet sich auf der
Südostseite des Hofes.

MUSEUM DER STADT LIENZ SCHLOSS BRUCK
Mitten in den Lienzer Dolomiten am Fuße des Schlossbergs liegt sie, die
mittelalterliche Burg, die einst politisches Zentrum und Residenz der
Görzer Grafen war. Heute ist Schloss Bruck ein vielseitiges Museum für
Groß und Klein und ein beliebtes Ausflugsziel. Der Schlossteich und die
gepflegten Waldwege laden zum Spazieren und Verweilen ein. Das Museum
der Stadt Lienz hat sich in den letzten Jahren aufgrund eines neuen
Ausstellungskonzepts vom traditionellen Osttiroler Heimatmuseum zu
einem zeitgemäßen Ausstellungsort gemausert. Neben den Arbeiten von
Albin Egger-Lienz und archäologischen Fundstücken gibt es jährlich
wechselnde Sonderausstellungen zu sehen.

ICH BIN FERTIG. ALBIN EGGER-LIENZ +1926
Vor hundert Jahren starb Albin Egger-Lienz, der bedeutendste Tiroler
Maler seiner Generation, 58jährig in St. Justina bei Bozen. Sein Werk
zeigt eine ganz eigene, von innerer Konsequenz geprägte Entwicklung.
Schloss der Künstler zu Beginn an die Historien- und Genremalerei Franz
von Defreggers, so erarbeitete er um 1900 seinen charakteristischen
plastisch-monumentalen Stil, der die Basis für sein weiteres Schaffen
wurde. In der Kriegszeit fand er zu außerordentlich expressiven
Symbolbildern von allgemeingültiger Aussage um schließlich zu den
Bildern „zuständlicher Versunkenheit" zu gelangen. Mit diesen
Spätwerken schuf er einen unverwechselbaren Beitrag zur Moderne in
Österreich. Sie stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung.
Als der Maler Leopold Hauer Albin Egger-Lienz kurz vor seinem Tod am
Grünwaldhof in St. Justina besuchte und diesen fragte, woran er jetzt
arbeite, bekam er zur Antwort: „Ich bin fertig." Nicht nur Resignation
und Erschöpfung des von Krankheit gezeichneten Künstlers sprechen aus
diesen Worten, sondern auch das Bewusstsein, gesagt zu haben, was er zu
sagen hatte.
* * *
Albin Egger-Lienz - Ruhende Hirten, um 1918, Öl auf Leinwand

ST. JUSTINIA, so schön, so vollkommen
Albin Egger-Lienz und seine Familie - das sind seine Ehefrau Laura und
die drei Kinder Lorli, Fred und Ila - ließen sich 1913 in St. Justina
bei Bozen nieder. Hier am Grünwaldhof, einem ins 16. Jahrhundert
zurückreichenden Ansitz inmitten der Weinberge, fand der Maler den
idealen Ort zum Leben und Arbeiten, „so schön, so vollkommen, wie er es
bisher nie gekannt" (lla Egger-Lienz).
Die Gründe für die Entscheidung nach der vorzeitigen Niederlegung der
Professur in Weimar hierher zu ziehen waren das für den kränkelnden
Sohn Fred zuträgliche warme Klima und vor allem die besondere Affinität
des Künstlers zu Landschaft und Menschen im südlichen Tirol - wie schon
bei seinem Antipoden Franz von Defregger, der hier eine Villa besaß.
Der Umzug war für Egger-Lienz letztlich Heimkehr, geprägt durch sein
künstlerisches Credo: „Denn gibt es auf der ganzen Welt heute einen
Maler, welcher so tief und so ganz aus seiner Heimat schöpft, aus
seinem Volke wie ich?"
* * *
Albin Egger-Lienz - Madonna mit Kind, 1921, Öl auf Leinwand auf Karton

NEUES LAND, alte Heimat
Trotz prekärer wirtschaftlicher Momente, wiederholter Überlegungen zur
Übersiedlung nach München und dem Angebot für eine Professur an der
Wiener Akademie verblieb Egger-Lienz bis zu seinem Tod in St. Justina.
„Angesichts der, zerstörten Welt' verhält Egger-Lienz sich
elementar-bäuerisch, ist das Vaterland futsch, gilt's, die Heimat zu
retten; ist auch die (größere) Heimat, zerstört', gilt's, das Heimatl'
zu bewahren - das tirolische Diminutiv mag Haus und Hof mit Äckern,
Weinbergen, Wäldern, Almen ebenso bezeichnen wie Heim und Atelier. Und
waren etwa seine Sarner Bauernmodelle nun weniger Tiroler als noch vor
zwei, drei Jahren?" (Claus Gatterer). Hinzuzufügen wäre: Und war der
rote Teppich, den ihm die italienische Kulturpolitik auslegte, nicht
auch ein Argument fürs Bleiben? Italien wurde für Egger-Lienz ein
überaus wichtiges Wirkungsfeld u. a. mit spektakulären Erfolgen auf den
Biennalen von Venedig und Ankäufen durch den italienischen Staat. Im
Kunsthistoriker Giorgio Nicodemi, im Generalsekretär der Biennale von
Venedig Vittorio Pica, im Kunstkritiker Ugo Ojetti und in der
einflussreichen Intellektuellen und Geliebten Mussolinis Margherita
Sarfatti fand er höchst prominente Förderer.
* * *
Albin Egger-Lienz - Sämann und Teufel, 1921, Öl auf Leinwand

DIE BIENNALE von Venedig 1922
Nachdem Egger-Lienz bereits 1907 an den Internationalen
Kunstausstellungen von Venedig (später als Biennalen von Venedig
bezeichnet) teilgenommen hatte, stellte der Maler hier 1920, 1922, 1924
und 1926, nun in der italienischer Sektion, aus. Höhepunkt ist die
Biennale von 1922, als Egger-Lienz einen eigenen Saal erhält und -
zusammen mit dem Bildhauer Adolfo Wildt - den Großen Preis der Stadt
Venedig. Wie ein Pressebericht vermerkt, scheint man damit allerdings
„auch einer guten Politik Rechnung getragen" zu haben. Seine 36 Werke
umfassende Präsentation zeigte einen Querschnitt durch sein bisheriges
Werk, vom frühen Historienbild „Das Kreuz" und dem monumentalen
„Haspinger" bis zu den „Kriegsfrauen" und den wunderbaren um 1920
entstandenen Bozner Landschaften und Porträts der Töchter.
Der Maler sah die Ehrerbietungen lediglich als Begeisterung für sein
Werk, negierte die Intentionen der kulturpolitischen Eingemeindung und
blendete allgemein die politischen Vorkommnisse in Italien, seit Herbst
1922 unter dem Regime des Faschismus, aus. Festzuhalten ist auch, dass
er für viele italienische Rezipienten - zuweilen unter negativem
Vorzeichen - ein „Gotiker aus dem Norden" blieb.
* * *
Albin Egger-Lienz - Totentanz 1809, 1916, Kasein auf Leinwand

Die zweigeschoßige Schlosskapelle mit quadratischem Grundriss hat eine
Rundapsis. Die Wände sind von verschiedenen Künstlern im spätgotischen
Stil reich bemalt. Die Vierzehn Nothelfer in der Apsis und der
Marientod sind Werke des Pustertaler Meisters Simon von Taisten (um
1495). Den Gnadenstuhl im Gewölbe der Rundapsis schuf Nikolaus Kenntner
(1452), die Leidensgeschichte Jesu und das Weltgericht an der Südseite
Andrä Peuerweg (Mitte des 16. Jahrhunderts).

Kapelle zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf Schloss Bruck
Der Architektur, künstlerischen Ausschmückung und Bedeutung nach nimmt
die Burgkapelle innerhalb der Gesamtanlage einen besonderen Platz ein.
In ihrer doppelgeschoßigen Anlage geht sie auf den Gründungsbau der
Burg im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts zurück, also in die Zeit
der Romanik.

Vom künstlerischen Schmuck der Frühzeit haben sich in der Laibung eines
zugemauerten Fensters im Obergeschoß Heiligenfiguren erhalten, von
denen St. Nikolaus und St. Martin erkennbar sind. Der größte Teil der
künstlerischen Ausschmückung entstand in der Zeit der Spätgotik. Das
Fresko „Gnadenstuhl“ in der Apsiswölbung schuf der einheimische Maler
Nikolaus Kenntner im Jahr 1452. Unter Graf Leonhard von Görz erhielt
die Burgkapelle mehr oder weniger das Aussehen, das bis heute
fasziniert und das eine besondere Atmosphäre spürbar werden lässt. In
den 1480er Jahren engagierte der Graf zur Ausschmückung des
Sakralraumes den aus dem Pustertal stammenden Maler Simon von Taisten.
Neben den Freskenzyklen in der Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau
Maria-Schnee in Obermauern (Gemeinde Virgen) zählen die Malereien der
Kapelle von Schloss Bruck zu seinen Hauptwerken. In den Jahren
1560/1580 bereicherte der Lienzer Maler Andrä Peuerweg die
Schlosskapelle mit einem Passionszyklus, den er mit der Darstellung des
Weltgerichts abschloss. Heute ist die Schlosskapelle Mittelpunkt der
Ausstellungs- und Schlossführungen. Brautpaare können sich im
einzigartigen Ambiente standesamtlich trauen lassen.

Albin Egger-Lienz - Haspinger Anno Neun, 1908-1909, Kasein auf Leinwand

Albin Egger-Lienz - Lorli, 1907/1911, Öl auf Leinwand

Albin Egger-Lienz - Generationen, 1918/19, Öl auf Leinwand

Albin Egger-Lienz - Das Kreuz, 1901-1902, Öl auf Leinwand

„...EINES FÜRSTEN WÜRDIG" - Die Görzer Grafen und ihre Residenzburg Schloss Bruck
Bereits im Frühmittelalter siedelten sich mehrere bayerische
Adelsgeschlechter im Süden des Hl. Röm. Reiches an. Eine dieser
Familien, nach dem häufigen Namen ihrer Söhne „Meinhardiner" genannt,
kam durch enge Beziehungen zum Patriarchat von Aquileia in den Besitz
der Burg Görz. Von nun an trugen sie den Titel „comes Goriciae" - Graf
von Görz.
Zwischen 1252 und 1277 errichteten sie in Lienz das Schloss Bruck. Die
Burg diente ihnen nicht nur als Verteidigungsanlage, sondern auch als
Residenz. Ursprünglich aus Bergfried, Palas, zweigeschoßiger Kapelle
und Ringmauer bestehend, wurde der Herrschaftssitz bis in das 16.
Jahrhundert immer wieder verändert und ausgebaut. Von hier aus
verwalteten die Görzer als Reichsfürsten ihre Ländereien, welche vom
heutigen Slowenien über Oberitalien und Kärnten bis nach Tirol reichten.
Als 1500 Graf Leonhard kinderlos verstarb, fiel Schloss Bruck mittels
Erbvertrag an Maximilian I. und damit Habsburg. Die alte Einheit des
görzischen Territoriums wurde zerrissen, die Herrschaft Lienz an die
Familie Wolkenstein-Rodenegg verkauft. Ihnen folgte von 1653 bis 1783
das Haller Damenstift. Nach dessen Aufhebung diente die Burg als
Feldspital, Kaserne, Speditionssitz, Brauerei und Gastbetrieb. 1942
verkaufte die letzte private Besitzerin Schloss Bruck, neue
Schlossherrin wurde die Stadt Lienz. Die ehemalige Fürstenburg wurde
zum Ort der Kunst und darf seit 2006 das Österreichische
Museumsgütesiegel tragen.

BILDER zuständlicher Versunkenheit
Das Schaffen der „italienischen Jahren" von Egger-Lienz blieb von den
politisch-ideologischen Verwerfungen der Zeit unberührt. Aus rein
innerer Gestaltungskonsequenz heraus schwächte er nach den
„Kriegsfrauen" (1918-22) die weit vorangetriebene expressive
Deformation wieder ab und fand zum kontemplativen Stil der
„Gedankenbilder": von „Generationen" und „Tischgebet" bis zum
großartigen Schlusspunkt „Pietà" (1926).
Gleichsam die Summe seiner bisherigen Lebensarbeit ziehend,
verschmolzen nun Expression und Wirklichkeitsnähe, Statik und Bewegung,
räumlich-plastische Formgebung und malerischer Luminarismus zu einer
neuen Einheit. Alles Gewollte und Gesuchte, Klischeehafte und
Effektvolle, das seinen Arbeiten der mittleren Phase mitunter
anhaftete, wandelte sich nun zu größter Selbstverständlichkeit.
Egger-Lienz' ganz eigene Entwicklung im Zeichen der frühen Moderne
erfuhr in seinen letzten „Bildern zuständlicher Versunkenheit" eine
letzte geistige Vertiefung. Eingebunden in ihr schicksalsgeprägtes
Dasein, erscheinen die Gestalten wie entrückt, wie nicht mehr von
dieser Welt, Spiegel sowohl der von religiösem Empfinden getragenen
bäuerlichen Wesensbeschaffenheit als auch der Verinnerlichung, zu
welcher der Maler gelangt war.
* * *
Albin Egger-Lienz - Kriegsfrauen, 1918-22, Öl auf Leinwand

Albin Egger-Lienz - Die Blinden, 1918/19, Öl auf Leinwand

Lois Anvidalfarei (* Abtei/Südtirol 1962) - Ecce homo, 2009/10, Bronze Besitz des Künstlers
Wie bei Albin Egger-Lienz steht auch beim Bildhauer Lois Anvidalfarei
die menschliche Figur im Mittelpunkt des Schaffens. Und wenn Egger
feststellt, „Ich male keine Bauern, sondern Formen", so gilt dies in
abgewandelter Weise auch für Anvidalfarei. Ungewöhnliche
Körperhaltungen und Perspektiven bringen den Formenreichtum und die
abstrakten künstlerischen Qualitäten der menschlichen Figur zum
Ausdruck. Zugleich geht es in den Skulpturen wiederum um symbolische
Inhalte und existentielle Fragen: Ecce homo (Siehe, der Mensch). Woher
kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

DIE KRIEGERGEDÄCHTNISKAPELLE in Lienz
Die feierliche Einweihung des neuen Bezirkskriegerdenkmals bei der Lienzer Stadtpfarrkirche St.
Andrä am 8. September 1925 durch Bischof Sigismund Waitz und in
Anwesenheit von Bundespräsident Michael Hainisch, Landeshauptmann Franz
Stumpf sowie an die 10.000 Menschen erinnerte an die Opfer des Ersten
Weltkriegs aus dem Bezirk Lienz. Es sollte aber auch für „Osttirol" in
den jetzigen Grenzen ohne die (nunmehr italienischen) Gemeinden um
Innichen und Sexten identitätsstiftend sein. Der Architekt des
Ensembles war Clemens Holzmeister, Albin Egger-Lienz stattete die
eigens konzipierte Kapelle mit einem vierteiligen Bilderzyklus aus.
Aber seine eigenwillige Darstellung des auferstandenen Christus führte
zum Eklat mit der katholischen Kirche und mündete im Verbot von
Gottesdiensten in der Kapelle durch den Vatikan 1926 (bis 1983/87).
Egger-Lienz verstarb im November 1926 und fand ein Jahr später seine
letzte Ruhe in derselben Kapelle.

Albin Egger-Lienz - Der tote Christus, 1926, Öl auf Leinwand

PIETÀ
Die „Pietà" ist das letzte Thema, mit dem sich Egger-Lienz beschäftigt
und die konsequenteste Umsetzung seines künstlerischen Wollens, eine
letzte Verdichtung von Form und Inhalt. Ikonografisch entspricht das
Bild mehr der Tradition der „Beweinung", denn es sind drei Frauen, die
am auf einem Tisch aufgebahrten Leichnam Christi Totenwache halten.
Ihre Trauer ist jedoch ganz verhalten und vielmehr der Gewissheit
gewichen, dass der Tod des Mannes aus Nazareth ihrem Leben den
entscheidenden Sinn gibt. Bei der verkürzten Christusfigur ließ sich
Egger-Lienz von zwei großen italienischen Malern inspirieren: Andrea
Mantegna (1431-1506) und Giovanni Segantini (1858 1899).
„Den Substanzreichtum der, Pietà", bekundet Rudolf Leopold in einem
Interview, „könnte man am ehesten mit Bildern des frühen Picasso
vergleichen. Auch wenn dieser Künstler [...] in seiner Rosa Periode'
zeitlich früher daran war, erreichte Egger-Lienz in diesem Bild noch
einen größeren Substanzreichtum. Die „Pietà" hing direkt über dem Bett
des großen Sammlers. 14 Jahre nachdem er es nach Gründung der Stiftung
Leopold dort abnahm, „hängen die Schnüre und Haken der damaligen
Befestigung noch immer leer herunter. Ich habe noch kein Bild gefunden,
das dieses ersetzen könnte."
* * *
Albin Egger-Lienz - Pietà, 1926, Öl auf Leinwand

Andreas Kompatscher - Totenmaske von Albin Egger-Lienz, 1926, Gips

Am 17. März 1942 unterschrieb der damalige Lienzer Bürgermeister Emil
Winkler den Kaufvertrag für das Schloss Bruck, das am 13. Juni des
Folgejahres – noch mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs –
erstmals als Osttiroler Heimathaus eröffnet wurde. Der Museumsbetrieb
währte allerdings nur kurz und musste kriegsbedingt nach vier Monaten
wieder eingestellt werden.

Nach der Wiedereröffnung 1945 war dann mit wenigen Abstrichen der
gesamte breitgefächerte Bestand an Objekten bis 1998 und damit bis zur
Neuausrichtung des Museumskonzepts zu sehen. Ein Haupaugenmerk der
Ausstellungskonzipierung ist seither auf der mittelalterliche
Burganlage selbst gerichtet. Schloss Bruck und seine Geschichte sind
immer wieder Bestandteil von Sonderschauen. Einen weiteren Schwerpunkt
bilden die Arbeiten von Albin Egger-Lienz, die permanent sowohl in
einer Dauer- als auch in verschiedenen hochkarätigen
Sonderausstellungen präsentiert und dem Besucher aus verschiedenen
Blickwinkeln näher gebracht werden.
Der Sammlungsbestand des ehemaligen Heimatmuseums wird heute im Rahmen
von jährlich wechselnden Themenausstellungen gezeigt. Seit 2013, nach
dem Umbau der ehemaligen Archäologischen Abteilung im Westtrakt der
Burg, stehen neben dem Bergfried nun weitere Räumlichkeiten für die
Präsentation zeitgenössischer Kunst, der Geschichte der Region und
kleineren Ausstellungen aus dem Museumsbestand zur Verfügung.

„... eines Fürsten würdig...", so charakterisierte der Tiroler
Topograph Beda Weber Schloss Bruck. Seit über 750 Jahren thront,
wuchtig und schlicht zugleich, die von den Görzer Grafen erbaute Burg
hoch über der Stadt Lienz – und bietet eine überraschende Vielfalt.
Ihre Mauern waren einst Machtsymbol und Wohnsitz der Görzer Grafen.

Die hauseigene Sammlung von Schloss Bruck lässt sich in vier große
Schwerpunktbereiche gliedern: Zum einen die Kunstsammlung mit Gemälden,
grafischen und plastischen Arbeiten aus über fünf Jahrhunderten - vom
gotischen Flügelaltar bis zu Bildern und Plastiken heimischer
zeitgenössischer KünstlerInnen. Der Sammlungsschwerpunkt bei
archäologischen Objekten liegt bei ur- und frühgeschichtlichen Funden
aus Osttirol und den Originalobjekten aus den Grabungen des 20. Jhd. in
der einzigen Römerstadt Tirols, Aguntum. Dieser Sammlungskomplex wurde
2011 an das Museum Aguntum abgegeben.
Zum dritten zählen eine Vielzahl an Objekten aus der Osttiroler
Volkskunde (etwa Webstühle, Truhen, Trachten uvm.), so genannter
"Volkskunst" (Votivbilder, Brautschmuck etc.) und Kunstgewerbe zum
Museumsbestand. Und nicht zuletzt umfasst die Sammlung auch eine
naturkundliche Abteilung mit Tierpräparaten, seltenen Mineralien u.ä.
Objekte aus dem Schloss Brucker Sammlungsbestand sind im Haus immer
wieder in wechselnden Sonderausstellungen zu sehen - sie gehen aber
auch als Leihgaben auf Reisen durch ganz Europa. Derzeit wird an der
digitalen Erfassung und Vernetzung aller Sammlungsobjekte gearbeitet.

Peter Niedertscheider - BILDZEITRAUM III
Die klassische Aktfigur hat ihren Ursprung in der griechischen
Bildhauerei, und es ist nur konsequent, wenn Peter Niedertscheider sich
mit jener Tradition auseinandersetzt, die auch unsere heutige, in
unzähligen Spielarten zwar ständig präsente, doch kaum mehr
reflektierte Alltagsvorstellung hervorgebracht hat. Die antike Theorie
schreibt den ideal proportionierten menschlichen Körper Polyklet zu und
datiert ihn ins 5. Jahrhundert v. Chr. Ihm fügten im 4. Jahrhundert v.
Chr. Praxiteles die Grazie und Lysipp einen unübertroffenen
Naturalismus hinzu. Damit war das Ziel der Entwicklung erreicht und
alles, das folgte, entweder Wiederholung oder maßlose Übertreibung.
Der italienische Kunstschriftsteller, Maler und Baumeister Giorgio
Vasari wendet im 16. Jahrhundert diesen Entwicklungsgedanken auf die
italienische Renaissance an, die mit Michelangelo ihren Gipfel
erreicht. Die Forderung nach Allansichtigkeit einer Skulptur durch die
Michelangelo-Nachfolge sowie Gotthold Ephraim Lessings Gedanken über
das Davor und Danach des im Standbild eingefrorenen Augenblickes
verknüpfen unwiderruflich Zeit, Raum und Betrachtung mit dem
Zustandekommen von Kunst.

Selbstverständlich ist Peter Niedertscheider weder ein klassischer noch
ein klassizistischer, sondern eben ein zeitgenössischer Bildhauer. Rein
äußerlich schlägt sich diese Tatsache in der Wahl eines
zeitgenössischen Materials nieder. Polyester ermöglicht dem Künstler,
der die Bearbeitung von Marmor ebenso virtuos beherrscht, eine ungleich
raschere Herstellung seiner Bildgegenstände.
Dadurch wird auf die vom klassischen Gegenstand erwartete Aura
verzichtet und das Standbild auf seine Dinghaftigkeit zurückgeworfen.
Die Aufgabe, das Kunstding zum Kunstwerk zu machen, wird an den
Betrachter delegiert. In der Performance, als deren Requisiten die
Figuren konzipiert sind, fallen Her-Stellung (als ein Stellen,
Verstellen, Verschieben) und Betrachtung quasi zusammen. Die Skulpturen
definieren ihren Ort in einem potentiell endlosen Prozess, die
Dokumentation des Augenblickes durch Video-Still und Fotografie gibt
dem Begriff des Standbildes einen ganz neuen Sinn.

mehr als nichts
Bereits während der Studienzeit in den Niederlanden in den
1970er-Jahren begann Fritz Ruprechter sich mit der Grundsätzlichkeit
einer auf japanischem Zen-Buddhismus beruhenden Lebensweise auseinander
zu setzen. Zeitgleich und mit ebensolcher Konsequenz bewirkte die
sowohl bildnerische wie musikalische Offenheit Ruprechters gegenüber
der Moderne, die er im Kontext der amerikanischen und europäischen
Avantgarde authentisch miterlebte, die stilistische Prägung seines
Kunstwollens für die folgenden Jahrzehnte. Die mit Überzeugung rational
ebenso wie spirituell gelebte Einsicht ist allgegenwärtiger und
unverrückbarer Teil seines Naturells als Mensch und als Künstler
geworden. Intellektuell Prinzipielles manifestiert sich im künstlerisch
selbstbeherrschten Akt des manuellen Tuns gleichermaßen konstant und
notwendig wie die inhaltlich nicht im Geringsten mit Figuralem
assoziierte Bildgestaltung. Bestechend und eindringlich frei von
Ornamentik oder Manierismen vermag Fritz Ruprechters Bildgestaltung uns
im Sinn konkret-konstruktiver Kunst frei von Abstraktionen zu berühren.
Seine meistens seriell angelegte Werkgruppen entstehen nur manchmal
inhaltsbezogen, viel mehr sind sie zeit- und geneseorientiert.
In den prozesshaften Arbeitsabläufen, wie dem Streifenschneiden,
Kleben, Linieren mit Stiften, Aquarellieren, Wachsen, Ritzen, Lackieren
oder eben Falten von Papieren entstehen förmlich strukturelle Gebilde
mit raumgreifendem Anspruch. Das rhythmisierte Versetzen der exakt
geschnittenen Längsstreifen, die je nach Werkzyklus mit
unterschiedlichen Winkelmaßen enden, geschieht dennoch weder
mathematisch induziert noch entstehen diese linearen Einheiten zufällig
oder gar unbewusst. Und dennoch lassen die Wahl der Farbe und die
zarten Nuancierungen Impulsives erahnen. Licht, Linien und Schatten,
ebenso Aufsicht und Durchscheinendes erweitern das strukturelle
Raumempfinden um eine zusätzliche, vom Künstler sensibel und dennoch
offensiv konstruierte Oberflächenebene. Denn das Licht umspielt ob
seiner Vergänglichkeit und Wirkkraft jeden Farbauftrag, jede Diagonale,
jedes Faltgebilde und somit jegliche künstlerisch und schlussendlich
für unsere Wahrnehmung erfahrbare Textur. Fritz Ruprechter überträgt
nun seine Modelle in die sprachliche Konstruktion des mehr als nichts",
um auf das „Nichts" mit einem formal und inhaltlich substantiellen
„Mehr" in seinem Bildwerk zu reagieren. Was wir sehen, denken und
empfinden trägt jedoch gleichsam zu diesem Mehr bei. [Dr. Eleonora
Bliem-Scolari]

Fritz Ruprechter - ever tried, ever failed, 1. August 2006 - 31. Juli 2007, 365 Aquarelle, gewachst, gefaltet

Fritz Ruprechter - An einem Nebeltag – Homage to Agnes Martin, 2004, 30-teilig, Wachs auf Aquarell auf Karton auf Holz

FRITZ TIEFENTHALER
Fritz Tiefenthaler (1929-2010) war Student bei Wotruba, hat ihn als
Bildhauer sehr geschätzt, als Lehrer aber stark kritisiert und fand
eine ganz eigene Formensprache. Er blieb zeit seines Lebens im
klassischen Sinn der menschlichen Figur verpflichtet, im Sinne der
Moderne erarbeitete er aber Abstraktionen, die in seinen letzten drei
Schaffensphasen hier exemplarisch präsentiert werden. Die Phase der
1970er-Jahre ist gekennzeichnet durch seine „fossilen Entdeckungen",
die in seinen Worten 1976 so charakterisiert sind: „Ich verstehe meine
speziell in letzter Zeit entstandenen Plastiken als Entdeckungen.
Entdeckungen bieten naturgemäß immer Überraschungen, hier gesteigert
durch die Mittel der Inversion, also der Umkehr von gewohnten
Erscheinungswerten. Jede Plastik ist von ihrer Entstehungsmethodik her
gesehen zwangsläufig eine Expedition ins Innere."
In den 80er-Jahren entwickelt er eine einzigartige Formensprache
strengster Abstraktion, die zu beeindruckenden Menschenbildern und der
Untersuchung grundlegender Haltungen wie Stehen, Sitzen, Liegen führt.
Klassische Motive wie das Herrscherpaar (vgl. ägyptische
Pharaonenpaar-Darstellungen und „Das letzte Königspaar") und
Grabplatten des Mittelalters und der Frührenaissance (vgl. die
Paar-Grabplatte in der Stadtpfarrkirche St. Andrä in Lienz und „Der
letzte Sarkophag") zeigen Tiefenthaler in Kontakt mit der gesamten
Kunstgeschichte der Skulptur. Tiefenthaler schreibt 1988: „[...] sich
auf das 'Innen', das Erlebte und erarbeitete 'Selbst' zu konzentrieren,
bestimmen in dieser aufgezeigten Arbeitsperiode Thema und Form; [...]
die Plastik als reflektierte Enderscheinung, eine Symbiose von geistig,
psychisch Erlebten und Volumen." In seiner letzten Schaffensphase
erweitert er seine bislang erarbeitete Abstraktionssprache um reiche,
barockartige Bewegungswelten und zeigt seine Virtuosität im Umgang mit
komplexen Formen. In dieser Phase erarbeitet er sich auch Zugang zu
zeitkritischen Themen wie beispielsweise die atomare Bedrohung und
genetische Fehlmutationen (s. 'Kuh' und 'Stier von Seibersdorf')
[Martin Tiefenthaler]
1929 geboren am 2. September in Matrei in Osttirol
1944 Meisterschule Graz
1949 Akademie der bildenden
Künste in Wien in der Meisterklasse von Fritz Wotruba, Mitarbeiter von
Heinz Leinfellner und Clemens Holzmeister
1959 Lehrbeauftragter an der Akademie für angewandte Kunst in Wien
1970-1992 Professor für Formgebung, Keramikklasse Hochschule für angewandte Kunst in Wien
Freiberufliche Tätigkeit als Bildhauer ab 1952, Auftragsarbeiten im In-
und Ausland (Plastiken, Reliefe, Denkmäler, Münzen), Teilnahme an
Wettbewerben und Symposien
2010 gestorben am 11. März in Wien
* * *
Fossile Entdeckung VIII, Das Paar, Bronze, 1975
O. T., Bronze, 1990
Fossile Entdeckung IV, Bronze, 1974
Liegende, Eisen, 1986
Das letzte Königspaar, Eisen, 1987
Der letzte Sarkophag, Eisen, 1987, Vorstudie zur Großplastik
Sitzende, Eisen, 1987
Homo VII, II, III, Eisen, 1985/89
Homo VI, die Diagonale, Eisen, 1986

FRITZ RUPRECHTER
1950 geboren in Matrei in Osttirol
1972 Universität (vormals Hochschule) für angewandte Kunst in Wien
1973 Akademie Minerva, Groningen/Niederlande
1975 School of Art, Cork/Irland
1977 Auslandsstipendium in Ägypten
1978 Förderpreis der Stadt Wien
1978 Mitglied bei den Musikgruppen „laut Vereinbarung und „lauter Männer"
1986-2010 Studien-Aufenthalte in Japan und Südamerika, gemeinsam mit der Ethnologin und Linguistin Friedl Paz Grünberg
2007 „Artist in Residence", Santiago de Chile/Chile
2011 Preis „Schönstes Buch Österreichs", Viel/Falten
2014 Kunstpreis des Landes Niederösterreich
Lebt und arbeitet seit 1982 im Ökotopischen Zentrum Maria Lanzendorf in
Niederösterreich. Seit Ende der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart
nationale und internationale Ausstellungsaktivität, vielfach im
künstlerischen Austausch mit Architektinnen, Fotografinnen oder
MusikerInnen. Gestaltungsbetonte Buchprojekte begleiten oftmals seine
Werkzyklen.
* * *
Fritz Ruprechter - Zwei Grün 1+2, 2005, Aquarell gewachst auf Hartfaser


MUSEUM SCHLOSS BRUCK
ZWISCHEN 1250/1277 ALS RESIDENZSCHLOSS DER GRAFEN VON GÖRZ ERBAUT, BIS
ZUM AUSSTERBEN DER DYNASTIE (1500) REGIERUNGSSITZ DER LANDESFÜRSTEN
(AUSNAHME 1460/62). SPÄTER UNTER DEN FREIHERREN BZW. GRAFEN VON
WOLKENSTEIN-RODENEGG UND DEM KÖNIGL. DAMENSTIFT VON HALL
LT.-VERWALTUNGSSITZ DER HERRSCHAFT LIENZ. 1796 MILITÄRSPITAL, SPÄTER
KASERNE, SEIT 1827 IN PRIVATBESITZ (SPEDITION, BRAUEREI,
GASTWIRTSCHAFT), KAUF, RESTAURIERUNG UND ADAPTIERUNG ZUM
BEZIRKSHEIMATMUSEUM VON OSTTIROL DURCH DIE STADT LIENZ 1942/43.

Die ältesten Funde, darunter zwei Beile aus Kupfer oder Bronze, die auf
die Besiedlung der Umgebung des Schlossbergs hinweisen, sind ca. 3000
Jahre alt. Das Schloss Bruck wurde in den Jahren 1252 bis 1277 von den
Görzer Grafen errichtet und diente ihnen bis ins Jahr 1500 als
Wohnsitz. Als im selben Jahr der letzte Görzer Graf Leonhard von Görz
kinderlos starb, fielen seine gesamten Besitzungen, darunter auch
Schloss Bruck, König Maximilian I., dem späteren Kaiser zu, der es mit
der Grafschaft Tirol vereinigte. Nach einer kurzen Besitzzeit durch
Virgil von Graben verkaufte Maximilian am 10. August 1501 dem Freiherrn
Michael von Wolkenstein-Rodenegg die Herrschaft Lienz einschließlich
des Schlosses für 22.000 Gulden auf „ewige Rücklösung“. Die Freiherren
blieben bis ca. 1608 im Schloss. Die Brüder Sigmund und Christoph von
Wolkenstein-Rodenegg erbauten in den Jahren von 1606 bis 1608 aufgrund
der Kälte im Schloss die Liebburg am heutigen Hauptplatz der Stadt
Lienz als Wohnschloss. Von 1796 bis zur Besetzung der Stadt durch
Truppen der Französischen Republik unter General Joubert im Jahr 1797
wurde Schloss Bruck als Kaserne genutzt. In den darauffolgenden Jahren
befand es sich im Privatbesitz und diente als Gasthaus, Brauerei und
Spedition. Am 13. Juni 1943 wurde im Schloss Bruck das Heimatmuseum des
Bezirks Osttirol eröffnet.

Heute ist das Schloss ein Museum der Stadt Lienz und beherbergt viele
Bilder des aus Lienz stammenden Malers Albin Egger-Lienz. Es werden
immer wieder auch Kunstausstellungen und Themenausstellungen (z. B. die
Landesausstellung 2000, die Osttirol, Brixen und Trentino umfasste)
durchgeführt (siehe die Auswahl an gezeigten Ausstellungen unten). Die
Umgebung des Schlosses mit dem malerischen Wäldchen um einen kleinen
Teich nahe dem Tor ist ein beliebtes Gebiet für Spaziergänge und
Ausgangspunkt vieler Wanderwege. Das Schloss ist von Mitte Mai bis Ende
Oktober geöffnet. 2007 erhielt das Museum den Tiroler Museumspreis.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: